Das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Blick in Richtung des einstigen, aber längst nicht mehr als Geländeerhöhung erkennbaren "Judenbergs" in Köln-Eil (2023). Im Vordergrund das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Blick in Richtung des einstigen, aber längst nicht mehr als Geländeerhöhung erkennbaren "Judenbergs" in Köln-Eil (2023). Im Vordergrund das Gelände der früheren Sprengstoff- und Zünderfabrik an der Frankfurter Straße in Köln-Eil, später NS-Schutzhaftlager "Am Hochkreuz" nach dem Abriss der verbliebenen Bauten im Frühjahr 2023.
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Das als Kölner Dynamitfabrik Gebrüder Krebs & Compagnie am Hochkreuz in Eil gegründete Werk nahm 1872 seinen Betrieb auf und war bereits im Folgejahr eine der größten deutschen Dynamitfabriken überhaupt. Spätestens ab 1876 stand der Betrieb als Kölner Dynamitfabrik Küppersteg unter Leitung der Rheinischen Dynamitfabrik Opladen. Mit verschiedenen Unterbrechungen wurde hier bis 1901 Sprengstoff produziert.
Gründung und frühe Unternehmensgeschichte Den umfassenden Recherchen des Leichlinger Sprengstoffexperten Friedrich Trimborn zufolge, nahm Werk als Kölner Dynamitfabrik Gebr. Krebs & Cie. im Jahr 1872 seinen Betrieb auf. Die Fabrik war mit Nitriereinrichtungen ausgestattet (Nitrieren bzw. Nitridieren bezeichnet ein Verfahren zur Härtung von Stahl unter Verwendung von Stickstoff, das später auch militärische Anwendung bei der Fertigung von Geschützrohren fand). Spätestens ab 1876 stand der Betrieb dann als Kölner Dynamitfabrik Küppersteg unter Leitung der Rheinischen Dynamitfabrik Opladen. Aus Gründen der Sicherheit und zum Schutz des Straßenverkehrs auf der nach Mülheim führenden Chausseestraße, war das Eiler Werk von einem sieben Meter hohen Erdwall umgeben. Bereits 1873 führte die Fabrik 60 Beschäftigte und galt damit damit als eine der größten deutschen Dynamitfabriken. Das Unternehmen verfügte über einen eigenen Dynamithafen am Rhein, den so genannten „Polverletsch“.
Ausgelöst durch die 1866 erfolgte Entdeckung des revolutionären Explosivstoffs Dynamit durch Alfred Nobel (1833-1896), hatte in den 1870/80ern weltweit ein regelrechter Dynamit-Boom eingesetzt, der auch im Rheinland über zahlreiche neu entstandene Sprengstoff-Fabriken seine Früchte trug. Die gnadenlose Konkurrenz resultierte in unerbittlichen Preiskämpfen. Alleine die mächtige Nobel-Gruppe unter der Alfred Nobel & Co. (später Dynamit AG bzw. DAG) und die Opladener Dynamitfabrik fochten dabei um jährliche Überkapazitäten von 6.000 Tonnen Dynamit (Trimborn 2002). Dies hatte 1879 sogar die zeitweise Stilllegung der Eiler Fabrik mit seinerzeit 49 Beschäftigten zur Folge, bevor diese 1880 über eine mit der Vereinigte Rheinisch-Westfälische Pulverfabriken AG (RWP mit Hauptsitz in Köln) geschlossene Preiskonvention mit 20 Beschäftigten wieder die Produktion von Nitroglycerin-Ammonnitrat-Sprengstoffen (Ammongelite) aufnahm. Im Jahr 1884 schlossen sich schließlich die größten deutschen Produzenten unter Führung der DAG zu einem Kartell zusammen, das den Wettbewerb untereinander unterband (zu diesem „Pulverkartell“ vgl. hier).
Bis 1882 war in Eil der in der Branche sehr umtriebige Sprengstoffchemiker und Industrielle Dr. Carl Max Hermann Bielefeldt (1854-1927) als Geschäftsführer bzw. Werkleiter tätig. Bielefeldt wirkte im Rheinland u.a. ab 1889 als Konzessionär des Werks der Deutsche Sprengkapselfabrik AG in Dellbrück und zugleich Geschäftsführer der zur Deutsche Sprengstoff AG (DSAG) gehörenden und von ihm gegründeten Dynamitfabrik Wahn (Trimborn 2002).
Übernahmen und Umfirmierungen ab um 1883 Aufgrund zahlreicher Verflechtungen der Sprengstoffproduzenten durch gegenseitige Beteiligungen, zahlreichen (sowohl erfolgten wie auch gescheiterten) Fusionen und Firmenübernahmen, damit einhergehenden Umbennenungen sowie dem Aufgehen vieler Unternehmen im Syndikat einer Deutschen Union bzw. später im Nobel-Trust, wird die Geschichte der Eiler Dynamitfabrik dann unübersichtlich. Offenbar gingen die Umstruktierungen in Eil nicht ganz reibungslos vonstatten. So machten die ursprünglichen Eigentümer der Gebr. Krebs & Cie. in einer Anzeige in der Kölnischen Zeitung vom 26. Februar 1883 unmissverständlich klar: „Um in letzterer Zeit mehrfach vorgekommene Verwechselungen zu verhüten, machen wir hiermit darauf aufmerksam, daß Herr J. Engels aus jedem Verhältnisse zu der Fabrik der Firma Gebr. Krebs & Cie. bei Kalk ausgeschieden ist, daß der Betrieb dieser Fabrik unter anderer Leitung unverändert fortgesetzt wird und daß zwischen dieser Fabrik und dem Etablissement der Herren Cahn und Wippermann zu Hochkreuz bei Eil keinerlei Verbindung besteht. Köln, im Februar 1883. Für Gebr. Krebs & Cie. die Verwaltung.“
Am 26. September 1883 wird ebendort als Neueintragung in das Handelsregister unter der Nr. 2523 verkündet: „… die Actien-Gesellschaft unter der Firma: 'Coelner Dynamitfabrik', welche ihren Sitz in Eil bei Köln hat und welche auf Grund eines vor Notar Frenz zu Köln am 18. September 1883 vollzogenen Gesellschafts-Vertrages (Statuts) errichtet worden ist. Gegenstand der Unternehmung ist die Fabrication, sowie der An- und Verkauf von allen Sorten Dynamit und allen sonstigen Sprengmaterialien, der erforderlichen Rohmaterialien und aller einschlagenden Artikel, sowie der Erwerb der zur Erreichung des vorgedachten Zweckes dienlichen Anlagen, sei es allein oder in Verbindung mit anderen Personen und Gesellschaften. Die Dauer der Gesellschaft ist unbegrenzt, das Grundcapital der Gesellschaft beträgt Einhundert fünfund fünfzigtausend Mark, eingeteilt in dreihundertzehn auf den Inhaber lautende Actien, jede von fünfhundert Mark. …“ Als erster Vorstand werden der Kölner Bankdirektor Albrecht Schlitte und der Kalker Kaufmann Joseph Hennes genannt. Dem Porz-Wiki zufolge habe der vorab genannte Dr. Max Bielefeldt im Januar 1884 Albrecht Schlitte abgelöst (porzerleben.de).
1885 wird das Unternehmen dann als nicht mehr eigenständig und „nicht produzierend“ geführt. Es kam 1886 an die Rheinisch Westfälische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (RWS), welche wiederum seit 1886 bei Troisdorf die Zündhütchenfabrik „Züfa“ führte (Trimborn 2002). Das Porz-Wiki führt dazu ferner an, dass die Generalversammlung der Coelner Dynamitfabrik AG das Werk bereits im Dezember 1885 verpachtet habe, bevor die RWS es 1886 übernahm.
Wie in den meisten anderen Sprengstofffabriken, ereignete sich auch in Eil ein Explosionsunglück, das jedoch relativ glimpflich ausging. Am Morgen des 22. Juli 1885 erfolgte um 10 Uhr eine gewaltige Detonation, sich durch das Entweichen von Salpetersäure angekündigt hatte. Es gab zwar erheblichem Sachschaden, aber zum Glück waren keine Toten oder Verletzten zu beklagen (porzerleben.de).
Im Jahr 1892 erscheint die Eiler Dynamitfabrik dann in der Einnahmebilanz einer Dresdner Dynamitfabrik, an die sie vermutlich im Rahmen des Kartells verkauft worden war. 1893 wird für das Firmengelände eine Fläche von 27.874 Quadratmeter angegeben, von denen 1.490 einstöckig bebaut sind. 1894 gehört das Werk dann offenbar zu der Kölner Dynamitfabrik Kalk, wobei unklar bleibt, ob die Eiler Fabrik damals lediglich „als Vorhaltekapazität des Sprengstoffkartells instand gehalten werden sollte“ oder ob das Werk für diese wieder produzierte (Trimborn 2002).
Zu einer Explosion zweier Dynamitschiffe am Niederrhein bei Emmerich wird angeführt, dass diese von Eil oder Wahn aus an dem Hafen „de Polverletsch“ beladen worden seien (ebd.). Das Porz-Wiki berichtet zu dem tragischen Unglück mit der Kölnischen Zeitung vom 21. März 1895: „Am 19. März 1895 starben gegen 18:30 Uhr abends die fünf Porzer Schiffer Matthias Küchenberg, Hubert Küchenberg, Maththias Zündorf (*1855), Joseph Krantz sowie Heinrich Diest in ihrer Tätigkeit als Pulverlader bei Emmerich am Rhein. Sieben kleine Schiffe hatten Anfang Februar von Porz kommend bei Keeken vor dem Eisgang Schutz gesucht und mussten im Februar auf Befehl der Polizeibehörde ihre Ladung löschen und auf einen Lagerplatz zu bringen. Die Ladung bestand aus insgesamt 7.500 Kisten mit je 25 Kilogramm Dynamit und war für die damalige Burenrepublik Transvaal in Südafrika bestimmt. Auf dem eisfreien Rhein sollten drei Schiffe das Dynamit nun weiter transportieren. Beim erneuten Verladen, auch durch im Akkord bezahlte ungeschulte Arbeiter, wurde nicht mit der notwendigen Umsicht vorgegangen und so explodierten auf dem halb beladenen Schiff Elisabeth 800 Kisten Dynamit. Dabei wurden 13 Personen getötet und auch das Schiff De Hoop zerstört. In 2 km Umkreis beschädigte die Druckwelle der Explosion Türen und Fenster.“
Zum Ende der Eiler Fabrik führt Trimborn (2002) an, dass diese zum 18. September 1901 von Opladen aus außerbetrieb gesetzt wurde und der Firmensitz zum 11. November des gleichen Jahres unter Umwandlung der Kölner Dynamitfabrik Kalk in eine reine Vermögensgesellschaft mit dieser zusammengelegt wurde. „Die 'sich in gutem Bauzustand befindende' Fabrik in Eil wurde als Lager genutzt“ (ebd.)
Die Zeit nach der Schließung der Dynamitfabrik 1901 Nach knapp einem Jahrzehnt ohne die Produktion von Sprengstoff in Eil nahm 1910 die Zündkapselfabrik Bartsch & Real in der von ihr gepachteten vormaligen Dynamitfabrik bis 1927 die Fertigung von Zündplättchen auf. Ein hier zuvor tätiger Verwalter Josef Pohl wurde als aufsichtsführender Werksleiter übernommen. Wiederum Jahre später wurde 1933 auf dem Gelände der vormaligen Sprengstofffabriken von den Nationalsozialisten mit dem „Schutzhaftlager Am Hochkreuz“ eines der frühen, so genannten „wilden“ Konzentrationslager betrieben (vgl. dort). Nach der Auflösung des Lagers nutzte die SA die Bauten wohl noch bis 1936 als Schulungsstätte.
Lage, historische Karten, Objektgeometrie Auf den Kartenblättern der zwischen 1836 und 1850 erarbeiteten Preußischen Uraufnahme zeigt sich das spätere Areal der Werke der Kölner Dynamitfabrik (1872/73-1901) und der nachfolgenden Zündkapselfabrik Bartsch & Real (ab 1910) noch vollständig unbebaut. In der Preußischen Neuaufnahme (1891-1912) ist dann vor Ort eine „Dynamit-Fbr.“ mit einer Grundfläche von gut 2,7 Hektar eingezeichnet, was der vorab für 1893 angeführten Fläche des Firmengeländes der Dynamitfabrik exakt entspricht. Die Objektgeometrie des einstigen Werksgeländes ist hier anhand der Neuaufnahme eingezeichnet, in der sich jedoch keine Spuren des Dynamithafens „Polverletsch“ finden. Ergänzende Hinweise zu dessen Lage sind willkommen! Das einstige Areal der beiden sich nachfolgenden Fabriken am Eiler Hochkreuz lässt sich auch noch in den zeitlich nachfolgenden topographischen Karten TK 1936-1945 ausmachen.
Internet koeln-muelheim.de: Eine Historie mit viel Zündstoff (Text Matthias Bauschen, Kölner Stadt-Anzeiger vom 25.01.2002, abgerufen 04.02.2026) porzerleben.de: Porz-Wiki, Dynamitfabrik Eil (abgerufen 12.03.2026) porzerleben.de: Porz-Wiki, Fabrikgelände Hochkreuz (abgerufen 12.03.2026) de.wikipedia.org: Max Bielefeldt (abgerufen 12.03.2026) zeitpunkt.nrw: Historische Zeitungen, hier Kölnische Zeitung 1883 (abgerufen 12.03.2026)
Explosivstoffabriken in Deutschland. Ein Nachschlagewerk zur Geschichte der Explosivstoffindustrie (2. völlig überarbeitete Auflage der Ausgabe von 1995). S. 181-182, Köln.
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