Die Strecke der Euskirchener Kreisbahnen, im Volksmund liebevoll Flutsch genannt, von Zülpich über Kommern, Satzvey, Antweiler-Wachendorf bis Arloff wurde am 11. August 1895 in Betrieb genommen. Bauherr war der Kreis Euskirchen, den Bau und Betrieb der Kreisbahnen hatte die Firma Lenz & Co GmbH, Stettin, übernommen. Die Betriebsführung ging 1897 an ihre Tochter, die Westdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (WEG) in Köln über. Von 1928 bis 1949 erfolgte sie durch die Vereinigten Kleinbahnen AG (VKA), bis der damalige Landkreis Euskirchen diese Aufgabe selbst übernahm.
Die Bahnstrecken der EK tangierten mehrere Staatsbahnen, die Eifelstrecke in Liblar, Euskirchen und Satzvey, die Bördebahn Düren – Euskirchen in Zülpich sowie die Erfttalbahn in Arloff. In Liblar gab es zudem Übergang zur Bergheimer Kreisbahn. Die EK waren eingebunden in das Netz von Kleinbahnen, die den Raum zwischen Köln, Düren und Euskirchen erschlossen.
Der Bahnhof Satzvey bestand aus zwei betrieblich getrennten Einheiten, dem Vorbahnhof (Streckenkilometer 23,1) und dem Kleinbahnhof Satzvey (Streckenkilometer 23,3). Sie waren durch die Staatsbahn getrennt. Diese wurde höhengleich gequert, wobei die Schienen der Staatsbahn nicht unterbrochen waren. Personenzüge hielten nur im Vorbahnhof (fußläufige Verbindung zum Bahnhof der Staatsbahn).
Der Vorbahnhof lag nordwestlich der Staatsbahn. Für den Personenverkehr hatte er unmittelbar vor der Gleiskreuzung einen kleinen Bahnsteig und ein Bahnhofsgebäude (entfernt). Für den Güterverkehr gab es ein Ladegleis mit Gleiswaage. Seit 1958 besaß er einen eingleisigen Lokschuppen mit Werkstatt.
Die Gleiskreuzung mit der Staatsbahn war seitens der EK durch Schranken und Entgleisungsweichen gesichert. Den Verkehr über die Staatsbahnstrecke überwachte ein Stellwerk Ss (Satzvey Südturm).
Der Bahnhof Satzvey besaß ein Ladegleis mit Gleiswaage. Zusätzlich gab es je ein Rollbockgleis und ein Rollwagengleis (später zwei Rollbockgruben) für das Umladen der normalspurigen Güterwagen auf Transportböcke der EK, des Weiteren Lade- und Abstellgleis. Ein Verbindungsgleis stellte die Übergabe zur Staatsbahn sicher. Ein Kohlenbansen diente der Versorgung der Dampflokomotiven, seit 1958 gab es auch einen Lokschuppen.
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Auf den Strecken der EK wurden vor allem Braunkohlen und Briketts, sowie Zuckerrüben und andere landwirtschaftliche Produkte, Heizmaterialien und Düngemittel transportiert. In der Umgebung von Satzvey gab es mehrere Ziegeleien, die ihren Werksverkehr über Satzvey abwickelten. Der Personenverkehr hatte vor allem auf der Strecke über Satzvey keine größere Bedeutung (1914 gab es vier Zugpaare täglich). Wegen der zurückgehenden Bedeutung nach dem Ersten Weltkrieg stellte man den Betrieb auf dem Abschnitt zwischen Arloff und Antweiler-Wachenheim bereits 1920 ein.Im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges kam zu erheblichen Zerstörungen auf der Strecke und an den Betriebsmitteln. Im Februar 1946 konnte der Bahnbetrieb auf der EK wieder aufgenommen werden.
1949 gab es Überlegungen zu einem größeren Umbau in Satzvey, da vor allem die Kreuzung mit der Staatsbahn als gefährlich angesehen wurde (siehe Euskirchener Volksblatt vom 28. November 1949). Nach dem Umbau sollte die schmalspurige Strecke auf der Satzveyer Seite enden. Hierhin sollte auch der Güterbahnhof verlegt werden.
Die Strecke von Satzvey bis Antweiler dachte man auf Normalspur umzubauen. Somit hätte man einen direkten Anschluss von den Ziegeleien an die Staatsbahn besessen und das umständliche Verladen auf Rollböcke vermieden.
Zwar wurden wohl bereits Vermessungsarbeiten durchgeführt, aber eine Realisierung dieser Pläne erfolgte nicht, vermutlich wegen der hohen Kosten.
Da die Leistungen außerhalb des Rübenverkehrs bescheiden blieben, stellte man den Personenverkehr über Satzvey am 7. November 1951 ein. Für den Güterverkehr auf der Reststrecke von Antweiler-Wachenheim über Satzvey nach Firmenich-Obergartzem wurden die Anlagen in Satzvey 1958 erweitert. Im Güterverkehr wurde bis zum 31. Dezember 1965 diese Strecke bedient. Mehrere Anschließer schloss man mittels Rollbockverkehr an. Mit den kleinen Rollböcken konnten die normalspurigen Güterwagen auf der schmalspurigen Bahnstrecke gefahren werden, ohne Umladen.
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(Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2026)Quellen
- Diverse Aufsätze zur Euskirchener Kreisbahnen in der Euskirchener Zeitung / Volkszeitung (online www.wisoveg.de, abgerufen 3.3.2026)
- Euskirchener Volksblatt vom 28.11.1949: Großer Plan bei der EKB. Teilstrecke Satzvey - Antweiler soll Normalspur-Linie werden (online www.wisoveg.de, abgerufen 3.3.2026)
Internet
de.wikipedia.org: Euskirchener Kreisbahnen (abgerufen 2.3.2026)