Rahmbuchen im Tretschbachtal bei Rhöndorf

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bad Honnef
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 39′ 31,18″ N: 7° 14′ 34,51″ O 50,65866°N: 7,24292°O
Koordinate UTM 32.375.807,72 m: 5.613.340,79 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.587.930,93 m: 5.614.412,20 m
  • Rahmbusch im Tretschbachtal bei Rhöndorf (2024).

    Rahmbusch im Tretschbachtal bei Rhöndorf (2024).

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    Joern Kling
    Fotograf/Urheber:
    Christiane Lamberty
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  • Rahmbusch im Tretschbachtal bei Rhöndorf (2024).

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  • Rahmbusch im Tretschbachtal bei Rhöndorf (2024).

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  • Rahmbusch im Tretschbachtal bei Rhöndorf (2024).

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Im Weinbau am Siebengebirge dominierte über Jahrhunderte die sogenannte Einzelpfahlerziehung zum Anbinden der Reben. Die Nutzung von Weinbergspfählen (Rahmen) aus Buchenholz war eine Besonderheit des Siebengebirges. In anderen Regionen, wie zum Beispiel an der Ahr und am Mittelrhein, nutzte man hingegen vorwiegend die nach dem Entfernen der Rinde abgestorbenen Stämmchen aus den dort verbreiteten Eichenschälwäldern. Erst mit der Einführung von Robinien, imprägniertem Nadelholz und letztlich modernen Drahterziehungssystemen verliert ab der Jahrhundertwende die ausgeklügelte traditionelle Nutzung der Rahmbuchenwälder im Siebengebirge an Bedeutung.

Da die Rahmen aus Rotbuchenholz nur eine Lebensdauer von circa 3 Jahren hatten, mussten diese regelmäßig ausgetauscht werden. Der Bedarf war enorm. Pro Hektar Rebfläche wurden rund 10 Hektar „Busch“, also Wald, für die Bereitstellung der Rahmen benötigt. „Busch“ nannte man die damaligen Wälder, die mit dem heutigen Hochwald nichts zu tun hatten. Bis auf wenige Ausnahmen, wie zum Beispiel an der Löwenburg, war das Siebengebirge von Niederwald mit einer Höhe von 5 bis 8 Metern bestanden. Dabei wurden die Bäume nach 12 bis 16 Jahren Jahre beschnitten. Aus dem Stamm (Stockausschlag) entwickelten sich danach wieder neue Triebe, von denen die jeweils dicksten Triebe die Rahmen lieferten. Dabei achtete man darauf, niemals alle Triebe auszuschlagen, dies hätte den Baum zu sehr geschwächt.

Damit die sogenannten Rahmbuchen gut neu austreiben, standen sie in recht lockeren Abständen. So erhalten die Triebe genug Licht. Willkommener Nebeneffekt war die dichte Krautschicht zwischen den Bäumen, hieraus wurden Einstreu und Futter für das Vieh gewonnen.
Der Schnitt mit der „Heppe“ oder auch „Hippe“ erfolgte im Siebengebirge in Kopf- oder Hüfthöhe, in Abhängigkeit davon ob, auch Vieh in die Wälder getrieben wurde, wie es z.B. im Kottenforst üblich war. Im Siebengebirge hielten die Winzerfamilien jedoch ihr Vieh vorzugsweise im Stall, weil sie so den Mist leichter sammeln konnten, den sie als Dünger im Weinberg dringend benötigten. Hüfthoch geschnittene Bäume waren hier also nicht durch Verbiss gefährdet und Rotwild gab es damals ohnehin kaum.
Die Erneuerung der Rahmbuchenwälder erfolgte vegetativ durch sogenannte Absenker. Dabei bog man lange Triebe zu Boden und bedeckte diese mit Erde, die daraufhin neue Wurzeln bilden. Nach dem Anwachsen kappte man dann die Verbindung zum „Mutterbaum“.

Der Bedarf an Rahmen im Siebengebirge ging pro Jahr in die Hunderttausende. Eine Zählung der Rebstöcke im Siegkreis ergab für die Rheinlagen 3.433.000 Stöcke, die alle 3 bis maximal 6 Jahre ausgetauscht werden mussten (Jäger 1835). Normalerweise wurden vor dem Austausch angefaulte Pfähle einmal umgedreht und mit dem anderen Ende neu eingeschlagen. Wenn sie im Weinberg nicht mehr eingesetzt werden konnten, wurden die morschen Rahmen noch als Brennholz verwendet. Diese Doppelnutzung führte unter anderem dazu, dass es in den Gegenden mit Rahmbusch weitaus weniger Klagen über Brennholzmangel gab als in den Berggemeinden.

Die größeren, häufig auf klösterliche Besitzungen zurückgehenden Weingüter besaßen meist große zusammenhängende Buschparzellen, was die Arbeit erleichterte. Die Buschparzellen der kleinen Weingüter, die häufig im Nebenerwerb betrieben wurden, verteilten sich hingegen als schmale Streifen über fast das gesamte Siebengebirge. Dementsprechend arbeitsaufwändig waren der Unterhalt der Rahmbuchen und der Transport der Rahmen aus den oft weit abgelegenen Flächen.

Zur Zeit der französischen Besetzung geraten die Rahmbuchenwälder unter Druck. Den französischen Forstbeamten ist die Rahmbuchenwirtschaft unbekannt, und um die Wälder „wieder herzustellen“ forderten sie einen radikalen Bodenschnitt, was die Rahmbuchen ruiniert hätte. Letztlich können die Maßnahmen durch Eingaben an den Präfekten abgewendet werden, der Weinbau wäre sonst zum Erliegen gekommen.

Mit der Einführung der modernen Drahterziehungssysteme und haltbareren Pfählen, zum Beispiel aus Robinie, werden die Rahmbuchen nicht mehr benötigt. Letzte Schnitte an den Rahmbuchen erfolgten in Krisenzeiten, wie den beiden Weltkriegen, und dienten eher der Brennholzgewinnung. Seitdem wachsen die stärksten Triebe der Stöcke durch und die Bestände haben sich zu einem Hochwald entwickelt.

Im Siebengebirge sind relativ viele Rahmbuchenbestände erhalten, da die alten Stöcke nur schwer zu roden sind, und das knorrige Holz kaum zu verwerten ist. Besonders die Bestände in den schlecht zugänglichen Siefen, aber auch auf den sehr kleinteiligen privaten Parzellen entgingen der Umwandlung in einen lukrativen Fichtenwald.
Heute sind viele der alten Rahmbuchen abgängig. Teils sind die alten Stöcke der mechanischen Belastung durch die hohen Stämme nicht gewachsen und brechen auseinander, teils hat die Trockenheit der letzten Jahre den Bäumen sehr zugesetzt. Neuere Untersuchungen zeigen, dass die Stöcke weit über 200 Jahre alt sein können.
Die knorrig verwachsenen Rahmbuchen mit Höhlungen, Beulen und einem hohen Totholzanteil sind ein Paradies für eine hochspezialisierte, bedrohte Insektenfauna, wie zum Beispiel verschiedene Mulmkäfer, welche auf verwesende Holzteile angewiesen sind. Die alten Bäume sind damit ein sehr wichtiges Habitat, da auch in den Wäldern des Siebengebirges der Totholzanteil immer noch viel zu niedrig ist, um das Überleben dieser Fauna zu sichern.

Die Anhöhe nördlich des Tretschbachs ist heute mit einem Buchen-Hochwald bestanden. Kaum vorstellbar, dass sich hier vor 200 Jahren ein ausgedehnter Niederwald befunden hat: der für das Siebengebirge so typische Rahmbusch.

Die Bestände zeigen dabei noch heute eine gewisse Besonderheit, weil sie eher niedrig geschnitten worden sind. Und tatsächlich belegt das Urkataster, dass diese Flächen um 1800 ganz überwiegend zu dem Besitz der Familie „von dem Bongart von Paffendorf“ gehörte. Sigismund Reinhard Hugo und sein Sohn Ferdinand von dem Bongart von Paffendorf waren beide jüliche Erbkämmerer, also Schatzmeister im Herzogtum Jülich, damit hohe Hofbeamte mit entsprechenden Ländereien.
In Honnef erwarb die Familie seit 1748 erste Weingüter. Den meisten Besitz brachte allerdings 1770 die Frau von Ferdinand, Maria Gräfin von Leerodt zu Born- und Winnenthal, mit in die Ehe. Eines dieser Weingüter lag in Rhöndorf, sechs weitere in Bondorf. Dazu zählte auch das spätere Feuerschlösschen (als Straßenbezeichnung und im Namen eines Gebäudes des Siebengebirgsgymnasiums noch lebendig).

Überliefert ist ein Notizbuch des Verwalters von 1831, der für den Besitz in Honnef und Rhöndorf zuständig war und den Zustand der an fünf unterschiedliche Winzerfamilien verpachteten Güter regelmäßig kontrollierte. Am stärksten fielen die Beanstandungen in den Weingärten aus. Aber auch die Rahmbüsche wurden in Augenschein genommen. Ein Eintrag des Verwalters machte diese Nutzung dieser Form des Niederwaldes besonders anschaulich. Der Pächter Johann Bitzen aus Bondorf besaß „Im Rastenloch“ am Tretschbach einen offenbar sehr licht bestandenen Rahmbusch. Überlegungen, diese Buschparzelle komplett zu roden, um Wiesenland zu erhalten, lehnte der Verwalter ab: „dort eine Wiese anzulegen würde ich für zu kostspielig halten, zudem liefert dieser Büsch auch Gras u. Streu genug“ (LAV-NRW-R, AA 609, Nr. 5). Das verweist deutlich auf die Mehrfachnutzung des Niederwaldes für die Winzerleute. Ein Hochwald hätte weder Viehfutter noch Einstreu geliefert.

Kein Wunder also, dass gleich bei zwei Pächtern bemängelt wird, dass sie zwischen dem Rahmbusch nicht genügend Hochstämme durchwachsen ließen. Nur diese großen Bäume wiederum lieferten benötigtes Bauholz. Das bedeutet im Gegenzug, dass das Interesse der Winzerleute stärker auf dem Rahmbusch lag, der ihnen die benötigten Ressourcen lieferte. Neben den Weinbergspfählen war das zugleich die Einstreu für das Vieh. Eine Klausel sollte nun die Abgabe einer bestimmten Anzahl an Hochstämmen an die Herrschaft gewährleisten.

Einen Teil seiner Rahmbüsche verkaufte Bongart schon 1819 an Adolph Berg, diese Parzellen liegen ebenfalls „Auf der Rasten“ bzw. im benachbarten Flurstück „Im Rastenloch“ und im „Immich“. 1841 ging der meiste Waldbesitz an Johann Theodor Essingh über (siehe auch Haus im Turm in Rhöndorf), der kein Interesse am Weinbau zeigte. Vermutlich wurden die Parzellen seitdem nicht mehr bewirtschaftet. Die Weingüter in Bondorf gingen 1856 zunächst an Caroline von dem Bongart, 1879 dann an Freiherr Clemens von Loe.

Bei einer Wanderung durch das wildromantische Tretschbachtal sind bis heute immer wieder stattliche alte Rahmbuchen auf den Talhängen zu beobachten. Zeugen einer seit langem aufgegebenen und vergessenen Wirtschaftsform.

Datierung
16. Jahrhundert bis heute

Zugang
Mehrere Wege queren die Flächen rings um das Anwesen. Der Hof selbst ist in privater Hand.

Hinweis
Das Objekt „Rahmbuchen im Tretschbachtal bei Rhöndorf“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2025)

Internet
https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_von_dem_Bongartde.wikipedia.org: Ferdinand von dem Bongert (abgerufen 11.02.2026)

Quellen
Bemerkungen über die Güter zu Honnef und Rhöndorf, 1831, LAV-NRW-R, AA 609, Nr. 5/187

Literatur

Bouillon, Barbara; Kling, Joern; Lamberty, Christiane (o.J.)
Zeugen der Landschaftsgeschichte im Siebengebirge. Teil 3. Wingert und Busch. (Kulturlandschaftspflege im Rheinland.) Köln (im Druck).
Lamberty, Christiane; Scheuren, Elmar; Steinwarz, Dieter (2024)
Zwischen Wingert und Busch. Wanderführer zu den historischen Landschaftsnutzungen rund um den Weinbau. Königswinter.
Nekum, Adolf (1993)
1100 Jahre Weinbau in Honnef. Bad Honnef.

Rahmbuchen im Tretschbachtal bei Rhöndorf

Schlagwörter
Ort
53604 Bad Honnef - Rhöndorf / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1500 bis 1600

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Jörn Kling: „Rahmbuchen im Tretschbachtal bei Rhöndorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356797 (Abgerufen: 23. März 2026)
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