Nur wenig ist über diesen Abbau des im Besitz der Honnefer Gemeinde befindlichen Bruchs bekannt. Er wird weder in der Übersichtskarte des Oberbergamts-Markscheiders Adolf Schneiders (1881) noch in der preußischen Neuaufnahme von 1895 dargestellt. Erst die topographische Kartenausgabe von 1914 verzeichnet einen kleinen Bruch, der durch einen schmalen Weg über die Südflanke des Schellkopfs vom Tal aus erschlossen wird. Der Steinbruch scheint demnach erst Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt worden zu sein.
Während der Wirtschaftskrise der 1920er Jahre überlegt die Stadt Bad Honnef, den kleinen Bruch am Schellkopf wieder in Betrieb zu nehmen. Zum einen benötigt man möglichst günstig geeignetes Material zum Unterhalt der Straßen, zum anderen möchte man möglichst viele der zahlreichen Arbeitslosen in Lohn und Brot bringen.
Da der Steinbruch schon länger stillliegt, werden erstmal „Aufräumungsarbeiten“ durchgeführt. Die Ergebnisse sind vielversprechend, der dort lagernde Basalt sei von hochwertiger Qualität und für den Straßenneubau als sogenannte „Packlage“ und „Schrottauflage“ (Schotter) geeignet. Außerdem könne man den für Ausbesserungsarbeiten benötigten Basaltkleinschlag gewinnen. Der Bruch soll daher baldmöglich in Betrieb gehen. Es würden „also gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Stadt bekommt das nötige Steinmaterial viel billiger, als sie es von auswärts beziehen kann, gleichzeitig finden eine Anzahl Erwerbloser Beschäftigung“ (HVZ 8.9.1924). Insgesamt beschäftigt man dort 6 Arbeiter. Die Lokalzeitung weist zugleich darauf hin, dass der Steinbruch keinerlei Beeinträchtigung des Naturschutzgebietes im Siebengebirge bedeuten würde. Zu abgelegen und weit entfernt wäre der Steinbruch, den man sozusagen lediglich aufräumen würde. Nicht dass am Ende der klagefreudige Verschönerungsverein des Siebengebirges (VVS) Anstoß an dem Bruch nimmt.
1925 werden die aufgelaufenen Kosten für die Arbeiten am Schellkopf der Stadt mit 5.265 Mark beziffert (HVZ 22.1.1925). Im Juli entscheidet der Stadtrat, die Arbeiten fortzuführen. Für Packlage sollen höchstens 8 Mark, für Grobschlag bis zu 12 Mark und für Kleinschlag 13 Mark frei Verwendungsstelle aufgewendet werden (HVZ 19.6.1925). Im August stürzt nach anhaltendem Regen eine große Steinwand im Bruch ab und die Arbeiten müssen eingestellt werden (HVZ 6.8.1925).
Schon zum 1. September wird der Steinbruchbetrieb aufgrund fehlender Rentabilität wieder aufgegeben (HVZ 8.4.1926). Dies hat auch ein Nachspiel im Stadtrat. Dort kommt es im Oktober 1925 zu Unstimmigkeiten, da die Kosten der mit dem Material aus dem Bruch neu angelegten bzw. wiederhergestellten Straßen mit 43.000 Mark den Kostenvoranschlag von 10.000 Mark deutlich überschritten! Man sei besser beraten gewesen, die Arbeiten nicht in Eigenregie auszuführen sondern einen Unternehmer zu beauftragen (HVZ 30.10.1925).
Der Steinbruch liegt seitdem still. Der alte Karrenweg zum Bruch wurde in den 1930er Jahren ausgebaut und bis an den auf der Höhe verlaufenden Stellweg verlängert.
Der kleine Bruch besteht aus einem runden circa 50 x 50 Meter großen Abbaukessel. Mittig ist eine Gesteinspartie stehengeblieben, die qualitativ offenbar nicht zu verwenden war. Die Abbauwände erreichen bis zu 9 Meter Höhe. Die Halde vor dem Bruch ist recht klein, dies erklärt sich daraus, dass für den Straßenbau auch der Kleinschlag nutzbar ist.
Datierung
Anfang des 20. Jahrhunderts bis 1925
Zugang
Ein offizieller Wanderweg führt direkt am Bruch vorbei.
Hinweis
Das Objekt „Steinbruch Schellkopf bei Bad Honnef“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).
(Jörn Kling, 2025)
Quellen
- Schneider, Adolf (1881): Karte des Siebengebirges, angefertigt unter Benutzung des amtlichen Materiales, Verlag von Simon Schropp. Verlag Henry, Bonn.
- Geobasis NRW: Preußische Neuaufnahme 1895 und topographische Karte 1914, 71:25.000
- Honnefer Volkszeitung (HVZ)