Nachtigallental bei Königswinter

Mengassersiefen , Mennessiefen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 40′ 25,63″ N: 7° 12′ 11,95″ O 50,67379°N: 7,20332°O
Koordinate UTM 32.373.049,81 m: 5.615.089,54 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.585.103,63 m: 5.616.048,31 m
  • Das Nachtigallental bei Königswinter (2025).

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  • Ostermanndenkmal im Nachtigallental bei Königswinter (2025).

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  • Das Nachtigallental bei Königswinter (um 1930).

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  • Das Nachtigallental bei Königswinter (um 1980).

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  • Ostermann-Denkmal im Nachtigallental in Königswinter (2026)

    Ostermann-Denkmal im Nachtigallental in Königswinter (2026)

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Weithin beliebt ist das Nachtigallental als wildromantischer, schattiger und nicht zu steiler Aufstieg in das Siebengebirge. Doch eher unbekannt ist, dass das Nachtigallental eine der frühesten touristischen Erschließungen des Siebengebirges darstellt. Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts bestand hier entlang des Bachlaufs nur ein schmaler Pfad, der in die umliegenden Wälder führte. Bei Unwettern kann der Bach der damals Mengassersiefen oder auch Mennessiefen genannten Schlucht schnell zu einem reißenden Strom anschwellen, der die steilen Tuffwände immer weiter erodieren ließ. Der Namensbestandteil „Siefen“, regional auch „Siepen“, „Seipen“ oder „Seifen“, bezeichnet ein schmales, feuchtes und meist von einem kleinen Bach durchflossenes Kerbtal, dessen schluchtartige Form durch die Tiefenerosion des Wassers entstanden ist. Zuletzt kommt es im Jahr 2013 zu Schlammströmen und Überschwemmungen am Talausgang des Bachs, die bis über die westlich gelegene Bahnlinie reichen.

Entwicklung vom Mengassersiefen zum Promenadenweg
Nach den Revolutionsjahren 1848/49 lag die Wirtschaft Königswinters darnieder und belebt sich ab Ende der 1850er Jahre nur langsam wieder. Um den Tourismus wieder neu anzukurbeln, bemüht sich der damalige Königswinterer Bürgermeister August Mirbach, das Gebirge besser zu erschließen. Bereits 1858 lässt er den holprigen Eselsweg zum Drachenfels zu einem gangbaren Pfad ausbauen. Angesehene Bürger und Bürgerinnen springen dem Bürgermeister in seinen Bemühungen bei und gründen 1861 eine sogenannte „Verschönerungs-Commission“, welche auch „Wege-Comité“ genannt wurde – im Prinzip ein Vorläufer des 1869 gegründeten Verschönerungsvereins des Siebengebirges (VVS). Motor des Vereins ist der Königswinterer Apotheker Gustav Koldewey.

Der Bürgermeister Mirbach entwickelt die Idee, die Schlucht des Mengassersiefen zu einem schattigen Promenadenweg auszubauen, der bis auf die Höhen am Kuckstein nahe des Drachenfels führen soll. Um die benötigten 100 Taler für den Bau aufzutreiben, lässt er bei der „Verschönerungs-Commission“ eine Spendenliste herumgehen. 60 Taler kommen so zusammen, mit dem Bau wird sofort begonnen. Ein breiter Weg wird angelegt, der Bach mit Mauern und Stufen eingefasst. Nur wenige Wochen später lässt Mirbach wiederum eine Sammelliste umgehen. So kommen nochmals 20 Taler zusammen, um die Arbeiten weiter voranzutreiben. Außerdem spendet die Bevölkerung Grundstücke, Bänke und einen steinernen Tisch, der vom Steinhauer Koppmann angefertigt wird und auf zahlreichen älteren Postkarten abgebildet ist. Entlang des Weges lässt man außerdem Korbweiden für die örtlichen Korbmacher pflanzen.

1861 wird die Eröffnung des neuen Promenadenweges verkündet und der Mengassersiefen nun werbewirksam als Nachtigallental angepriesen, was vielversprechender und romantischer erscheint. Möglicherweise spielt bei der Namensgebung das im benachbarten Honnef liegende und bei Touristinnen und Touristen sehr beliebte Nachtigallenwäldchen eine Rolle. Noch im selben Jahr lässt Mirbach ein drittes Mal Gelder sammeln, um diverse Verbesserungen am Weg ausführen zu können. Wie auch die letzten Male spenden der Pastor Clasen und der Apotheker Koldewey als erste.

Ein weiteres Projekt der Verschönerungs-Kommission ist der Bau eines Weges über den Saurenberg, dem heutigen Standort des Lemmerzbades, bis zum Burghof. Dafür spendet der Wirt des Burghofs 200 Taler. Dieser sogenannte Oberweingartenweg wird erst nach sieben Jahren Bauzeit 1867 fertiggestellt.

Wer heute durch das Nachtigallental emporwandert, passiert nach wenigen Metern den mit Naturstein eingefassten Torbogen eines ehemaligen Weinkellers, der 1867 von der Winzergenossenschaft in die weichen Tuffe gegraben wurde. Das schmiedeeiserne innere Torgitter ist mit den Initialen W.D.H. verziert.

Ein kurzes Stück weiter erreicht man eine imposante Weggabelung. Dort biegt das Nachtigallental nach rechts ab. Geradeaus ragen die senkrechten Tuffwände der sogenannten „Hölle“ auf. Durch diese tief eingeschnittene Schlucht verlief ehemals der alte Karrenweg in das Hinterland und zu den Steinbrüchen der Ofenkaulen und des Stenzelbergs.

1925 hält man hier an der Weggabelung im Rahmen der Jahrtausendfeier zum Bestehen der Rheinlande einen Waldgottesdienst ab. Dafür wird eigens ein Altar errichtet, dessen Steinplatte aus einem ehemaligen Grabstein besteht. Dieser soll noch aus dem Vorgängerbau der heutigen Königswinterer Pfarrkirche St. Remigius stammen.

Denkmal für Willi Ostermann
Im weiteren Verlauf wird der Weg immer schmaler, das Wasser des Bachs rauscht über zahlreiche kleine Wasserfälle und schon bald erreicht man das Ostermanndenkmal. Willi Ostermann (1876–1936) war ein weit über die Region hinaus bekannter Kölner Karnevalsliedermacher, der dem Nachtigallental ein eigenes Lied gewidmet hat. 1949 errichten ihm hier die „Große Königswinterer Karnevalsgesellschaft“ und der örtliche „Männergesangsverein Gemüthlichkeit“ ein Denkmal. Es besteht aus einem hohen Findling mit einem Bronzerelief Ostermanns, das von dem Königswinterer Bildhauers Franz-Josef Krings angefertigt wurde. Zur Einweihung sollen rund 80.000 Menschen, darunter hunderte Karnevalsvereine, in das Tal gekommen sein. Noch heute finden hier regelmäßig Gedenkveranstaltungen der Karnevalsvereine statt, zuletzt zum 75-jährigen Jubiläum im Jahr 2024.

Bei der hinter dem Denkmal sichtbaren Höhlung in der Felswand handelt es sich um eine kleine in den Tuff gegrabene Kammer, die als Eis- oder Weinkeller genutzt wurde. Ein weiterer Keller derselben Bauart findet sich 50 Meter weiter talaufwärts.

Geologie, Umweltgefahren und historische Waldnutzung
Der erste Abschnitt des Tals verläuft durch Tuff. Dieser Höllentuff, ein weiches, vulkanisches Eruptivgestein, ist mit Beimengungen nichtvulkanischen Fremdgesteins durchsetzt, unter anderem Schiefer. Zu Bauzwecken oder gar für Backöfen ist dieser Stein nicht geeignet. Unter Geologen sind die Aufschlüsse des Tuffs in der Hölle und im Nachtigallental berühmt und werden in allen geologischen Standardwerken zum Siebengebirge beschrieben. Regelmäßig sind sie Ziel geologischer Exkursionen. Der Weg wird durch eine Geowanderung erschlossen (s. Link). Dann beginnt das mit hohen Buchen bewaldete Tal stetig weiter anzusteigen und sich zu weiten. Die steilen Felswände des „Höllentuffs“ weichen zurück, denn der obere Talabschnitt verläuft durch die devonischen Schiefer des Grundgebirges.

In den letzten Jahren macht das Nachtigallental immer wieder Schlagzeilen durch Schlammlawinen oder Windbruch der großen alten Buchen, so dass der Weg über längere Zeit gesperrt werden muss. Zwischenzeitlich wurde sogar überlegt, den Weg aus Haftungsgründen ganz aufzugeben.
Ursache ist neben einem instabilen geologischen Untergrund die ehemalige traditionelle Nutzung der Buchen. Über Jahrhunderte hatte man die sogenannten Rahmbuchen regelmäßig beschnitten, um die benötigten Pfähle für den lokalen Weinbau zu gewinnen. Nachdem in den Weinbergen ab Anfang des 20. Jahrhunderts die Buchenpfähle durch länger haltbares Holz ersetzt wurden oder der Weinanbau auf Drahterziehung umgestellt wurde, überließ man die Rahmbuchen sich selbst. Im Laufe der Zeit wuchs aus den Stockausschlägen wieder ein Hochwald heran. Leider sind die alten, oft hohlen Buchenstubben, welche die Basis bilden, dem Gewicht und der Hebelwirkung ausgewachsener Stämme auf Dauer nicht gewachsen und brechen bei Belastung auseinander.

Naturschutz und heutige Situation
2015 erwirbt die NRW-Stiftung von der Familie Streve-Mülhens aus der 4711-Dynastie mit fast 6 Hektar einen größeren Teil des Nachtigallentals. Auch der BUND Rhein-Sieg wird Besitzer von einer Fläche von einem halben Hektar. Zusammen soll ein neues Nutzungs- und Renaturierungskonzept unter Beibehaltung des Wanderwegs erarbeitet werden.

Heute steht den Wanderenden das Nachtigallental wieder offen – nun schon seit 164 Jahren!

Hinweis
Das Objekt „Nachtigallental bei Königswinter“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereiches Siebengebirge (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 446).

(Jörn Kling, 2025)

Internet
www.siebengebirge.com: G6 - Hölle (abgerufen 5.02.2026)
de.wikipedia.org: Rheinische Jahrtausendfeier (abgerufen 5.02.2026)
de.wikipedia.org: Nachtigallental (Siebengebirge) (abgerufen 5.02.2026)
www.virtuellesbrueckenhofmuseum.de: Jahrtausendfeier der Rheinlande 1925 (abgerufen 5.02.2025)

Quellen
  • Karte von Menzenberg, 1804, Landesarchiv NRW R, AA-0637-8671.
  • Generalanzeiger Bonn: 24.06.2013; 22.08.2013; 11.06.2015; 06.07.2015; 02.07.2024

Literatur

Bouillon, Barbara; Kling, Joern; Lamberty, Christiane (2020)
Zeugen der Landschaftsgeschichte im Siebengebirge. Teil 2: Der Ofenkaulberg. (Kulturlandschaftspflege im Rheinland, Band 4.) S. 89, Köln.
Frechen, J. (1976)
Siebengebirge am Rhein, Laacher Vulkangebiet, Maargebiet der Westeifel. In: Sammlung geologischer Führer 56, Berlin, Stuttgart.
Hardenberg, Theo (1986)
100 Jahre Nachtigallental: 1861-1961. In: Heimatverein Siebengebirge (Hrsg.): Streiflichter aus dem Siebengebirge [Festschrift 1926-1986], Königswinter.
Hundeshagen, Bernhard (1978)
Die Stadt und Universität Bonn am Rhein, mit ihren Umgebungen und 12 Ansichten dargestellt. Neudruck der Ausgabe von 1832. S. 238, Bad Honnef.
Weyden, Ernst (1837)
Godesberg, das Siebengebirge und ihre Umgebung. Für den Fremden und Heimischen geschildert, mit naturhistorischen Andeutungen. S. 119, Bonn.

Nachtigallental bei Königswinter

Schlagwörter
Ort
53639 Königswinter / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos
Historischer Zeitraum
Beginn 1861

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Jörn Kling: „Nachtigallental bei Königswinter”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356774 (Abgerufen: 22. August 2026)
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