Gut Heresbach

historisch auch Salhof Hertzbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Mettmann
Kreis(e): Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 14′ 56,76″ N: 7° 01′ 54,55″ O 51,2491°N: 7,03182°O
Koordinate UTM 32.362.640,12 m: 5.679.366,43 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.572.085,10 m: 5.679.864,92 m
  • Gut Heresbach in Mettmann (2021), Frontansicht und Durchgang zum Innenhof.

    Gut Heresbach in Mettmann (2021), Frontansicht und Durchgang zum Innenhof.

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  • Eingangsbereich des Haupthauses von Gut Heresbach (2021).

    Eingangsbereich des Haupthauses von Gut Heresbach (2021).

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  • Gedenktafel zu Ehren Konrad Heresbachs am Haupthaus seines Geburtsorts im Gut Heresbach (2017).

    Gedenktafel zu Ehren Konrad Heresbachs am Haupthaus seines Geburtsorts im Gut Heresbach (2017).

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  • Porträt von Konrad Heresbach (1496-1576), Kupferstich eines unbekannten Künstlers (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts).

    Porträt von Konrad Heresbach (1496-1576), Kupferstich eines unbekannten Künstlers (erste Hälfte des 16. Jahrhunderts).

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  • Zugang zum Innenhof von Gut Heresbach (2021).

    Zugang zum Innenhof von Gut Heresbach (2021).

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  • Kleine Scheune auf dem Gut Heresbach in Mettmann (2021).

    Kleine Scheune auf dem Gut Heresbach in Mettmann (2021).

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  • Große Scheune auf dem Gut Heresbach in Mettmann (2021).

    Große Scheune auf dem Gut Heresbach in Mettmann (2021).

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  • Straßenansicht von Gut Heresbach (2021).

    Straßenansicht von Gut Heresbach (2021).

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Das Gut Heresbach ist eine ehemalige landwirtschaftliche Hofanlage am äußersten Stadtrand von Mettmann im Bergischen Land. Der Hof ist insbesondere als Geburtsort des Humanisten und Politikers Konrad Heresbach (1496-1576) bekannt.

Lage und Nutzung von Gut Heresbach
Das Gut Heresbach befindet sich heute an der Elberfelder Straße im Mettmanner Ortsteil Obmettmann, kurz vor der Stadtgrenze zu Wuppertal. Die Anlage liegt zudem im Düsseltal.

Bereits 1326 ist an der Stelle des heutigen Guts Heresbach ein Bauernhof urkundlich überliefert. Der Hof gehörte ab dem Hochmittelalter zur Honschaft Obmettmann, die wiederum als Teil des Amts Mettmann zur Grafschaft Berg (später Herzogtum) gehörte.

Das Hofensemble besteht aus einem Wohnhaus, einem Torbau, einer großen und einer kleinen Scheune, einer Remise sowie einem Backhaus, zwischen denen sich verschiedene begrünte Freiflächen befinden. Eine historische Schmiede gehörte historisch auch zum Gut, liegt jedoch heute als einziges Gebäude des Hofes auf der Nordseite der Elberfelder Straße auf einem benachbarten Grundstück. Der gesamte Hof (ohne Schmiede) besitzt eine Fläche von etwa 4435,52 Quadratmetern.
Neben dem Hof fließt der namensgebende Heresbach, der ungefähr 210 Meter südöstlich schließlich in die Düssel mündet.

Nachdem sich die Gebäude von Gut Heresbach jahrelang in einem baufälligen Zustand befanden, wurden in den Jahren 2025 und 2026 Sanierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen, mitfinanziert vom Land Nordrhein-Westfalen, begonnen.

„... denn es gilt Irrtümer, nicht Menschen auszurotten“ - Der Geburtsort von Konrad Heresbach
Der wahrscheinlich bekannteste Abkömmling der begüterten Landwirtfamilie war Konrad Heresbach, der 1496 auf dem Gut Heresbach geboren wurde. Dieser beeinflusste in späteren Jahren als Prinzenerzieher und Geheimrat maßgeblich die Politik der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg.

Bereits 1503 verließ er seine Heimat, um die Schule der Abtei Werden zu besuchen. Später studierte er Theologie und Rechtsprechung an verschiedenen Universitäten. Wegweisend war seine Begegnung mit dem humanistischen Universalgelehrten Erasmus von Rotterdam (um 1467-1536) im Jahr 1520, der fortan Förderer und Mentor des jungen Heresbachs wurde. In Basel wurde er Mitglied eines humanistischen Zirkels, der sich über Theologie, Politik und Philosophie beriet und austauschte.

Der Renaissance-Humanismus war eine Bildungsbewegung des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, nach der die Rückbesinnung auf antike Sprachen, Literatur und Wissenschaft zu einem „gottgefälligerem“ gesellschaftlichen Zusammenleben führen sollte. Humanisten kritisierten insbesondere die Feudalkultur des Adels und Klerus, weswegen viele von ihnen Akteuren der Reformation nahestanden. Erasmus von Rotterdam nahm in dieser wechselwirkenden Beziehung eine Sonderrolle ein, da er zwar als Vordenker der Reformation gilt, andererseits sein Leben lang Verfechter eines konfessionellen Ausgleichs zugunsten der christlichen Einheit war.

Die Ideale des Erasmus beeinflussten Konrad Heresbach in seinen jungen Jahren maßgeblich und wurden von ihm schließlich als Prinzenerzieher am Hof der Herzöge von Jülich-Kleve-Berg angewandt. Hier erzog er den jungen Wilhelm (später Wilhelm V., genannt „der Reiche“, 1516-1592), der ab 1549 Herrscher des Tripelherzogtums wurde. Heresbach fungierte weiterhin als politischer Berater und Autor, insbesondere als Verfasser verschiedener Kirchenordnungen, und das mit starker erasmischer Prägung. So etablierte sich ab den 1530er Jahren ein als reformkatholischer Mittelweg in der niederrheinischen Kirchenpolitik, die sogenannte via media. Demnach gewährte der herzogliche Hof lutherischen und später auch calvinistischen Glaubensanhängern, die in großen Zahlen auch aus den benachbarten Niederlanden flohen, Zuflucht und sogar Selbstverwaltungsrechte (vgl. Objekt Willibrordi-Dom in Wesel, in dem sich auch die Heresbachkapelle mit der Grablege des Humanisten befindet).
Die Vereinigten Herzogtümer waren im 16. Jahrhundert somit multikonfessionell geworden - das Ergebnis einer Politik, an welcher der im damals beschaulichen Mettmann geborene Konrad Heresbach maßgeblichen Einfluss hatte.

Hinweis
Das Gut Heresbach sowie die historisch dazugehörige Schmiede sind eingetragene Baudenkmale der Stadt Mettmann (BauD 87 bzw. 88).

(Samuel Dreßen, Digitales Kulturerbe LVR, 2026)

Quelle
Wilhelm Fabricius, Karte der politischen und administrativen Eintheilung der heutigen preußischen Rheinprovinz für das Jahr 1789, Blatt II: Elberfeld - Essen (Geschichtlicher Atlas des Rheinprovinz), Bonn 1894, online verfügbar über www.deutsche-digitale-bibliothek.de.

Internet
www.deutsche-biographie.de: Hartwig Lohse, „Heresbach (Hersbeck, Hertzbach, Hedesbach), Konrad“ (abgerufen 17.12.2025)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Tobias Arand, „Konrad Heresbach. Humanist, Pädagoge, Diplomat (1496-1576) (abgerufen 17.12.2025)
www.denkmalschutz.de: Die Alte Schmiede in Mettmann, Pressemeldung vom 08.11.2022 (abgerufen 17.12.2025)
www.mettmann.de: Pressemeldung vom 28. September 2023 (abgerufen 05.01.2025)

Literatur

Flüchter, Antje / Büren, Guido von; Fuchs, Ralf-Peter; Mölich, Georg (Hrsg.) (2020)
Religionspolitik in Jülich-Kleve-Berg unter Herzog Wilhelm V. Tradition und Weiterentwicklung der "via media". In: Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. und seine Zeit, (Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie 11.) S. 263-286. Bielefeld.
Kloosterhuis, Elisabeth (2006)
Erasmusjünger als politische Reformer. Humanismusideal und Herrschaftspraxis am Niederrhein im 16. Jahrhundert. (Rheinisches Archiv 148.) Köln.
Szameitat, Martin / Büren, Guido von; Fuchs, Ralf-Peter; Mölich, Georg (Hrsg.) (2020)
Humanismus und Fürstenerziehung. Konrad Heresbachs "Über die Erziehung und Bildung der Fürstenkinder". In: Herrschaft, Hof und Humanismus. Wilhelm V. und seine Zeit, (Schriftenreihe der Niederrhein-Akademie 11.) S. 531-540. Bielefeld.

Gut Heresbach

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Obmettmann 3
Ort
40822 Mettmann
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1326

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
Samuel Dreßen: „Gut Heresbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-356749 (Abgerufen: 16. Januar 2026)
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