Der Bahnhof besaß zwei Gleise für den Durchgangsverkehr an der eingleisigen Strecke. Es wird wohl ein Verladegleis für den Güterverkehr gegeben haben.
Im Fahrplan von 1914 waren auf der Verbindung von Ulflingen über Lengeler nach St. Vith fünf Zugpaare ausgewiesen.
Im Ersten Weltkrieg war auch die Strecke Richtung Luxemburg in die militär-strategischen Planungen eingebunden. Ein Ausbau der Strecke und des Bahnhofes unterblieben jedoch. Der Bahnhof diente aber auch dem militärischen Verkehr.
Nach dem Ende des Krieges und mit dem Versailler Vertrag kam Lengeler 1920 zu Belgien. Die Betriebsführung übernahm die Chemins de fer de l'État belge, seit 1926 Société nationale des chemins de fer belges (SNCB) / Nationale Maatschappij der Belgische Spoorwegen (NMBS).
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Der Verkehr auf der Strecke ging stark zurück, da vor allem der Montanverkehr zwischen dem Aachener Revier und Luxemburg von der Vennbahn auf andere Bahnstrecken verlegt wurde. Bis 1940 gab es noch einen Güterzug am Tag.Belgien und Luxemburg wurden am 10. Mai 1940 von Truppen der deutschen Wehrmacht überfallen. Dazu sollten Stoßtrupps des Eisenbahnpionier-Regiments 4 aus Prüm über die Bahnstrecken Richtung Malmedy und Troisvierges vordringen, um Strecken und Bahnhöfe zu besetzen. Da belgisches Militär die Brücke bei Oudler sprengte, kamen die Deutschen nur bis Lommersweiler. Lengeler wurde in den folgenden Tagen eingenommen. Die Betriebsführung auf der Bahn übernahm nun die Deutsche Reichsbahn, die den Bahnhof dem neu gegründeten Betriebsamt Malmedy der Reichsbahndirektion Köln zuordnete.
Der Montanverkehr auf der Vennbahn wurde nach Beseitigung der Schäden wieder aufgenommen, wenn auch nicht mehr so umfangreich wie vor dem Ersten Weltkrieg.
Ab dem Frühjahr 1944 deutete sich die alliierte Invasion in Frankreich an. Im April und Mai 1944 wurden daher Bahnanlagen in Belgien bombardiert, um den Schienenverkehr und damit den Nachschub für die deutschen Truppen zu unterbrechen. Ab August 1944 kam Tieffliegerangriffe auf Züge hinzu. So wurden die Kokstransporte im Raum St. Vith durch zerschossene Züge auf der Strecke behindert.
Wegen der vorrückenden Front wurde der Bahnhof am 4. September 1944 planmäßig geräumt, es wurden nur noch Räumzüge abgefertigt, die Material und Menschen ins Reich zurückfuhren. Am 9. September 1944 verließ noch ein letzter Zug mit Luxemburger Personal den Bahnhof St. Vith über Lengeler nach Troisvierges. Am 10. September 1944 wurde auch der Verkehr auf der Vennbahn eingestellt. Nach weiteren Zerstörungen an Brücken und Tunneln war die Strecke zwischen Lommersweiler und Troisvierges nicht mehr nutzbar.
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Die Bahnanlagen wurden von amerikanischen Truppen übernommen. Die Mannschaften der US Military Railroad Services (MRS) versuchten so schnell wie möglich, die zerstörten Eisenbahnanlagen wieder in Stand zu setzen, um sie für die Versorgung der vorrückenden Front zu nutzen. Den Betriebsdienst leisteten die Railway-Operating Battalions (ROB), die auch den Bahnhof Lengeler besetzten. Die Strecke zwischen Lommersweiler und Auel an der Vennbahn wurde jedoch nicht wieder aufgebaut. Anfang März 1945 übertrugen die Amerikaner der SNCB wieder die Verantwortung für das Eisenbahnnetz in ganz Belgien.
Allerdings bestand die Gemeinde Reuland darauf, dass sie zumindest im Güterverkehr noch bedient werde, um heimisches Holz abfahren und Baumaterialien anfahren zu können. Dazu richtete man zum 4. Dezember 1945 einen SNCB-Güterzug vom belgischen Gouvy über das luxemburgische Troisvierges und über Lengeler ins belgische Reuland ein. Die Strecke und der Bahnhof wurden endgültig am 4. Dezember 1962 stillgelegt, zwei Jahre später wurden die Anlagen abgebaut. Heute befindet sich auf dem ehemaligen Bahngelände ein Einstiegspunkt für den RAVeL-Radweg.
Empfangsgebäude
Das Empfangsgebäude auf der Ostseite der Bahnstrecke bestand aus einem zweieinhalbstöckigen Bau unter einem Walmdach. Er hatte drei Fensterachsen, die Zugänge lagen in der Mittelachse. Der Hausbahnsteig war überdacht. Nach Norden gab es einen einstöckigen Anbau unter einem Spitzdach. Er diente als Güterschuppen und hatte einen straßenseitigen Zugang mit einem Tor. Im Süden stand ein weiterer Schuppen.
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(Karl-Peter Wiemer, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2024 / Claus Weber, Redaktion KuLaDig, 2025)Quelle
Michael Heinzel, Der Krieg in der Eifel vor 80 Jahren (2024) (online www.drehscheibe-online.de, abgerufen 24.7.2025)
Internet
rail.lu: Troisvierges - Wilwerdange / Luxembourg - frontière/Grenze - ...St.Vith / Belgique (französisch, abgerufen 30.8.2025)
www.garesbelges.be: La gare de Lengeler (französisch, abgerufen 30.8.2025)
spoorweggeschiedenis.quartam.on-rev.com: Lengeler (flämisch, abgerufen 30.8.2025)
belgischespoorlijnen: L. 47 : Sankt-Vith - Lengeler grens (Troisvierges) (flämisch, abgerufen 30.8.2025)