Geschichte Haus Clörath wurde 1230 erstmals urkundlich als Wasserburg erwähnt (Vander 1973).
Neben dem zugehörigen Wirtschaftshof mit Kornmühle, einer Ölmühle und einem Stallgebäude, lag es auf einer von der Niers umflossenen Insel im westlichen Teil der zum kurkölnischen Amt Oedt gehörenden Honschaft Unterbruch. Sie erstreckte sich nördlich der Gemeinde Neersen von Oedt-Hagen bis Klapdohr (www.viersen.de). Das sumpfige Nierstal bildete eine natürliche und politische Grenze zwischen dem östlich gelegenen Kurköln sowie dem westlich gelegenen Viersen (Anrather Bürgerverein 2019) und gehörte mit seinen Flächen zum ältesten Landbesitz des Erzstifts nördlich der Niers. Es ist anzunehmen, dass damals der Cloerbach als Namensgeber diente, welcher unweit entfernt des Herrenhauses in die Niers mündete. Um 1800 ging der Name schließlich auf das Gebiet der ehemaligen Honschaft Unterbruch als Gemeindename über, als der Ort im Zuge einer Neueinteilung durch die französische Verwaltung der Bürgermeisterei Neersen zugeteilt wurde (Vander 1973).
Zwei Tuschezeichnungen aus der Sammlung des Grafen von Virmond um 1730 zeigen den damaligen Zustand des Ensembles: Das Gebäude war dreistöckig mit Ecktürmen an der Vorderfront und auf dem Dach. Eine Brücke führte über einen das ganze Haus umgebenden Wassergraben in den vorgelagerten Vorbau des Hauses. Rechts und links waren zweigeschossige Bauten angelegt, an die sich nach Norden die Wirtschaftsgebäude um einen großen Hof mit Kornmühle anschlossen. In entgegengesetzter, südöstlicher Richtung lag eine Scheune und dahinter die Ölmühle. Aufgrund des sumpfigen Niersgebietes waren alle Gebäude auf Pfählen gegründet. Auf einer Skizze des kurfürstlichen Landmessers Franz Deith von 1752 fehlen die Wirtschaftsgebäude (Vander 1973).
Ursprünglich war Haus Clörath Herrensitz der Sippe von Clörand. Es folgten zahlreiche Besitzerwechsel, unter denen das Gebäude vermutlich hauptsächlich als Nebensitz genutz wurde. Ein Rentmeister verwaltete das Gut. Es war kurmudpflichtig an den Abt von Gladbach, der durch den Kölner Bischof schon früh die Rechte eines Grund- und Gerichtsherren im oedischen Unterbruch erhielt. Nach dem Tod eines Kurmudpflichtigen waren demnach Abgaben in Form von Nutztieren, Gerätschaften oder Wein an die Abtei fällig. Die Pächter der Mühlen mussten wiederrum Abgaben an die Bewohner des Hauses leisten (Vander 1973).
Während der französischen Besetzung der Rheinlande an der Wende vom 18. zum 19. Jhd. wurde Haus Clörath zerstört. Heute finden sich nur noch Überreste der Mauern in den Wiesen hinter der Hofanlage (www.viersen.de). Um 1970 wurden auch die Außenmauern der Ölmühle abgerissen. Der Wirtschaftshof mit Stall und Kornmühle ist bis heute erhalten.
Kulturhistorische Bedeutung Aufgrund seiner Historie und der relativen Seltenheit von Herrensitzen im Stadtgebiet ist Haus Clörath als mittelalterlicher und frühneuzeitliches Bauwerk nicht nur aus kulturlandschaftshistorischer Sicht sondern auch gemäß § 2(1) des Denkmalschutzgesetzes NRW für die Stadt Viersen von Bedeutung. Darüber hinaus besteht ein öffentliches Interesse am Erhalt der sichtbaren Reste des Gebäudes, um seine geschichtliche und wissenschaftliche Bedeutung zu markieren (www.viersen.de).
Hinweis Das Objekt „Wasserburg Clörath“ ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste der Stadt Viersen, laufende Nr. 423). Das Objekt „Haus Clörath“ ist Element des historischen Kulturlandschaftsbereichs Mittlere Niers zwischen Geldern und Neersen (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 090).
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