Blumentopffabrik Theodor Nagel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 53,88″ N: 6° 49′ 54,82″ O 50,91497°N: 6,83189°O
Koordinate UTM 32.347.594,43 m: 5.642.607,69 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.558.546,88 m: 5.642.516,68 m
Einst firmierte unter der Adresse Kölner Straße 200 die Blumentopffabrik Theodor Nagel.

Blumentopf- und Steingutfabrik Johann Theodor Nagel
Am 01.04.1902 beantragte Johann Theodor Nagel, auf seinem Grundstück Flur D Nummer 243/107, gelegen an der Landstraße unterhalb des Wasserwerkes, eine Blumentopf- und Steingutfabrik neu errichten zu dürfen (StaF 7656/02). Nagel selbst wohnte in Frechen, in der Alte Straße 85 (alte Hausnummernzählung, StaF 7656/02). Sein Vorhaben wurde am 30.04.1902 genehmigt (StaF 7656/07) und bereits am 14.07.1902 durfte die Fabrik in Gebrauch genommen werden (StaF 7656/10). 1905 wurde zudem ein Wohnhaus mit Stallung errichtet (StaF 7656/35).

Blumentopffabrik und Töpferei Rußbach
Nach Ende der Blumentopfproduktion (etwa 1. Viertel des 20. Jh.) nutzten der Kölner Künstler Radermacher und die Keramikerin Elvira Radermacher-Drebelow die Räumlichkeiten unter dem Namen Töpferei „Rußbach“ (Stadt Frechen, Ooms, S. 8), in direkter Nachbarschaft zum Kalscheuerwerk, weiter. Wie auch andere Kölner Kunstschaffende suchten sie vor und nach dem Ersten Weltkrieg - mit ideeller und finanzieller Unterstützung durch die Stadt Köln - die Nähe zu Frechen und hiesigen Töpferwerkstätten bzw. Steinzeugwerken, um hier an das traditionsreiche Töpferhandwerk anzuknüpfen und dieses wiederaufleben zu lassen.
Ein Ergebnis dieser Verbindungen zwischen Kölner Künstler*innen und Frechener Töpfereien bzw. Steinzeugwerken war die Gründung der Abteilung für Fein- und Baukeramik durch Toni Ooms im Werk J. Kalscheuer & Cie., in der zwischen 1919 und 1934 die sogenannte Köln-Frechener Keramik hergestellt wurde.

Das Unternehmen „Braunbrand“ (1934-1937)
Neben ihrer Nutzung als Blumentopffabrik und renommierter Töpferei des Künstlerpaares Radermacher ist das Gebäude bzw. diese Adresse Zeugnis für die Bemühungen um eine Aufrechterhaltung der Frechener Keramiktradition nach Schließung der Abteilung für Fein- und Baukeramik. Am 08.12.1934 fand die Betriebseröffnung des Unternehmens „Aufbaugemeinschaft Braunbrand Köln“ unter der Leitung des Kölner Bildhauers Toni Stockheim statt. Fachfremde Kriegsbeschädigte des Ersten Weltkrieges produzierten hier sogenannte Braunbrand-Keramik. Der Betrieb hatte jedoch nicht lange Bestand. Es mangelte an Nachfrage und der alte Brennofen der Blumentopffabrik hielt der Belastung durch den Steinzeugbrand nicht stand. Da finanzielle Mittel für den Neubau eines Salzbrandofens fehlten, half die Steinzeugfabrik Rhenania aus uns stellte Öfen, Ton und Kohle zur Verfügung. Die grundsätzliche Tendenz des Niedergangs konnte damit auch nicht aufgehalten werden. Interventionen seitens des Bürgermeisters, Hilfsappelle an die Steinzeugwerke und eine Übernahme durch einen Privatunternehmer zeigten auch keinen Erfolg. Somit, so Heegs Resumee (1992, S. 135) war „der Versuch der NSDAP, die alte ‚Idee der Wiederbelebung der Köln-Frechener Keramik' anders und nach ihrer Meinung besser als Toni Ooms zu verwirklichen, nach ziemlich kurzer Zeit kläglich gescheitert, obwohl sie ohnehin nur in recht bescheidenem Rahmen stattfand und von einer Industrie in dem Sinne überhaupt keine Rede sein konnte“.

Werkhalle der Ringofenziegelei Johann Josef Wolf
Im Jahr 1953 war die Ringofenziegelei Johann Josef Wolf o.H.G Eigentümerin des Grundstückes und plante hier den Neubau einer Werkhalle nach Plänen des Architekten Hans Schröder (StaF 7656/63).

Heutiger Zustand und kulturhistorische Bedeutung
Laut Bauzeichnung ist diese Werkhalle von 1953 sehr wahrscheinlich noch an der Stelle vorhanden, wo sich heue das Ausstellungsgebäude beziehungweise der 'showroom' des Fliesenhändlers 'Tiles4u' befindet (StaF 7656/65). Ebenfalls nicht auszuschließen ist die Erhaltung von Altbausubstanz des Wohnhauses und von Fabrikgebäuden der Fabrik Nagel aus der Zeit zwischen 1902 und 1905 innerhalb des mehrfach modern überprägten heutigen Gebäudebestandes. Diesem Standort kommt eine hohe kulturhistorische Bedeutung als erhaltenem Zeitzeugnis nationalsozialistischer Bestrebungen zur Erhaltung der Köln-Frechener-Keramiktradition zu, die ihre Fortsetzung in der Braunbrandkeramik finden sollte.

(Nicole Schmitz, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege, 2024)

Quellen
Stadtarchiv Frechen
  • StaF 7656/02 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)
  • StaF 7656/07 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)
  • StaF 7656/10 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)
  • StaF 7656/35 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)
  • StaF 7656/63 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)
  • StaF 7656/65 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)
  • StaF 1426/05 (Ordner Ziegelei Johann Josef Wolf, Sammlung Bernd Mayerhofer, Stadtarchiv Frechen)







Literatur

Heeg, Egon (2003)
Die Köln-Frechener Keramik des Toni Ooms 1919-1934. Ergänzungsband. Frechen.
Heeg, Egon / Förderverein des Keramikmuseums der Stadt Frechen e.V. (Hrsg.) (1992)
Die Köln-Frechener Keramik des Toni Ooms 1919-1934. Köln.
Stadt Frechen (Hrsg.) (1989)
"Ooms Keramik". Figürliche Arbeiten. Steinzeugfabrik Kalscheuer & Cie. Frechen. 1920-1935. Ausstellungskatalog 08.11.1989-28.02.1990 Keramikmuseum Frechen. Pulheim.

Blumentopffabrik Theodor Nagel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Kölner Straße 200
Ort
50226 Frechen / Deutschland
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1902

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt steht unter der freien Lizenz CC BY 4.0 (Namensnennung). Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
Nicole Schmitz (2024): „Blumentopffabrik Theodor Nagel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-345055 (Abgerufen: 10. Oktober 2026)
Seitenanfang