Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Aachen
Kreis(e): Städteregion Aachen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 47′ 8,29″ N: 6° 04′ 57,2″ O 50,78564°N: 6,08255°O
Koordinate UTM 32.294.359,91 m: 5.630.045,14 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.505.865,86 m: 5.627.802,54 m
  • Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Teil des Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Teil des Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Blick vom Lousberg auf das Soerser Tal in Aachen (2022)

    Blick vom Lousberg auf das Soerser Tal in Aachen (2022)

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  • Informationstafel am Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Informationstafel am Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Tafel mit Grundriss des oktogonalen Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Tafel mit Grundriss des oktogonalen Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Allee mit Blick auf den Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

    Allee mit Blick auf den Tranchot-Obelisken auf dem Lousberg in Aachen (2022)

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  • Treppenaufgang zum Lousberg in Aachen, auf dem sich der Tranchot-Obelisk befindet (2022)

    Treppenaufgang zum Lousberg in Aachen, auf dem sich der Tranchot-Obelisk befindet (2022)

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  • Französische Militärvermesser in Uniformen von Napoléon Bonapartes Grande Armée, auf 1812 datiertes Gemälde von Antoine Charles Horace Vernet (auch Carle Vernet, 1758-1836).

    Französische Militärvermesser in Uniformen von Napoléon Bonapartes Grande Armée, auf 1812 datiertes Gemälde von Antoine Charles Horace Vernet (auch Carle Vernet, 1758-1836).

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Auf dem Lousberg ist der sogenannte Tranchot-Obelisk zu finden, von dessen Standpunkt ein weiter Blick über Aachen, das Soerser Tal, den Tivoli bis hin zum Aachener Wald und dem Beginn der Eifel geworfen werden kann (aachen-tourismus.de). Dieser Standort hatte zum Zeitpunkt seiner Errichtung eine praktische Funktion: Bei dem Obelisken handelt es sich nämlich um den Standort eines hölzernen Hilfsbauwerks, welches vom französischen Geographen Jean Joseph Tranchot (1752-1815) zur Vermessung und Kartierung des Rheinlandes genutzt wurde. Der Obelisk wurde 1807 zur Ehrung Napoléon Bonapartes aufgestellt und später von den Preußen konserviert.

Die Kartierung des Rheinlandes während der Franzosenzeit
Der Obelisk
Die originalen Inschriften
Die Kulturlandschaftliche Bedeutung des Obelisken
Internet, Literatur

Die Kartierung des Rheinlandes während der Franzosenzeit
Nach dem Einmarsch der Franzosen im Rheinland im Jahr 1794 unter der Führung Napoléons, wurde von diesem beauftragt, dass linksrheinisch eine „militärische Operationskarte“ erstellt werden sollte. Dazu musste das Rheinland vermessen und kartografiert werden. Diese Aufgabe wurde dem Ingenieurgeographen Oberst Jean Joseph Tranchot zugewiesen und in Aachen das „Bureau topographique de la carte des quatre départements réunis de la rive gauche du Rhin“ eingerichtet. Die bisher bekannten Messverfahren wurden von Tranchot und seinem Team stark verbessert und durch Landschaftsmarkierungen, wie an der Stelle des Obelisken, konnte ein Dreiecksnetz aufgezeichnet werden. Das Verfahren wird als „Triangulation“ bezeichnet (vgl. www.centre-charlemagne.eu, Triangulation), der Nullpunkt lag auf dem Lousberg. Das Kartenwerk war dadurch von zuvor nie dagewesener Präzision.

Jean Joseph Tranchot erlag am 30. April 1815 im französischen Linas einem Schlaganfall. Die topographische Aufnahme der Rheinlande wurden nach dem Ende der Franzosenzeit von 1815 bis 1828 durch den Generalfeldmarschall Karl von Müffling (1775-1851) in preußischem Auftrag weitergeführt (wikipedia.org, Jean Joseph Tranchot und Karl von Müffling).
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Der Obelisk
Im Jahr 1803 begann Tranchot mit der Vermessung und machte dazu unter anderem astronomische Beobachtungen vom Lousberg aus. An der Sommersonnenwende am 22. Juni 1807 wurde dann der oktogonale Obelisk („Steinpyramide“) errichtet. Der Entwurf stammte von einem Mitarbeiter Tranchots, dem Ingenieurgeographen Capitaine Boucher. In das Fundament wurde am 17. Oktober 1807 eine Kupferplatte mit Inschrift eingemauert (siehe 4. originale Inschrift) sowie ein Bleikästchen mit 55 Gold- und Silbermünzen aus dem Jahr 1807 sowie 13 Bronzemedaillen über die wichtigsten Begebenheiten aus dem Leben Napoléons.
Dies trug jedoch dazu bei, dass nur zwei Tage nach Napoléons Abdankung am 2. April 1814 der Obelisk von vermutlich 10 bis 12 Mecklenburger Soldaten gewaltsam gestürzt und die Schätze gestohlen wurden. Der Obelisk wurde dabei schwer beschädigt.

Generalmajor von Müffling kümmerte sich bereits im Juli desselben Jahres um die Wiedererrichtung des Bauwerks aus historischen Gründen, was jedoch einige Zeit dauerte. Die Pyramide wurde dabei abgeschliffen, um die Beschädigungen zu kaschieren. Daher ist die Oberfläche heute glatt und nicht wie ursprünglich eingefasst von erhöhten Kanten. Die Inschriften wurde beibehalten (siehe 4. originale Inschrift), jedoch wurde die Lobrede auf Napoléon mit folgendem Text ersetzt: „… daß diese im Jahre 1807 ihm [d.h. Napoléon, Verf.] gesetzte Säule mit seinem Sturze zugleich niedergestürzt und für die Wissenschaft wieder aufgerichtet worden [sei] im Jahre 1844.“

Der Obelisk besteht aus Blaustein, einem dunklen Kalkstein aus der sogenannten Kohlenkalkfazies des Unterkarbon. Er hat einen übermannshohen viereckigen Sockel mit einer Grundfläche von 2 x 2 Metern, auf dem der eigentliche Obelisk (oft als „Pyramide“ bezeichnet) angebracht ist. Die Pyramide ist, wie oben erwähnt, nach dem Wiederaufbau abgestumpft worden und hat unten eine Grundfläche von 1,3 x 1,3 Metern, nach oben verjüngt sie sich auf 0,6 x 0,6 Meter. Obenauf befindet sich in Höhe von etwa 8,7 Metern eine aufgesetzte Spitze (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen 1988, S. 7-11).

Im Jahr 1955 wurde „die Mitte der Pyramide … vom Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen trigonometrisch im heutigen Vermessungssystem eingemessen.
Gauß-Krüger-Koordinaten (II. Meridianstreifen): R 2 505 867,46 m H 5 627 801,16 m; Höhen: Erdboden = 0 264 m ü. NN, Pyramide = 173 m ü. NN“
(Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen 1988, S. 11).
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Die originalen Inschriften
Durch die Zerstörung des Obelisken sind die originalen Inschriften heute nicht mehr erhalten. Allerdings sind aus Unterlagen von 1807 die Inschriften dokumentiert (Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen 1988, Übersetzung S. 6) und werden hier wiedergegeben:

  1. Seite nach Osten: Gewidmet Napoleon dem Großen, dem ersten Kaiser der Franzosen und König von Italien
  2. Seite nach Süden: Diese Pyramide ist einer der Eckpunkte der großen Dreiecke, die als Grundlagen gedient haben für die topographische und militärische Karte der eingegliederten Departements am linken Rheinufer, welche aufgenommen wurde unter der Herrschaft Napoleons des Großen und auf Grund der Aufträge seiner Durchlauchtigsten Hoheit, des Fürsten Alexander Berthier, des Kriegsministers, durch die Ingenieurgeographen-Offiziere des Hauptkriegsdepots.
  3. Seite nach Westen: Im Monat Juli 1804 [nach den Unterlagen: 1803, Verf.] sind am Fuß der Pyramide astronomische Beobachtungen von Herrn Astronomen J. Jos. Tranchot, dem Direktor und Oberst im Korps der Ingenieurgeographen, ausgeführt worden, woraus sich ergeben hat die Breite zu 50° 47l 8ll ,8 und die Länge, von der Sternwarte Paris aus gezählt, zu 3° 44l 57ll ,5
  4. Seite nach Norden: Der Abstand dieses Punktes von der Meridianlinie, die durch die Sternwarte Paris verläuft, ist 264 187,7 m
    Der Abstand von der Linie, die senkrecht auf diesem Meridian steht und durch die gleiche Sternwarte verläuft, ist 223 526,7 m
    Die Entfernung von dem großen Turm zu Sittard ist 28 124,98 m
    Die Entfernung von dem großen Turm zu Erkelenz ist 36 596,05 m
    Diese letzte Richtung bildet mit dem Meridian des Ortes
    [d.h. des Lousberges, Verf.] einen sphärischen Winkel von 26° 27l 11ll ,21
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Die Kulturlandschaftliche Bedeutung des Obelisken
Die sogenannte Tranchot / von Müffling-Karte wird bis heute genutzt und ist gerade im Bereich der kulturlandschaftlichen Entwicklung des Rheinlandes von unschätzbarem Wert, da bauliche Entwicklungen seit dem frühen 19. Jahrhundert bis heute nachvollzogen und verglichen werden können. Auch die Plattform kuladig.de nutzt zu diesem Zweck das Kartenwerk.
Der Obelisk auf dem Aachener Lousberg ist bis heute ein stummer Zeuge dieser Geschichte und steht als stellvertretendes Bauwerk für den kulturlandschaftlichen Wert des Kartenwerks. Darüber hinaus ist der Standort aufgrund der Weitsicht ein beliebtes Ausflugsziel für die Aachener Bevölkerung.

(Katharina M. E. Grünwald, Aachen, 2022)

Internet
wikipedia.org: Jan Joseph Tranchot (abgerufen 07.02.2023)
wikipedia.org: Karl von Müffling genannt Weiß (abgerufen 07.02.2023)
aachen-tourismus.de: Obelisk Lousberg (abgerufen 07.02.2023)
nwbib.de: Die Nordrhein-Westfälische Bibliographie: Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen (abgerufen 07.02.2023)
centre-charlemagne.eu: Der Tranchot-Obelisk (abgerufen 07.02.2023)
centre-charlemagne.eu: Triangulation (abgerufen 21.02.2023)
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Literatur

Landesvermessungsamt Nordrhein-Westfalen (Hrsg.) (1988)
Der Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen. Eine Dokumentation des Landesvermessungsamtes Nordrhein-Westfalen. Bonn.

Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Belvedereallee
Ort
52070 Aachen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1807

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Katharina M. E. Grünwald: „Tranchot-Obelisk auf dem Lousberg in Aachen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-344895 (Abgerufen: 15. Juni 2024)
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