Wohnhaus Maistraße 4 in Koblenz-Lay

zuvor Halferwirtschaft , von 1749-1878 Gasthaus „Zu den 3 Kronen“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 19′ 21,98″ N: 7° 32′ 26,46″ O 50,32277°N: 7,54068°O
Koordinate UTM 32.396.118,97 m: 5.575.537,21 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.396.152,55 m: 5.577.327,71 m
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Hinter einem hohen Hoftor verbirgt sich in der Maistraße 4 ein stattliches zweigeschossiges Wohnhaus. Betritt man den dahinterliegenden geräumigen Hof, fällt zunächst die alte Schwengelpumpe auf, die das Anwesen bis 1924 mit Trinkwasser versorgte. Einige Meter rechts daneben liegt der Eingang zum Keller mit den Initialen I*B*H und C*B*H im Torsturz. Dies sind die Initialen von Jacob Bubenheim und Catharina Bubenheim, die das Haus im Jahre 1749 erbauten. Die dazwischen eingelassene Hausmarke ist das Zunftzeichen der Schiffer: In der Mitte ein auf dem Kopf stehender Anker über dem sich Ruder und Bootshaken kreuzen. Jacob Bubenheim war demnach Schiffer, er stammte aus Neuendorf am Rhein, seit dem Jahre 1891 ein Koblenzer Stadtteil. Seine Ehefrau Catharina war die Tochter des Layer Gerichtsschöffen und Gastwirtes Hans Adam Scherer, sie heirateten vor 1746.

Architektur
Das zweigeschossige Haus wurde durchgehend massiv erbaut. Auf der Nordseite grenzt das Haus an die Moseluferstraße, der heutigen Bundesstraße. Zur Zeit der Erbauung des Hauses verlief hier der Leinpfad, über den Halferpferde die flachen Lastschiffe auf der Mosel flussaufwärts zogen. Dies war der Grund, warum Jacob und Catharina Bubenheim an dieser Stelle kein übliches Wohnhaus errichteten, sondern dieses um eine Halferwirtschaft ergänzten. Diese war in einer für die damalige Zeit üblichen Bauweise konzipiert. Der Keller war zweigeteilt und schloss sich auf der Seite zur Mosel hin ebenerdig an den Leinpfad an. In diesem Teil befand sich der mit einer hölzernen Flachdecke versehene Pferdestall, aufgeteilt in zwei Boxen zur Aufnahme von bis zu 7 Pferden, dazwischen die Stalltür, die direkt zum Leinpfad führte. Neben der Stallung lag der Vorratsraum für Heu und Hafer. Durch diesen gelangte man in die darüber liegende Gaststube. Der zur Maistraße hin gewandte Teil des Kellers war ein separater, mächtiger Gewölbekeller für die Vorräte des Hauses mit einem Zugang zum Hof. Die damalige Aufteilung und Nutzung der Räume im Kellergeschoss lässt sich heute noch gut nachvollziehen. Lediglich die Holzdecke über dem Pferdestall wurde durch eine massive Geschossdecke ersetzt, und die beiden Keller wurden mittels eines Durchbruchs verbunden. Beide Teile des Kellers werden nun schon seit Generationen gleichermaßen als Vorratskeller genutzt. Von der Gaststube über dem Kellergeschoss ist nichts mehr zu sehen, hier befinden sich schon lange Wohnräume.

Da das Haus in seiner direkten Nähe zur Mosel von dem verheerenden Eisgang des Jahres 1830 betroffen war, ist die Frage von Interesse, ob das Anwesen 1749 bereits zweigeschossig erbaut wurde oder ob das Obergeschoss erst nach 1830 errichtet wurde. Die im Jahre 1811 von der französischen Verwaltung durchgeführte Klassifizierung der Gebäude in Lay bewertete die Qualität der Bausubstanz ohne nähere Angaben und stufte sie in die Klassen von 1 (= sehr gut) bis 5 ein. Das Anwesen rangierte in der 3. Klasse, was nur einem Mittelwert entsprach. Im Jahre 1839 veranlasste die preußische Verwaltung eine nochmalige Klassifizierung der Gebäude (Klassen 1 bis 7) und stufte das Haus in die höchste steuerliche Klasse 7 ein. Diese deutliche Wertsteigerung lässt den Schluss zu, dass das Haus vom Eisgang stark beschädigt und nicht nur instandgesetzt wurde, sondern auch teilweise neu errichtet und dabei um das Obergeschoss erweitert wurde, so wie sich das Anwesen heute noch darstellt.

Von der Tätigkeit der Halfer
Seit Jahrhunderten wurde die Mosel als Schifffahrtsweg genutzt. Konnten die Lastschiffe zu Tal segeln oder gerudert werden, so mussten sie zur Bergfahrt entlang dem Leinpfad von Pferden gezogen werden. Es war die Aufgabe der Halfer, dies zu bewältigen. Je nach Größe des Schiffes wurde dieses von 2, 4 oder 6 Pferden an einem langen Seil entlang des Leinpfades flussaufwärts gezogen, getreidelt. Auf einem der Pferde ritt der Halfer, der sein Gespann führte. Er saß im Damenreitsitz mit dem Rücken zur Mosel, damit er bei Gefahr schnell abspringen und mit seiner Heeb das Zugseil durchschlagen konnte. Denn geriet das Schiff in eine Stromschnelle, konnten die Pferde samt Reiter ins Wasser gerissen werden. Für die Strecke Koblenz - Trier benötigten die Treidelschiffe 8 bis 10 Tage. Da waren Halferwirtschaften entlang der Mosel sehr gefragt. Hier kehrten Halfer und Schiffsleute zur Nachtruhe oder auch zur Mittagsrast ein. Abends wurden die Pferde abgeschirrt, in den Stall gebracht und dort mit Heu, Hafer und Wasser versorgt. Halfer und Schiffsleute begaben sich in die darüber liegende Gaststube um sich dort mit Brot, Käse und Wein kräftig zu stärken, bevor sie sich in ihr Nachtlager begaben, um am anderen Morgen weiter zu ziehen.
Zum damaligen Leinpfad bleibt noch anzumerken, dass dieser von Koblenz bis Alken auf dem rechten Ufer angelegt war und weiter auf dem linken Ufer bis Trier führte. Der Leinpfad wurde im Laufe der Zeit mehrmals verbreitert und ausgebaut, so in den Jahren 1826 und 1866. 1935 wurde an der unteren Mosel auf dem Leinpfad die Reichsstraße angelegt, die Vorgängerin der heutigen Bundesstraße. Das Niveau des ehemaligen Leinpfades lag bei Lay gut 90 Zentimeter tiefer als heute.

Geschichte des Gebäudes
Die Halferwirtschaft der Eheleute Bubenheim ist das älteste Layer Gasthaus, dessen Standort bekannt ist, wenn sich auch darin längst kein Gasthaus mehr befindet. Bemerkenswert ist auch, dass das Anwesen direkt als solches errichtet wurde im Gegensatz zu den anderen Layer Gasthäusern, die ursprünglich Wohnhäuser waren und erst später umgestaltet wurden. Jacob und Catharina Bubenheim betrieben ihre Halferwirtschaft über viele Jahre. In den Schirmguldenlisten (Steuerlisten) der Jahre 1753 und 1763 wird Jacob Bubenheim als Wirt genannt. Er starb im Jahre 1789, seine Frau bereits sieben Jahre früher. Im Jahre 1783 heiratete ihre Tochter Eva Maria in Lay Johann Georg Schaefer aus Neuendorf. Ob sie die Halferwirtschaft übernahmen, ist zwar wahrscheinlich, aber nicht nachzuweisen. In der Schirmguldenliste des Jahres 1784 ist Johann Georg Schaefer nicht als Wirt genannt, er starb bereits 1797 und hinterließ seine Witwe und sechs unmündige Kinder.

Ihr 1788 geborener Sohn Martin heiratete im Jahre 1816 Barbara Beckermann aus Lay und nannte sich Wirt im Gasthaus „Zu den 3 Kronen“. Die Treidelschifffahrt auf der Mosel gelangte noch einmal zur Blüte, nachdem sie in der Zeit der französischen Herrschaft (1794-1814/15) durch Requirierung der Schiffe und vor allem der Halferpferde zum Erliegen gekommen war. In diesem ihrem Gasthaus erlebte die Familie den schrecklichen Eisgang vom 10. Februar 1830, bei dem ihre neunjährige Tochter Anna in den eisigen Fluten ertrank. Der Chronik des damaligen Lehrers und Zeitzeugen Franz Schweizer ist hierzu zu entnehmen: „… das Eis aber 5 Häuser zusammengerissen, etliche 20 teils sehr stark beschädigt, dass sie für nichts mehr als zum Abbrechen dienten; solche schreckliche Nacht habe ich nie erlebt als diese war.“ Sicher war auch das Gasthaus „Zu den 3 Kronen“ stark beschädigt. Das Wasser stand damals in Höhe der Decke des heutigen Erdgeschosses. Da das Haus damals nur eingeschossig war, ist es plausibel, dass das Wasser in das Dachgeschoss eindrang und das Eis zumindest dieses zerstörte. In dieses hatte sich die Familie des Martin Schaefer der Überlieferung nach geflüchtet, wo ihre Tochter Anna ertrank.

Nach Instandsetzung und teilweisem Neubau betrieb Martin Schaefer das Gasthaus weiter. Nach dem Jahr 1840 ging die Treidelschifffahrt auf der Mosel zurück. Grund war die Eröffnung der regelmäßig verkehrenden Dampfschifffahrtslinie Koblenz - Trier im Jahre 1841. Jetzt konnten Waren schneller zwischen Koblenz und Trier transportiert werden. Das Gasthaus reichte wohl weiter zum Lebensunterhalt der Familie, denn Martin Schaefer war im Jahre 1846 nachweislich noch Wirt und starb zwei Jahre später. Seine Witwe wird das Gasthaus weitergeführt haben. Ihr Sohn Peter heiratete 1859 Elisabeth Bersch aus Lay und nannte sich Ackerer und Wirt „Zu den 3 Kronen“. Die Treidelschifffahrt, die ehemals wichtigste Einnahmequelle reichte alleine nicht mehr zum Leben aus und kam nach der Eröffnung der Eisenbahnlinie Koblenz - Trier - Metz am 15. Mai 1879 nach und nach zum Erliegen. Peter Schaefer erlebte dieses Ereignis nicht mehr, er starb 1878.

Wahrscheinlich schloss seine Witwe in der Folgezeit das Gasthaus, da ihre beiden Kinder nicht in die Fußstapfen des Vaters traten. Somit lässt sich zusammenfassen: Die Halferwirtschaft mit dem späteren Namen Gasthaus „Zu den 3 Kronen“ bestand von 1749 bis 1878, eventuell mit Unterbrechungen. Spätestens 1898 verkaufte Witwe Elisabeth Schaefer ihr Anwesen an August Reick, den Wirt des Gasthauses „Zur Traube“ zwei Häuser nebenan. Im Sommer 1946 wurden an den Außenwänden des Hauses Maistraße 4 die Spuren des Zweiten Weltkrieges beseitigt: Löcher von Granateinschlägen und ähnlichem. Dabei kam unter dem Anstrich auf der Moselseite des Hauses die alte Inschrift zum Vorschein: „Zu den 3 Kronen“, wobei die Zahl „3“ durch drei aufgemalte Kronen dargestellt war. Das ehemalige Gasthaus befindet sich bis heute im Besitz der Nachkommen des August Reick, derzeitige Eigentümerin ist die Familie seines Ur-Ur-Enkels Uwe und Claudia Zimmermann.

(Rolf Morbach, Koblenz-Lay, 2022)

Quellen
Morbach, Rolf (2010): Vortrag im Gasthaus „Zur Linde“, Koblenz-Lay am 26.11.2010 (Veranstaltung des Arbeitskreises Rund um Lay).
Informationen von Toni Zimmermann, Koblenz-Lay (2010).
StA Koblenz, Bestand D2, Nr. 18, Familienbuch Lay.

Literatur

Morbach, Rolf (2010)
Alte Layer Gastwirtschaften. In: Rund um Lay 3, Beiträge zur Ortsgeschichte und Heimatkunde, S. 59-106. S. 60 u. 74, o. O.

Wohnhaus Maistraße 4 in Koblenz-Lay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Maistraße 4
Ort
56073 Koblenz - Lay
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Vor Ort Dokumentation, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1749

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Rolf Morbach: „Wohnhaus Maistraße 4 in Koblenz-Lay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343690 (Abgerufen: 26. Mai 2024)
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