Synagoge Poppelsdorf

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 43′ 16,93″ N: 7° 05′ 35,65″ O 50,72137°N: 7,09324°O
Koordinate UTM 32.365.408,24 m: 5.620.574,63 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.577.244,00 m: 5.621.220,66 m
  • Undatierte Aufnahme der 1901/02 erbauten und 1938 zerstörten Synagoge Poppelsdorf im heutigen Bonn-Poppelsdorf.

    Undatierte Aufnahme der 1901/02 erbauten und 1938 zerstörten Synagoge Poppelsdorf im heutigen Bonn-Poppelsdorf.

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  • Gedenkstein und Mahnmal in Form einer Menora (siebenarmiger Leuchter) am frühreren Standort der 1901/02 erbauten und 1938 zerstörten Synagoge Poppelsdorf im heutigen Bonn-Poppelsdorf (2018).

    Gedenkstein und Mahnmal in Form einer Menora (siebenarmiger Leuchter) am frühreren Standort der 1901/02 erbauten und 1938 zerstörten Synagoge Poppelsdorf im heutigen Bonn-Poppelsdorf (2018).

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Im Jahr 1902 konnte der Neubau einer Synagoge der jüdischen Gemeinde Poppelsdorf eingeweiht werden. Dieses Gotteshaus wurde im Zuge der NS-Novemberpogrome 1938 abgebrannt und danach abgerissen. Zuvor bestand seit Ende der 1830er-Jahre ein erster Betsaal der Gemeinde, bevor 1850-52 eine erste Synagoge durch den Umbau eines vormaligen Fabrikgebäudes entstand.

Die jüdische Gemeinde Poppelsdorf seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Zur Poppelsdorfer Gemeinde, die sich 1875 von der Bonner Synagogengemeinde trennte, gehörten auch Ippendorf, Kessenich, Dottendorf, Lengsdorf, Duisdorf und Endenich. 1932 waren Kessenich, Dottendorf, Duisdorf und Lengsdorf angeschlossen.
Gemeindegröße um 1815: 42 (1808), um 1880: 51 (1885), 1932: Ohne Angabe, 2006: - (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007; www.jüdische-gemeinden.de nennt ferner 1815: wenige Familien, 1831: 20, 1843: 124, 1880: ca. 55 und 1890: ca. 230 Gemeindemitglieder).

Die jüdische Gemeinde Endenich seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Zwar gehörten die Endenicher Juden seit Anfang des 19. Jahrhunderts zur Poppelsdorfer Gemeinde, doch waren sie, zusammen mit den Duisdorfern, um Selbständigkeit bemüht.
Gemeindegröße um 1815: 16 (1808), um 1880: 61 (1885), 1932: -, 2006: -.
Bethaus: Um 1850 bestand in Endenich mehrere Jahre lang ein Betsaal, trotz der Opposition der Poppelsdorfer Gemeinde und der staatlichen Behörden (vorstehende Angaben alle nach Reuter 2007).

Die Synagoge Poppelsdorf
Ende der 1830er Jahre konnte der erste Betsaal eingerichtet werden, 1850-52 entstand eine Synagoge durch Umbau eines Fabrikgebäudes, 1902 wurde ein Synagogenneubau eingeweiht. 1938 wurde die Synagoge verbrannt, danach abgerissen (Reuter 2007).

„Ihren ersten Betsaal richtete die Poppeldorfer Gemeinde in einem Hause in der Clemens-August-Straße ein. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ein Fabrikgebäude angekauft, das zu einer Synagoge mit Frauenempore umgebaut wurde. Um die Jahrhundertwende ließ die größer gewordene Synagogengemeinde an der Ecke Bennauerstraße / Jagdweg eine neue Synagoge errichten. Dieser nach den Plänen des Bonner Architekten Wilhelm Weinreis im maurischen Stile gestaltete Neubau wurde im Mai 1902 feierlich eingeweiht; in diesem fanden ca. 100 Männer und 65 Frauen auf der Empore Platz. Im Gegensatz zu seinem recht auffälligen Äußerem war der Innenraum relativ schlicht eingerichtet.“ (www.jüdische-gemeinden.de)

Die Synagoge galt mit ihrem ortsuntypischen maurischen Stil als das bis dahin bedeutendste Werk von Wilhelm Weinreis (1872-1906), als bauliches Vorbild gilt die 1879 eröffnete Alte Bonner Syngoge. Für das neue Poppelsdorfer Gotteshaus hatte Weinreis' in der Bonner Südstadt ansässiges Bureau für Architectur und Bauausführung gleich mehrere Varianten entworfen.
1927 wurde das Gebäude unter der Leitung des Kölner Architekten Robert Stern (1885-1964) umgebaut (de.wikipedia.org, Robert Stern u. Bemmelen 2002).

„Am 10. November 1938 setzten nationalsozialistische Gewalttäter die Poppelsdorfer Synagoge in Brand; nachdem sie sich mit Äxten Zugang verschafft hatten, wurde die Inneneinrichtung mit Benzin übergossen und angezündet. Das Gebäude brannte völlig aus; die Ruine wurde ein halbes Jahr später abgetragen.“ (www.jüdische-gemeinden.de)

Gedenkstein und Mahnmal
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite des einstigen Standorts der Synagoge (heute Jagdweg 19b) erinnert seit 1963 an der Ecke Jagdweg / Bennauerstraße ein Gedenkstein an das zerstörte Gotteshaus. Die in Versalien gehaltene Inschrift des Gedenksteins lautet:

An dieser Stelle stand die Poppelsdorfer Synagoge
Sie wurde im Jahre 1902 erbaut und bei den national-
sozialistischen Gewalttaten gegen unsere jüdischen
Mitbürger am 9. November 1938 zerstört

Neben dem Gedenkstein wurde am 9. November 1988 ein Mahnmal in Form einer stählernen Menora errichtet, die von dem Bonner Kunstschmied Hans Wolfgang Delfosse geschaffen wurde. Die Menora, ein siebenarmiger Leuchter, ist eines der wichtigsten religiösen Symbole des Judentums.

(Franz-Josef Knöchel, Digitales Kulturerbe LVR, 2022)

Internet
www.jüdische-gemeinden.de: Poppelsdorf (abgerufen 11.04.2022)
de.wikipedia.org: Synagoge Poppelsdorf (abgerufen 11.04.2022)
de.wikipedia.org: Robert Stern (abgerufen 11.04.2022)
de.wikipedia.org: Wilhelm Weinreis (abgerufen 11.04.2022)

Literatur

Bemmelen, Nicole (2002)
Die Neue Judengasse in Bonn - Entstehung und Zerstörung. In: Bonner Geschichtsblätter Nr. 51/52, 2001/2002, S. 197-283. o. O.
Pracht, Elfi (1997)
Jüdisches Kulturerbe in Nordrhein-Westfalen, Teil I: Regierungsbezirk Köln. (Beiträge zu den Bau- und Kunstdenkmälern im Rheinland 34.1.) Köln.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 38, Bonn.

Synagoge Poppelsdorf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Jagdweg 19 b
Ort
53115 Bonn - Poppelsdorf
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1901 bis 1902, Ende 1938

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Synagoge Poppelsdorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343583 (Abgerufen: 10. August 2022)
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