Kreisverkehr Kunstkreisel in Alf

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Fachsicht(en): Landeskunde
Gemeinde(n): Alf
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 03′ 24,36″ N: 7° 07′ 39,98″ O / 50,05677°N: 7,12777°O
Koordinate UTM 32.365.985,13 m: 5.546.621,22 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.580.804,35 m: 5.547.332,36 m
  • Der Kreisverkehr "Kunstkreisel" in Alf unmittelbar am Alfbach- und Moselufer (2021)

    Der Kreisverkehr "Kunstkreisel" in Alf unmittelbar am Alfbach- und Moselufer (2021)

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  • Der Kreisverkehr "Kunstkreisel" in Alf unmittelbar am Alfbach- und Moselufer (2021)

    Der Kreisverkehr "Kunstkreisel" in Alf unmittelbar am Alfbach- und Moselufer (2021)

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  • Onmaps-Kartenausschnitt des Kreisverkehrs Brautwiesenplatz in Görlitz (2021)

    Onmaps-Kartenausschnitt des Kreisverkehrs Brautwiesenplatz in Görlitz (2021)

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In Alf, unmittelbar am Alfbach- und Moselufer, befindet sich zur Verkehrsregulierung ein „Kunstkreisel“. Er verbindet die entlang des Alfbachufers angelegte Koblenzer Straße (Bundesstraße 49) mit der Moselstraße, auch Bundesstraße 421 genannt. Der Kunstkreisel verdankt seinen Namen der Skulpturengruppe, die sich auf dem leicht erhöhten Rondell aus Pflastersteinen befindet. Da sich der Kreisverkehr am Ortseingang zu Alf und somit an prominenter Stelle befindet, entschied man sich für eine künstlerische Ausgestaltung gegenüber einer rein praktischen Variante. Die Skulpturen hat der ortsansässige Künstler Turgut Gül aus Glasfaserkunststoff gefertigt. Nach zweijähriger Bauzeit wurde der Kreisverkehr am 3. Oktober 2019 eröffnet und beendete so die prekäre Verkehrssituation an diesem vielbefahrenen Knotenpunkt.

Zwei Bundesstraßen kreuzen sich in Alf (B 49 und B 421). Die Bundesstraße 49 führt den Verkehr von Koblenz über Cochem und Alf in Richtung Trier. Die Bundestraße 421 kommt aus südlicher Richtung und vereint mehrere Bundesstraßen, bis sie über Zell Alf erreicht. Daher bildet sich in Alf ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt, der zu Zeiten der Ampelanlage am Ort des heutigen Kreisels zu bestimmten Stoßzeiten regelmäßig zu Staubildungen führte. Mit Fertigstellung des Kreisverkehrs konnte diese Situation entschärft werden.

Skulpturen
Geschichte des Kreisverkehrs
Kreisverkehre als Mittel der „autogerechten Stadt“
Auswirkung auf die Ortsstruktur
Internet

Skulpturen
Die Skulpturen stellen in Lebensgröße vier Menschen beim Ausführen eines Handwerks dar: Einen Schmied beim Schmieden einer Eisenstange, eine Winzerin beim Keltern, einen Angler im Moment des Herausziehens eines Fisches und einen Mann beim Eisenabstich. Diese vier Personen verweisen auf Handwerksberufe, die im Ort ausgeübt wurden. Der Schmied steht symbolisch für die Sagenfigur Köhler und Schmied von Arras, die Winzerin repräsentiert den lokalen Weinbau. Der Angler steht für das Leben an Alfbach und Mosel und der Eisenarbeiter weist auf die Industriegeschichte des Ortes hin. In Alf befand sich nämlich bis zum Jahre 1957 das Eisenwerk Alf Fabrik und Ferdinand Remy (www.alf-mosel.de).
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Geschichte des Kreisverkehrs
In Alf griff man auf ein gängiges Mittel der Verkehrsregulierung zurück: Der vermutlich erste Kreisverkehr der Welt wurde im Jahre 1899 in Görlitz am Brautwiesenplatz mit der sogenannten Görlitzer Drehscheibe eingerichtet (www.goerlitz-insider.de; www.alles-lausitz.de). Es folgten Kreisverkehrsanlagen in New York (1904) und Paris (1907). Dennoch aber dauerte es knapp hundert Jahre, bis sich dieses Mittel zur Verkehrsführung in Deutschland durchsetzen konnte. Erst im Laufe der 1990er Jahre wurde es verstärkt angewendet. In anderen Ländern wie Frankreich und den Niederlanden waren Kreisverkehrsanlagen längst üblich. In Großbritannien wird der „roundabout“ wie ein nationales Symbol stilisiert. Beispielhaft dafür steht der „Magic Roundabout“ in Swindon (www.roundaboutsofbritain.com). Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Deutschland viel über die Neugestaltung der Innenstädte diskutiert.

Kreisverkehre als Mittel der „autogerechten Stadt“
Die künstlerische Gestaltung des Alfer Kreisverkehrs entspricht dem Anspruch, das Praktische mit dem Ästhetischen zu verbinden. Zurückführen lässt sich dieser Anspruch auf den Gedanken von der „autogerechten Stadt“. Dieser trifft in den 1950er Jahren den Nerv der Zeit. Neben dem Anspruch, die Innenstädte für den Autoverkehr zugänglich zu machen, findet auch der Kreisverkehr Erwähnung. So macht der Stadtplaner Hans Bernhard Reichow (1899-1974) in seiner Publikation „Die Autogerechte Stadt: ein Weg aus dem Verkehrschaos“ aus dem Jahre 1959 die Vorteile des Kreisverkehrs deutlich. Zurückblickend wird sein Werk folgendermaßen gewertet:

„Die autogerechte Stadt forderte als dringlichstes Anliegen 'die Entwicklung einer dem Wesen des Menschen und des Autos gleichermaßen gerecht werdenden Stadt'. Sie beabsichtigte keinesfalls die absolute Vorherrschaft des Autos, sondern strebte vielmehr einen Organismus an, in dem Menschen und Autos 'natürlich' nebeneinander 'existieren' konnten. Mit der 'autogerechten Stadt' war das übergreifende Ziel pointiert formuliert, das in der zweiten Phase des Leitbilds der Verkehrsplanung als verbindlich angesehen wurde und besagte, dass das Auto störungsfrei in die Stadt einzupassen sei“ (Schmucki 2001, S. 123).

Vor diesem Hintergrund lassen sich zwei wesentliche Aspekte des Kreisverkehrs erläutern. Zum einen werden in seiner möglichen künstlerischen Ausgestaltung die menschlichen Bedürfnisse nach einer Ästhetisierung des Raums erfüllt. Zum anderen bietet der Kreisverkehr dem Autofahrer die Möglichkeit, sich „störungsfrei“ im Ort und durch den Ort zu bewegen. In den 1950er Jahren wurden die deutschen Innenstädte durch den Bau zentraler Straßen und durch die Verbreiterung von Straßen „autogerecht“ und „modern“ gestaltet. Der Kreisverkehr blieb dabei jedoch zunächst ausgeklammert.
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Auswirkung auf die Ortsstruktur
Häufig wirken sich Kreisverkehre stark auf die Struktur des Ortes aus, in denen sie sich befinden. In Görlitz oder auch in Paris wird deutlich, welche Konsequenz ein Kreisverkehr in städtebaulicher Hinsicht bedeutet. So sind Kreisverkehre Bestandteile einer Stadtstruktur, die eine strahlenförmige Ausrichtung von Straßen beinhaltet. Als Beispiel kann hier der Arc de Triomphe in Paris angesehen werden. Das Pariser Wahrzeichen bildet den Schnittpunkt von insgesamt zwölf Straßen. Diese laufen auf den Arc de Triomphe zu und umrunden den als Rondell angelegten Platz. Ganz ähnlich, aber in einem kleineren Maßstab, funktioniert das in Görlitz (siehe Kartenausschnitt in der Mediengalerie). Dieser erste Kreisverkehr wird aus einem mit Rasenfläche und Bäumen ausgestattetem Rondell gebildet. Die Straßen, hier sechs, laufen auf diesen Punkt zu. In beiden Fällen werden durch die ausstrahlenden Straßen dreieckige Flächen für die Architektur geschaffen. Diese bilden um das Monument selbst einen Kreis und dienen somit der Betonung dieses Areals. In Frankfurt dagegen, wo in den 1950er Jahren Bereiche der Altstadt durch die „autogerechte“ Berliner Straße ganz neu strukturiert wurden, ist eine andere Form zu finden. Hier laufen die Straßen linear in rechteckigen Winkeln aufeinander zu. Diese Straßenstruktur bildet zumeist rechteckige „Inseln“ und erfordert somit die Verkehrsführung mithilfe von Ampeln oder Vorfahrtsschildern.
Der Kreisverkehr in Alf ist dem Ort vorgelagert. Daher hat er keine strukturellen Auswirkungen auf die Ortsgemeinde.

(Florian Weber, Universität Koblenz-Landau, 2021)

Internet
www.goerlitz-insider.de: Der erste Kreisverkehr der Welt in Görlitz (abgerufen 26.11.2021)
www.alles-lausitz.de: Was alles in Görlitz erfunden wurde (abgerufen 26.11.2021)
www.roundaboutsofbritain.com: Round-a-bouts of Great Britain (abgerufen 26.11.2021)
www.alf-mosel.de: Alf Fabrik und Ferdinand Remy (abgerufen 26.11.2021)
www.hkv-alf.de: Verkehrskreisel (abgerufen 29.11.2021)
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Literatur

Schmucki, Barbara (2001)
Der Traum vom Verkehrsfluss. städtische Verkehrsplanung seit 1945 im deutsch-deutschen Vergleich. (Beiträge zur historischen Verkehrsforschung Bd. 4.) o. O.

Kreisverkehr Kunstkreisel in Alf

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bundesstraße B 49
Ort
56859 Alf
Fachsicht(en)
Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 2017 bis 2019

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Kreisverkehr Kunstkreisel in Alf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-343183 (Abgerufen: 25. Januar 2022)
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