Burg Arras bei Alf

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Alf
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
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Wo Alf- und Ueßbach bei Alf in die Mosel münden, wurde noch vor dem Jahre 1000 auf einer Bergspitze unter der Hoheit der Trierer Erzbischöfe eine Burg erbaut. Diese 1138 unter dem Trierer Erzbischof Albero von Montreuil (*um 1080/85-1152, Erzbischof von Trier 1132-1152) wiederhergestellte und 1253 unter Arnold II. von Isenburg (*um 1190-1259, Erzbischof von Trier 1242-1259) verstärkte Anlage wurde im pfälzischen Erbfolgekrieg 1689 zerstört und verfiel danach. Der achteckige Bergfried mit Buckelquader sowie Teile des Palas und der Wehrmauer blieben vom mittelalterlichen Bestand.

Nach einer Planung des Trierer Architekten Peter Marx erfolgte in den Jahren 1907-1910 für den Bergwerksdirektor Traugott Wilhelm Dyckerhoff aus Herne ein romantischer Wiederaufbau der Burg unter Beibehaltung alter Bauteile. Die heute als Hotel betriebene Anlage hält in ihrem Burgmuseum die Erinnerung an den ehemaligen Bundespräsidenten Heinrich Lübke wach.

Geschichte
Ein handschriftliches Dokument aus dem Kloster Springiersbach beziffert den Bau der Burg auf das Jahr 938. Als Initiator der Burggründung wird der Pfalzgraf Hermann genannt. Grund für den Bau war der Einfall der Magyaren. Es existieren allerdings auch Sagen, die den Bau der Burg ins 9. Jahrhundert datieren.
Archäologische Befunde bestätigen, dass die Bergkuppe, auf der die Burg errichtet wurde, bereits in spätrömischer Zeit besiedelt wurde und ein Wachturm dort stand.
Um 1140 werden einem Bericht zufolge mehrere Bauten bezüglich der Burg genannt. Ein Tor, eine Kapelle, ein Brunnen sowie eine Ringmauer und ein Graben wurden vor dieser Zeit errichtet. Während des Pontifikats des Trierer Erzbischofs Albero von Montreuil wurde die Burg Arras während eines Feldzuges nach Italien von den Herren von Nantersburg erobert.
Erzbischof Raban von Helmstatt (* um 1362-1439, ab 1399 Bischof von Speyer und ab 1430 Erzbischof von Trier) teilte den Besitz im Oktober 1439 zu gleichen Teilen an Familie Metzenhausen und die Zandt von Merl auf. Während des sogenannten Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde die Festung im Oktober 1689 durch Sprengung bis auf die Grundmauern geschleift. Der Bergfried widerstand den Sprengversuchen.
Die Burgruine, mit dazugehörigen Ländereien, wurde im Oktober 1794 zu französischem Eigentum erklärt. Die preußische Regierung beschloss später deren Veräußerung.
Ferdinand Remy erwarb im Jahr 1826 die Burgruine mit den dazugehörigen 70 Hektar Land. Nach dem Tod des Industriellen ging die Burg in den Besitz seiner drei Töchter über. Diese verkauften ihren neuen Besitz Mitte des 19. Jahrhunderts an den Weingutsbesitzer Barzen aus Alf.

1907 wurde die Burg durch den Bergwerksdirektor Traugott Wilhelm Dykerhoff neu errichtet. Die Denkmalschutzbehörde genehmigte diesen Neubau, der die Einbindung des Bergfrieds und der erhaltenen Mauerreste vorsah. Dykerhoff wurde auf dem Gelände der Burg bestattet. Grund dafür ist ein burgeigenes Bestattungsrecht. 1954 wurde der Anbau des sogenannten Kavaliersflügels wieder hergestellt.
Weitere Besitzer der Burg waren im Folgenden der Kunsthändler Ernst Rademacher und 1938 der Richter Dr. Theo Homburg. Zwischen den Jahren 1978-1984 erstand das Ehepaar Maria und Otto Keuthen aus Briedel die Burg Arras. Sie richteten ein Museum, ein Restaurant sowie ein Hotel ein. Außerdem findet man aktuell ein dermatologisches Laser-Institut in den Gemäuern der Burg.

Baubeschreibung
Die Burg Arras weist einen annähernd rechteckigen Grundriss auf. Sie befindet sich auf dem Berggipfel oberhalb der beiden Flüsse Alf und Ueßbach. Die Südwestseite bildete die langgestreckte Hauptburg, welche durch zwei Tore zugänglich war. Ursprünglich war der Hauptburg eine weitere Burg vorgelagert. Dieser Bereich ist mit Häusern des frühen 20. Jahrhunderts bestanden. Ein rundbogenartiges Tor bildet den Zugang zum inneren Burghof, der durch eine acht Meter hohe Ringmauer umschlossen wird. Auf der Südostseite des Burggeländes befindet sich der zwischen 1907-1910 wiedererrichtete Palas. Er besitzt eine Grundfläche von 19x11 Meter.

Feldseitig schließt der rechteckige, noch etwa 18 Meter hohe Bergfried an. Es handelt sich um einen Wehr- und Wohnturm. Die Mauern des Turmes sind etwa vier Meter mächtig. Ein sorgfältig geschichtetes Mauerwerk bildet das stabile Gesamtkonstrukt des Bergfrieds. Ursprünglich besaß er lediglich einen Zugang im Obergeschoss. Dieser führte in das obere Stockwerk des Wohnbaus. Der Eingang ist heute vermauert. Am Grund des Turmes befindet sich eine Zisterne. Sie besitzt ein Fassungsvermögen von 3,6 Kubikmeter und wird durch Regenwasser von den Dächer befüllt. Notwendig war die Wasseraufbewahrung aufgrund des außerhalb liegenden und 34 Meter tiefen Burgbrunnens. Jüngste Ergebnisse der Burgenforschung datieren den Bau des Bergfriedes als Neubau in die Mitte des 13. Jahrhunderts. Am Fuß von einem der Mauertürme befindet sich das zweistöckige Burgverlies, welches auch noch heute gut erhalten.An den dicksten Mauerstellen ist dieser noch etwa 3,5 Meter mächtig. Akzente werden durch große behauene Sandsteinquader an den Ecken des Turmes gesetzt. Des Weiteren ist eine Burgkapelle vorhanden.

(Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2004 / Sebastian Maes, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Internet
www.burg-arras.de: Burg Arras (abgerufen 20.02.2015)

Literatur

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Hrsg.) (2004)
Rheinland: Denkmal, Landschaft, Natur - 2005 (Jahreskalender 2005, 35. Jahrgang). Köln.

Burg Arras bei Alf

Schlagwörter
Ort
56859 Alf
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 938 bis 1000
Koordinate WGS84
50° 03′ 10,02″ N, 7° 06′ 20,56″ O / 50.05278°, 7.10571°
Koordinate UTM
32U 364394.78 5546218.36
Koordinate Gauss/Krüger
2579231.06 5546865.86

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„Burg Arras bei Alf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-59555-20130123-3 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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