Spuren der Kamillen-Traud, Station 4

Krieg, Wald und Verstecke

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Gemeinde(n): Kolverath
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 15′ 54,17″ N: 6° 59′ 10,61″ O 50,26505°N: 6,98628°O
Koordinate UTM 32.356.482,87 m: 5.570.040,52 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.570.365,89 m: 5.570.355,91 m
  • Das teilweise zerstörte Ortszentrum Kelbergs nach den Bombardements (1944/1945)

    Das teilweise zerstörte Ortszentrum Kelbergs nach den Bombardements (1944/1945)

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  • Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die Frage, warum Traud die Zeit des Nationalsozialismus überlebte

    Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die Frage, warum Traud die Zeit des Nationalsozialismus überlebte

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Für Traud gab es während des Krieges keinen Ort, der nicht dunkel und bedrohlich war. Auch die abgestützten Löcher und Höhlen, die sich die Menschen in Wälder gegraben haben, boten nur einen kläglichen Schutz. Aber neben ihr suchten viele Menschen aus den umliegenden Dörfern Schutz in den Wäldern.

Luftangriffe auf Kelberg
Traud zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Aufgabe für Kinder

Luftangriffe auf Kelberg
Diese Station im Wald der Ortsgemeinde Uersfeld erinnert daran, dass Kelberg am 27.12.1944 und am 16.01.1945 ein Ziel alliierter Bomber wurde. Vor allem der Luftangriff vom Januar, einem Sonntag, war verheerend. Der Ort wurde um die Mittagszeit von 36 alliierten Jagdbombern angegriffen. In kurzer Zeit zerstörten 200 bis 300 Bomben zwei Drittel des Dorfes. 17 Zivilisten und eine Vielzahl Soldaten kamen ums Leben. Die Ursache des Luftangriffes war, dass erst am Vortag größere Truppeneinheiten (Panzer, Artillerie, Infanterie) in Kelberg Quartier bezogen hatten. Dies wurde bei alliierten Aufklärungsflügen registriert. Das Ortszentrum um den Marktplatz glich einem Trümmerfeld (siehe Abbildungen in der Mediengalerie). Viele Häuser, die Pfarrkirche sowie die Schule waren zerstört bzw. schwer beschädigt. Die Verletzten und Toten wurden mühselig aus den Trümmern geborgen. Die Bevölkerung suchte Schutz in den nahegelegenen Wäldern.
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Traud zur Zeit des Zweiten Weltkriegs
Hatte der Zweite Weltkrieg für Traud bislang wenige Auswirkungen gehabt, erlebte sie ihn in diesen Tagen hautnah mit. Ute Bales schildert in ihrem Roman:
„Für Traud gibt es während des Krieges keinen Ort, der nicht dunkel und bedrohlich ist. Auch die abgestützten Löcher und Höhlen, die sich die Menschen in Wälder gegraben haben, bieten nur einen kläglichen Schutz. Im Sommer findet Traut leichter als sonst Arbeit auf den Höfen, weil die meisten Männer zum Kriegsdienst eingezogen sind und als Arbeitskräfte fehlen. Trotzdem ist sie überall auf sich selbst gestellt.
(...)
Zwar hatte Traud nach Kolverath gehen wollen, war aber in einer verlassenen Jagdhütte am Barsberg geblieben, wo sie sich in diesen Tagen sicher glaubte, lag die Unterkunft doch versteckt und abseits der Straßen. Sie war froh, niemandem zur Last zu fallen. Die Häuser waren allesamt zwangsbelegt, die Bauernfamilien mussten selbst eng zusammenrücken.
Ende Februar wurde auch die Hütte zu einem unsicheren Platz. Traud flüchtete in die Wälder, verkroch sich im Gestrüpp. Krumm vor Kälte lag sie nachts auf einem Strohsack, den sie aus der Jagdhütte mitgeschleppt hatte. Das raue Leinen roch nach Fäulnis, das Tuch, das sie sich über Mund und Nase gezogen hatte, gefror von ihrem Atem. Kein warmer Winkel, keine warme Wand. Sie war voller Angst und geplagt von Hunger und Frost.“
(Auszug aus dem Roman „Kamillenblumen“ von Ute Bales)
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Aufgabe für Kinder
Was glaubst du, hatte die Traud damals in ihrem Rucksack? Was hast du in deinem Rucksack? Sieh mal nach. Gibt es Unterschiede?
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(Verbandsgemeinde Kelberg, 2021)

Literatur

Bales, Ute (2016)
Kamillenblumen. Roman aus der Eifel. (Edition Schrittmacher Band 15, 6. überarbeitete Auflage.) Zell/Mosel.
Ferber, Franz-Josef (1980)
Nochmal: Die Kolverather Traud. In: Heimatjahrbuch Kreis Daun 1980, S. 30. o. O.
Ferber, Franz-Josef (1978)
Mir ward keine Liebe, kein heimatliches Land .... Erinnerungen an die Kolverather Traud oder: Ein Mensch am Rande der Gesellschaft. In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1979, S. 49 ff.. o. O.
Pauly, Theo (1991)
Kindheitsbegegnung mit Kollewada Traud. Im heutigen Amtsdeutsch: Person mit häufig wechselndem Aufenthaltsort. In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1991, S. 160-161. o. O.
Retterath, Tamara (2010)
Meine Erinnerungen an die Kolverather Traud. In: Heimatjahrbuch Kreis Vulkaneifel 2010, S. 178ff.. o. O.

Spuren der Kamillen-Traud, Station 4

Schlagwörter
Ort
56767 Uersfeld
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Naturschutz
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1900 bis 1960

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Empfohlene Zitierweise
„Spuren der Kamillen-Traud, Station 4”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-335762 (Abgerufen: 5. Oktober 2022)
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