Ortskern Kelberg

Achte Station des Erlebnisrundwegs: Traud und der Zweite Weltkrieg

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Kelberg
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 17′ 9,62″ N: 6° 55′ 5,65″ O / 50,28601°N: 6,91824°O
Koordinate UTM 32.351.698,93 m: 5.572.503,85 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.565.485,71 m: 5.572.625,01 m
  • Ansicht des Ortszentrums in Kelberg vor den Luftangriffen der Jahre 1944/1945

    Ansicht des Ortszentrums in Kelberg vor den Luftangriffen der Jahre 1944/1945

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  • Zeitzeugeninterview vom 4.8.2019 mit Peter Bauer zur Besatzung Kelbergs durch die Amerikaner (2019)

    Zeitzeugeninterview vom 4.8.2019 mit Peter Bauer zur Besatzung Kelbergs durch die Amerikaner (2019)

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  • Zeitzeugeninterview vom 4.8.2019 mit Peter Bauer zum Alltag während des Zweiten Weltkriegs in Kelberg (2019)

    Zeitzeugeninterview vom 4.8.2019 mit Peter Bauer zum Alltag während des Zweiten Weltkriegs in Kelberg (2019)

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  • Das teilweise zerstörte Ortszentrum Kelbergs nach den Bombardements (1944/1945)

    Das teilweise zerstörte Ortszentrum Kelbergs nach den Bombardements (1944/1945)

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  • Das teilweise zerstörte Ortszentrum Kelbergs nach den Bombardements (1944/1945)

    Das teilweise zerstörte Ortszentrum Kelbergs nach den Bombardements (1944/1945)

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  • Menschen in Kelberg bei Aufräumarbeiten nach den Bombenangriffen (1944/1945)

    Menschen in Kelberg bei Aufräumarbeiten nach den Bombenangriffen (1944/1945)

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  • Flüchtende Menschen nach den Bombenangriffen auf Kelberg 1944/1945

    Flüchtende Menschen nach den Bombenangriffen auf Kelberg 1944/1945

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  • Sterbeurkunde der Traud vom 21. Dezember 1964

    Sterbeurkunde der Traud vom 21. Dezember 1964

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  • Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die Frage, warum Traud die Zeit des Nationalsozialismus überlebte

    Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die Frage, warum Traud die Zeit des Nationalsozialismus überlebte

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Aufgrund der strategischen Lage an zwei großen Aufmarschstraßen (die heutigen Bundesstraßen B 257 und B 410), wurde Kelberg am 27.12.1944 und 16.1.1945 ein Ziel alliierter Bomber. Vor allem der Luftangriff vom 16. Januar 1945, einem Sonntag, war verheerend. Der Ort wurde um die Mittagszeit bei strahlendem Wetter von 36 alliierten Jagdbombern angegriffen. In kurzer Zeit zerstörten 200 bis 300 Bomben zwei Drittel des Dorfes. 17 Zivilisten und noch mehr Soldaten kamen ums Leben. Die Ursache des Luftangriffes war, dass erst am Vortag größere Truppeneinheiten (Panzer, Artillerie, Infanterie) in Kelberg Quartier bezogen hatten. Dies wurde bei alliierten Aufklärungsflügen registriert.

Die Folgen des Luftangriffes waren verheerend und der Schock saß tief. In der Pfarrchronik heißt es: „Kelberg ist im Herzen zerstört, ein furchtbarer Anblick. [...] Die Bevölkerung streift in den Wäldern umher oder sitzt in Höhlen und schlechten Bunkern“. Das Ortszentrum um den Marktplatz, der Bonner und Mayener Straße glich einem Trümmerfeld (die Geometrie zeigt in etwa die zerstörte Fläche des Ortskerns von Kelberg an). Viele Häuser, die Pfarrkirche (vor allem deren Chor) sowie die Schule waren zerstört bzw. schwer beschädigt. Die Verletzten und Toten wurden mühselig aus den Trümmern geborgen.

Traud während des Zweiten Weltkriegs
Traud erlebte die Bombenangriffe aus nächster Nähe mit. Ute Bales schildert die Bombennächte des Jahres 1944 in ihrem Roman „Kamillenblumen. Roman aus der Eifel“ folgendermaßen:

„Traud hatte kaum die obersten Stufen erreicht, als die Luftschutzsirene heulte. Jemand schubste sie in die Seite, Leute rannten ihr entgegen, sie hatte keine andere Wahl als umzukehren. 'Los, geh schon, renn doch, im Keller isset besser als in der Kirch ...!' Sie fühlte eine Hand im Rücken und ließ sich anstecken von der allgemeinen Verwirrung und der Panik, die plötzlich ausgebrochen war. Mit den anderen hetzte sie den Hügel abwärts, über die Straße, in den nahe gelegenen Keller eines Hotels, wo es bereits am Eingang ein heilloses Gewühl gab. Um sie herum unzählige Frauen, teils mit schreienden Kindern, die Einlass begehrten und über einen modrig riechenden, finsteren Gang in die unteren Räume drängten“ (Bales 2016, S. 250).
Als Traud den Bunker verlässt, ist der alte Ortskern Kelbergs kaum wiederzuerkennen:
„Draußen lagen die Gehwege voller Trümmer. Der Marktplatz brannte und es roch nach Staub und altem Zeug. Der Rauch kratzte im Hals und stach in den Augen. Traud konnte nicht weit sehen, denn der rote Schein am Himmel wurde von einem dichten, gelben Staub verschluckt. Leute hasteten durch die Straßen. Einige bemühten sich, ihre Habe aus den Häusern zu retten“ (Bales 2016, S. 251f.).

Die getöteten Zivilisten wurden auf dem Friedhof in Kelberg beigesetzt und die Soldaten wurden neben der alten Wallfahrtskapelle auf dem Schwarzenberg begraben. Ein Gedenkstein auf dem Marktplatz erinnert heute als Mahnmal an die Opfer des Bombenangriffs. Im Abstand von fünf Jahren, zuletzt am 16. Januar 2020, wird eine Gedenkveranstaltung durchgeführt (Geschichtsstraße der Verbandsgemeinde Kelberg, Abschnitt 2, Stationen 1, 2 und 3, 46).

(Peter Burggraaff, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2020)

Literatur

Bales, Ute (2016)
Kamillenblumen. Roman aus der Eifel. (Edition Schrittmacher Band 15, 6. überarbeitete Auflage.) Zell/Mosel.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter (2008)
Die Erweiterung der Geschichtsstraße Kelberg. In: Kreis Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 2009, S. 193-198. Daun.
Molitor, Hermann (2000)
Das Kelberger Land - Aus alten Zeiten und jungen Tagen. 67-69, Daun (2. erw. Auflage).

Ortskern Kelberg

Schlagwörter
Ort
53539 Kelberg - Kelberg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1944 bis 1945

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Ortskern Kelberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-306464 (Abgerufen: 22. Oktober 2021)
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