Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG) in Altstadt-Nord

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 56′ 55,1″ N: 6° 57′ 52,8″ O 50,94864°N: 6,96467°O
Koordinate UTM 32.357.030,09 m: 5.646.085,67 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.567.834,98 m: 5.646.376,07 m
  • Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung (2020)

    Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung (2020)

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  • Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung (2020)

    Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung (2020)

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  • Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung

    Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung

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  • Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung (2007)

    Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG), ehemalige Hauptverwaltung (2007)

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Entwicklung der Braunkohleindustrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Das heute – mit umfangreichen Ergänzungen - als Altenheim Vincenzhaus betriebene Gebäude in prominenter Lage am linken Kölner Rheinufer nördlich der Hohenzollenbrücke war jahrzehntelang das unternehmerische Zentrum der rheinischen Braunkohleindustrie. Der unter anderem von Paul Silverberg vorangetriebene Ausbau der Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlebergbau und Brikettfabrikation (RAG) zur dominierenden Gesellschaft des Rheinischen Braunkohlereviers führte um 1900 zur Verlegung des Unternehmenssitzes von Brühl nach Köln. Nach der Jahrhundertwende steigerte sich die Förderung und Verarbeitung von Braunkohle durch den Bau erster Großkraftwerke „auf der Kohle“ und durch die Nutzung preiswerten Braunkohlestroms für die Kriegswirtschaft; u.a. für die Sprengstoff- und Aluminiumproduktion sowie die Düngemittelherstellung im Ersten Weltkrieg.
Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die Braunkohle durch den Ersatz von als Reparation auszuliefernder Steinkohle und der mit ihr erzeugten elektrischen Energie einen weiteren Aufschwung. Der schnelle Anstieg der Bedeutung des einheimischen Energierohstoffes und seine massenhafte Förderung mit immer neuen technischen Hilfsmitteln wirkte sich auf den Umfang der Verwaltungen und das Selbstbewusstsein der Unternehmer aus. Neben dem Braunkohle-Syndikat machte der frühe und schnelle Bau des RAG- bzw. späteren Rheinbraun-Hauses in den Jahren 1921/22 diese Entwicklung unübersehbar.

Architektur der ehem. Hauptverwaltung und Gestaltungsdetails
Aus einem bereits 1914 veranstalteten Wettbewerb für die neue Hauptverwaltung der RAG ging Heinrich Müller-Erkelenz als Sieger hervor. Der schon vor dem Ersten Weltkrieg in Köln etablierte Architekt entfaltete mit seinem vielköpfigen Büro eine umfangreiche Tätigkeit weit über die Stadt hinaus. Bauaufgaben der Industrie bis hin zu Werkssiedlungen spielten in dem Büro Müller-Erkelenz eine bedeutende Rolle. Müller-Erkelenz setzte auf das Eckgrundstück einen zum Rhein hin orientierten Großbau, der Vergleiche mit Vorbildern der Baugeschichte wie dem Augsburger oder dem Amsterdamer Rathaus nahelegt. Damit verbunden waren und sind Assoziationen mit Bauten des Handelsbürgertums sowie mit der Backsteinarchitektur des Niederrheins, denn im Unterschied zum Augsburger Rathaus dominieren den Neubau Backstein und Werksteinelemente. Zudem konzentrierte Müller-Erkelenz sich trotz der Breite des Baus ganz auf den Mittelrisaliten, den er wie ein ins Gigantische vergrößertes, giebelständiges Bürgerhaus behandelte. Die Verwendung von Backstein auch als Fassadenmaterial war im Zuge des von der Reformbewegung angestoßenen Interesses für regionale Bauströmungen und -traditionen am Niederrhein wie im Münsterland schon um 1910 wieder beliebt geworden. Neben Müller-Erkelenz gehörte Hermann Pflaume d. J. zu den Ersten, die wieder mit Sichtbackstein bauten, nun in Kombination mit spätbarocken Formen.

Dem niederrheinischen Barock entlehnte auch Müller-Erkelenz die Motive seiner neuen Fassade: Das zentrale, über zwei Geschosse reichende Portal wird von zwei Doppelsäulen gerahmt, die einen Balkon mit Schmuckgitter tragen. Die (ursprünglich) drei Geschosse des über sieben Achsen reichenden Giebelaufsatzes werden horizontal durch Gesimse und durch Eckaufsätze mit Voluten auf den stufenweisen Rücksprüngen gerahmt. Den Abschluss bildete auch ursprünglich ein flacher Dreiecksgiebel. Der Giebel wurde nach Kriegszerstörung in gekürzter und vereinfachter Form mit zwei konkaven Schwüngen und einem flachen Dreiecksabschluss wieder aufgebaut, dabei auch die Dachhöhe verringert.

Rechts und links vom Mittelrisalit dominiert die axiale Folge der großen Fenster. Das vierte Obergeschoss ist bei gleichen Fenstergrößen auf Sohlbankhöhe als Mezzanin abgesetzt und nimmt die oberen Abschlüsse der Vorlagen auf. Dem entsprechen weitgehend die Seitenfassaden, insbesondere auch die weit in den Thürmchenswall hineinreichende östliche Fassade, die mit Hilfe von zwei flachen Werkstein-Erkern der kleinteiligen Wohnbebauung der Straße schrittweise angenähert wird.

Im Grundriss stellt sich das RAG-Haus nach dem Wiederaufbau als winkelförmiger Bau dar (ursprünglich gab es wohl vier Flügel um einen Innenhof), dessen Seitenflügel entlang dem Thürmchenswall jedoch in Breite und Höhe dem Frontbau untergeordnet ist. Im Foyer liegt auf der Südseite die Haupttreppe, die ähnlich wie bei Rathäusern zur „Beletage“ mit den Empfangs- und Sitzungsräumen führt.

Die Haupttreppe aus dunkler, barock gestalteter Holzschnitzarbeit erinnert aber auch an die Hauptstücke der nordeuropäischen Kaufmannsdielen, von denen bis zum Zweiten Weltkrieg auch in Köln mehrere Beispiele erhalten waren. Im gesamten Sockelbereich, der außen deutlich abgesetzt und mit Rundbogennischen und eingestellten Fenstern versehen ist, waren neben einem Speisesaal die Dienstwohnungen für Hausmeister, Maschinist und Fahrer und zeitweise auch die Büroräume der Clarenbach-Aktiengesellschaft untergebracht.

Die Foyerausstattung sowie zahlreiche Details der aufwendigen Innenausstattung überlebten glücklicherweise den Krieg sowie nachfolgende Purifizierungswellen und sind bis heute im Vincenzhaus erhalten.

(Alexander Kierdorf, Institut. Industrie – Kultur – Geschichte – Landschaft, 2020)

Literatur

Böhm, Hermann (1928)
Heinrich Müller-Erkelenz. Gedenkblatt zum 50. Geburtstag. S. 20, 76-77, 108, o. O.
Buschmann, Walter; Gilson, Norbert; Rinn, Barbara / Ministerium für Bauen und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen in Verbindung mit dem Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2008)
Braunkohlenbergbau im Rheinland. (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen 1, Rheinland.) S. 66-69, 137-140, 200-202, 414-418, Worms.
Fußbroich, Helmut (2005)
Architekturführer Köln. Sakralbauten nach 1900. S. 48, Köln.
Gehlen, Boris (2007)
Paul Silverberg (1876-1959): ein Unternehmer (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte. Beiheft 194). Stuttgart.
Schillig, Christiane (1994)
Das Werk des Architekten Heinrich Müller-Erkelenz (1878–1945). S. 61-65, 247-249, Köln.
Silverberg, Paul (1928)
25 Jahre Entwicklung der Rheinischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau u. Brikettfabrikation: 1903-1928. Köln.
Vogts, Hans (1927)
Köln. Bauliche Entwicklung 1888-1927. S. 169-170, Köln.

Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG) in Altstadt-Nord

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Konrad-Adenauer-Ufer 55-61
Ort
50668 Köln - Altstadt-Nord
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1921 bis 1922

Empfohlene Zitierweise

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Alexander Kierdorf, 2020: „Rheinische Aktiengesellschaft für Braunkohlenbergbau und Brikettindustrie (RAG) in Altstadt-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-327325 (Abgerufen: 30. November 2022)
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