Stadt Hochheim am Main

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Hochheim am Main
Kreis(e): Main-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Koordinate WGS84 50° 00′ 40,25″ N: 8° 21′ 3,12″ O / 50,01118°N: 8,35087°O
Koordinate UTM 32.453.489,52 m: 5.540.075,82 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.453.545,96 m: 5.541.852,62 m
  • Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Hochheim (2020).

    Katholische Pfarrkirche St. Peter und Paul in Hochheim (2020).

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  • Blick auf den südlichen Stadtrand der Altstadt von Hochheim am Main (2020).

    Blick auf den südlichen Stadtrand der Altstadt von Hochheim am Main (2020).

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  • Rathausstraße in der Altstadt von Hochheim am Main (2020)

    Rathausstraße in der Altstadt von Hochheim am Main (2020)

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  • Tor zum Domdechant Wernersches Weingut in der Hochheimer Altstadt, fotografiert auf der Rathausstraße (2020).

    Tor zum Domdechant Wernersches Weingut in der Hochheimer Altstadt, fotografiert auf der Rathausstraße (2020).

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  • Tor des Weinguts der Stadt Frankfurt in Hochheim am Main (2020)

    Tor des Weinguts der Stadt Frankfurt in Hochheim am Main (2020)

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Die Stadt Hochheim am Main im südhessischen Main-Taunus-Kreis ist durch durch eine lange Geschichte des Weinanbaus und der Sektherstellung geprägt.

Lage
Hochheim am Main liegt etwa 35 Meter über der Untermainebene auf einer Geländestufe am südlichen Rand des Main-Taunus-Vorlandes. Am Südhang dieser 5 km langen Geländestufe erstrecken sich Weinberge bis an das Ufer des Mains. Im Norden grenzt Hochheim an Hofheim am Taunus, im Osten an Flörsheim, Bischofsheim und Ginsheim-Gustavsburg. Im Westen schließen die Ortsbezirke Mainz-Kostheim und Delkenheim der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden an. Die Stadt zählt 17.700 Einwohner (Stand 30.06.2018).

Bis zu dessen Auflösung im Jahre 1928 gehörte Hochheim zum Landkreis Wiesbaden, seither wird die Stadt dem Main-Taunus-Kreis zugeordnet. 1977 wurde der heutige Stadtteil Massenheim eingemeindet. Die Südstadt ist durch Weinberge von der Kernstadt Hochheim getrennt.

Überblick zur Siedlungsentwicklung
Funde eines keltischen Fürstengrabes aus dem Jahr 400 v. Chr. zeugen von einer frühen Besiedelung des Gebietes des heutigen Hochheims. Auch die Römer ließen sich hier nieder und eine hohe Bevölkerungsdichte zu dieser Zeit gilt unter anderem aufgrund von freigelegten Fundamenten eines römischen Wachturms als wahrscheinlich.

Im 4. und 5. Jahrhundert wurde der Ort von Alemannen besiedelt, auf sie geht der Name „Hochheim“ zurück, zu damaliger Zeit „Hoheim“, „Hochheym“ oder „Hocheim“. Ihnen folgten die Franken. Erstmals wurde Hochheim im Jahr 754 urkundlich erwähnt, anlässlich der Überführung des Leichnams des Heiligen Bonifatius (673-754) nach Fulda.
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Die wirtschaftliche Entwicklung der Siedlung wurde durch ihre verkehrsgünstige Lage am Main gefördert. So war Hochheim im Mittelalter ein wichtiger Stapel- und Handelsplatz für Wein. Im Jahr 1484 erteilte Kaiser Friedrich III. (1415-1493) Hochheim das Recht, zweimal im Jahr einen Markt abzuhalten: der Herbstmarkt, ein bedeutender Viehmarkt, existiert als „Hochheimer Markt“ auch heute noch und zählt zu den größten Jahrmärkten Deutschlands mit einer über fünfhundertjährigen Tradition.

Im Jahr 1730 wurde inmitten der Weinberge die katholische Pfarrkirche Peter und Paul errichtet, die heute eines der Wahrzeichen der Stadt ist. Das Hochheimer Wappen trat erstmals im Jahr 1775 auf einem Dachschiefer der Pfarrkirche in Erscheinung: Der Anker symbolisiert die Mainschifffahrt, Weinbergshacke (Karst) und Schröterrad zum Aufwinden der Fässer deuten auf die enge Verbindung der Stadt mit dem Weinbau hin.

Seit 1820 gilt Hochheim als „Stadt“, allerdings lässt sich die Verleihung der Stadtrechte nicht urkundlich nachweisen.

1977 wurde mit der Gebietsreform in Hessen die Gemeinde Massenheim nach Hochheim eingemeindet.
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Weinbau in Hochheim
Vermutlich waren es bereits die Römer, die den Weinbau in das heutige Hochheim brachten. Erstmals urkundlich erwähnt wird der Weinbau jedoch erst im Jahre 819, im damals noch eigenständigen Massenheim. Eine Schenkungsurkunde über die „Villa Massenheim“ von Kaiser Ludwig dem Frommen (778-840) an das Kloster Fulda beinhaltet neben sämtlichen dazugehörigen Gebäuden, Stallungen, Mühlen und Gütern auch die Ländereien mitsamt der Weinberge. In Hochheim selbst wird Weinbau seit 1239 nachweislich betrieben, was aus der Zuweisung von 500 Litern Zehntwein an den Ortsgeistlichen hervorgeht.

Hochheim galt schon in früheren Jahrhunderten als vorzügliche Weingegend und war trotz seiner relativ ungeschützten Lage was den Einfluss von Kaltluft aus dem Taunus betrifft, ein Weinort von großem Renommee. Johann Philipp Bronner führte dies in seinem 1836 erschienenen Fachbuch „Der Weinbau in Süddeutschland“ vor allem auf den Einfluss des Mains zurück, der für ein ausgeglichenes Klima sorge. Bronner zeigte sich in seiner Beschreibung des Weinbaus in Hochheim beeindruckt von der großen Genauigkeit, mit der die Weinberge gepflegt würden. Die Weinfelder waren „wie ein Gartenboden bearbeitet, und was viel ist, ich sahe nirgends ein Gräschen oder irgend ein Unkraut. Alle Reben waren in solch bestimmter Höhe abgeschnitten, daß man glaubte, sie wären nach der Schnur beschnitten gewesen, kurz die höchste Aufmerksamkeit, die man dem Weinbau widmen kann, leuchtete aus dem Ganzen hervor“ (Bronner 1836: 22).
Die wie Gärten gepflegten Weinberge müssen sich zu jener Zeit von den Weinbergen manch anderer Gegend im Rheingau unterschieden haben und Bronner vermerkte, dass in den Hochheimer Weinbergen keine Zwischenfrüchte oder Bäume angepflanzt würden. Die Weinberge waren abgezäunt und um sie vor Vögeln zu schützen, wurden sie von bewaffneten Schützen bewacht. Strohhütten an den Zugängen zu den Weinbergen boten den Schützen einen Unterstand.
Auch Auswärtige besaßen hier Weinberge, hierunter wohl insbesondere Frankfurter Gutsbesitzer. So befindet sich heute auch das Weingut der Stadt Frankfurt in Hochheim, da die Stadt nach der Säkularisierung an Hochheimer Weinberge gelangt war, die sich zuvor in Besitz des Frankfurter Karmeliterklosters befanden.
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Im 15. Jahrhundert, während der Blüte des Weinbaus in Europa, wurde zwischen dem Mainufer bis nördlich und nordöstlich von Hochheim Weinbau betrieben. Im Jahr 1836 umfasste die mit Reben bestockte Fläche 300 Hektar (1200 Morgen). Es wurde fast ausschließlich Riesling angebaut, wobei entlang den Grenzen zu den Fahrwegen Elblingstöcke gesetzt wurden.

Heute verfügt Hochheim über 241 ha Rebfläche, womit es zu den großen Weinbaugemeinden im Rheingau zählt. Noch immer sind die Weinberge zu 80 Prozent mit Riesling bestockt, 15 Prozent der Reben sind Spätburgunder, die restlichen 5 Prozent sind Müller-Thurgau, Kerner und anderen Sorten zuzuordnen. Die Stadt zählt 100 Winzer, von denen 20 im Vollerwerb sind. Die Hochheimer Gemarkung befindet sich im Kern der Großlage Daubhaus und setzt sich zusammen aus den Einzellagen Berg, Domdechaney, Herrenberg, Hölle, Hofmeister, Kirchenstück, Königin Victoriaberg, Reichestal, St. Kiliansberg, Stein, Stielweg und Weiß Erd.

Die enge Verbundenheit der Stadt Hochheim mit dem Wein zeigt sich auch darin, dass hier im Jahr 2010 das erste Weinbaumuseum Hessens eröffnet wurde. Es befindet sich im „Haus der Vereine“ und informiert über die Arbeit des Winzers, von der Bearbeitung der Weinberge bis hin zur Flaschenabfüllung.
Seit 1949 findet zudem jedes Jahr das berühmte Hochheimer Weinfest statt, das ab dem zweiten Freitag im Juli für vier Tage viele Besucher nach Hochheim lockt.
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Berühmte Besucher der Hochheimer Weinberge
Der Weinbau hat maßgeblich zur Bekanntheit der Stadt Hochheim beigetragen und zwar weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Spätestens seit dem Besuch der englischen Königin Victoria (1819-1901) und ihrem Gatten im Jahre 1845 ist der „Hock“ (von „Hochheimer“) die Bezeichnung für Weißwein, insbesondere Riesling, aus dem Rheingau. Später wurde der Begriff auf den Rheinwein im Allgemeinen ausweitet (siehe hierzu: Weinlage Königin Victoriaberg). „Sparkling Hock“ ist gleichermaßen die Bezeichnung für Sekt aus dem Rheingau.

Auch Thomas Jefferson (1743-1826), Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika von 1801 bis 1809, hatte zu seiner Zeit als Gesandter in Paris im April 1788 Hochheim einen Besuch abgestattet. Nachdem er zuvor Hochheimer Wein des Jahrgangs 1726 in Frankfurt getrunken hatte, erkundigte er sich detailliert nach der Anbauweise in Hochheim. Er kaufte hier 100 Weinstöcke für seinen Garten in Paris und nahm diese auch bei seiner Rückkehr in die Vereinigten Staaten mit, um Hochheimer Wein aus eigener Herstellung trinken zu können.
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Sektstadt Hochheim
Darüber hinaus ist Hochheim „Sektstadt“ und war ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein bedeutendes Zentrum der Sektproduktion in Deutschland. Mit „Burgeff“ wurde 1836 die erste Sektkellerei im Rheingau gegründet, weitere namhafte Sektproduzenten folgten. Die Dichte der Sektkellereien in Hochheim war gegen Ende des 19. Jahrhunderts die höchste im ganzen Deutschen Kaiserreich. Sektkellereien und vor- und nachgelagerte Handwerke, wie das der Küfer und Schröter, waren ein wichtiger Arbeitgeber in der Stadt. Bis zum Jahr 2004 wurden in Hochheim 35 Millionen Flaschen Sekt pro Jahr abgefüllt. Danach verlagerte sich der überwiegende Teil der Produktion nach Eltville. Zusätzlich zu der in Hochheim verbliebenen Produktion werden heute etwa 75.000 Flaschen Winzersekt im Jahr erzeugt.
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(Barbara Bernard, Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2020)

Internet
www.hochheim.de: Stadtportrain - Geschichte (abgerufen 25.11.2020)
www.hochheim-tourismus.de: Geschichte des Weinbaus (abgerufen 25.11.2020)
www.hochheim-tourismus.de: Service - Prospekte. Download der Broschüre „Hochheim am Main entdecken und aktiv erleben - Kultur- und Freizeitbroschüre“ (abgerufen 25.11.2020)

Literatur

Bronner, Johann (1836)
Der Weinbau in Süd-Deutschland vollständig dargestellt von Joh. Ph. Bronner. Drittes Heft (Der Weinbau im Rheingaue, von Hochheim bis Koblenz) mit zwei lithographischen Tafeln. Heidelberg.

Stadt Hochheim am Main

Schlagwörter
Ort
65239 Hochheim am Main
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 754

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Empfohlene Zitierweise
Barbara Bernard, „Stadt Hochheim am Main”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-324148 (Abgerufen: 16. Mai 2021)
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