Burgruine Rietburg bei Rhodt unter Rietburg

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Fachsicht(en): Landeskunde, Architekturgeschichte, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Rhodt unter Rietburg, Venningen
Kreis(e): Südliche Weinstraße
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 49° 16′ 41,22″ N: 8° 04′ 48,11″ O 49,27812°N: 8,08003°O
Koordinate UTM 32.433.086,95 m: 5.458.780,43 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.433.135,65 m: 5.460.524,95 m
  • Zugbrücke mit äußerer Ringmauer

    Zugbrücke mit äußerer Ringmauer

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  • Schild-/Mantelmauer der Kernburg

    Schild-/Mantelmauer der Kernburg

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  • Ausblick von der Rietburg bei Rhodt unter Rietburg

    Ausblick von der Rietburg bei Rhodt unter Rietburg

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  • Ehemalige Eingangshalle der Kernburg

    Ehemalige Eingangshalle der Kernburg

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  • Grundriss der Rietburg

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  • Eingangsportal zur Kernburg

    Eingangsportal zur Kernburg

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  • Schießscharte in der Ringmauer der Rietburg

    Schießscharte in der Ringmauer der Rietburg

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  • Hinweisschild zur Rietburg

    Hinweisschild zur Rietburg

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    Unterer Halsgraben der Rietburg

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  • Ausblich auf Unterburg und Rheinebene

    Ausblich auf Unterburg und Rheinebene

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  • Wappenstein über dem Eingangsportal

    Wappenstein über dem Eingangsportal

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Die zu Beginn des 13. Jahrhunderts erbaute Rietburg liegt in exponierter Lage auf einem Ausläufer des Blättersberges am Ostrand des Pfälzerwaldes auf ca. 531 m ü. NN oberhalb der Ortsgemeinde Rhodt unter Rietburg. Somit handelt es sich um die zweithöchst gelegene Burg der Pfalz.

Geschichte
Die Rietburg wurde vermutlich zwischen 1200 und 1204 von den Herren von Riet (Erbauer Konrad II. von Riet) gegründet. Diese wurden erstmals im Jahr 1149 urkundlich belegt und waren zunächst Lehnsmannen der nordelsässischen Benediktinerabtei Weißenburg, bevor sie in den Folgejahren zu Ministeralien und Lehnsmannen der Staufer wurden.
Im Jahr 1255 ging der damalige Burgherr Hermann von Riet in die Geschichte ein, als er die Welfen-Königin Elisabeth auf dem Weg von Edesheim zum Trifels mitsamt ihrer Gefolgschaft entführte und auf der Rietburg in Geiselhaft nahm. Erst auf Druck der Fürsten und Städte der Umgebung und aufgrund der Belagerung durch Truppen gab er die Königin Ende 1255 wieder frei. Da die Burg zu dieser Zeit kein Reichslehen war, konnte die Burg nach der Entführung nicht vom Reich eingezogen werden.
Aber bereits im Jahr 1256 musste Hermann von Riet die Burg wohl verkaufen, um eine Strafzahlung zur Freilassung seines Vaters aus Wormser Gefangenschaft leisten zu können. Nachdem Hermann von Riet im Jahr 1260 ohne Nachkommen gestorben war, ging die Burg in den Besitz von Bischof Heinrich von Leiningen (nominell Bischof von Speyer) über, welcher die Rietburg seinem Bruder Emich IV. von Leiningen-Landeck übertrug. Als 1289 auch die Linien Leiningen-Landeck ausstarb, wurde wahrscheinlich Otto von Ochsenstein mit der Rietburg belehnt. Im 14. Jahrhundert wurde die Burg wiederum an den Bischof von Speyer verkauft. In den Folgejahren wurde die Rietburg mehrfach verpfändet und wechselte mehrfach den Besitzer.
Gegen Ende des 14. Jahrhunderts soll die Rietburg so große bauliche Schäden aufgewiesen haben, dass Ausbesserungs- und Ausbaumaßnahmen vorgenommen wurden.
Um das Jahr 1460 kam es während des Krieges („Kurfehde“) des Pfalzgrafen Friedrich I. (der „Siegreiche“) von der Pfalz gegen den Mainzer Erzbischof, den Herzog von Zweibrücken-Veldenz und den Grafen von Leiningen zur Plünderung der Burg durch leiningische Truppen. Die Burg blieb wohl aber noch weiterhin bewohnt. Der Niedergang der Rietburg ist nicht eindeutig nachweisbar. So ist unklar, ob sie überhaupt in den Kriegen des 16. Jahrhunderts (1525 Bauernkrieg) bzw. 17. Jahrhunderts (Dreißigjähriger Krieg 1618-1648) zerstört wurde oder, ob sie einfach aufgegeben wurde und zerfiel. Im Jahr 1681 war sie bereits verfallen und wurde als Ruine bezeichnet. Ein Wiederaufbau fand nicht statt.

Baubeschreibung der Anlage
Die Rietburg wurde in der Stauferzeit als Höhenburg unter Einbezug der natürlichen Geländeformation (Spornlage) errichtet und war somit nur von der Bergseite (Westen) aus angreifbar.
Die zweiteilige Gesamtanlage bestand aus Kern- und Unterburg und wurde auf der Hauptangriffsseite im Westen durch eine mächtige Schildmauer und einen Halsgraben geschützt. Die äußere Ringmauer der Anlage weist einen trapezförmigen Grundriss auf.
Die Kernburg befand sich im Nordwesten der Gesamtanlage und war mit ca. 60 m Länge und ca. 50 m Breite relativ klein. Sie wurde von einer (inneren) Ringmauer umgeben, die im Westen in die Schildmauer überging. Die wohl nur 1-geschossige Bebauung der Kernburg lehnte sich an die Mauern an und gruppierte sich somit um einen zentralen Burghof. Der Zugang erfolgte über eine Treppe von der Unterburg aus, die von Südwesten her durch einen schmalen Torbau zu einer rechteckigen Pforte in der inneren Ringmauer führte.
Die tiefer liegende Unterburg schloss sich südlich und östlich an die Kernburg an und war etwa doppelt so groß wie diese. Sie wurde von einer hohen (äußeren) Ringmauer umschlossen, die im Westen ebenfalls in die Schildmauer überging. Innerhalb der Unterburg lehnten sich diverse Gebäuden an die Ringmaueran, die zugleich das aufgefüllte Gelände in diesem Bereich abfing.
Ursprüngliche erfolgte der Hauptzugang zur Burg von Westen her über den Halsgraben und eine Zugangsrampe südlich der Schildmauer. Eine weitere Mauer und ein Tor gewährleisteten den Schutz des Zugangs. In späterer Zeit ersetzte vermutlich ein Torturm bzw. Torhaus mit Zugbrücke die Rampe.
Die mächtige mit Buckelquader verkleidete Schildmauer schützte die Hauptangriffsseite der Burg im Westen. Sie war ca. 30 m lang und aufgrund des abfallenden Geländes am Südende bis zu 15 m hoch. Der untere Mauerbereich war bis zu 3 m dick ausgebildet. Auf der Mauerkrone befand sich vermutlich ein Wehrgang.
Westlich der Schildmauer schloss sich ein ca. 26 m breiter Halsgraben an. Im späten Mittelalter wurde im nördlichen Bereich des Halsgrabens ein Vor- bzw. Wehrbau inklusive Zwinger als zusätzliches Verteidigungswerk errichtet. Hierbei handelte es sich um einen ca. 6 m x 4 m großen turmartigen Bau, der aus der Schildmauer hervortrat, jedoch niedriger als diese war. Dieser Wehrbau diente vermutlich dem Schutz des Grabenverlaufs, des Zugangsbereichs und des Mauerfußes.
Die Wasserversorgung der Burganlage erfolgte über einen Brunnen in der Kernburg (nördlich im Burghof gelegen).

Renovierung und Erhaltung
Die Rietburg wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler im Kreis Südliche Weinstraße (Stand 21.06.2022, dort S. 83) geführt. Der Eintrag lautet:
„Burgruine Rietburg westlich des Ortes (Denkmalzone): Gründung der Herren von Riet Anfang 13. Jh., 1255 Reichsburg, im Dreißigjährigen Krieg zerstört; trapezförmiger Bering; erhöhte Hauptburg mit mächtiger Buckelquader-Schildmauer, 13. Jh.“

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts kaufte die Gemeinde Rhodt die Ruine und einen Teil des dazugehörigen Waldes und es fanden erste Sicherungs- und Instandsetzungsarbeiten statt. Weitere Erhaltungsmaßnahmen erfolgten ab 1925 durch die Gemeinde Rhodt. Die in den Folgejahren durchgeführten Arbeiten veränderten / verunklärten allerdings das Erscheinungsbild der Burg stark. Insbesondere der Einbau der Burggaststätte in die Kernburg (1954/1957) und wiederholte Umbauarbeiten der Schildmauer zum Treppenaufgang und zur Aussichtsplattform veränderten das Aussehen der Kernburg grundlegend. In den 1970er Jahren erfolgten weitere Freilegungs- und Aufbaumaßnahmen. Seit 1991 kümmert sich der Rietburgverein um den Erhalt der Anlage. Zuletzt wurde im Jahr 2012 eine Holzbrücke über den historischen Halsgraben errichtet, um die ursprüngliche Eingangssituation zu rekonstruieren. Von der ursprünglichen Burganlage sind noch Teile der Schildmauer, des Zwingers, der Ringmauer sowie des Tores in der Unterburg erhalten.

Sage
Um die Rietburg rankt sich die Sage um einen Raubritter. Dieser soll einmal einem reichen Herrn die Tochter geraubt haben. Der Vater habe ihm daraufhin ein hohes Lösegeld geboten und so willigte der Raubritter in die Freilassung des Mädchens ein. Der Vater brachte das Geld zum Schloss und hoffte somit seine Tochter wieder in seine Arme schließen zu können. Aber der Raubritter gab die Tochter weder nach Erhalt des Geldes noch nach Ermahnung frei. Stattdessen habe er schallend lachend die Tochter herbeigeholt und sie von den hohen Zinnen hinab vor die Füße des Vaters gestürzt. Der Vater sei über dem Leib seines zer-schmetterten Kindes ohnmächtig zusammengebrochen. Zur Strafe musste der Raubritter nach seinem Tod auf der Erde bleiben und flackert seither jede Nacht als Flämmchen um die Türme der Burg.
Im Gedicht „Das Flämmchen“ von Laurian Moris heißt es: „Die Seele fuhr in ein Flämmchen hinein, das flackert des Nachts in rötlichem Schein“.

Räumliche Lage und Erreichbarkeit
Die Burgruine liegt ca. 2 km Luftlinie westlich von Rhodt unter Rietburg am Ostrand des Pfälzer Waldes und ist über diverse Wanderwege zu erreichen. Östlich der Anlage bei der Villa Ludwigshöhe befindet sich ein entsprechender Wanderparkplatz. Der steile Aufstieg zur Burg (220 Meter Höhenunterschied) lässt sich seit 1954 auch bequem per Sesselbahn (Rietburgbahn) bewältigen. Diese führt von der Talstation in der Nähe der Villa Ludwigshöhe hoch zur Burg.
In der ehemaligen Kernburg wurde 1955 eine Höhengaststätte mit Terrasse errichtet – diese lehnt sich wie das ursprüngliche Hauptgebäude an die Schildmauer an.

(Barbara Hillers, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2020)


Internet
www.pfalz.de: Burgruine Rietburg bei Rhodt unter Rietburg (abgerufen 02.09.2020)
www.rhodt.de: Rhodt erleben (abgerufen 02.09.2020)
www.rietburg-verein.jimdofree.com: Geschichte (abgerufen 02.09.2020)
www.ms-visucom.de: Rietburg (abgerufen 02.09.2020)
www.echo-online.de: Lokales, Ruine Rietburg (abgerufen 02.09.2020)

Literatur

Keddigkeit, Jürgen; Burkhart, U.; Übel, Rolf (2007)
Pfälzisches Burgenlexikon. 4.1. Seiten 271-286, Kaiserslautern.

Burgruine Rietburg bei Rhodt unter Rietburg

Schlagwörter
Ort
76835 Rhodt unter Rietburg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Landeskunde, Architekturgeschichte, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1200 bis 1204

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Barbara Hillers (2020): „Burgruine Rietburg bei Rhodt unter Rietburg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-322003 (Abgerufen: 19. April 2024)
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