Agrippina-Hauptverwaltung in Neustadt-Nord

„große und kleine Agrippina“

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 18,66″ N: 6° 58′ 5,34″ O / 50,95518°N: 6,96815°O
Koordinate UTM 32.357.294,65 m: 5.646.806,67 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.568.070,05 m: 5.647.107,37 m
  • Die "kleine" Agrippina - Relief am Eingang Oppenheimstraße 4 in Köln Neustadt-Nord (2020)

    Die "kleine" Agrippina - Relief am Eingang Oppenheimstraße 4 in Köln Neustadt-Nord (2020)

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  • Büste mit dem Porträt von Iulia Agrippina der Jüngeren (um 15/16-59 n. Chr.), die als Gründerin der römischen Stadt Köln gilt, der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA)". Kopie in der Ausstellung des APX Xanten, 2013.

    Büste mit dem Porträt von Iulia Agrippina der Jüngeren (um 15/16-59 n. Chr.), die als Gründerin der römischen Stadt Köln gilt, der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium (CCAA)". Kopie in der Ausstellung des APX Xanten, 2013.

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  • Agrippina-Hauptverwaltung in Köln - Neustadt-Nord (1920er Jahre)

    Agrippina-Hauptverwaltung in Köln - Neustadt-Nord (1920er Jahre)

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  • Agrippina-Hauptverwaltung in Köln - Neustadt-Nord (2011)

    Agrippina-Hauptverwaltung in Köln - Neustadt-Nord (2011)

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  • Agrippina-Hauptverwaltung in Neustadt-Nord (2020)

    Agrippina-Hauptverwaltung in Neustadt-Nord (2020)

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Die Agrippina-Versicherung ging zurück auf die bereits 1817/18 gegründete „Rheinschiffahrts-Assecuranz-Gesellschaft“, einer der ersten ihrer Art. 1844/45 entstand aus dem Kölner Zweig die nach der antiken „Kölner Stadtmutter“ benannte „Agrippina See-, Fluß- und Landtransport-Versicherungs-Aktiengesellschaft“, die besonders seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert einen enormen Aufschwung erlebte. Dem starken Wachstum geschuldet, wechselte sie ihr Domizil vom ehemaligen Overstolzenhaus 1886 in ein eigenes Haus in der Rheingasse, bevor sie sich in den 1910er Jahren nach einem Standort für eine repräsentative Hauptverwaltung umsah.
Dafür bot sich die nördliche Kölner Neustadt an. Das zwischen Rheinufer und Riehler Straße gelegene Villenviertel wurde auf Grund militärischer Auflagen und wegen des Betriebs der Hafenstrecke der Krefelder Eisenbahn erst seit 1895 erschlossen und wies viele freie Grundstücke auf. Seit 1908 durften daher auch einige großflächige Verwaltungsbauten, wie die Oberfinanzdirektion (1908–11, Delius und Gehm), das Verwaltungsbegäude der Rhenania (1910, Schreiterer & Below) oder die Kölnische Unfallversicherung (1912/13, Müller-Jena) in dem Gebiet errichtet werden, die sich optisch an den Villencharakter der übrigen Gebäude anzupassen hatten, so dass sich dieses als Villen- und Verwaltungsviertel etablierte. Aus dem ehemaligen Gartengrundstück des Oppenheimschen Anwesens wählte die Agrippina ein großes Areal an der Riehler Straße 90, das bis an die Oppenheimstraße reichte und so genügend Platz für Erweiterungen bot.

Nachdem bereits 1969 der Zürich-Konzern die Agrippina-Versicherungsgruppe erworben hatte, verschwand im Rahmen betrieblicher Umstrukturierungen 2001 endgültig der Markenname Agrippina. Die Zürich nutzte weiterhin das ehemalige Agrippina-Gelände in Köln. Hierzu gehören die seit Februar 1986 unter Denkmalschutz stehende ehemalige Hauptverwaltung (Hausnummer 90) und das später durch die Agrippina übernommene ehemalige Wohnhaus Nummer 88. Nach dem Umzug der Zürich-Versicherung (seit 2006 Zurich-Versicherung) in die neue Deutzer Zentrale ist geplant, den zwischen Worringer- und Oppenheimstraße gelegenen Bürocampus abzureißen und durch Wohnbauten zu ersetzen.

Die Agrippina-Hauptverwaltung und Erweiterungsbauten
Schreiterer & Below, eines der damals führenden Kölner Architekturbüros, führte den Bau der Agrippina-Hauptverwaltung 1913/14 im barockisierend-neoklassizistischen Stil eines Stadtpalais mit angegliederter Direktorenvilla und um 1921 auch den Erweiterungsbau an der Oppenheimstraße 4 aus. 1930 erfolgte die Aufstockung des Hauptgebäudes in der heutigen Form (seit 1986 Baudenkmal). Unberührt von den Umbaumaßnahmen blieb der vorstehende Haupteingang an der Riehler Straße, auf dem eine lebensgroße Statue der Kaiserin Agrippina (15/16 n. Chr. - 59 n. Chr., in Köln geboren, der zu Ehren, ihr Geburtsort, die Ubiersiedlung „Ara Ubiorum“, zur römischen Colonia erhoben wurde), Ehefrau des Kaisers Claudius (10 v. Chr. - 54 n. Chr.) und Mutter des Kaisers Nero (37 n. Chr. - 68 n. Chr.), Kölner „Urmutter“ und „Stadtgründerin“ thront. Sieben von Pilastern gerahmte Fensterachsen betonten die Vertikale der Fassade, die durch große Medaillonreliefs in den Brüstungen (Reliefthemen im ersten und zweiten Obergeschoss: Taten des Herkules und die Tierkreiszeichnen) zwischen Erd- und erstem Obergeschoss sowie kleine Reliefs unterhalb der Erdgeschossfenster gegliedert wurde. Der betonte Mitteleingang besteht aus einem von zwei Säulen mit dorischen Kapitellen getragenen Dachüberstand mit der Inschrift Agrippina, auf dem eine vollplastische, lebensgroße sitzende Agrippina thront. Sie ist bis heute ein markanter Blickfang und war das Wahrzeichen der Agrippina-Versicherung in Köln.
Im Norden schloss sich eine 2 ½ geschossige-Direktorenvilla im gleichen Stil – die heute veränderte Hausnummer 92 – an den Hauptbau an. In den 1930er Jahren wurde die Hauptverwaltung um eine Etage mit einem flachen Dach aufgestockt und die Fassade durch Reliefs im Stil des Neoklassizismus ergänzt. Die einst flachbogigen Fenster im ersten Obergeschoss erfuhren eine Umgestaltung zu fassadeneinheitlichen hochrechteckigen Fenstern. Dadurch ging der einstige barocke Charakter der Anlage zu Gunsten eines monumentalen Neoklassizismus verloren.

Der in der Mittelachse gelegene, profilgerahmte Haupteingang von Oppenheimstraße 4 ist im Unterschied zu dem der Hauptverwaltung einfacher gestaltet, aber auch mit einem halbrunden Relief aus Muschelkalk mit einer sitzenden - der „kleinen“ - Agrippina versehen. Ihr Stuhl erhebt sich über einem vorkragenden Gesims. Die Inschrift rechts von ihr weist sie als Julia Claudia Agrippina, Augusta (= Kaiserin) aus.
Bewacht wird Agrippina von zwei, sich auf die Straße hinausbeugenden römischen Soldatenköpfen. Eine Inschrift weist sie namentlich als „Augusta“ (Kaiserin) aus. Zwei Löwen flankieren den profilierten Eingang an der Oppenheimstraße 4, die ebenfalls aus Muschelkalk gefertigt sind. Ob Erwin Haller auch hierfür verantwortlich ist, muss noch erforscht werden. Das Gebäude wurde in der Nachkriegszeit aufgestockt und die Segmentbogenfenster des ersten Obergeschosses entsprechend den anderen Fenstern einheitlich hochrechteckig umgestaltet. Es ist kein Denkmal. Erweiterungsbauten der Zwischenkriegszeit in der Oppenheimstraße wurden nach der teilweisen Kriegszerstörung durch Neubauten ersetzt.

Die große und die kleine Agrippina
Zentrale Figur des bauplastischen Schmucks der ehemaligen Hauptverwaltung (Hausnummer 90) ist die auf einem Stuhl sitzende lebensgroße Statue der Agrippina mit der ihr typischen Lockenfrisur. Sie wurde nach einem antiken Vorbild (etwa Mitte des 1. Jahrhunderts) im archäologischen Museum in Neapel, und nicht nach römischem Vorbild, wie früher kolportiert, und mit leicht modifiziertem Kopf geschaffen. Bis dato schrieb man die Bildhauerarbeit der „großen“ Agrippina dem Schweizer Bildhauer Hermann Haller zu, der zu dieser Zeit familiäre Kontakte nach Köln hatte. Durch die Präsentation der beiden Agrippinen als „Denkmal des Monats“ Juni 2020 des Arbeitskreis „Denkmal des Monats“ im Kölner Regionalverband des Rheinischen Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V. ergab sich, dass der Kölner Bildhauer Erwin Haller für die Bildhauerarbeit verantwortlich zeigt.
Als Vorbild diente ihm eine antike römische Marmorstatue der Agrippina eines unbekannten Künstlers, die sich seit 1805 im Archäologischen Museum von Neapel befindet. Während die große Agrippinastatue über Kölns Grenzen hinaus bekannt ist, ist ihre kleinere Schwester als Relief fast völlig unbekannt.
Der Wert der beiden Baudenkmäler insbesondere ihre Bedeutung als Paar - neben der Figur am Kölner Rathausturm sind diese beiden Agrippinen die einzigen Statuen im Kölner Stadtgebiet - sollte auch in Zukunft betont werden.Auch wenn das Gebäude Oppenheimstraße 4 nicht denkmalwert ist, so ist doch ihr Eingangsbereich mit dem Relief – auch wegen der Geschichte dieses Ortes für Köln – zweifelsohne erhaltenswert. Daher sollte für den Erhalt des Portals und im Falle des Abbruchs für seinen Wiedereinbau in einem der neuen Gebäude gesorgt werden.

Denkmalschutz
Die Objekte „Hauptverwaltung der Agrippina-Versicherung, Riehler Straße 90“ und „Wohnhaus, Riehler Straße 88“ in Köln-Neustadt-Nord sind eingetragene Baudenkmäler der Stadt Köln (www.stadt-koeln.de, Denkmalliste).

(Alexander Hess, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2020)

Internet
www.stadt-koeln.de: Denkmalliste der Stadt Köln, Suche nach Adresse (abgerufen 25.06.2020)
www.zurich.de: Wie wir Geschichte schreiben (abgerufen 25.06.2020)

Agrippina-Hauptverwaltung in Neustadt-Nord

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Riehler Straße 90
Ort
50668 Köln - Neustadt-Nord
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1913

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Agrippina-Hauptverwaltung in Neustadt-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-315845 (Abgerufen: 20. Oktober 2020)
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