Katholische Pfarrkirche St. Gertrud in Neustadt-Nord

Kirche und Kultur - Resonanzraum Sankt Gertrud

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Architekturgeschichte, Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 57′ 6,89″ N: 6° 57′ 6,66″ O / 50,95191°N: 6,95185°O
Koordinate UTM 32.356.139,86 m: 5.646.474,94 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.566.929,47 m: 5.646.728,88 m
  • Glockenturm der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Glockenturm der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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  • Giebelfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Giebelfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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  • Eingefügtes Wohngebäude der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Eingefügtes Wohngebäude der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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  • Glasfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Glasfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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  • Kirchvorplatz der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Kirchvorplatz der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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  • Innenansicht der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Innenansicht der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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    Innenansicht der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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    Deckenansicht der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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    Seitenfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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    Seitenfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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    Seitenfenster der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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    Innenansicht der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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  • Blick auf die Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2020)

    Blick auf die Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2020)

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  • Glockenturm der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

    Glockenturm der Pfarrkirche St. Gertrud in Köln-Neustadt (2019)

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Die Katholische Pfarrkirche St. Gertrud im Agnesviertel des Kölner Stadtteils Neustadt-Nord wurde durch den berühmten Architekten Gottfried Böhm (*1920) im Jahr 1960 entworfen und in den Jahren 1962-1965 erbaut. Der Kirchenbau ist im Stil des Brutalismus mit seinen asymmetrischen Formen und der hierfür typischen Verwendung von Sicht- und Waschbeton gehalten. Gottfried Böhm wurde dafür 1967 mit dem Kölner Architekturpreis ausgezeichnet. Heute wird die Kirche für Gottesdienste wie auch als als Kulturzentrum für Kunst-, Musik- und Theaterveranstaltungen genutzt.

Planung
Baubeschreibung
Innenausstattung
Heutige Nutzung
Baudenkmal
Internet, Literatur

Planung
Im Jahr 1953 hatte die Gemeinde St. Agnes die nur 62 Meter breite Baulücke zwischen den fünfgeschossigen Wohnhäusern der Krefelder Straße und den westlich angrenzenden Bahntrassen erworben. Schließlich wurde im März 1960 entschieden, dass die neu gegründete Pfarrei St. Gertrud von der zu groß gewordenen St. Agnes Gemeinde abgespalten werden sollte. Aus diesem Grund sollte ein eigenes Gemeindezentrum geschaffen werden.
Die neue Pfarrgemeinde beauftragte den Architekten Gottfried Böhm mit dem Bau von Kirche und Pfarrzentrum. Neben einer Kirche mit 250 Sitzplätzen und gegebenenfalls einer eingefassten Krypta, sollte das Bauwerk einen Glockenturm, Nebenräume wie eine Sakristei, vier Wohnungen für Geistliche und Angestellte, einen Kindergarten, eine Bücherei und ein Jugendheim umfassen.
Böhms erste Pläne stammten vom April 1960, die offizielle Auftragsvergabe erfolgte im Dezember desselben Jahres. Baubeginn war 1962, Grundsteinlegung 1963 und die Weihe 1965.
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Baubeschreibung
Die Krefelder Straße verbindet im Kölner Agnesviertel entlang des Bahndammes die Innere Kanalstraße und den Hansaring. Entlang der Straße reihen sich hier Wohnblöcke der Nachkriegszeit. Die Katholische Pfarrkirche St. Gertrud ist darin eingegliedert und erhebt sich wie zufällig in diesem Ensemble. Der Architekt Gottfried Böhm schuf mit diesem Sakralbau auf schwierigem Innenstadtgrundstück „ein herausragendes Beispiel einer städtebaulich geglückten Einpassung“ (Kier 2000).
Der Gebäudekörper besteht aus grobem Waschbeton mit einem Faltdach aus Beton, welches mit Schiefer bedeckt ist. Der auffallend durchgeformte Sakralbau erhebt sich über einem unregelmäßigen polygonalen (vieleckigen) Grundriss mit mehreren Vor- und Rücksprüngen. Drei prismenartige, wie Türme wirkende Giebelformationen bestimmen das Bild hin zur Straße. In die steinerne Wandfläche der Dachwinkel ist jeweils ein großes Fenster eingefasst, das zum Boden hin waagerecht abschließt. Der südlichste der drei Vorsprünge bildet einen der beiden Kircheneingänge, in den anderen befinden sich zwei moderne Kapellen.

Unregelmäßig gefaltete Dächer bedecken die Giebel und den schlanken Glockenturm. Dieser nördlich der Kirche stehende, spitz zulaufende Glockenturm ist das einzige Bauelement, das an eine klassische Kirche erinnert. Der für den Turm verwendete Sichtbeton, dessen Ausführung ein besonderes Stilmerkmal von Böhm ist, ergibt durch seine neutrale Farbe keinen großen Kontrast zur umgebenden schlichten Wohnhaus-Architektur. Der Architekt fügte den Baukörper in die vorhandene Höhe der Wohnhäuser ein und schuf durch Zurückschwingung der Kirchenfassade einen kleinen Kirchenvorplatz. Diesem hätte er gerne an der gegenüberliegenden Straßenseite eine Entsprechung gewünscht, um die Enge der Situation aufzulockern, was aber nicht zustande kam.
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Die angrenzenden Gebäude sollen vor allem auch der Gemeinde dienen. Der nördliche und südliche Anbau passen sich den angrenzenden Wohnhäusern an. Durch eine schmale, massive und fensterlose Betonfassade wird baulich der Übergang gekennzeichnet. Daran ist ein Wohngebäude mit Fensterbändern angeschlossen, welche die horizontale Gliederung der Nachbarbauten wieder aufgreifen und eine Linie zur Kirche und dem Glockenturm schaffen. Die Sakristei befindet sich im Inneren des nördlichen Anbaus mit darüber liegenden Nutzräumen und einer Wohnung. In den südlichen Gebäuden finden neben den vier Wohnungen, die Bibliothek und ein Lesesaal Platz. Im östlichen Gebäudeteil entstanden ein Kindergarten, eine Tagesstätte und ein Jugendheim. Diese befinden sich, vor den Blicken der Straße geschützt, im Innenraum und sind von der Krefelder Straße aus nicht zu sehen.

Zwei Gestaltungsmerkmale werden anhand der Pfarrkirche St. Gertrud deutlich, die Böhm – neben der Verwendung von Sichtbeton – in weiteren Bauten aufgegriffen hat: Die kristalline Form des Aufbaus des Kirchenraumes, die wie ein Fels aus der Umgebung emporragt, verwendete Böhm ebenfalls im Nevigeser Wallfahrtsdom. Außerdem erscheinen die schwarz gefassten Fensterbänder der benachbarten Bauten in ähnlicher Weise beim Bensberger Rathaus.
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Innenausstattung
Auch die Innenausstattung stammt aus Böhms Hand: Er gestaltete Bänke, Beichtstühle, Kanzel, Altar und Taufbecken unter anderem aus dunklem Holz und Metall. Es entspricht der Arbeitsweise von Gottfried Böhm, dass sämtliche Ausstattungsstücke von ihm im Sinne eines Gesamtkunstwerkes entworfen wurden.
Der Grundriss der Kirche bildet ein unregelmäßiges Polygon (Vieleck) mit der größeren Ausbuchtung des Chorraumes im Süden und drei ebenfalls polygonalen Kapellenanbauten an der Ostseite. Das nördlichste dieser angefügten Polygone ist der Eingangsbereich mit Vorhalle, das mittlere die Taufkapelle und das südöstlichste die Sakramentskapelle, in der auch eine spätgotische Statue des 15. Jahrhunderts der Kirchenpatronin aufgestellt ist. Es ist die heilige Gertrud (um 625/26-653/59), Äbtissin des Klosters Nivelles in Belgien, die als Nothelferin gegen Mäuse- und Rattenplagen gilt (www.heiligenlexikon.de). Sie wird hier mit ihren Attributen, dem Äbtissinnenstab und drei Mäusen, dargestellt.

Der Kirchenraum bestimmt durch geknickte, verkantete Sichtbetonwände und das gefaltete Dach, in Halbdunkel getaucht durch die nach Entwürfen von Böhm und Kurt Lautens (neben der Orgel) gestalteten Fenster. Im Innenraum wird durch eine spärliche Belichtung und durch die fortwährende Brechung der Flächen eine höhlenartige Atmosphäre erzeugt. Das abgesenkte Niveau des zentralen Raumes steigert diese Wirkung noch, welcher der prismatischen Form der Decke entspricht. Die differenziert ausgeführte Hinführung auf den Altar ist eines der besonderen Merkmale dieses Kirchenraumes, wozu vor allem die Erhöhung der Decke über dem Chorraum, die spannungsvolle Lichtführung der völlig unterschiedlich strukturierten Fenster und der mit roten Backsteinen gestaltete Fußboden beitragen.
Neben dem Altar hängt ein Ölgemälde mit dem Namen „Himmelfahrt Christi“ von Robert Hieronymi aus dem Jahre 1912.
Die Glocke von St. Gertrud wurde 1764 von Franz Stanke im oberschlesischen Schillersdorf gegossen und wiegt 540 Kilogramm. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die nicht eingeschmolzenen Glocken als Leihglocken vergeben. Von 1952 bis 1960 war die oben genannte Glocke in St. Agnes, der für das Agnesviertel namensgebenden zweitgrößten Kölner Kirche, zu hören. Die gerade gegründete Pfarrei St. Gertrud bekam die Leihglocke geliehen, als 1960 für St. Agnes neue Glocken gegossen wurden.
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Heutige Nutzung
Die Pfarrei St. Gertrud wurde 1991 einer Wiedereingemeindung unterzogen. Das Gebäude wurde von 2003 bis 2004 saniert. Gottesdienste werden nur noch selten in der Kirche abgehalten und sie dient nun vor allem unter dem Namen „Kirche und Kultur – Resonanzraum Sankt Gertrud“ als Kulturzentrum für Kunst,- Musik- und Theaterprojekte.

Baudenkmal
Mit Eintragung vom 25. Juli 2006 wurde das Katholische Gemeindezentrum unter der laufenden Nr. 8702 als Baudenkmal in die Kölner Denkmalliste aufgenommen (www.stadt-koeln.de).

(Ute Schumacher, Abteilung Digitales Kulturerbe LVR, 2020)

Internet
gemeinden.erzbistum-koeln.de: Erzbistum Köln: Sankt Gertrud (abgerufen 31.03.2020)
www.nachkriegsmoderne.org: Sankt Gertrud Köln (abgerufen 31.03.2020)
www.baukunst-nrw.de: Sankt Gertrud in Köln (abgerufen 31.03.2020)
deu.archinform.net: Prof. Gottfried Böhm, Architekt (abgerufen 22.04.2020)
www.heiligenlexikon.de: Gertrud von Nivelles (abgerufen 22.04.2020)
www.stadt-koeln.de: Denkmalliste Köln (abgerufen 22.04.2020)
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Literatur

Dehio, Georg; Euskirchen, Claudia (Bearb.) (2005)
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Nordrhein-Westfalen 1. Berlin, München.
Fußbroich, Helmut (2005)
Architekturführer Köln. Sakralbauten nach 1900. Köln.
Kier, Hiltrud (2000)
Kirchen in Köln. S. 208-211, Köln.

Katholische Pfarrkirche St. Gertrud in Neustadt-Nord

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Krefelder Straße 57
Ort
50670 Köln - Neustadt-Nord
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Architekturgeschichte, Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1962 bis 1965

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Katholische Pfarrkirche St. Gertrud in Neustadt-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-310591 (Abgerufen: 12. Juli 2020)
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