Ahrtal

Historische Kulturlandschaft (3.1)

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Fachsicht(en): Raumplanung
Gemeinde(n): Adenau , Ahrbrück , Altenahr , Antweiler , Aremberg , Bad Münstereifel , Bad Neuenahr-Ahrweiler , Barweiler , Berg (Landkreis Ahrweiler), Blankenheim (Nordrhein-Westfalen), Dedenbach , Dernau , Dorsel , Dümpelfeld , Eichenbach , Fuchshofen , Grafschaft , Harscheid , Heckenbach , Herschbroich , Hönningen , Hoffeld (Rheinland-Pfalz), Honerath , Hümmel , Insul , Kalenborn (Landkreis Ahrweiler), Kaltenborn , Kesseling , Kirchsahr , Königsfeld (Rheinland-Pfalz), Kottenborn , Leimbach (Landkreis Ahrweiler), Lind (Landkreis Ahrweiler), Mayschoß , Müsch , Nettersheim , Nohn , Nürburg , Ohlenhard , Pomster , Quiddelbach , Rech , Reifferscheid , Rheinbach , Rodder , Schalkenbach , Schuld , Sierscheid , Trierscheid , Wershofen , Wiesemscheid , Wimbach , Winnerath , Wirft
Kreis(e): Ahrweiler , Euskirchen , Rhein-Sieg-Kreis , Vulkaneifel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen , Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 27′ 21,72″ N: 6° 57′ 3,7″ O / 50,45603°N: 6,95103°O
Koordinate UTM 32.354.555,64 m: 5.591.342,30 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.567.580,76 m: 5.591.566,78 m
  • Blick von Osten her auf die Ortsgemeinde Schuld im Ahrtal (April 2021).

    Blick von Osten her auf die Ortsgemeinde Schuld im Ahrtal (April 2021).

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  • Blick von Osten her auf die Ortsgemeinde Schuld im Ahrtal (April 2021).

    Blick von Osten her auf die Ortsgemeinde Schuld im Ahrtal (April 2021).

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  • Ahrweiler und der dahinter liegende Bereich des früheren Klosters Calvarienberg. Blick auf den Stadtteil über die Weinberge am Silberberg von der Dokumentationsstätte Regierungsbunker aus (2015).

    Ahrweiler und der dahinter liegende Bereich des früheren Klosters Calvarienberg. Blick auf den Stadtteil über die Weinberge am Silberberg von der Dokumentationsstätte Regierungsbunker aus (2015).

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Die Kulturlandschaft Ahrtal ist eine von insgesamt 17 landesweit bedeutsamen historischen Kulturlandschaften in Rheinland-Pfalz. Die Ausweisung erfolgte erstmals im Landesentwicklungsprogramm (LEP) IV von 2008.
Die Kulturlandschaft umfasst fast den gesamten Flusslauf der Ahr in Rheinland-Pfalz sowie das die Ahr umgebende nördliche und südliche Bergland. Sie ist in vier Unterabschnitte (Ahrengtal, Dümpelfelder Ahrtal, Ahrbergland, Ahrmündungstal) gegliedert und grenzt im Nordosten an die Kulturlandschaften des Unteren Mittelrheintals an.

Landschaftscharakter
Die Landschaft ist vor allem durch den Flusslauf der Ahr geprägt. Zwischen Müsch und Dernau, im Bereich des Dümpelfelder Ahrtals und des Ahrengtals, bildet die Ahr ein tief eingeschnittenes Kerbsohlen- bzw. Kerbtal mit zahlreichen Mäandern sowie den Umlaufbergen „Burg“ bei Insul und „Etzhardt“ bei Mayschoß. Die größte Ahrschleife bei Altenahr steht aufgrund der Flora und Fauna unter Naturschutz. Das Tal ist von steilen Hängen eingerahmt, die insbesondere zwischen Kreuzberg und Rech auch von schroffen Felsbildungen geprägt sind. Die Flanken werden durch ebenso steile Nebentäler gegliedert. Die steilen Hänge und Rücken sind zu zwei Dritteln bewaldet, an den Felshängen ist auch Trockenrasen verbreitet. Die Talsohle wird überwiegend als Grünland genutzt, während die sonnenexponierten Terrassen im Bereich des Ahrengtales vorwiegend durch Weinberge bzw. Weinbergsbrachen geprägt sind.

Im Unterlauf (Ahrmündungstal) weitet sich das Tal. Die Ahr fließt hier durch ein ca. 1 km breites Sohlental mit sanft geböschten Hängen. Auch hier wird der Überschwemmungsbereich der Niederung überwiegend als Grünland genutzt. Reste von Auenwäldern sind nur noch sehr kleinräumig vorhanden. Im überschwemmungsfreien Bereich herrscht eine ackerbauliche Nutzung vor. Zusammenhängende Laubwaldbestände bestimmen das Landschaftsbild lediglich an den nordexponierten Talhängen, derweil sich an den südexponierten Hängen der Weinbau konzentriert.

Die nördlich und südlich der Ahr liegende Hochflächen- und Berglandschaft ist durch zahlreiche Nebengewässer der Ahr und des Kesselinger Baches gegliedert, die der Landschaft ein lebhaftes Relief verleihen. Die höchste Erhebung ist der Aremberg mit 623 m ü. NN. Das Bergland ist, bis auf kleinere Rodungsinseln um die Ortschaften, überwiegend bewaldet. Grünlandbänder sind in den Bachtälern vorhanden, wo sie vereinzelt Komplexe mit Mager- und Feuchtwiesen bilden. Magerwiesen, Heiden und Streuobst finden sich als typische Elemente der historischen Kulturlandschaft als Relikte im Bereich zwischen Vischelbach- und Gierenbachtal sowie westlich des Heckenbach-Alzbachtals.
Zu den landschaftswirksamen Baudenkmalen zählen die letzte im Ahrtal bewohnte Burg Kreuzberg (neu errichtet im 18. Jh. auf Grundmauern einer Burg aus dem 14. Jahrhundert) sowie Burg Vischel (erstmals urkundlundlich erwähnt 1115, erweitert 1829), die heute als Landschlösschen repräsentativen Zwecken dient. Auch die Burgruinen Are (erbaut Ende des 11. Jahrhundert), Landskrone (erbaut 1206), Wenzberg (erbaut im 14. Jahrhundert) und Nürburg (erbaut Anfang des 12. Jahrhundert) sind in der Landschaft weithin sichtbar.

Anthropogene Prägung
Die landwirtschaftliche Nutzung ist im Ahrengtal und Ahrmündungstal vom Weinanbau geprägt, der bis in das 8. Jh. zurückverfolgt werden kann. Der Weinbau wird an sonnenexponierten Hängen betrieben, die in den Steillagen mit Hilfe von Stütz- und Trockenmauern terrassiert sind. Gut 85 % der Anbaufläche werden von Rotweinreben eingenommen. Die Ahr stellt somit das größte geschlossene Weinbaugebiet für Rotweine in Deutschland dar. Manche Weinbergslagen sind inzwischen jedoch nicht mehr wirtschaftlich und liegen brach.

Ackerbau wird in der Regel nur auf den überschwemmungsfreien Flächen des Ahrmündungstals und vereinzelt auf kleinen Terrassenflächen des Dümpelfelder Ahrtales sowie auf den Rodungsinseln des Ahrberglandes betrieben.
Die Siedlungen haben sich im Ahrtal ursprünglich auf den hochwasserfreien Terrassenflächen entwickelt. Die historischen Dorfstrukturen und die typische Siedlungsverteilung sind heute noch in weiten Teilen erhalten. Von besonderer kulturhistorischer Bedeutung ist die Altstadt von Ahrweiler mit ihrer vollständig erhaltenen Stadtbefestigung, einschließlich Wallgraben, Türmen und Toren aus dem 13. Jahrhundert sowie Bad Neuenahr mit ihren Heilquellen und dem Kurpark.
Starkes Siedlungswachstum und die Ansiedlung von Gewerbe haben im Bereich des Ahrmündungstales jedoch zu einer Zersiedlung des Talraumes geführt.
Die bäuerlich geprägten Dörfer und Weiler im eher dünn besiedelten Ahrbergland haben ihren Charakter dagegen zum größten Teil behalten. Lediglich Adenau weist durch seine historische Funktion als Marktort kleinstädtische Strukturen auf.
Das Wasser der Ahr wurde schon früh für den Antrieb von Mühlen genutzt. Davon zeugen heute noch zahlreiche historische Mühlen, Mühlkanäle und Wehre. Die Wehre werden jedoch zur Verbesserung der Gewässerökologie seit einigen Jahren wieder zurückgebaut.

Auch die verkehrliche Erschließung ab Mitte des 19. Jahrhunderts hat das Tal geprägt. So stellt vor allem die stillgelegte historische Bahntrasse mit mehreren Tunnel und Viadukten ein prägendes Kulturlandschaftselement entlang des Flusses dar, auf der inzwischen streckenweise ein Radweg verläuft.

Werteinstufung als historisch bedeutsame Kulturlandschaft
Das Ahrtal besitzt kulturhistorisch eine gehobene bis herausragende Bedeutung:
Ahrental: Markante Engtallandschaft mit persistenten historischen Nutzungen (Terrassenweinbau) in besonderer Ausprägung und zahlreichen landschaftswirksamen Kulturdenkmalen.
Dümpelfelder Ahrtal: Markantes, dünn besiedeltes Engtal mit vielfältigen kulturhistorischen Elementen in geringer Dichte.
Ahrbergland: Waldreiches Bergland mit tradierten bäuerlichen Siedlungen und historischen baulichen und nutzungsbezogenen Kulturlandschaftselementen in vergleichsweise geringer Dichte.
Ahrmündungstal: Altbesiedelte Talweitung mit historisch geprägten Stadtkernen, zahlreichen historischen Baudenkmalen und persistenten historischen Nutzungen (Steillagenweinbau), deutlicher Landschaftswandel.

(Sylvia Götz, Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, 2020)

Literatur

Ministerium des Innern und für Sport Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2008)
Landesentwicklungsprogramm (LEP IV). S. 114 ff. und 182, Mainz.
Ministerium für Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2013)
Konkretisierung der landesweit bedeutsamen historischen Kulturlandschaften zur Festlegung, Begründung und Darstellung von Ausschlussflächen und Restriktionen für den Ausbau der Windenergienutzung. Saarbrücken.

Ahrtal

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 2008

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Sylvia Götz, „Ahrtal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-290221 (Abgerufen: 5. Dezember 2021)
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