Vom Steinbruch zum Naturschutzgebiet
Von 1899 bis 1966 wurde dolomitischer Massenkalk aus dem Gruiten-Dornaper Massenkalkzug abgebaut und als Ausgangsstoff für feuerfeste Materialien (BSP) verwendet (Adolphy et al. 2010 und Holzhausen 1996). Der handwerkliche Abbau der Kalkwände ist hier übersprungen worden und man begann direkt mit höher entwickelten Techniken, wie Sprengungen, industriell vorzugehen. Zu der geschaffenen Abbaulandschaft gehörten ebenfalls Gleisanlagen sowie Seilbahnen für den Abtransport (Holzhausen 1996:181). Nach Einstellung der Abbautätigkeit aus Rentabilitätsgründen begann die Stadt Haan den Steinbruch zu rekultivieren und zu einem Naherholungsgebiet herzurichten, da die Grube zu einem Großteil mit Grundwasser gefüllt war.
In den 1980er Jahren sank der Wasserspiegel aufgrund von geologischen Aktivitäten im kluftigen Kalkgestein rapide ab und wurde durch einen künstlich geschaffenen Grundwasserkreislauf zwischen dem Kalksteinbruch in Hahnenfurth und der Grube 7 stabilisiert. Mittlerweile wird kein Wasser mehr in die Grube gepumpt und somit ist keine große Wasserfläche mehr vorhanden (Stand: 2025) (Stefanie Egeling - Biologische Station Haus Bürgel).
Für die Grube 7 sind ausgeprägte Steilwände im klüftigen Kalkgestein charakteristisch. Weitere Standortbedingungen, wie die hohe Sonneneinstrahlung auf steile Wände, offene Böden, Büsche und Bäume als Windbarriere und nicht zuletzt die Ungestörtheit fördern einen attraktiven Lebensraum für eine wärme- und kalkliebende Flora und Fauna (LANUV und Adolphy et al. 2010, S. 65 f.). Eine Steinbruchflora kann sich auf den offenen Kalk-Rohböden besonders leicht ansiedeln und so finden sich in der Grube 7 botanische Raritäten wie Orchideenarten, die vorher im Kreis Mettmann nicht bekannt waren. In weniger sonnenverwöhnten Nischen in den Felsen entwickeln sich interessante Moose und Farne (Adolphy et al. 2010).
Bezüglich der Fauna kann man von einem Eldorado für Schmetterlinge und Vögel sprechen, die in ungewöhnlichem Artenspektrum auf engem Raum vorkommen.
Neben der Hauptwasseransammlung in der Größe eines Sees von 600 mal 300 Meter Ausdehnung auf der Sohle befinden sich zahlreiche kleinere Gewässer in dem Gebiet (Holzhausen 1996, S. 181). Diese Feuchtbiotope sind ein besonders attraktiver Lebensraum von Amphibien und Libellen und es finden sich auch seltene Armleuchteralgen unter Wasser (Adolphy et al. 2010). Ein dazugehöriger ehemaliger Klärteich nördlich der Grube ist heute vollständig bewaldet.
Schützenswert ist die Grube 7 unter anderem auch wegen des interessanten, geologischen und bodenkundlichen Aufschlusses (LANUV).
Insgesamt wird auch an diesem Steinbruch sowie den dazugehörigen Strukturen, wie dem Klärteich, deutlich, wie eine dynamische Aneignung und Umwandlung der Natur durch den Menschen durchaus langfristig eine neue, attraktive Landschaft enstehen lassen kann.
(Maren Lenz, Biologische Station Haus Bürgel - Stadt Düsseldorf - Kreis Mettmann e.V. , 2019)
Internet
nsg.naturschutzinformationen.nrw.de: Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (LANUV) - Naturschutzgebiet Grube 7 und ehemaliger Klaerteich (ME-041) (abgerufen 29.12.2019)
agnuhaan.wordpress.com: AGNU – Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt Haan e.V. (abgerufen 29.12.2019)