Evangelische Kirche Oberpleis

Bartning Notkirche Typ-D

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege, Architekturgeschichte, Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Königswinter
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Hölzerne Wandkonstruktion der evangelischen Kirche Oberpleis (1949).

    Hölzerne Wandkonstruktion der evangelischen Kirche Oberpleis (1949).

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  • Außenansicht der evangelischen Kirche Oberpleis (2018)

    Außenansicht der evangelischen Kirche Oberpleis (2018)

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  • Die fertiggestellte evangelische Kirche Oberpleis (1949).

    Die fertiggestellte evangelische Kirche Oberpleis (1949).

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  • Blick auf die evangelische Kirche Oberpleis vom Vorplatz des heutigen evangelischen Gemeindehauses aus betrachtet (2018)

    Blick auf die evangelische Kirche Oberpleis vom Vorplatz des heutigen evangelischen Gemeindehauses aus betrachtet (2018)

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  • Ausschachtungsarbeiten beim Bau der evangelischen Kirche Oberpleis (1949)

    Ausschachtungsarbeiten beim Bau der evangelischen Kirche Oberpleis (1949)

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  • Das Aufrichten der Dachbalken der evangelischen Kirche Oberpleis durch freiwillige Helfer (1949).

    Das Aufrichten der Dachbalken der evangelischen Kirche Oberpleis durch freiwillige Helfer (1949).

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  • Dachkonstruktion der evangelischen Kirche Oberpleis (1949).

    Dachkonstruktion der evangelischen Kirche Oberpleis (1949).

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  • Blick in das hölzerne Gebälk der evangelischen Kirche in Oberpleis (2018)

    Blick in das hölzerne Gebälk der evangelischen Kirche in Oberpleis (2018)

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  • Der Innenraum der evangelischen Kirche in Oberpleis mit Blick auf die Bestühlung und die Orgel (2018)

    Der Innenraum der evangelischen Kirche in Oberpleis mit Blick auf die Bestühlung und die Orgel (2018)

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  • Flügeltüren, die den Altar verschließen in der evangelische Kirche Oberpleis (2018)

    Flügeltüren, die den Altar verschließen in der evangelische Kirche Oberpleis (2018)

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  • "Sie bewegt sich, sie schwebt" (PDF-Dokument)

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In Königswinter Oberpleis steht eine von insgesamt 48 sogenannter Notkirchen, die der Architekt und Bauhaus-Mitbegründer Otto Bartning (1883-1959) in den Nachkriegsjahren bis 1951 konzipierte und die sich durch Wirtschaftlichkeit, Schlichtheit und einen ganz eigenen spirituellen Charakter auszeichnen.

Die Nachkriegsjahre – Zeit des Neuanfangs
Der architekturhistorische Kontext
Das Konzept der Notkirchen
Die Evangelische Kirche Oberpleis
Der Innenraum
Hinweis

Die Nachkriegsjahre – Zeit des Neuanfangs
Die Bombardements der Alliierten während des Zweiten Weltkrieges hatten auf die ländlich gelegenen Regionen des Rheinlandes kaum Auswirkungen gehabt, waren doch zumeist die an Infrastruktur starken und industriell geprägten Städte das Ziel der militärischen Interventionen gewesen. Viel stärker dagegen bekam die Landbevölkerung die Folgen des Krieges durch eine Zuwanderungswelle zu spüren. Für viele Menschen, die im Krieg ihre Heimat verloren hatten, stellte das Rheinland, aufgrund seiner vielen Städte und Industriestandorte, eine attraktive Region dar, um einen Neuanfang zu wagen. So wurde auch das Königswinter zugehörige Oberpleis zum Zielort für Vertriebene und Flüchtlinge. Innerhalb dieses Prozesses verschoben sich grundlegende gesellschaftliche Strukturen. So lebten in Oberpleis, wie im übrigen Rheinland auch, bis Kriegsende überwiegend Katholiken. Viele der neu Hinzuziehenden hingegen waren Protestanten aus den östlichen Reichsgebieten, wodurch es auch in diesem Fall „(…) zur Auflösung der konfessionell geschlossenen Gebiete“ kam (Schmitt 1989, S. 57). Vor dem Krieg hatte es in Oberpleis lediglich 150 Protestanten gegeben, die der evangelischen „Landgemeinde“ der Kirchengemeinde Oberkassel angehörten. „Die Landgemeinde war ein großer Komplex von vielen Dörfern zwischen Rhein und Pleiser Bergland, als deren Schwerpunkte die Orte Oberpleis, Stieldorf und Heisterbacherroth galten.“ (Rundblick Siebengebirge vom 29.04.2017, S. 7)

Mit dem Beginn des Krieges, stärker aber noch nach der Kapitulation des Deutschen Reiches, wuchs die evangelische Gemeinde auf 1000 Personen an (Hennemann 2014, S. 20). Die neu erlangte quantitative Stärke dieser evangelischen Gemeinde bedurfte eines Gebäudes zur Organisation ihres Gemeindewesens. Die evangelische Kirche in Oberkassel war zu weit entfernt und die Anzahl der neuen Oberpleiser Gemeindemitglieder rechtfertigte ein eigenes Gebäude. Dieses wurde benötigt sowohl um Gottesdienste abhalten zu können aber auch zur Gemeindeverwaltung, dem Feiern von Gemeindefesten etc. Sicherlich spielt auch der Umstand eine Rolle, sich mit einem eigenem Gemeinde- bzw. Kirchengebäude als gleichberechtigter Bürger neben der katholischen Bürgerschaft und damit in der neuen Heimat angekommen zu fühlen. Vor diesem Hintergrund unterscheidet sich Oberpleis von den Orten, die bereits vor dem Krieg eine stark ausgeprägte Gemeinde und die damit einhergehenden organisatorischen und baulichen Strukturen besaßen, diese lediglich durch den Krieg zerstört und unbenutzbar gemacht worden waren. In Oberpleis musste man sich mit dem Provisorischen zufriedengeben, was sich alleine dadurch verdeutlichen lässt, dass der Gottesdienst im Saal des Oberpleiser Kinos abgehalten wurde (das Kino ist seit geraumer Zeit abgerissen und lag früher gegenüber von der alten Schule, ebenfalls abgerissen, heute Busbahnhof, vgl. Rundblick Siebengebirge vom 29.04.2017, S. 7).
Aufgrund der traumatischen Erlebnisse, die viele Menschen während des Zweiten Weltkrieges gemacht hatten, wurden die Kirchen in ihrer Funktion als Seelsorger dringend benötigt. Aus diesem Grund förderte das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland (HEKD) den Bau sogenannter „Notkirchen“. Interessanterweise stammte ein Großteil dieser finanziellen Mittel aus den USA, wo bereits in den Kriegsjahren inoffiziell Spenden gesammelt worden waren. Neben der zu erfüllenden Zweckmäßigkeit, Kostengünstigkeit und auch schnellen Verfügbarkeit durch die sich diese Notkirchen auszeichnen sollten, lässt sich auch der Aspekt des Neubeginns, der in einer modernen Kirchenarchitektur erlebbar werden sollte, anführen.
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Der architekturhistorische Kontext
Otto Bartning (12. April 1883 – 20. Februar 1959) studierte an den Technischen Hochschulen Berlin-Charlottenburg und Karlsruhe Architektur, jedoch ohne einen Abschluss zu erzielen. Dieser Umstand hinderte ihn jedoch nicht daran, Aufträge für die Konzeption von Dorfkirchen und Wohnhäusern anzunehmen und auch erfolgreich auszuführen. Der Erste Weltkrieg, an dem er nicht teilnahm, ließ die Auftragslage einbrechen. In dieser Zeit jedoch verfasste Bartning Schriften und Stellungnahmen zur Architekturtheorie des Kirchenbaus, wie das 1919 erschienene Werk „Vom neuen Kirchenbau“.
Kennzeichnend für seine Theorien sind eine schlichte und funktionelle Formensprache, die auch in seinen Gebäuden Widerhall findet. In dieser Zeit schloss er Bekanntschaft zu Bruno Taut, Walter Gropius und Hans Scharoun und formulierte mit ihnen in gemeinschaftlicher Arbeit die Grundprinzipien für das Bauhaus. Zur Mitte der 1920er Jahre widmete sich Bartning bereits dem funktionellen Montagebau, der später auch in der evangelischen Kirche Oberpleis zutragen kommt, wendete diesen in Wohn- und Sakralgebäuden an. Zu dieser Zeit griff Bartning noch auf Stahlskelettkonstruktionen zurück, die er nicht vor den Blicken der Menschen zu verstecken suchte. Die Konstruktion soll ersichtlich sein, so lautete einer der Grundsätze der Zeit und wendete sich gegen die tradierte Auffassung, die das Innere der Gebäude hinter einer dekorativen Fläche zu verstecken suchte. Auf diese Weise „(…) verleiht [Bartning] dem profanen Baumaterial durch die enge Verbindung mit einer modernen liturgischen Raumkonzeption eine metaphysische Sakralität.“ (www.architekten-portrait.de)

Während das Bauhaus in Dessau weitergeführt wurde, leitete Bartning ab 1926 die Staatliche Bauhochschule, die sich ihrem Verständnis nach von der Lehre und dem Zweck der Architektur am Bauhaus orientierte, sie aber in abgeschwächter Form für sich zu nutzen wusste. „Bartning, der als Vertreter einer moderaten Moderne gilt, vermeidet die polarisierende Radikalität des Bauhauses, ohne jedoch dessen experimentierfreudige Innovationskraft zu erreichen.“ (www.architekten-portrait.de)
Mit dem Aufkommen des Nationalsozialismus wurde die Staatliche Bauhochschule geschlossen und Bartning musste sich auf den Bau von Kirchen beschränken. Die umfangreichen Erfahrungen im Kirchenbau sowie der Umstand, dass seine Projekte stets frei von der Ideologie der Nationalsozialisten waren, machten Otto Bartning zum geeigneten Projektkoordinator für das vom Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland ins Leben gerufene Notkirchenprogramm der Nachkriegszeit. Dieses Programm war temporär befristet und arbeitete mit Spendengeldern, die im Ausland unter der Schirmherrschaft protestantischer Institutionen gesammelt worden waren. Die Gesamtsumme belief sich auf 400 000 Dollar und sollte für vierzig Kirchenbauten Verwendung finden. Unter der Bezeichnung eines Leiters der Bauabteilung des Hilfswerks der Evangelischen Kirchen stand Bartning dem Programm vor.
Er berichtet in seinem Buch „Warum Notkirchen?“ von dem Moment, als er über die erfolgreiche Finanzierung der Notkirchen informiert wurde:
„Im November 1947 aber, als ich gerade in Berlin war, ereilte mich telefonische Nachricht: Der “Weltrat der Kirchen in Genf„, “Lutheran World Federation„, “Evangelical and Reformed Church„, “Presbyterian Church„ und “Schweizer Hilfswerk„ haben 40 Notkirchen, 40 mal 10 000 Dollar gestiftet. Grosse Erfüllung! Herrliche, wohl einzigartige Aufgabe, nicht nur an 40 Orten in Deutschland Notkirchen zu bauen, sondern auch durch Einkauf ausländischer Zusatzstoffe deutsche Industrien und Gewerbe in Gang zu setzen. Diejenigen, die mir die Nachricht meldeten, erwarteten wohl, ich würde laut aufjubeln. Und ich dachte eigentlich selbst, ich müßte es tun. Aber ich verstummte, ging auf die Straße und wanderte stundenlang durch die Trümmerfelder, wie ein Besessener, wie ein Verurteilter.“ (zitiert nach www.otto-bartning.info).
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Das Konzept der Notkirchen
Bartning griff bei der Konzeption seiner Notkirchen auf die Montagetechnik zurück, mit der er sich bereits während der 1920er Jahre intensiv auseinandergesetzt hatte und die in der, mit Emil Staudacher in Gemeinschaftsarbeit getätigten Entwicklung tragender Holzbinder gipfelte. Diese Technik besteht darin, dass die vorgefertigten Binder zum Bauplatz geliefert und dort unter Anleitung von den Gemeindemitgliedern zusammengebaut werden.
Auf diese Weise ließ sich schnell und kostengünstig ein Rahmkonstrukt schaffen, das dann mit verschiedenen Materialien, so auch Trümmersteinen, gefüllt und verputzt werden konnte. Neben dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit ist der psychologische Aspekt zu betonen: Die Gemeindemitglieder waren in alle praktischen Arbeiten eingebunden, wodurch die individuelle Verbundenheit sowohl untereinander, als auch mit dem Bauwerk eine Steigerung erfuhr und gleichermaßen sinnbildlich für die Urkirche, als auch für eine neue Ära angesehen werden kann. Wurden auch viele Konstruktionselemente seriell vorgefertigt, so besitzt jede der Notkirchen einen individuellen Charakter. Bartning unterteilte die von ihm entwickelten Kirchengebäude in drei Typen: Gemeindezentrum, Diasporakapelle und Haus der Kirche.
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Die Evangelische Kirche Oberpleis
Auch in Oberpleis wurde der Kirchenneubau im Rahmen des Notkirchenprogramms entwickelt, wobei es in diesem Fall keinen Vorgängerbau gab, der durch den Krieg zerstört worden war. Vielmehr wurde mit dem Bau der neuen Kirche auch die feste Installation einer ortseigenen Gemeinde unternommen, was eine Loslösung von den Glaubensbrüdern in Oberkassel bedeutete, denen die Organisation der „Landgemeinde“ zeitweilig überantwortet worden war.
Mit der Eigenständigkeit als Gemeinde erwuchsen ganz neue Bedarfe, die sich auch auf die Konzeption des Kirchengebäudes auswirkten. So sollte das neue Gebäude Kirche und Gemeindezentrum in einem sein, sprich dem Gottesdienst und dem kulturellen und sozialen Leben der Gemeinde zugleich Genüge tragen. Aus diesem Grunde wählten die Verantwortlichen aus Bartnings Notkirchen den Bautyp D als für die Ortschaft geeignet aus. In diesem Kirchentyp, definiert als „Flüchtlings-Diaspora-Gemeindezentrum, die Bartning Notkirche (Gemeindezentrum) Typ D“ vereint sich der bifunktionelle Charakter, der den beiden formulierten Anforderungen an den Raum Rechnung trägt (Rundblick Siebengebirge vom 15.07.2017, S. 2).

Am 4. April 1949 wurde der Kaufvertrag für ein Grundstück außerhalb der Ortschaft auf der Anhöhe vor Boseroth, unmittelbar an der Ittenbacher Straße gelegen, unterzeichnet. Nur zwei Tage später genehmigte das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in Deutschland die zweckgebundene Ausschüttung von Spendengeldern, die durch das Hilfswerk der Evangelischen Kirchen in der Schweiz gesammelt worden war. Diese Spenden galten dem Gebäude. Das Fundament wurde durch das Ministerium für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen bezuschusst. Die traditionelle Ost-Westausrichtung, die als Maßstab des tradierten Kirchenbaus gilt, wurde im Fall der evangelischen Kirche in Oberpleis nicht aufgegriffen. Vielmehr wurde die Kirche nach der bereits vorhandenen Ittenbacher Straße ausgerichtet. Am 27. Juli 1949 begannen mit dem ersten Spatenstich die Arbeiten. Eine Baugrube wurde von Gemeindemitgliedern, Frauen und Männern gleichermaßen ausgehoben. Die Grundsteinlegung erfolgte knapp zweieinhalb Monate später, am 14. Oktober 1949 und machte anschaulich, wie praktikabel und schnell realisierbar Bartnings Montagebauweise wirklich war. In nicht ganz zwei Monaten erwuchs auf dem Fundament ein Rahmenkonstrukt aus vorgefertigten Holzpfeilern. Die Außenwände wurden innen mit Rigipsplatten und außen mit Leichtbauplatten geschlossen. (Die einzelnen Bauphasen lassen sich anhand der historischen Bilder nachvollziehen, siehe Mediengalerie).

Unmittelbar an den Kirchenbau angrenzend wurde das Pfarrhaus gebaut, das jedoch mit dem Bau des neuen Pfarrhauses in den 1970er Jahren funktionslos wurde. Zwischen der Sakristei der Kirche und dem ehemaligen Pfarrhaus bestand und besteht auch heute noch ein direkter Zugang durch eine Verbindungstüre. Die Räume des ehemaligen Pfarrhauses dienen heute unter anderem als Sitzungsraum des Presbyteriums oder als Möbellager. Am 11. Dezember 1949 zog die evangelische Gemeinde in einem Festzug von ihrem bisherigen Versammlungsort im Saal des Oberpleiser Kinos zum neuen Kirchengebäude, wo Otto Bartning zum ersten Läuten der neuen Glocken die Schlüssel der Kirche an die Vertreter der Gemeinde übergab. Auch der Pfarrer der katholischen Kirche in Oberpleis wohnte der Kirchweihe bei und überreichte eine Miniaturdarstellung der Anbetung der Könige, die noch heute an einem der Holzpfeiler im Innenraum befestigt ist (Rundblick Siebengebirge vom 17.06.2017, S. 2 und www.ev-kirche-oberpleis.de).
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Der Innenraum
Zu Otto Bartnings bevorzugten Baustoffen, auch für die Gestaltung von Innenräumen, gehörte zweifelsohne Holz. Ihm sprach Bartning, wie anderen Baumaterialien auch, eine - diesem Stoff innenwohnende „Geistigkeit“ zu. Heute noch trägt das mit der Zeit nachgedunkelte Holz sehr zum Raumgefühl bei. Einen weiteren wichtigen Faktor für Bartning spielte das Tageslicht. Die in Oberpleis charakteristischen Fensterbänder schaffen zum einen eine Trennlinie zwischen oberer Wandzone und Dach, die durch den Lichteinfall nochmal mehr Betonung findet und das Gefühl vermittelt, das Dach schwebe über den Wänden und zum anderen verändern sie durch den Einfall des sich je nach Tageszeit verändernden Lichts den Charakter des Innenraumes. Dass dem einfallenden Tageslicht von Bartning eine zentrale Bedeutung beigemessen wurde zeigt sich alleine dadurch, dass es in Richtung des Altars einfällt. Lediglich oberhalb des Altares nämlich fehlen die Fensterbänder. Auf diese Weise wird das Podest als Aktionsraum für den Pfarrer beleuchtet, ohne dass sich der Lichteinfall störend auswirken könnte.
Ganz ähnlich in der Hinsicht auf die Gewichtung des Holzes als Gestaltungselement des Innenraumes sowie auch in Hinsicht auf die Fensterbänder, lässt sich die Pankratiuskapelle in Gießen – von Bartning 1948/49 als Notkirche des Typs D erbaut – anführen.

Das Podest gehört ebenso zur ursprünglichen Ausstattung wie auch die Altarnische mit dem schlicht gehaltenen hölzernen Altar. Aufgrund der zwei Anforderungen an den Innenraum sowohl dem Gottesdienst, als auch verschiedenen Gemeindeveranstaltungen Genüge zu tun, stellte sich die Frage nach dem geeigneten Umgang mit dem Altar. Bartning konzipierte eine Altarnische in der sich der Altar mittels zweier hölzerner Flügeltüren öffnen und verschließen lässt. Im liturgischen Sinne wird der Raum zum Sakralraum, wenn der Altar geöffnet ist und zum profanen Raum, wenn er von den Flügeltüren verschlossen ist. Die Bestuhlung und auch die Orgel gehören nicht der ursprünglichen Ausstattung an. Anstelle der Stühle boten Holzbänke den Besuchern Platz und dort, wo heute die Orgel steht, deren Holzton mit dem der Bestuhlung harmoniert, befand sich früher ein Harmonium. Ebenfalls nachträglich wurde die freistehende Kanzel in den Raum integriert. Dass sich Bartning jedoch auch mit ganz lapidar erscheinenden Fragen der Praxis des Gottesdienstes auseinandersetzte, zeigt die von ihm konzipierte Tür zur Sakristei. Diese beinhaltet ebenfalls die Tafel für die Buchstabenlettern, mittels der die Gemeinde über die im Liederbuch zu singenden Lieder informiert wurden und auch heute noch werden. Diese ist so geschaffen, dass die Tafel gleich einem Fenster innerhalb der Tür geöffnet werden kann um die Lettern in die Leisten zu schieben.
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Hinweise
Von den ursprünglich 19 Notkirchen Typ D, die Bartning in der Nachkriegszeit erbaute, sind noch 15 erhalten geblieben. Zerstört wurden die Gemeindezentren in Rheinbach und Ernstek sowie die „Betlehemkirche“ in Wertingen. Zur Diskothek und dann zum Wohnhaus wurde die „Segenskirche“ in Delbrück umgebaut, die zuvor von Heidelberg nach Delbrück umgesetzt worden war. (www.otto-bartning.de). Im LVR-Freilichtmuseum Kommern kann innerhalb der Objektgruppe „Marktplatz Rheinland“ die aus Overath stammende Diasporakapelle Otto Bartnings besichtigt werden.
Die evangelische Kirche Oberpleis ist eingetragenes Baudenkmal (Königswinter, UDB-Nr. 36; LVR-ADR, Datenbank Nr. 23609)
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(Florian Weber, LVR-Redaktion KuLaDig / freundliche Hinweise von Herrn Kai Zielke, Mitglied des Presbyteriums der Evangelischen Kirche in Oberpleis, 2018)

Internet
www.monumente-online.de: Otto Bartning und seine Kirchen. Spiritualität in Serie (Monumente – Magazin für Denkmalkultur in Deutschland, Onlineversion vom April 2016, abgerufen 25.04.2018)
www.architekten-porträt.de: Otto Bartning 1883-1959 (abgerufen 25.04.2018)
www.adk.de: Otto Bartning. Architekt einer sozialen Moderne (abgerufen am 25.04.2018)
www.otto-bartning.info: Warum Notkirchen? (abgerufen 25.04.2018)
www.marktplatz-rheinland.lvr.de: Notkirche aus Overath. Eine Diasporakapelle von Otto Bartning (abgerufen 25.04.2018)
www.ev-kirche-oberpleis.de: Unsere Kirche (abgerufen 08.05.2018)
www.otto-bartning.de: Liste der 19 Bartning-Notkirchen Typ D (Gemeindezentrum) (abgerufen 23.05.2018)
www.ev-kirche-oberpleis.de: Rundblick Siebengebirge, verschiedene Ausgaben in PDF-Version zum Download (abgerufen 24.05.2018)
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Literatur

Schmitt, Karl (1989)
Konfession und Wahlverhalten in der Bundesrepublik Deutschland. (Ordo politicus 27.) Berlin.

Evangelische Kirche Oberpleis

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Ittenbacher Straße 35
Ort
53639 Königswinter - Oberpleis
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege, Architekturgeschichte, Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1949
Koordinate WGS84
50° 42′ 14,52″ N, 7° 16′ 27,12″ O / 50.70403°, 7.2742°
Koordinate UTM
32U 378136.21 5618333.71
Koordinate Gauss/Krüger
2590055.9 5619496.91

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„Evangelische Kirche Oberpleis”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-277990 (Abgerufen: 22. September 2018)
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