Steindenkmal der Legio I Minervia aus Menden

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Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Das Steindenkmal wurde am 13. November 1969 beim Ausschachten des Rohrgrabens für eine Wasserleitung in Niedermenden (Stadt Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis) gefunden. Nach Angaben der beteiligten Arbeiter vom Wahnbachtalsperrenverband lag der Stein in über drei Metern Tiefe, etwa zehn Meter von einer alten Terrassenkante der Sieg entfernt. Bei den Fundschichten handelte es sich um typische Ablagerungen von natürlichen Überschwemmungen.

Der Stein besteht aus Drachenfelstrachyt. Er misst 113 cm Höhe auf 67 cm Breite, Stärke 25 bis 30 cm. Die Kanten sind bestoßen und durch die Bewegungen im Schwemmsand abgerundet. Der Fundort liegt heute unmittelbar an der Bundesautobahn A 59, am östlichen Rand der Siegniederung. Es ist davon auszugehen, dass der Stein ursprünglich in unmittelbarer Nähe aufgestellt war, vom Fluss unterspült wurde und dann in die Niederung stürzte. Weitere Funde römischer Zeitstellung aus dieser Gegend sind bislang nicht bekannt.

Der Stein datiert zwischen dem Ende des 2. Jahrhunderts und dem Anfang des 3. Jahrhunderts n. Chr., seine Inschrift lautet aufgelöst legio prima Minervia pia fidelis prata Aureliana adampliavit („Die 1. Legio Minervia, die fromme und treue, hat das Weideland vergrößert, das nach einem Aurelius benannt war“).

Mit diesem Stein wurde gekennzeichnet, wo die 1. Legion, die in Bonn stationiert war, rechtsrheinisches Weideland vergrößert hat, das sie für ihre zahlreichen Reit-, Zug, Trag- und Nutztiere benötigte.
Das rechtsrheinische Vorfeld des Limes, der Reichsgrenze am Rhein, zwischen Siegaue und Niederrhein, wurde vom römischen Militär genutzt. Dieses wurde auch dann fortgesetzt, als sich hier im 1. Jahrhundert germanische Gruppen ansiedelten, sicherlich nur mit Erlaubnis des römischen Militärs. Belege für die rechtsrheinischen Aktivitäten der Römer sind - neben vielen weiteren Beispielen - die rechtsrheinischen Ziegelen der tegularia transrhenana am Niederrhein, der Kalkofen im Lerbacher Wald bei Bergisch Gladbach, der Abbau von Trachyt am Drachenfels in Königswinter und eben der Inschriftenstein von Menden.

Das Original des Steins befindet sich im LVR-LandesMuseum Bonn. Eine Kopie steht seit 2017 wieder hinter dem Beueler Rathaus in der Sankt Augustiner Straße. Der Heimat- und Geschichtsverein Beuel hatte 1989 eine Kopie anfertigen lassen. Ursprünglich stand dieser Stein vor dem Rathaus, 2013 wurde er dann hinter das Rathaus versetzt. Nach der Umgestaltung des Bereiches wurde das Steindenkmal im September 2017 an seinem jetzigen Standort aufgestellt.

(Claus Weber, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2017)

Quellen
Erläuterungstafel vor Ort und Bonner General-Anzeiger vom 7./8. Oktober 2017, S. 34.

Literatur

Petrikovits, Harald von (1991)
Beiträge zur römischen Geschichte und Archäologie II. (Bonner Jahrbücher Beihefte 49.) S. 239, Bonn.
Petrikovits, Harald von (1974)
Beiträge zur Geschichte des Niedergermanischen Limes. In: J. E. Bogaers / Christoph B. Rüger (Hrsg.), Der niedergermanische Limes. Materialien zu seiner Geschichte, S. 9-29. S. 28 Bild 1, Köln.

Steindenkmal der Legio I Minervia aus Menden

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Sankt Augustiner Straße
Ort
53225 Bonn - Beuel
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 170 bis 230
Koordinate WGS84
50° 44′ 23,54″ N, 7° 07′ 9,15″ O / 50.73987°, 7.11921°
Koordinate UTM
32U 367293.68 5622585.02
Koordinate Gauss/Krüger
2579046.85 5623306.34

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„Steindenkmal der Legio I Minervia aus Menden”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-272385 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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