Grube Wohlfahrt in Rescheid

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Hellenthal
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Besucherbergwerk Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid (2014)

    Besucherbergwerk Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid (2014)

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  • 2017 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid (PDF-Datei)

    2017 Archäologietour Nordeifel, Infoblatt Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid (PDF-Datei)

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  • Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid, Wiese mit Bergbaurelikten und Aufschüttungen der Lichtlöcher (2017)

    Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid, Wiese mit Bergbaurelikten und Aufschüttungen der Lichtlöcher (2017)

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  • Empfangsgebäude Bergbaumuseum Grube Wohlfahrt (2017)

    Empfangsgebäude Bergbaumuseum Grube Wohlfahrt (2017)

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  • Grubenhunte der Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid (2017).

    Grubenhunte der Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid (2017).

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Die „Grube Wohlfahrt“ ist ein typisches Beispiel für den Gangerzbergbau in der nördlichen Eifel. Vom einst hier betriebenen Bleierz-Bergbau zeugen zahlreiche Relikte über und unter Tage. Sie liegt an einem rund 60 Kilometer langen „Streifen“ von Bleierzvorkommen (der Bleialf-Rescheid-Mechernicher Gangzug). Hier waren sechs Bergwerke tätig (von Südwest nach Nordost): Reuland in Belgien, Mühlenberger Stollen in Prüm-Bleialf, Grube Wohlfahrt in Hellenthal-Rescheid, Grube Silberberg in Dahlem-Schmidtheim, Grube Tanzberg in Kall und Grube Günnersdorf in Mechernich.

Geschichte 16. Jahrhundert bis 1794
Geschichte seit der französischen Zeit (1794-1941)
Der Abbau
Das Besucherbergwerk
Wasserlösungsstollen
Hinweise / Internet

Geschichte 16. Jahrhundert bis 1794
Die Ersterwähnung des bergwerck Reischeidt datiert auf das Jahr 1543. Seine Ursprünge sind aber mit Sicherheit älter. Zunächst legte man Pingen an (trichterförmige senkrechte Schächte). Von diesen aus arbeitete man sich mit Schlägel und Eisen in die Tiefe vor, bis das Grundwasser die Arbeit so erschwerte, dass man nicht weiter kam.
Noch im 16. Jahrhundert wurde ein Wasserlösungsstollen (sogenannter „Tiefer Stollen“) angelegt, in einer für die damalige Zeit innovativen Streckenvortriebstechnik. Dazu teufte man 21 sogenannte Lichtlöcher ab, von denen aus der unterirdische Vortrieb erfolgte, bis man den vom benachbarten Lichtloch aus vorgetriebenen Stollen traf. Eine vergleichbare Anlage ist der Tiergartentunnel in Blankenheim aus dem 15. Jahrhundert.
Der Tiefe Stollen liegt an seinem Ende nach 2,4 Kilometern etwa 100 Meter unter der Erdoberfläche, wo er mit dem Schacht des Nachbarbergwerks (Schwalenbacher Stollen) zusammentrifft. Um die bestehende moderne Erzaufbereitung unterhalb der „Grube Wohlfahrt“ auch für die benachbarte Grube „Schwalenbach“ nutzen zu können, beschloss die Grubenleitung, die beiden Betriebspunkte unterirdisch zu verbinden. Dazu wurde der „Tiefe Stollen“ der „Grube Wohlfahrt“ bis zu den Schächten auf Schwalenbach durchgängig gemacht. Der Durchschlag erfolgte im Jahre 1893. Beide Betriebspunkte wurden damit zu einer Grube vereint.

In dieser Zeit fand wohl der Übergang vom Eigenlöhner-Bergbau zu einem vom Grundherrn organisierten Bergbau statt. Nach bisherigen Erkenntnissen war dies nur eine kurze Entwicklungsphase, denn für das 17. und 18. Jahrhundert sind nur spärliche Belege über einen wenig bedeutenden Bergbau durch Ortsansässige bekannt.
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Geschichte seit der französischen Zeit (1794-1941)
Das ändert sich nach dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen und der Einführung des modernen französischen Bergrechts um das Jahr 1800. Nun wurden Bergwerkskonzessionen an solvente Unternehmerpersönlichkeiten oder an entsprechende Gesellschaften verliehen. Diese machten aus der „Grube Wohlfahrt“, die seit 1815 unter preußischer Verwaltung stand und seit 1824 unter diesem Namen firmierte, ein mit neuester Technik ausgestattetes Unternehmen.
Die preußische Verwaltung vergab 1839 die Bergwerkkonzession an den Briten John Cockerill, der zuvor bereits unter anderem in Seraing, Aachen und Stolberg tätig war. Nach Cockerills plötzlichem Tod 1840 übernahm Barthold Suermondt die Konzession und setzte 1849 die erste Dampfmaschine eines Eifeler Bergwerks ein. Erst jetzt wurde so der Tiefbau im großen Stil möglich, und zwar das Fördern von Bleierzen unterhalb des Niveaus des Tiefen Stollens. Denn vor dem Einsatz der Dampfmaschine hätte man die großen Wassermengen aus diesen Tiefen nicht heben können.
1849 gründete Suermondt die Commandit-Aktien-Gesellschaft von „Wohlfahrt und Glücksanfang“. Ab 1877 übernimmt ein englisches Unternehmen den Grubenbetrieb, erweitert den Abbau um den Betriebspunkt „Schwalenbach“ und treibt die Elektrifizierung voran.
Die gewonnenen Erz und Gestein förderte man zunächst noch mit Pferdegöpeln an die Oberfläche. Später installierte man am Schacht eine Fördermaschine, die ebenfalls von der Dampfmaschine angetrieben wurde, um das Haufwerk bis auf das Niveau des Tiefen Stollens zu heben.
Im Stollen wurden die Grubenhunte (Grubenkarren) von Hand geschoben. Später setzte man eine Druckluftlokomotive für den Transport ins Freie ein. Ab 1907 verkehrte die erste elektrisch betriebene Grubenbahn der Eifel mit einer Spannung von 1000 Volt Gleichspannung. Dafür wurde im Tiefen Stollen ein Fahrdraht montiert, welcher jedoch für die Bergleute eine erhöhte Gefahr darstellte. Zunächst nutzte man den im Betrieb selbst erzeugtem Strom. Im Jahre 1914 wird dann der Anschluss an das damals größte Wasser-Kraftwerk Europas in Heimbach / Eifel realisiert. Die Befestigungen des Fahrdrahtes beziehungsweise Reste dieser sind bis heute vorhanden, während die Gleise abgebaut wurden und die Elektrolokomotive verschollen ist.
Im Jahr 1918 erreichten die Schächte auf dem Betriebspunkt „Schwalenbach“ eine Teufe von mehr als 500 Meter. Die „Grube Wohlfahrt“ ist so die mit Abstand tiefste Grube der Eifel. Im Jahre 1922 wird der Betrieb wegen Unrentabilität geschlossen.
In Zuge der Autarkiebestrebungen der nationalsozialistischen Regierung übernimmt 1936 der Kabelhersteller Felten & Guilleaume Carlswerk AG die Grube und lässt eine moderne Flotationsanlage zur Erzaufbereitung errichten. Im Jahre 1941 wird die Grube Wohlfahrt wegen Erschöpfung der Erzmittel endgültig stillgelegt.
1967 wurden das Mundloch des Tiefen Stollens, durch den einst die Grubenbahn verkehrte, und auch die meisten Lichtlöcher verschlossen; vom Bergwerk war obertägig nur noch wenig zu erkennen.
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Der Abbau
Der Abbau erfolgte auf „Glasurerze“, dies sind Bleierze einer besonderen Qualität, die insbesondere frei von silber-, zink- und arsenhaltigen Beimengungen sind. Die tiefen Bleierze förderte man entlang so genannter Magmablasen ‒ Störzonen, in denen das reine Bleierz, das nur in etwa 10 Kilometern Erdtiefe bei einer Temperatur von rund 200 Grad Celsius natürlich vorkommt, durch Risse und Spalten unter hohem Druck nach oben getrieben wurde. Vier Hauptgänge wurden auf diese Weise ausgebeutet: der Astert-Gang (500 Meter seitliche Ausdehnung), der Eiserne-Thür-Gang (bis 1000 Meter), der Bärwurzel-Gang und der Gang Nr. 4 (circa 1300 Meter). Andere Versuchsgänge wurden aufgegeben, weil sie unergiebig waren.
Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hat man in der Grube Wohlfahrt mit Schlägel und Eisen gearbeitet; ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde mit Schwarzpulver gesprengt (so genanntes Schießen).
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Das Besucherbergwerk
Ab 1985 begannen Mitglieder des Heimatvereins Rescheid e.V. zusammen mit Wissenschaftlern der RWTH Aachen das ehemalige Bergwerk wieder freizulegen. Nach einer Restaurierung wurde es 1993 wieder zugänglich gemacht. Der Zugang für die Besucher liegt 150 Meter vom früheren Eingang entfernt, und auch ein Förderturm ist neu.

Die Besucher können rund 800 Meter des Tiefen Stollens „befahren“ (zu Fuß) und mehrere markante Punkte besichtigen: mehrere der sechs erhaltenen Lichtlöcher, die Oberleitung der ehemaligen elektrifizierten Grubenbahn, versteinerte Schalentiere (Brachiopoden) und wellenförmige Abdrücke im Gestein (Rippelmarken), ein Kohleflöz (Brandschiefer) unter Tage, das aus den ältesten Landpflanzen im Devon entstammt, eine Störzone im Gestein, die auf einen Erzgang hoffen ließ, eine „Fehleinschätzung“ (der angefangene Gang wurde aufgegeben), eine 43 Meter tiefe Bohrung (Bundeswehr-Bohrloch), heute Lichtloch und eine Arbeitsprobe mit Schlägel und Eisen.
Auf dem ehemaligen Zechenplatz der „Grube Wohlfahrt“ sind das Büro- und Wohngebäude des Betriebsführers (19. Jahrhundert), der Fachwerk Schuppen der ehemaligen Förderanlage (um 1930), sowie das ehemalige Direktoren-Wohnhaus (19. Jahrhundert) erhalten. Im Bereich „Aufbereitung“ existiert noch das sog. „Steigerhaus“ (19. Jahrhundert) und das stark veränderte Transformatorenhaus der Flotation von 1938 als Teil eines Wohngebäudes. Auch der Gasthof „Auf Wohlfahrt“ besteht im Kern aus einem ehemaligen Betriebsgebäude. Vom Betriebspunkt Schwalenbach ist nur noch das ehemalige kombinierte Verwaltungs- und Steigerhaus (Ende 19. Jahrhundert) als Wohngebäude erhalten geblieben. Weiterhin wurde das Mundloch des alten Schwalenbacher Wasserlösungsstollens wiederhergestellt und der Stollen selbst bis zu einem Versturz nach ca. 30 Meter zugänglich gemacht. Im Kambachtal wurde das Mundloch des Süreberg-Stollens wiederhergestellt und der Stollen bis zu einem Versturz nach ca. 200m zugänglich gemacht. Am neu errichteten Huthaus (Einstiegsgebäude) des Besucherbergwerks befindet sich seit 1998 ein Fördergerüst aus dem Jahre 1964 nebst zugehöriger Fördermaschine, welche ursprünglich zur Tongrube Braun in Witterschlick bei Bonn gehörten.
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Wasserlösungsstollen
Um Erze auch unterhalb des Grundwasserspiegels abbauen zu können, mussten Wasserlösungsstollen angelegt werden. In alten Plänen ist ein solcher Stollen verzeichnet, der nahe dem heutigen Grubenhaus in den Schrieverbach entwässerte. Das Mundloch konnte durch Untersuchungen des LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland vor Ort nachgewiesen werden.
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Hinweise
Teile der Grube Wohlfahrt sind eingetragenes Bodendenkmal (Hellenthal lfd. Nr. Bo/6-15, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, EU 094)
Die Grube Wohlfahrt ist wertgebendes Merkmal des Kulturlandschaftsbereichs Grube Wohlfahrt bei Rescheid (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Köln 276).

Die Grube Wohlfahrt und der Wasserlösungsstollen waren Stationen der Archäologietour Nordeifel 2017 und KuLaDig-Objekt des Monats im Oktober 2017.

(LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2017)

Internet
www.grubewohlfahrt.de (abgerufen 27.08.2017)
de.wikipedia.org: Grube Wohlfahrt (Bergwerk) (abgerufen 27.08.2017)
www.rheinische-industriekultur.de: Norbert Knauf, Grube Wohlfahrt. Gesamtanlage (abgerufen 27.08.2017)
www.bodendenkmalpflege.lvr.de: Archäologietour Nordeifel 2017 (abgerufen 27.08.2017)
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Grube Wohlfahrt in Rescheid

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Landstraße L 17
Ort
53940 Hellenthal - Rescheid
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archäologische Grabung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1543
Koordinate WGS84
50° 25′ 59,28″ N, 6° 27′ 10,81″ O / 50.43313°, 6.453°
Koordinate UTM
32U 319120.56 5589890.27
Koordinate Gauss/Krüger
2532229.79 5588685.12

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Grube Wohlfahrt in Rescheid”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-271178 (Abgerufen: 18. Dezember 2017)
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