Landschaftspark Duisburg-Nord

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Duisburg
Kreis(e): Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ehemalige Hochofenanlage im heutigen Landschaftspark Duisburg-Nord (2014).

    Ehemalige Hochofenanlage im heutigen Landschaftspark Duisburg-Nord (2014).

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY-NC-SA 3.0
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
    Medientyp:
    Bild
    Anklicken öffnet eine größere Vorschau in Galerieansicht
Industrie – Kultur – Landschaft – Park: Der Landschaftspark Duisburg-Nord
Als 2015 der britische Architekturkritiker Rowan Moore eine Reihenfolge der zehn besten Parks der Welt aufstellte, schaffte es nur ein einziger deutscher Park auf diese Liste: der Landschaftspark Duisburg-Nord. Man muss Moore nicht in allen Details folgen, aber sein Ranking zeigt, welch hohes Ansehen der Park in Duisburg-Meiderich international besitzt.

Danach hatte es 1985 nicht ausgesehen. Die Thyssen-Stahl-AG hatte im April ein kleines Hüttenwerk in Meiderich stillgelegt. 1901 war es gegründet worden, von einstmals fünf Hochöfen hatten noch drei gestanden, ein einziger war noch in Betrieb gewesen. Nutzlos, aber funktionsfähig stand es nun da, ein komplexes Werk mit allen Anlagen und Gebäuden, dazu ein Rohr- und Transportsystem sowie die Fläche der ehemaligen Zeche und der Kokerei, insgesamt fast 200 ha. Es war eine Stilllegung unter vielen in der Montanindustrie in diesen Jahren, meist war darauf der Abriss erfolgt. Doch in Meiderich kam bürgerschaftliches Engagement zusammen mit einem wachsenden Verständnis für Industriekultur: Je kleiner die industrielle Basis der Region wurde, desto lauter wurde die Forderung nach dem Erhalt wenigstens einiger aussagekräftiger Denkmäler der Industrieepoche.

Der Duisburger Stadtrat fasste schließlich den mutigen Beschluss, die Flächen in einen Park umzuwandeln, das Büro Latz + Partner bekam den Auftrag für die Gestaltung. Sein Grundgedanke: Es akzeptierte die schwierige, verwüstete Industrielandschaft konsequent als von Menschen geschaffene Kulturlandschaft. Damals war die Idee fast revolutionär, inzwischen hat sie Eingang gefunden in das Kriterienraster der UNESCO, die im Jahr 2000 erstmals eine industrielle Kulturlandschaft als Welterbe anerkannt hat.

Der Plan sah nur geringe Eingriffe in das Gelände vor, um die Spuren der Industrie weitestgehend zu erhalten. Industrie, Landschaft und Park sollten nicht getrennt nebeneinander gestellt, sondern integriert und verschränkt werden. Aus Bahntrassen wurden Rad- und Fußwege, aus Betonbunkern Gärten und Kletterwände, aus einem Gasbehälter ein riesiges Tauchbecken und aus dem Abwasservorfluter Alte Emscher wurde das Rückgrat des Wassersystems im Park.

Bei der Grüngestaltung schafft sich die Industrienatur ihre Vielfalt selbst, mit nur minimalen Eingriffen sorgen die Gärtner dafür, dass Pflanzen mit Dominanzverhalten nicht überhand nehmen. Der Haupteingang wurde als großer Baumplatz gestaltet, aus früheren Hausgärten wurden Obstbaumwiesen und Blumenrabatten - mit Stahlträgern als Beetumrandung und Schutt als Nährboden.

Alte Hallen werden für Kulturveranstaltungen vermietet und tragen damit zur Finanzierung bei, Hochofen 5 steht offen für Besucher – frei, bei Tag und Nacht. Eine Lichtinstallation setzt das Hüttenwerk nachts neu in Szene.

Das Ganze ist heute Pantoffelgrün für die Nachbarschaft, Freizeitort für Besucher aus dem Ruhrgebiet und Ziel der Gartenfachleute aus aller Welt. Der Landschaftspark Duisburg-Nord bietet nicht die klassische Stadtpark-Ästhetik, aber er ist ein hochkarätiges Beispiel für die Inwertsetzung der einst geschmähten Industrielandschaft.

(Christoph Wilmer, 2016)

Literatur

Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschtz e.V. (Hrsg.) (2016)
Kalender Rheinland 2017. Denkmal Landschaft Natur. Wermelskirchen.

Landschaftspark Duisburg-Nord

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Emscherstraße 71
Ort
47137 Duisburg
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1990
Koordinate WGS84
51° 28′ 46,85″ N, 6° 46′ 35,5″ O / 51.47968°, 6.77653°
Koordinate UTM
32U 345602.83 5705513.96
Koordinate Gauss/Krüger
2553989.3 5705298.27

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Landschaftspark Duisburg-Nord”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-268839 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
Seitenanfang