Brauerei Rheingold in Friemersheim

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Duisburg
Kreis(e): Duisburg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Mauer als letzte Erinnerung an die Brauerei Rheingold (2016)

    Mauer als letzte Erinnerung an die Brauerei Rheingold (2016)

    Copyright-Hinweis:
    Kai-William Boldt / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e. V.
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    Kai-William Boldt
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  • Straßenschild am ehemaligen Standort der Brauerei Rheingold (2016)

    Straßenschild am ehemaligen Standort der Brauerei Rheingold (2016)

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Die Ursprünge
Die Brauerei Grossterlinden verlegte ihren Standort in den 1880er Jahren aus dem Dorf Friemersheim in den Norden des Orts an den Weg zur Rheinhausener Mühle - vor allem aufgrund der Hochwassergefährdung. Motiviert wurde diese Entscheidung wohl auch durch den gestiegenen Bedarf (Bevölkerungswachstum, städtische Verdichtung) und die besseren Produktionsmöglichkeiten seit der Industrialisierung. Der wichtige pushende Faktor wurde das Kruppsche Hüttenwerk Rheinhausen.
Vor Ort konnten jetzt alle notwendigen Prozesse des Bierbrauens mit einem massiv erhöhten Ausstoss durchgeführt werden: Mälzen, Schroten, Maischen und so weiter. Die notwendige Energie wurde mittels einer hochmodernen Dampfmaschine produziert. Schnell kam auch das Marketing in Fahrt: 1890 wurde die Marke Rheingold kreiert und 1928 beim Patentamt geschützt. Der Weg zur Mühle hieß ab jetzt Rheingoldstraße.
Friemersheim gehörte damals noch zum Kreis Moers. Erst später erfolgte im Zuge kommunaler Neuordnungen die Bildung der Stadt Rheinhausen (Stadtrecht 1934) aus den Bürgermeistereien Friemersheim und Hochemmerich, die dann 1975 aus dem Kreis Moers ausgegliedert und ein Stadtteil von Duisburg wurde.

Eine Hochburg des Bierbrauens
Das heutige Duisburg war ein Eldorado für Biertrinker. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es hier über 50 Brauereien, deren Anzahl sich allerdings in der Weimarer Republik und in der Zeit des Nationalsozialismus fast dramatisch reduzierte. Eher untypisch für das heutige Ruhrgebiet - hier ist Pils die Nummer 1 - produzierte Rheingold neben Pils und Tafelwasser primär ein obergäriges Altbier. Vielleicht hat das nach dem Zweiten Weltkrieg - neben den Platzhirschen König und Böllert - zu ihrem Überleben beigetragen. Allerdings war das Pils noch nicht so beliebt und hatte im Alt- und im kräftigen Exportbier starke Konkurrenz. Das weitere Bestehen der Brauerei ist auch deshalb erwähnenswert, weil die Nähe zum militärischen Ziel Rangierbahnhof Hohenbudberg zu Zerstörungen führte und einen teilweise aufwändigen Wiederaufbau erforderte.
Der Name Altbier lässt sich von einer Herstellung nach „alter“ Tradition ableiten; Alt wird mit höheren Temperaturen gebraut, was seine Haltbarkeit gegenüber den untergärigen Varianten erhöht. Früher war das von Vorteil, weil sich technische Möglichkeiten zur Kühlung erst im Verlauf der Zeit verbreiteten.
Das regionale Ambiente des Bierbrauens im „Pott“ ist übrigens längst verschwunden; markige Marketing-Sprüche, die dem Stahlarbeiter oder Kumpel eine kraftsteigernde Wirkung des Gerstensafts versprachen, sind längst verschwunden. Die König-Brauerei in Duisburg-Beeck gehört heute zur Bitburger-Braugruppe und hat den ursprünglich sehr herben Geschmack seines „KöPi“ (König Pilsener) in den letzten Jahrzehnten abgemildert.
Wirtschaftliche Verbindungen der ehemaligen Rheingold-Brauerei zu den gleichnamigen New Yorker Rheingold Breweries, die übrigens auch deutsche Wurzeln aufweisen, bestehen nicht.

Das Ende der Rheingold-Brauerei
In den 1980er Jahren erfolgten betriebswirtschaftliche Optimierungen unter der Leitung der Essener Brauerei Stauder. Sie blieben erfolglos. Im Jahr 1986 erfolgte eine Stilllegung der Produktion und die Rheingold-Brauerei wurde im Jahr darauf abgerissen. Auf dem Gelände besteht heute eine moderne Wohnanlage.
Aus kulturlandschaftlicher und industriekultureller Sicht ist diese Flächensanierung mehr als bedauerlich. An die tradionsreiche Zeit der Brauerei erinnern nur noch ein Strassenschild „Am Brauhaus“ und eine unscheinbare alte Mauer, die inzwischen Verfallserscheinungen aufweist.

Mehr Informationen zum Brauereiwesen und zur Bierkultur finden Sie im LVR-Portal Alltagskulturen.

(Kai-William Boldt, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. / LVR-Fachbereich Regionale Kulturarbeit, Abteilung Landschaftliche Kulturpflege, 2016)

Internet
www.friemersheim.eu: Die Privatbrauerei Rheingold. (abgerufen: 08.01.2017)
www.friemersheim.eu: 150 Jahre Brauerei Rheingold. Anzeige in der Festzeitung von Juni 1977. (abgerufen: 08.01.2017)
www.friemersheim.eu: Duisburger Biervielfalt. Rheingold-Brauerei. (abgerufen: 08.01.2017)
www.derwesten.de: Erinnerungen an die Friemersheimer Rheingold-Brauerei. (Der Westen vom 18.05.2016, abgerufen: 08.01.2017)
www.stadtmuseum-duisburg.de: Braukunst zwischen Tradition und Moderne. Prost! Die König-Brauerei wird 150 Jahre alt. (abgerufen: 08.01.2017)
www.rp-online.de: „Frisch gezapft“ im Museum. (RP online vom 18.09.2008, abgerufen: 08.01.2017)

Brauerei Rheingold in Friemersheim

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rheingoldstraße 69/71
Ort
47229 Duisburg - Friemersheim
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1880 bis 1888, Ende 1986 bis 1987
Koordinate WGS84
51° 23′ 37,33″ N, 6° 42′ 6,43″ O / 51.3937°, 6.70179°
Koordinate UTM
32U 340113.36 5696114.14
Koordinate Gauss/Krüger
2548888.69 5695680.38

Empfohlene Zitierweise

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Empfohlene Zitierweise
„Brauerei Rheingold in Friemersheim”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-263124 (Abgerufen: 21. November 2018)
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