Denkmalbereich „Ratingen - Ortskern“

Innenstadt

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Ratingen
Kreis(e): Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Stadtgeschichte von Ratingen wird getragen durch den Denkmalbereich „Innenstadt“, der allerdings bisher nur als Vorschlag vorliegt. Drei weitere Denkmalbereiche, die die Erweiterung der Stadt Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts dokumentieren („Östliche Poststraße“, „Südliche Bahnstraße“, „Graf-Adolf-Straße“), sind rechtskräftig.

Ratingen liegt am Übergang der Rheinebene zum Bergischen Land, und zwar am Knotenpunkt zweier mittelalterlicher Hauptwegeführungen. Der sogenannte Mauspfad folgt als älteste Nord-Südverbindung dem Rhein auf der Mittelterrasse und aus der Ebene steigt der bereits 875 genannte Hilinciweg (Heiligenweg) von der im Mittelalter wichtigen Reichsburg und Zollstation Kaiserswerth ins Bergische Land.

Ratingen wird erstmals in der Urkundensammlung des Benediktinerklosters Werden 799- 849 genannt. Die erste Kirche wurde vermutlich gegen Ende des 7. Jahrhunderts am Schnittpunkt der beiden Wege erbaut. Ihr Bau wurde im 13. Jahrhundert durch die heutige dreischiffige, gotische Hallenkirche ersetzt.

In den langjährigen Auseinandersetzungen zwischen dem Kölner Kurfürst Erzbischof und den Grafen von Berg beendete Graf Adolf VIII. das Ringen um die Macht im Ratinger Gebiet durch die Erhebung der Ansiedlung zur Stadt 1276. Ratingen wurde zu einem der Hauptorte des Herzogtums Berg, politisch und strategisch von großer Bedeutung zur Sicherung des nördlichen Territoriums. Mit der Stadtgründung wurden Gräben, Mauern, Türme und Tore errichtet. Der inzwischen wichtige Pfarr- und Marktort erlebte im 15. Jahrhundert bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts seine Blütezeit. 1584 wurde die Reformierte Gemeinde gegründet. Als im 17. Jahrhundert die städtische Selbständigkeit durch den Landesherren eingeschränkt wurde, begann allmählich der Abbruch der Befestigung, bis einschließlich im Verlauf des 19. Jahrhunderts die vier Stadttore und Teile der Umfassungsmauer niedergelegt wurden.

Durch Großbrände und durch die Kriege des 17. und 18. Jahrhunderts wurde die Stadt stark in Mitleidenschaft gezogen. So sank Ratingen nach der Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg allmählich herab zu einem wirtschaftlich bedeutungslosen Städtchen. Erst die Gründung der Baumwollspinnerei Cromford durch Brügelmann 1784 führte zu einem erneuten wirtschaftlichen Aufstreben bis etwa 1845.

Nach kurzer französischer Herrschaft wurde Ratingen 1815 preußisch und erhielt 1856 die Rheinische Städteordnung. Eine zweite Phase der Industrialisierung begann um 1885, als der Bau der Bergisch-Märkischen Eisenbahn und der Rheinischen Eisenbahn die Ansiedlung von Betrieben begünstigten. Die Entwicklung hielt bis 1914 an und schuf die Grundlagen einer Stadt des 20. Jahrhunderts mit ausgebauter Infrastruktur und mit öffentlichen Einrichtungen.

Abgesehen von verstreuten Bauten vor den vier Toren hatte die Stadt sich bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts innerhalb ihrer Befestigungsgrenze entwickelt, wobei der Grundbesitz in eine Vielzahl von Parzellen und Eigentümern aufgespalten worden war. Erst um 1900 erweiterte sich die Stadt entlang der Ausfallstraßen jenseits der Befestigung. Nach dem Zweiten Weltkrieg war ein Drittel der Stadt kriegszerstört oder schwer beschädigt. Der Phase des Wiederaufbaus folgte die Stadterweiterung durch die Anlage von Neubaugebieten, und in den 1970er Jahren wurde die Innenstadt saniert.

Der Denkmalbereich „Ortskern“ umfasst die ehemals befestigte, im Grundriss eiförmige Stadt Ratingen einschließlich des Verlaufs von Wall und Graben. Er umfasst damit den Stadtkern in der Struktur, wie sie seit dem Mittelalter überliefert ist, und Teile der Stadterweiterung um 1900 entlang der Wall- und Grabenzone. Nach wie vor wird das Straßennetz wesentlich durch das Achsenkreuz der beiden bedeutenden Wegeverbindungen bestimmt. Die Bebauung ist hier zu geschlossenen Zeilen auf kleinteiliger Parzellierung verdichtet und konzentriert sich auch in der Höhenentwicklung auf den Mittelpunkt, den Marktplatz. Das gewachsene Bild beider Straßen wird durch zwei- bis dreigeschossige Bauten des 18. bis 20. Jahrhunderts überwiegend in Massivbauweise und durch wenige Fachwerkbauten in geschlossenen Zeilen in unregelmäßiger Flucht und mit verspringenden Traufhöhen geprägt. Im Kern ältere Bausubstanz erhielt Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts durch Überformung als Wohn- und Geschäftsbauten städtisches Gepräge. Ein großer Teil der Objekte wurde im Erdgeschoss im 20. Jahrhundert verändert. Im Gegensatz zu der baulichen Verdichtung entlang der Achsen weisen die Nebenstraßen bis heute eine lockere Verteilung der Baukörper auf. Freistehende, zum Teil großflächige Einzelobjekte, deren Errichtung auf dem ehemaligen, nicht eng parzellierten Gartenland möglich war, bestimmen das Bild. Hier liegt auch noch eines der „Steinhäuser“ des 18. Jahrhunderts, die im Falle eines Brandes als Fluchtort dienten.

Den Ortsmittelpunkt beherrscht der Grauwackebau von St. Peter und Paul durch Volumen und Turmhöhe. Er ist Orientierungspunkt und hält als städtebaulicher Akzent den Ort zusammen. Über die Stadt verteilt liegen weitere historisch bedeutende, ebenfalls städtebaulich markante Solitärbauten: das Minoritenkloster, die evangelische Kirche, die ehemalige lutherische Kirche, der Dicke Turm und der Kornturm.

Die Stadterweiterung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts mit reinen Wohnbauten in geschlossener Zeile, bzw. mit Doppelhäusern nahm ihren Anfang an der Turm- und an der Wall- und Grabenstraße.

Insgesamt lässt sich das Erscheinungsbild der Innenstadt nicht als geschlossene Einheit fassen, sondern eher durch die Charakterisierung einzelner Teilbereiche, deren verbindendes Element und damit die wesentliche Grundlage des Denkmalbereichs der Ortsgrundriss ist.

Der Denkmalbereich „Innenstadt“ wurde bereits 1982 vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege bei der Stadt beantragt, die gutachtlichen Grundlagen wurden 1991 durch das Rheinische Amt für Denkmalpflege erarbeitet. Eine Offenlegung hat noch nicht stattgefunden.

(Helmut Fenner und Elke Janßen-Schnabel, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Baumann, Richard / Kreis Mettmann (Hrsg.) (1991)
Geschichte der Stadt Ratingen. In: Neuigkeiten aus alter Zeit. Der Kreis Mettmann und die Geschichte seiner 10 Städte, Meinerzhagen.
Clemen, Paul (1894)
Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Düsseldorf. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz III 1.) Düsseldorf.
Germes, Jakob (1977)
Ratingen im Wandel der Zeiten. Kastellaun.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 180-183, Köln.
Redlich, Otto Reinhard; Dresen, Arnold; Petry, Johannes (1926)
Geschichte der Stadt Ratingen von den Anfängen bis 1815. Ratingen.

Denkmalbereich „Ratingen - Ortskern“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Marktplatz
Ort
40878 Ratingen
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 850
Koordinate WGS84
51° 17′ 50,15″ N, 6° 50′ 57,7″ O / 51.29726°, 6.84936°
Koordinate UTM
32U 350064.49 5685079.16
Koordinate Gauss/Krüger
2559284.14 5685060.16

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„Denkmalbereich „Ratingen - Ortskern“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-67301-12042017-266654 (Abgerufen: 15. August 2018)
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