Denkmalbereich „Bonn - Nordstadt“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Die Breite Straße in der Bonner Nordstadt wird im Frühjahr von der Blütenpracht japanischer Zierkirschen erfüllt. Im April 2015 bilden die Blüten ein fast geschlossenes Dach über dem Straßenraum. Das Bild zeigt einen Blick in die Breite Straße von oben.

    Die Breite Straße in der Bonner Nordstadt wird im Frühjahr von der Blütenpracht japanischer Zierkirschen erfüllt. Im April 2015 bilden die Blüten ein fast geschlossenes Dach über dem Straßenraum. Das Bild zeigt einen Blick in die Breite Straße von oben.

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Die Bonner Nordstadt ist ein zusammenhängender gewerblich orientierter Stadtteil von hoher Bebauungsdichte aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert. Er entwickelte sich nach der Niederlegung der alten Stadtbefestigung abschnittsweise auf dem landwirtschaftlich genutzten nördlichen Vorfeld der barocken Residenzstadt Bonn.

Der Stadterweiterung ging keine gezielte städtebauliche Planung voraus, sondern vielmehr die Notwendigkeit, Bauland für Produktionsstätten und Betriebe sowie Wohnraum für Arbeiter und Handwerker bereit zu stellen.
Durch einige wenige Maßnahmen versuchte die Stadtverwaltung den Privatbau zu beleben, indem sie einige öffentliche Bauten entlang der neu angelegten Wilhelmstraße förderte, den Wilhelmplatz als großes Oval anlegte sowie die Adolfstraße als Parallelachse zur alten Heerstraße ausbaute. In der Regel beschränkte man sich in der frühen Ausbauphase auf die Verbreiterung der vorhandenen Flurwege, wobei ggf. auch Baufluchtlinien festgelegt wurden. Eine 1875 erlassene Bauordnung schrieb schließlich eine durchgängige straßenparallele Bebauung bis sechs Meter hinter der Baulinie vor.

Nachdem gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Grundstücke entlang der vorhandenen Wege knapp wurden, erschloss die Stadt zusätzliches Bauland durch kurze Querstraßen. Nach der Jahrhundertwende erhielt die Nordstadt schließlich mit dem Bau der bereits 1896 projektierten breiten Ringstraße einen großzügigen Abschluss und gleichzeitig die Anbindung an die westlichen und südlichen Stadtviertel. Letzter städtebaulicher Eingriff vor dem Ersten Weltkrieg bildet die Anlage eines rechteckigen Platzes anstelle der 1902 abgebrochenen Kasematten.
So entstand ein gemischtes Wohn- und Gewerbeviertel mit recht engen Straßen ohne Vorgärten, deren Blockrandbebauung aus etwa 90 Prozent reinen Mietshäusern und 10 Prozent Wohn- und Geschäftshäusern bestand. Größere Produktionsstätten waren selten, die Werkstätten waren entweder hofseitig angebaut oder in Souterraingeschossen untergebracht. Mangels geeigneter Platzanlagen wurden die Läden vorzugsweise in die Eckhäuser eingebaut. Die Wohnhäuser der ersten Ausbauphase gehören meist dem klassischen dreigeschossigen Dreifenstertyp mit teils reicher, teils sehr schlichter Fassadengestaltung an; selten dagegen sind villenartige Einzelbauten. Vor allem seit den 1890er Jahren entstanden auch viergeschossige Bauten mit vier und mehr Achsen.

Das schlichte, einheitlich wirkende Erscheinungsbild ist eine Folge städtischer Bestimmungen, nach denen Balkone und Erker in schmalen Straßen nicht zugelassen und mit recht hohen Sonderausgaben belastet waren. Da den überwiegend privaten Bauherren an einer möglichst effektiven Ausnutzung ihrer Grundstücke durch Vermietung gelegen war, beschränkte sich die gestalterische Durcharbeitung der Fassaden auf wenige Schmuckelemente.
So bildet das Kerngebiet der Bonner Nordstadt mit den überwiegend vor dem Ersten Weltkrieg erbauten Häusern ein historisches Stadtviertel von ungewöhnlicher Anschaulichkeit, das zu den bedeutenden Denkmalbereichen des 19. Jahrhunderts im Rheinland gehört.

Am 1.2. 1990 trat die Denkmalbereichssatzung in Kraft, deren Geltungsbereich im wesentlichen dem Vorschlag des vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege erstellten Gutachten entspricht.

Bemerkenswert war die auffällig geringe Bürgerbeteiligung der Anwohner dieses dicht besiedelten Stadtviertels während der Offenlegung.

(Karin Herzfeld, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Bonner Geschichtswerkstatt (Hrsg.) (1991)
„…tranken dünnen Kaffee und aßen Platz dazu“. Bonn.
Frohn, J. (1976)
Entstehung eines gründerzeitlichen Stadtviertels, eine bautypologische stadtgeopraphische Studie. Bonn.
Helbing, R. (1972)
Bau- und Bevölkerungsentwicklung eines Wohngebietes im Bonner Norden. Bonn.
Herkendell, E. (1922)
Die industrielle Entwicklung der Stadt Bonn seit Anfang des 18. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Weltkrieges. Köln.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 65-67, Köln.

Denkmalbereich „Bonn - Nordstadt“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Heerstraße
Ort
53119 Bonn
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1870 bis 1930
Koordinate WGS84
50° 44′ 21,64″ N, 7° 05′ 43,88″ O / 50.73934°, 7.09552°
Koordinate UTM
32U 365621.13 5622569.19
Koordinate Gauss/Krüger
2577375.89 5623222.69

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„Denkmalbereich „Bonn - Nordstadt“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-19231-01122016-261951 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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