Schiffermasten am Rhein

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Fachsicht(en): Landeskunde
  • Historische Fotografie des Schiffermastes am Rheinufer in Nierstein (um 1950er Jahre)

    Historische Fotografie des Schiffermastes am Rheinufer in Nierstein (um 1950er Jahre)

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  • Der Schiffermast am Holländerbock am Rheinufer in Bingen am Rhein (2026)

    Der Schiffermast am Holländerbock am Rheinufer in Bingen am Rhein (2026)

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  • Der Schiffermast hinter dem Lotsenmuseum in Bingen am Rhein (2026)

    Der Schiffermast hinter dem Lotsenmuseum in Bingen am Rhein (2026)

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  • Der Schiffermast, das Wahrzeichen Kamp-Bornhofens, an der Rheinuferstraße (2019)

    Der Schiffermast, das Wahrzeichen Kamp-Bornhofens, an der Rheinuferstraße (2019)

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  • Historische Fotografie des Schiffermastes in Kaub (1955)

    Historische Fotografie des Schiffermastes in Kaub (1955)

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    Bildarchiv Klaus Gröhn, Rüdesheim
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Schiffermasten stehen an vielen Ufern und sind auch am Rhein sehr verbreitet. Sie zeigen nicht nur Nationalflaggen, sondern auch die Wimpel der Reedereien. Masten können mit bis zu 100 Flaggen geschmückt sein. Sie sind ein wichtiges soziales Erkennungszeichen für „schiffische“ Menschen.

Warum gibt es Schiffermasten?
Zunächst einmal fuhr man früher an den Flüssen nicht durch, sondern hielt für die Nacht. Es gab keine ausreichende künstliche Beleuchtung oder gar Radar, um Untiefen, Riffe etc. zu erkennen. Die Fahrt stoppte mit dem Sonnenuntergang und ging erst mit dem Sonnenaufgang weiter. Daraus ergab sich eine einfache Frage: wo kann man ankern? Und nicht an jedem Ort gibt es einen Schutzhafen. Also legte man am Ufer an, oft mehrere Schiffe nebeneinander und hintereinander. Ein Ufer kann lang sein, insbesondere wenn etliche Schiffe hintereinander dort liegen. Häufig ergab sich daraus die nächste Frage: wo trifft man sich?

Schiffermasten als Orte des sozialen Austauschs
Für die Kapitäne der Rheinschiffe und die Steuermänner musste es Treffpunkte im Ort geben, um das morgendliche Ablegen zu besprechen oder die Frage, wo man Lotsen oder Schiffsjungen für die Fahrt anheuern könne. Wo findet ein Kaufmann einen Schiffer, der seine Ware mitnimmt, und wo liefert dieser die Ware wieder ab? Wo tauscht man Nachrichten aus, wie die weitere Strecke ist? Oder in der Zeit vor Zeitungen und Radio: wo erfährt man Neuigkeiten aus anderen Städten? Vielleicht hat das Schiff ja auch Briefe mitgenommen – wo werden die abgeliefert oder abgegeben? Telefon, Funk, Postwesen – das alles gab es früher nicht. Aus diesem Grund dienten die weithin sichtbaren Schiffermasten auch als Orte des Austauschs unter Schiffern oder Angehörigen aus dem Ort. Sie wurden häufig von den Schiffervereinen errichtet.

Was es sonst noch zu wissen gibt
Ein Beispiel ist der Schiffermast in Neuburg am Rhein, der 1925 vom Schifferverein Neuburg als Vereinssymbol neben dem Dorfplatz aufgestellt wurde. Unter ihm sollten sich fortan „Berufskameraden zu allen Zeiten in Freud und Leid zusammenfinden“. (www.suedpfalz-tourismus.de) In einigen Gemeinden, insbesondere an der Donau und am Main, gibt es die Tradition, dass Streitigkeiten zwischen Schiffern am Schiffermast geklärt werden. Diese Praxis wird in den Protokollen der Schifferzunft von Passau (18. und 19. Jahrhundert, Stadtarchiv Passau) erwähnt. Der Mast galt als neutraler Ort, an dem die Schiffer unter dem Zeichen ihrer gemeinsamen Traditionen ihre Differenzen beilegen konnten. Viele Schiffer haben persönliche Rituale, die mit dem Schiffermast verbunden sind. Einige Schiffer berühren den Mast vor einer Fahrt als Zeichen des Glücks. (Rheinische Schifferbruderschaft) Schiffermasten sind oft auch Mittelpunkt von Hafenfesten, Ehrungen werden vorgenommen, Feste gefeiert, an verstorbene Gedacht. Kehrte ein Schiffer von einer langen und aufregenden Fahrt zurück, stiftete er vielleicht einen Wimpel als Dankeszeichen. Für Binnenschiffer ist der Schiffermast ein Symbol ihrer Identität und Zugehörigkeit. Die Familie hatte einen Punkt, an denen sie an den Abwesenden gedenken konnte. Wenn Schiffer oder Angehörige einen Mast mit dem Wimpel ihrer Reederei oder Familie sahen, fühlten sie sich zu Hause – egal, wie weit sie von ihrem Heimatort entfernt waren. Das gilt vereinzelt auch für den heutigen Tag noch. Weitere Beispiele für Schiffermasten lassen sich in Bingen, Kamp-Bornhofen, in Kaub und in Nierstein finden.

(Binger Schifferverein 1895 e.V., Bingen am Rhein, 2026 / Freundliche Hinweise von Herrn Johannes Heidecker)

Quellen
  • Protokolle der Schifferzunft von Passau (18. und 19. Jahrhundert, Stadtarchiv Passau)
  • Aufzeichnungen der Rheinischen Schifferbruderschaft„, 1920er Jahre, Archiv der Stadt Köln


Internet
www.suedpfalz-tourismus.de: Schiffermast - Neuburg am Rhein (abgerufen 09.09.2026)



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Binger Schifferverein 1895 e.V. (2026), „Schiffermasten am Rhein”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-360582 (Abgerufen: 9. September 2026)
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