Radevormwalder Landwehr

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Gemeinde(n): Breckerfeld, Ennepetal, Radevormwald
Kreis(e): Ennepe-Ruhr-Kreis, Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Nordöstlich des Gemeindegebietes sind Reste der Radevormwalder Landwehr erhalten, die in ihrem Verlauf seit dem Spätmittelalter diesen Bereich der Grafschaft Berg von der kurkölnischen Herrschaft Schwelm und der Grafschaft Mark trennte. Allerdings waren der tatsächliche Grenzverlauf sowie der Verlauf der Landwehr als Befestigung nicht identisch. Bei der Errichtung der grenzbegleitenden Befestigungsanlagen wurden naturräumliche Gegebenheiten, wie zum Beispiel Steilhänge, Wasserläufe und versumpftes Gelände, ausgenutzt. Aufgrund einer Grenzveränderung im Bereich des Ennepe-Ruhr-Kreises befindet sich ein Teilstück der Landwehr heute auf Westfälischem Gebiet.

Die Anlage einer Landwehr wurde notwendig, als das Landgericht Radevormwald Anfang des 14. Jahrhunderts im Rahmen eines gemeinsamen Feldzuges Königs Albrecht I. mit den Grafen von Kleve, Jülich und Mark gegen den Kölner Erzbischof Wikbold in den Besitz des Grafen von Berg (Wilhelm) gelangte. Dieser am Rande des Herzogtumes Berg gelegene Bereich musste nun mittels der Anlage einer Burg, Stadt sowie Landwehr gesichert werden. Aus diesem Grunde wurden die im Bereich der heutigen Landwehr gelegenen Freigüter Feckinghausen, Herkingrade, Im Hagen, Osenberg sowie Richlingen aufgekauft und als bergische Sattelgüter mit Grenzbefestigungsaufgaben versehen, die durch Ritter wahrgenommen wurden.

Zudem wurde Radevormwald als Kirch- und Gerichtsort das Stadtrecht – zwischen 1309 und 1316 – verliehen, wobei es sich um eine übliche Maßnahme zur Machtfestigung neu erworbener Gebiete handelte. Helbeck schreibt, dass die Landwehr mit der Ausbreitung und Sicherung der bergischen Macht innerhalb des ersten Viertels des 14. Jahrhunderts vornehmlich im Bereich zwischen Wupper und Ennepe – vorrangig gegen den kurkölnischen Nachbarn Schwelm – angelegt worden ist. Als weitere Gründe für den Schutz des Radevormwalder Gebietes werden die bedeutende Eisengewinnung sowie der Eisen- und Stahlwarenhandel, die im 13. bis 15. Jahrhundert ihren Höhepunkt hatten, vermutet.

Von der Landwehr sind noch Abschnitte erhalten und im Gelände ablesbar. Auch Flur- sowie Ortsnamen verweisen noch auf die Existenz dieser Befestigungseinrichtung. Einige Abschnitte, zum Beispiel bei den Ortschaften Vorm Baum, Singerhof, Wellershausen und Borbeck, sind heute als Bodendenkmäler eingetragen.

Nördlich von Kottmannshausen haben sich nach Aussage eines Anwohners in einem schmalen Waldstück Graben und Wall der alten Landwehr erhalten.

Literatur

Helbeck, Gerd (2003)
Die Bergische Landwehr im Radevormwalder Gebiet: Wann ist sie entstanden? In: Romerike Berge, 53. Jahrgang, Heft 3, S. 2-11. o. O.
(2000)
Bodendenkmäler in den Städten und Gemeinden des Oberbergischen Kreises. (Beiträge zur Oberbergischen Geschichte, Bd. 7.) Gummersbach.

Radevormwalder Landwehr

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1300 bis 1400
Koordinate WGS84
51° 14′ 24,36″ N, 7° 22′ 45,43″ O / 51.2401°, 7.37929°
Koordinate UTM
32U 386866.44 5677773.42
Koordinate Gauss/Krüger
2596363.29 5679262.35

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„Radevormwalder Landwehr”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-NF-20070330-0021 (Abgerufen: 20. September 2017)
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