Dörflicher Siedlungskern „Holthauser Höfe“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Das Dorf mit dem Namen Holthausen wurde erstmals 1354 urkundlich erwähnt. Die Ursprünge der Besiedlung gehen jedoch viel weiter zurück. Seit dem 8. Jahrhundert befand sich hier sächsisches Herrschaftsgebiet. Gruppen von Höfen vereinigten sich früh zur Bauernschaft Holthausen. Da dieses Gebiet zuvor schon von dem in fränkische Herrschaft einverleibten Germanenstamm der Chatten besiedelt war, gingen vermutlich auch einige ihrer kleinen, von den Sachsen eroberte Höfe in dem neuen Dorf auf. Laut der Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1054 besteht das Dorf zu dieser Zeit aus „zehn Hufen mit 30 Hörigen“. Heinrich III. machte es dem Stift Essen zum Geschenk. Nachfolgend wird die Bauernschaft ausgebaut.

Der Siedlungskern des heutigen Essener Stadtteils Überruhr-Holthausen wird in der Karte von Honigmann/Vogelsang aus dem Jahr 1803/06 als „Holthauser Höfe“ bezeichnet. Das Kartenbild zeigt eine lockere Ansammlung von Höfen und Kotten entlang der Klapperstraße. Viele von ihnen verfügen über einen Teich. Größere Gartenflächen sind im Ort verteilt, meist jedoch in den Randbereichen. Zu Holthausen zählten außerhalb dieser engen Umgrenzung noch weitere Höfe. Das waren unter anderem die großen, noch heute existierenden Höfe Rahmann und Hinderfeld. Die meisten der Höfe und Kotten gehörten zum Oberhof Kirchfeld des Stiftes Rellinghausen, einige unterstanden ursprünglich oder zeitweise der Abtei Werden und waren Lehnsgüter der Herren vom Berge, der Familie von Kuckelsheim, bzw. von Vittinghoff-Schell, z.B. der Rahmann-Hof, sowie zeitweilig der Herren von der Horst.

Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert Die Siedlungsgrenzen des Dorfkerns aus dem Jahr 1803/06 sind bis in die Mitte der 1930er Jahre im Kartenbild noch weitgehend erhalten geblieben. Eine punktuelle Siedlungserweiterung setzte jedoch schon mit der Anlage des evangelischen Friedhofs im Jahr 1838 und zu Beginn des 20. Jahrhunderts und einzelner Häuser entlang der Klapperstrasse nach Nordosten in Richtung der Überruhrstrasse ein. Inwieweit die Höfe noch intakt waren oder wann die Durchsetzung mit Bürgerhäusern entlang der Klapperstrasse begann, war aus dem vorhandenen Kartenmaterial nicht eindeutig ersichtlich. Bei Lehnhäuser (1921) heißt es jedoch, dass mit der Industrialisierung, etwa seit 1830/40, in Überruhr nach und nach die alten Bauerngehöfte verkleinert wurden. Dies erfolgte z.B. durch Flächenverkauf für den Neubau von Schulen, Kirchen und Zechen. Die alten Hof- und Kottengebäude verschwanden also weitgehend und die alten Hofstrukturen mit den Bauerngärten sind heute im Ortsbild nicht mehr erkennbar. Jedoch sind noch vereinzelte Gebäude der alten Höfe Flake und Hemmer sowie der Wehberghof und das Fachwerkhaus an der Strasse Hinseler Hof als überkommene Zeugen der ursprünglichen Bauernsiedlung inmitten von Neubauten zu finden. Die Höfe wurden bis auf den Wehbergshof aufgegeben. Mit der Industrialisierung entstanden viele neue Kötterhäuser mit kleinen Gärten für die zugezogenen Bergleute. Bürgerliche Häuser wurden entlang der Klapperstraße errichtet; wahrscheinlich lückenhaft. Einzelne Gebäude oder die Einzelgebäude sind noch vorhanden. Ob und inwieweit es einen Substanzverlust gibt, ist unbekannt.

Neben den genannten Veränderungen entstanden insbesondere nach dem zweiten Weltkrieg im und rund um den alten Siedlungskern neue Siedlungen. Der Bereich um die Klapperstraße ist gekennzeichnet durch eine stark durchmischte und verdichtete Bebauung der Nachkriegszeit: kleine Siedlungen bestehend aus Mehrfamilienhäusern, Doppel-, Reihenhäuser und Einzelhäuser. Zusammen mit neuen infrastrukturellen Einrichtungen weichten sie die Grenzen der ursprünglichen Siedlung auf. Diese sind teilweise noch an Grundstücksgrenzen auf Karten ablesbar. Im Landschaftsbild jedoch sind die ehemaligen Ortsränder nicht mehr auszumachen. Die heutigen Strassen sind oft nach den alten Bauernfamilien benannt. Das sind z.B. die Straßen Hemmerhof, Eskenhof, Schaffelhofer Weg, Dellmannsweg sowie Flakerring oder Flakerfeld.

(Kathrin Lipfert, 2010)

Literatur

Busch, Johann Rainer (1999)
Überruhrer Chronik. 1000 Jahre Überruhr, 70 Jahre Essen-Überruhr. S. 15-67, Essen.
Lehnhäuser, Anton (1979)
Geschichte der Gemeinde Überruhr (1921). In: Pohlbürgerverein Essen-Überruhr (Hrsg.), 1929-1979. 50 Jahre "Überruhr", Teil der Großstadt Essen, 1979, S. 9-43. o. O.

Dörflicher Siedlungskern „Holthauser Höfe“

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1803 bis 1806, Ende 1908 bis 1934
Koordinate WGS84
51° 25′ 13,24″ N, 7° 04′ 48,1″ O / 51.42035°, 7.08003°
Koordinate UTM
32U 366502.76 5698319.43
Koordinate Gauss/Krüger
2575170.35 5698964.48

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Dörflicher Siedlungskern „Holthauser Höfe“ ”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KL-20090707-0002 (Abgerufen: 26. Juli 2017)
Seitenanfang