Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Hellweg (KLB 14.32)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Gemeinde(n): Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen (Nordrhein-Westfalen), Fröndenberg/Ruhr, Holzwickede, Kamen, Krefeld, Meerbusch, Moers, Mülheim an der Ruhr, Ratingen, Unna, Werl, Wickede (Ruhr), Witten
Kreis(e): Bochum, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Ennepe-Ruhr-Kreis, Essen (Nordrhein-Westfalen), Krefeld, Mettmann, Mülheim an der Ruhr, Rhein-Kreis Neuss, Soest, Unna, Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Blick vom Gasometer Oberhausen in Richtung Westen nach Duisburg (2009).

    Blick vom Gasometer Oberhausen in Richtung Westen nach Duisburg (2009).

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  • Blick vom Gasometer Oberhausen in Richtung Osten auf den Rhein-Herne-Kanal (2009).

    Blick vom Gasometer Oberhausen in Richtung Osten auf den Rhein-Herne-Kanal (2009).

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  • Das Fachwerkgebäude des Kulturzentrums Fünte (Fuente), Gracht 209 in Mülheim-Heißen (2013).

    Das Fachwerkgebäude des Kulturzentrums Fünte (Fuente), Gracht 209 in Mülheim-Heißen (2013).

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Der Hellweg ist seit vorgeschichtlicher Zeit einer der bedeutendsten Handelswege von Osten nach Westen. Er verbindet den Rhein mit der Elbe und führte weiter in Richtung Osten bis nach Novgorod (Russland) und im Westen bis nach Brügge (Belgien). Ausgehend von Duisburg verlief er über Mülheim weiter nach Essen und Dortmund entlang des Ardeys und Haarstrang bis nach Paderborn.

Seit dem Neolithikum bildet der rheinische und westfälische Teil des Hellwegraums einen Siedlungsschwerpunkt nördlich der Mittelgebirgsschwelle bzw. südlich der Lippetalung. Aufgrund der Lössbedeckung war dieser Raum beginnend mit der Linienbandkeramik (5500 - 4900 v. Chr.) ständig intensiv besiedelt. Hiervon zeugen zahlreiche, oftmals großflächige Siedlungsstellen, die aber häufig nur in Form von Oberflächenfunden bekannt sind. Einige Fundstellen konnten in der Vergangenheit aber auch durch teils umfangreiche archäologische Grabungen erschlossen werden.

In diesem Areal treten zudem wenig nördlich des Süßwasser-Barriere-Quellhorizonts Solequellen aus, die die Menschen spätestens seit der vorrömischen Eisenzeit, im frühen Mittelalter und bis in die Neuzeit (19. Jahrhundert) hinein nutzten. Belege für die Salzgewinnung fanden sich besonders in Werl und Soest. Dies förderte den Handel und den Warenaustausch sehr stark. Hierdurch gelangten „exotische“ bzw. qualitätsvolle Gegenstände in den Hellwegraum, z. B. keltische Metallobjekte aus Süddeutschland während der Eisenzeit.

Zahlreiche römische Funde aus germanischen Siedlungen des Hellwegraums weisen auf intensive Handelsbeziehungen nach Westen während der römischen Kaiserzeit hin.
Im frühen Mittelalter zeugen Reihengräberfelder mit besonders reich ausgestatteten Gräbern wie z.B. Dortmund-Asseln, Soest-Lübecker Ring und Ense-Bremen von dem Wohlstand der damaligen Bewohner der Hellwegbörden.
Schon früh entwickelte sich das 850 von Altfrid von Hildesheim in Essen gegründete Kloster zu einem reichsunmittelbaren Kanonissenstift. Rund um die Immunität entstand eine Händlersiedlung, die im 13. Jahrhundert Stadtrechte erhielt. Zu den bedeutenden Oberhöfen des Stiftes gehörte der Viehhof bei Altenessen und Hof zu Steele, aus dem sich später eine mauerumwehrte Siedlung entwickelte.
Zur Sicherung des Ruhrüberganges errichtete man bereits im 9. Jahrhundert im Bereich einer germanischen Siedlung Burg Broich. In einem Abstand von ca. 15 km, einer damaligen Tagesreise entsprechend, lagen kleinere Ortschaften wie Wattenscheid oder Bochum. Im westfälischen Teil des Hellwegraums bestanden zahlreiche, heute z.T. wüst gefallene, mittelalterliche Siedlungen. So finden sich z.B. um Erwitte zahlreiche, durch Oberflächenfundstellen nachgewiesene Dorfwüstungen. Aus den alten Ortschaften entwickelten sich durch Ballungsprozesse während des Spätmittelalters schließlich die heute noch bestehenden, bis ins frühe Mittelalter zurückreichenden wichtigen Städte und Marktorte wie Dortmund, Werl, Soest, Erwitte und Geseke. Diese Städte liegen wie auf einer Schnur aufgereiht an dem alten Königs- und Handelsweg.
Über weite Strecken bestand die Trasse aus einer oder mehreren unbefestigten Fahrspuren. Nur an viel befahrenen Bereichen, in Siedlungen oder an Kreuzungen kam es vor, dass er schon im Mittelalter befestigt war. Westlich von Paderborn, im Bereich der Wüstung Balhorn, konnten drei Straßenabschnitte archäologisch untersucht werden, die eine dünne Schotterlage als künstliche Decke für die Fahrbahndecke aufwiesen. Als Reichs- und Bundesstraße 1 erfolgte ein weiterer umfassender Ausbau im 19. und 20. Jahrhundert. Heute ist der ehemalige Hellweg ein Teilstück der Autobahn A 40, des Ruhrschnellweges.
Die historische Verkehrsachse mit der begleitenden Infrastruktur ist als Leitlinie der kulturlandschaftlichen Entwicklung über viele Jahrhunderte bedeutsam gewesen und mit den noch erhaltenen Relikten auch für die heutige kulturlandschaftliche Wahrnehmung von Bedeutung.

Aus: Landschaftsverband Westfalen-Lippe und Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen. Münster, Köln. 2007

Internet
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in NRW (Abgerufen: 03.11.2015)

Literatur

Landschaftsverband Westfalen-Lippe; Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2007)
Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung in Nordrhein-Westfalen. Grundlagen und Empfehlungen für die Landesplanung (Kulturlandschaftlicher Fachbeitrag zur Landesplanung in Nordrhein-Westfalen / Fachgutachten zum Kulturellen Erbe in der Landesplanung). S. 81, Münster, Köln.

Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Hellweg (KLB 14.32)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2001
Koordinate WGS84
51° 27′ 53,79″ N, 7° 12′ 10,65″ O / 51.46494°, 7.20296°
Koordinate UTM
32U 375171.3 5703061.83
Koordinate Gauss/Krüger
2583639.72 5704059.21

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„Bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich Hellweg (KLB 14.32)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-EK-20080730-0094 (Abgerufen: 27. April 2017)
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