In schneller Folge siedeln sich mehrere Firmen an, die sich zu großen Industrieunternehmen entwickeln. Die Geschichte der Feuerfest-Industrie von Nieder- und Oberdollendorf ist mit mehrfachen Besitzer- und Namenswechseln und Zusammenschlüssen ein Kapitel für sich. Eine detaillierte Übersicht gibt die Publikation von Schräpfer (1986). Nachstehend eine Auswahl der wichtigsten Ton- und Quarzit verarbeitenden Firmen in Nieder- und Oberdollendorf:
- 1886 Gründung der Dampfziegelei und Verblendsteinfabrik Gustav Wiel. 1911 Übernahme durch die Stellawerk AG aus Homburg von Willisch & Co. als Werk 2. 1932 aufgegangen im Didier-Konzern, Berlin.
- 1896 Gründung einer Feuerfest- und Grafittiegelfabrikbetrieb durch Ewald von Hofe. 1897 Übernahme durch Emil Zürbig, 1905 Konkurs und Übernahme durch die Stellawerk AG Homburg von Willisch & Co als Werk 1. 1932 aufgegangen im Didier-Konzern, Berlin.
- 1896 Gründung der Tonwarenfabrik Rheinischer Vulcan von Josten & Cie. Ein Werk in Königswinter bestand bereits ab 1880. 1897 Übernahme durch Dr. Schuhmacher aus Königswinter. Ringöfen mit 45 Meter und 50 Meter hohen Schornsteinen; mehrmals umbenannt, ab 1909 als Rheinischer Vulkan, Chamotte- und Dinaswerke mbH Oberdollendorf; 1939 Übernahme durch die Hoesch AG, Dortmund. Der Name bleibt bis zur Übernahme durch die Didier-Werke AG 1967, 1980 stillgelegt.
- um 1900: Union Chamotte- und Dinaswerke GmbH; ab ca. 1918 Tonwarenfabrik Jos. Chasseur, Essen. Mitte 1950er Jahre stillgelegt.
- Bis heute ist Niederdollendorf Standort der Didier-Werke: Glasschmelzwannen, Feuerfeststeine für die Stahlindustrie, außerdem Zulieferer für Zement und Chemieindustrie. Ab 2017 aufgegangen in dem Konzern RHI Magnesita N.H.
Die großen Gebäude der Ziegeleien inspirieren selbst Künstler wie den Expressionisten August Macke, der 1913 das Gemälde „Landschaft mit Fabrik“ anfertigt. Im Vordergrund ist die Lehmgrube mit dem Ringofen zu sehen, im Hintergrund angedeutet das Siebengebirge.
Die anfangs genutzten lokal vorkommenden Rohstoffe reichen ab ungefähr den 1930er Jahren in Quantität und Qualität nicht mehr aus und werden zunehmend importiert. Ende der 1940er Jahre werden die letzten beiden verbliebenen Tongruben auf der Oberdollendorfer Hardt aufgegeben. Zwei kleinere Tongruben lagen am Nordhang des Petersbergs.
Die großen Lehmgruben in der Rheinebene für die Ziegelherstellung liegen zu dem Zeitpunkt bereits still und werden sukzessive verfüllt und überbaut. So liegt der Oberdollendorfer Sportplatz auf einer alten Lehmgrube, die nach Ende der Ausbeutung als Deponie für Ausschussware der Feuerfest-Industrie genutzt wurde. So verbleiben heute als letztes sichtbares Relikt der Tongewinnung lediglich die beiden Gruben auf der Oberdollendorfer Hardt.
(Jörn Kling, 2025)
Internet
virtuellesbrueckenhofmuseum.de: DIDIER - Zur Geschichte des Werks (abgerufen 27.04.2026)