Zeugnisse der Feuerfest-Industrie von Nieder- und Oberdollendorf

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
  • Anschluss der Tongruben an die Heisterbacher Talbahn (1929, StAStAug SN175/00735).

    Anschluss der Tongruben an die Heisterbacher Talbahn (1929, StAStAug SN175/00735).

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  • Tongruben an der Oberdollendorfer Hardt (2024).

    Tongruben an der Oberdollendorfer Hardt (2024).

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  • Tongruben am Petersberger Nordhang (2024).

    Tongruben am Petersberger Nordhang (2024).

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  • Tongruben an der Oberdollendorfer Hardt (2024).

    Tongruben an der Oberdollendorfer Hardt (2024).

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  • Tongruben am Petersberger Nordhang (2024).

    Tongruben am Petersberger Nordhang (2024).

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Ende des 19. Jahrhunderts wandelt sich die bislang landwirtschaftlich genutzte Ebene des Rheintals zwischen Niederdollendorf und Oberdollendorf zu einem Zentrum der Industrie für feuerfest gebrannte Produkte. Die Palette reicht vom einfachen Ziegel über glasierte Verblendsteine, Bodenplatten, Keramik und säurefesten Spezialwannen bis hin zu Auskleidungen von Hochöfen in der Stahl oder Zementindustrie. Ausgangspunkt für die Entwicklung sind die günstigen Verkehrsanbindungen per Schiff und ab 1871 mit der Bahn sowie die vor Ort vorkommenden Rohstoffe. Dazu gehören zum einen die tonigen Lehme des Rheintals, welche traditionell bereits für die Ziegel- und Pfannenherstellung genutzt werden, sowie die Ton- und Quarzitlager auf den Höhen der Oberdollendorfer Hardt und am Nordhang des Petersbergs.

In schneller Folge siedeln sich mehrere Firmen an, die sich zu großen Industrieunternehmen entwickeln. Die Geschichte der Feuerfest-Industrie von Nieder- und Oberdollendorf ist mit mehrfachen Besitzer- und Namenswechseln und Zusammenschlüssen ein Kapitel für sich. Eine detaillierte Übersicht gibt die Publikation von Schräpfer (1986). Nachstehend eine Auswahl der wichtigsten Ton- und Quarzit verarbeitenden Firmen in Nieder- und Oberdollendorf:

  • 1886 Gründung der Dampfziegelei und Verblendsteinfabrik Gustav Wiel. 1911 Übernahme durch die Stellawerk AG aus Homburg von Willisch & Co. als Werk 2. 1932 aufgegangen im Didier-Konzern, Berlin.
  • 1896 Gründung einer Feuerfest- und Grafittiegelfabrikbetrieb durch Ewald von Hofe. 1897 Übernahme durch Emil Zürbig, 1905 Konkurs und Übernahme durch die Stellawerk AG Homburg von Willisch & Co als Werk 1. 1932 aufgegangen im Didier-Konzern, Berlin.
  • 1896 Gründung der Tonwarenfabrik Rheinischer Vulcan von Josten & Cie. Ein Werk in Königswinter bestand bereits ab 1880. 1897 Übernahme durch Dr. Schuhmacher aus Königswinter. Ringöfen mit 45 Meter und 50 Meter hohen Schornsteinen; mehrmals umbenannt, ab 1909 als Rheinischer Vulkan, Chamotte- und Dinaswerke mbH Oberdollendorf; 1939 Übernahme durch die Hoesch AG, Dortmund. Der Name bleibt bis zur Übernahme durch die Didier-Werke AG 1967, 1980 stillgelegt.
  • um 1900: Union Chamotte- und Dinaswerke GmbH; ab ca. 1918 Tonwarenfabrik Jos. Chasseur, Essen. Mitte 1950er Jahre stillgelegt.
  • Bis heute ist Niederdollendorf Standort der Didier-Werke: Glasschmelzwannen, Feuerfeststeine für die Stahlindustrie, außerdem Zulieferer für Zement und Chemieindustrie. Ab 2017 aufgegangen in dem Konzern RHI Magnesita N.H.

Die großen Gebäude der Ziegeleien inspirieren selbst Künstler wie den Expressionisten August Macke, der 1913 das Gemälde „Landschaft mit Fabrik“ anfertigt. Im Vordergrund ist die Lehmgrube mit dem Ringofen zu sehen, im Hintergrund angedeutet das Siebengebirge.

Die anfangs genutzten lokal vorkommenden Rohstoffe reichen ab ungefähr den 1930er Jahren in Quantität und Qualität nicht mehr aus und werden zunehmend importiert. Ende der 1940er Jahre werden die letzten beiden verbliebenen Tongruben auf der Oberdollendorfer Hardt aufgegeben. Zwei kleinere Tongruben lagen am Nordhang des Petersbergs.

Die großen Lehmgruben in der Rheinebene für die Ziegelherstellung liegen zu dem Zeitpunkt bereits still und werden sukzessive verfüllt und überbaut. So liegt der Oberdollendorfer Sportplatz auf einer alten Lehmgrube, die nach Ende der Ausbeutung als Deponie für Ausschussware der Feuerfest-Industrie genutzt wurde. So verbleiben heute als letztes sichtbares Relikt der Tongewinnung lediglich die beiden Gruben auf der Oberdollendorfer Hardt.

(Jörn Kling, 2025)

Internet
virtuellesbrueckenhofmuseum.de: DIDIER - Zur Geschichte des Werks (abgerufen 27.04.2026)

Literatur

Binot, Franz (1987)
Zur Geologie von Oberdollendorf und Römlinghoven mit Blick auf nutzbare Gesteine und Bergbautätigkeit. In: Oberdollendorf und Römlinghoven. Ein Festbuch zum 25jährigen Jubiläum des Heimatvereins Oberdollendorf und Römlinghoven 1962-1987, S. 53-60. Alfter.
Gussmann, Carsten; Clössner, Wolfgang (2006)
Die Heisterbacher Talbahn und Industriebahnen im Siebengebirge. (Eisenbahn Kurier-Reihe Regionale Verkehrsgeschichte, Band 39.) Freiburg.
Schräpfer, Egon (1987)
Industrie für feuerfeste Erzeugnisse. In: Oberdollendorf und Römlinghoven. Ein Festbuch zum 25jährigen Bestehen des Heimatvereins Oberdollendorf und Römlinghoven. 1962-1987. Oberdollendorf, S. 257-266. Alfter.
Schräpfer, Egon (1986)
Geschichte der Feuerfest-Industrie in Nieder- und Oberdollendorf. Hrsg. Verein der Heimatfreunde Niederdollendorf. Königswinter-Niederdollendorf.
Schuchert, Rudolf (1987)
Feld- und Verblendstein- und Hohldachziegelerstellung in Oberdollendorf und Römlinghoven. In: Oberdollendorf und Römlinghoven. Ein Festbuch zum 25jährigen Bestehen des Heimatvereins Oberdollendorf und Römlinghoven. 1962-1987. Oberdollendorf, S. 244-256. Alfter.

Zeugnisse der Feuerfest-Industrie von Nieder- und Oberdollendorf

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Kulturlandschaftspflege, Landeskunde

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Jörn Kling, „Zeugnisse der Feuerfest-Industrie von Nieder- und Oberdollendorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-360120 (Abgerufen: 29. Mai 2026)
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