Zeche Himmelsfürster Erbstollen, Zechenhaus in Byfang

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Das Bruchsteingebäude von 1854 repräsentiert das Zeitalter der Stollenzechen. Im Untergeschoss des Hauses befand sich der heute nicht mehr sichtbare Ausgang des Stollens. Der Himmelsfürster Erbstollen war Ausgangspunkt der Prinz-Wilhelm-Bahn.
Ein- bis zweigeschossiger Bruchsteinbau von 1854 mit Satteldach in Hanglage. Überwiegend rundbogige Tür- und Fensteröffnungen mit Rundbögen und Laibungen aus Ziegelmauerwerk. Die Rundbögen werden begleitet durch halbsteinstarke Ziegelsteinbänder. Fassadengliederung durch kräftige Traufgesimse und schwächere Stockwerksgesimse.
An der eingeschossigen Traufseite am Hang wird das Obergeschoss über zwei einläufige Freitreppen erschlossen. Vermutlich wurden Obergeschoss und Dach schon immer zu Wohnzwecken genutzt.
Der dem hangseitigen Giebel vorgelagerte Schornstein auf polygonalem Grundriss verweist auf die Zechenschmiede, die sich an dieser Gebäudeseite wohl im Erdgeschoss befand.
Die zweigeschossige Trauffassade zur Talseite ist als Hauptfassade ausgebildet. Die drei mittleren der elf Fensterachsen sind, knapp vorspringend, risalitartig ausgebildet und werden von einem Dreiecksgiebel überfangen. Der Giebel wird begleitet von zwei achtseitigen Fialen und bekrönt von einem türmchenartigen Aufsatz mit Nische.
Verdeckt durch einen Anbau befand sich im Erdgeschoß des Risalits eine heute zugesetzte große torartige Öffnung mit einer Breite von circa 1,9 Meter. Die Öffnung ist an den Kämperpunkten formenreich mit Ziegelsteinen verziert. Es handelt sich um das Mundloch des quer durch das Erdgeschoß des Hauses reichenden Stollen der Zeche Vereinigung. Eine Seitenwand des Stollens, die leicht schräg zu den Traufwänden des Hauses liegt, ist erhalten. Zwei gemauerte Ziegelsteinbögen, die an der gegenüberliegenden Traufseite knapp über dem Straßenniveau liegen, zeigen dort die Lage des Stollens an. Der obere Bogen und eine gemauerte Einhausung für eine dahinter gelegene Treppe wurden später zur Erschließung des Kellers zu Luftschutzzwecken angelegt.

Das Gebäude ist vollständig unterkellert mit gemauerten Kappen auf Doppel-T-Trägern, die auf von Traufwand zu Traufwand reichenden Querwänden auflagern. Die Querwände werden jeweils mittig durchbrochen von großen Öffnungen (Breite = circa 4,0 Meter) mit Korb- und Segmentbogen. Die Öffnungen standen funktional in Verbindung mit dem Himmelsfürster Erbstollen, der mit seinem Stollenmundloch hangseitig in den Keller des Zechenhauses mündete. Die Förderwagen wurden durch den Keller hindurchgeschoben, verließen den Keller durch eine talseitige Öffnung und gelangten über einen anschließenden kurzen Stollen unter der Langenberger Straße zum Stollenmundloch, das sich neben dem Stationsgebäude der Prinz-Wilhelm-Eisenbahn befand. Dieses Stollenmundloch ist nach Abbruch des Stationsgebäudes und Verbreiterung der Straße verschüttet.
Quer zum Zechenhaus befindet sich an der Hangseite ein Nebengebäude mit Pultdach aus Bruchsteinmauerwerk. Der stark ruinöse Bau begrenzt den Zechenplatz nach Westen. Das formenreich im Rundbogenstil gestaltete Zechenhaus an der Langenberger Straße resultierte also aus der historisch gewachsenen engen Nachbarschaft zweier Stollenzechen, die ursprünglich einen gemeinsamen Stollenausgang hatten. Die räumliche Differenzierung der beiden Stollen, die sich dann im Bereich des Zechenhauses auf zwei Ebenen kreuzten, sorgten für eine bauliche Ausbildung im Kopfbereich der Stollen, die für den Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet einzigartig sein dürfte.

Das Objekt Zechenhaus Himmelsfürster Erbstollen ist ein eingetragenes Baudenkmal (LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Datenbank-Nr. 77120, Denkmalliste Essen, laufende Nr. 753).

(Walter Buschmann, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2010)

Literatur

Buschmann, Walter (1998)
Zechen und Kokereien im rheinischen Steinkohlenbergbau. Aachener Revier und westliches Ruhrgebiet. (Die Bau- und Kunstdenkmäler des Rheinlandes 1.) Berlin.
Koschwitz, Carl (1930)
Die Hochbauten auf den Steinkohlenzechen des Ruhrgebietes. In: Beiträge zur Landeskunde des Ruhrgebietes Heft 4, Essen.
Pfläging, Kurt (1987)
Die Wiege des Ruhrkohlenbergbaus. Die Geschichte der Zechen im südlichen Ruhrgebiet (4. mit 2 topographischen Karten erweiterte Auflage). Essen.
Wüstenfeld, Gustav Adolf: (1975)
Frühe Stätten des Ruhrbergbaus. Witten.

Zeche Himmelsfürster Erbstollen, Zechenhaus in Byfang

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1854
Koordinate WGS84
51° 24′ 26,62″ N, 7° 04′ 58,63″ O / 51.40739°, 7.08295°
Koordinate UTM
32U 366668.55 5696873.94
Koordinate Gauss/Krüger
2575395.22 5697526.64

Empfohlene Zitierweise

Urheberrechtlicher Hinweis
Der hier präsentierte Inhalt ist urheberrechtlich geschützt. Die angezeigten Medien unterliegen möglicherweise zusätzlichen urheberrechtlichen Bedingungen, die an diesen ausgewiesen sind.
Empfohlene Zitierweise
„Zeche Himmelsfürster Erbstollen, Zechenhaus in Byfang”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-WBuschmann-20090713-0008 (Abgerufen: 24. August 2017)
Seitenanfang