Weinbaulandschaft Vollrads

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Oestrich-Winkel
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
  • Weinbaulandschaft Vollrads

    Weinbaulandschaft Vollrads

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    Garth, Astrid / Sbrisny, Joachim / Landesamt für Denkmalpflege Hessen
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Das von einer Mauer umgebende Schloss und Weingut Vollrads liegt in einer Senke des sanft ansteigenden Schlossbergs. Den gestalterischen Mittelpunkt des Areals bildet die im 14. Jahrhundert errichtete Turmburg, die von einem Weiher umschlossen wird. Aufgrund der exponierten Lage ist das Anwesen nach Süden weithin sichtbar. Zu den umgebenden Flächen gehören im Norden das „Vollradser Wäldchen“ und „Hinter dem Schloß“. Östlich erstreckt sich der Greiffenberg, der bereits 1412 als Weinlage genannt wird. Westlich liegt der „Sandacker“, südlich der „Schloßberg“ und der „Schloßacker“.

Im Jahr 1211 treten in Winkel die Greiffenclau als Dienstleute des Mainzer Erzbischofs auf. Um 1300 fand mit der Rodung eines nördlich von Winkel gelegenen Waldtales eine erhebliche Ausdehnung des Kulturlandes statt. Um 1330 entstand hier in Halbhöhenlage eine wassergeschützte Turmburg als neuer Familiensitz derer von Greiffenclau. 1332 nennt sich Friedrich, wohl Erbauer der Turmburg, erstmals Greiffenclau zum Vollrads. Der quadratische, heute fünfgeschossige Turm steht diagonal inmitten eines rechteckigen Weihers mit gemauerter Einfassung.
Vor oder um 1471 folgt die Errichtung eines weiteren, 1506 „nuwen thorn“ genannten, aber bereits 1709 abgebrochenen Turmes. Hinzu kamen Stallungen und Nebengebäude, Back- und Kelterhaus. Nach dem Erwerb des Mapper Hofes bei Obergladbach erfolgte 1649 die Auslagerung der allgemeinen Landwirtschaft bei gleichzeitiger Intensivierung des Weinbaus auf Vollrads. Fortan wurde Vollrads als reines Weingut betrieben und sollte gemeinsam mit Eberbach und Johannisberg den Weinbau in der Region nachhaltig prägen.

Im 16. bis 18. Jahrhundert stellten die von Greiffenclau u.a. Erzbischöfe in Trier, Mainz und Würzburg. 1664 fand die Erhebung in den Reichsfreiherrnstand statt, seitdem hat der Name von Greiffenclau zu Vollrads bestand (seit 1862 namentlich von Matuschka-Greiffenclau). In Zusammenhang mit dem Zuwachs an Macht und Ansehen ist auch das gestiegene Repräsentationsbedürfnis zu sehen, das in der barocken Umgestaltung der Burgumgebung mit Errichtung von Kavaliershaus und Herrenhaus mündete. Die Arbeiten vollzogen sich von 1650 bis 1684.

Die Neuanlage des Wirtschaftshofes mit ausgedehnten Kellern fällt in den Zeitraum zwischen 1665 und 1724. Das Herrenhaus in der Südecke der Ummauerung, im Jahr 1684 vollendet, wurde im 19. Jahrhundert um ein Stockwerk erhöht und mit Ecktürmen versehen.
Der Garten südlich des Kavaliershauses und um den Teich geht auf eine barocke Anlage zurück, die in ähnlicher Form mit geometrischer Wegeführung und nachempfundenen Pflanzungen wiederhergestellt wurde.

Seit dem Hochmittelalter war das ab Mitte des 17. Jahrhunderts als reines Weingut betriebene Vollrads maßgeblich an der Entwicklung des Rheingauer Weinbaus beteiligt - zunächst durch Rodung von Kulturland und gezielte Ausweitung des Rebanbaus, im 18. Jahrhundert durch die Verbesserung der Kellerpflege. Neben der wertvollen Bausubstanz ist auch das umfangreiche zugehörige Hausarchiv (ab 1492) maßgeblich für die herausragende historische Bedeutung. Dies gilt in besonderem Maße für die landschaftliche Einbindung und funktionale Verflechtung mit den zugehörigen Ländereien. Aufgrund der exponierten Lage strahlt das Schloss Vollrads weit in die umgebende Landschaft aus.

(Hessisches Landesamt für Denkmalpflege, 2011)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Weinbaulandschaft Vollrads

Schlagwörter
Ort
Oestrich-Winkel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1330
Koordinate WGS84
50° 00′ 42,61″ N, 7° 59′ 53,18″ O / 50.01184°, 7.99811°
Koordinate UTM
32U 428215.47 5540427.51
Koordinate Gauss/Krüger
3428261.86 5542204.3

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„Weinbaulandschaft Vollrads”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-TB-20110316-0017 (Abgerufen: 15. Dezember 2017)
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