Scharfer Turm in Rhens

Hexenturm

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Rhens
Kreis(e): Mayen-Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 16′ 55,36″ N: 7° 37′ 12,26″ O 50,28204°N: 7,62007°O
Koordinate UTM 32.401.686,14 m: 5.570.901,08 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.401.721,94 m: 5.572.689,78 m
  • "Hexensabbat" mit Zubereitung eines Hexenmahls und Flug auf dem Bock, Holzschnitt von Hans Baldung Grien (1510).

    "Hexensabbat" mit Zubereitung eines Hexenmahls und Flug auf dem Bock, Holzschnitt von Hans Baldung Grien (1510).

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    gemeinfrei, Wikimedia Commons
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    Hans Baldung Grien
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Diese Anlage entstand als Teil der Stadtmauer zwischen 1396 und 1418 in unmittelbarer Nähe zum Rhein. Das Gebäude umfasst vier Geschosse, die Turmplattform mit inbegriffen. Seine ursprüngliche Nutzung als Späh- und Zollturm ergab sich aus der direkten und sehr günstigen Lage am Rhein. Von seiner Plattform aus konnten die Wachen den gesamten Schiffsverkehr zwischen Braubach und Lahnstein überblicken. Zahlungsunwillige Schiffer konnten im Keller inhaftiert werden. Hier befand sich ein Kerker, der nur durch eine Luke, das sogenannte „Angstloch“ begehbar war.

In seiner 600-jährigen Geschichte war dies nicht die einzige Nutzung des Gebäudes. Durch seinen direkten Anschluss an die Überreste der Wackelburg liegt die Vermutung nahe, dass der Turm auch als Bergfried genutzt wurde, also als letzter Zufluchtsort der Burg.

Seine bekannteste und tragischste Nutzung war die als Folter- und Hinrichtungskammer während der Rhenser Hexenprozesse in den Jahren 1628-1630 und 1645-1647. In dieser Zeit wurden hier Frauen und Männer gefangen gehalten, welche als Hexen und Hexenmeister verschrien waren. Es wurden zehn von ihnen durch Enthauptung hingerichtet. Aus dieser Geschichte stammt der Name Hexenturm, unter dem der Turm bei den Bürgern der Region bekannter ist.

Es wurden aber auch Menschen wegen geringer Vergehen in den Turm gesperrt, wie Beleidigungen gegen Mitbürger oder den Stadtrat. Selbst der gesamte Stadtrat wurde 1795 inhaftiert, als er sich weigerte, den Weisungen der französischen Besatzer Folge zu leisten.

1904 wurde der Turm saniert. Im Zweiten Weltkrieg diente er als Schutzraum und wurde durch einen Bombentreffer beschädigt. Ende der 1980er Jahre wurde der Turm für die Öffentlichkeit zugänglich und für gesellige Anlässe nutzbar gemacht.

Denkmalzone
Als Teil der Denkmalzone „Stadtmauer“ steht der Turm laut § 3 der Denkmalschutzgesetzes des Landes Rheinland-Pfalz unter Denkmalschutz.

(Tobias Wettstein, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Internet
www.regionalgeschichte.net: Stadtbefestigung (Abgerufen: 05.08.2014)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2015)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Mayen-Koblenz. Denkmalverzeichnis Kreis Mayen-Koblenz, 13. Februar 2015. Mainz.
Ott, Hans (1994)
Das ist mein schönes Rhens am Rhein, Band 14. Andernach.

Scharfer Turm in Rhens

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1396 bis 1418

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„Scharfer Turm in Rhens”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-99730-20140816-2 (Abgerufen: 4. Juli 2022)
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