Stadtmauer von Rhens

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Rhens
Kreis(e): Mayen-Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
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Wie viele mittelalterliche Städte besaß auch Rhens eine Stadtmauer, die im Belagerungsfalle die Bürger im Inneren vor der Bedrohung schützen sollte. Im Jahre 1396 wurde mit dem Bau der Stadtmauer begonnen, 1424 war das Werk vollendet. Bis zum heutigen Tag lässt sich der Verlauf dieser Mauer sehr gut nachvollziehen, da etliche Teile noch erhalten, andere wiederhergestellt worden sind. Sie gibt einen Eindruck des ehemaligen Rhenser Stadtbilds und trennt deutlich den alten Stadtkern mit seinen Fachwerkbauten vom neuzeitlichen Rhens ab. Die Stadtbefestigung steht nach § 3 des Denkmalschutzgesetzes (DschG) unter Denkmalschutz.

Der Scharfe Turm (vgl. untergeordnetes Objekt)
Er markiert den markantesten Punkt der Stadtmauer direkt am Rhein. Der Turm wurde 1396 errichtet und diente zuerst als Späh- und Zollturm. Von 1629 bis 1648 wurde er als Gefängnis genutzt. In den Jahren 1645 und 1646 wurden hier zudem zehn Hexen und Hexenmeister gefangen gehalten, gefoltert und später enthauptet. Dies brachte ihm den, unter den Bürgern der Region bekannteren Namen „Hexenturm“ ein.

Das Rheintor
Hierbei handelt es sich um den einzigen noch erhaltenen Torturm der Mauer. Er grenzt Wand an Wand an ein Wohnhaus, was wahrscheinlich der Grund war, weshalb er im Jahre 1689 nicht zerstört wurde. Ein Abriss wäre ohne Beschädigung der anderen Gebäude unmöglich gewesen.
Einer von zwei feindlichen Überfällen erfolgte an jenem Tor. Am 23.9.1647 legten am Rhein 140 Hessische Soldaten an, die Rhens für Hessen-Kassel einnahmen.

Das Josefstor
Dieses Tor wurde früher auch als das untere Rheintor bezeichnet, da es sich Rheinabwärts des Rheintors befindet. Hierbei handelte es sich ursprünglich um ein reines Wandtor ohne Turmaufbau, welches im 30-jährigen Krieg sogar zeitweise zugemauert wurde, da es nicht dringend benötigt wurde. Dieser Bereich war zu jener Zeit kaum bebaut. Das Torhaus mit der Statue des heiligen Josef, wurde erst im 18. Jahrhundert nachträglich gebaut. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war auch der Name Pützgassertor geläufig.

Das Kirchtor
Diese Anlage entstand zwischen 1396 und 1418 und ist heute lediglich in wenigen dürftigen Teilen erhalten. In der 600-jährigen Geschichte der Mauer wurde das Kirchtor zweimal stark zerstört. Dieser Bereich war bis ins 17. Jahrhundert noch in seinem ursprünglich geplanten Zustand. Vermutlich wurde der Torturm 1689 von französischen Truppen gesprengt, die die Anweisung hatten alle befestigten rechtsrheinischen Orte zu entfestigen bzw. zu brandschatzen. Auch weitere Türme vielen wahrscheinlich diesem Befehl zum Opfer.

In den letzten Kriegstagen des Zweiten Weltkriegs 1945 sprengten SS-Truppen bei ihrem Rückzug den Torbogen, um den US-Vormarsch zu behindern. Im Hinblick auf das absehbare baldige Kriegsende war dies jedoch eine überflüssige Handlung.

Das Viehtor
Ebenfalls im Bauzeitraum der Stadtmauer entstanden ist dieses Tor eines von drei erhaltenen. Dennoch wurde auch dessen Turm zerstört. Hierbei handelte es sich vermutlich um einen Wendeltreppenturm bergseits. Der Aufgang ist heute als Heiligennische ausgestaltet.
Vor der Fertigstellung der Bramleystraße führte die einzige Verkehrsverbindung in Mühlental durch dieses Tor. Auch der Viehauf- und Abtrieb erfolgte hierhindurch, woher auch der Name rührt.
Vielen unbekannt ist die Tatsache, dass auch die Räume des Viehtorturms als Gefängnis- und Verhörzellen während der Hexenprozesse genutzt wurden.

Das Mühlbachtor
Obwohl heute zum Teil verschüttet, ist dieses Tor eine architektonische Besonderheit. Hierbei handelt es sich um ein reines Wassertor, welches den Eintritt des Mühlbachs in die Stadt gewährte. Dieser nahm hier seinen Weg durch das Stadtzentrum bis er schließlich in den Rhein mündete. Vor dem Mühlbachtor befand sich früher ein Teich, der wahrscheinlich die Wassermenge des Bachs regulierte, da es in der Stadt mehrere Mühlen gab.

(Tobias Wettstein , Universität Koblenz-Landau, 2014)

Quellen
www.regionalgeschichte.net: Stadtbefestigung (Abgerufen: 05.08.2014)
www.regionalgeschichte.net: Zur Geschichte von Rhens (Abgerufen: 05.08.2014)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2015)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Mayen-Koblenz (Denkmalverzeichnis Kreis Mayen-Koblenz, 13. Februar 2015). Mainz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de - Mayen-Koblenz, abgerufen am 24.03.2015

Stadtmauer von Rhens

Schlagwörter
Ort
56321 Rhens
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1396 bis 1424
Koordinate WGS84
50° 16′ 55,25″ N, 7° 36′ 58,03″ O / 50.28201°, 7.61612°
Koordinate UTM
32U 401404.49 5570902.88
Koordinate Gauss/Krüger
3401440.18 5572691.58

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„Stadtmauer von Rhens”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-100018-20140816-5 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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