Benediktinerinnenabtei Oeren

Abtei St. Irminen, Frauenkloster Oeren

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Trier
Kreis(e): Trier
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Ausschnitt der Stadtrekonstruktion "Trier um 1120" (Ausschnitt aus der Plakatbeilage in Lukas Clemens, Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion, Trier 1998).

    Ausschnitt der Stadtrekonstruktion "Trier um 1120" (Ausschnitt aus der Plakatbeilage in Lukas Clemens, Trier um 1120. Prolegomena zum Versuch einer Stadtrekonstruktion, Trier 1998).

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    Rheinisches Landesmuseum Trier (www.gdke.rlp.de) / Clemens, Lukas (Entwurf) / Herber, Nic (Ausführung)
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    Nic Herber (Ausführung); Lukas Clemens (Entwurf)
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  • Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

    Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

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  • Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

    Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

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    Knöchel, Franz-Josef / Schmid, Wolfgang
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    Schmid, Wolfgang; Knöchel, Franz-Josef
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  • Bearbeiteter Ausschnitt "Trier und Umgebung" aus der Karte "Kirchliche Organisation im Bereich der heutigen Rheinprovinz am Ende des Mittelalters, um das Jahr 1450" (1909).

    Bearbeiteter Ausschnitt "Trier und Umgebung" aus der Karte "Kirchliche Organisation im Bereich der heutigen Rheinprovinz am Ende des Mittelalters, um das Jahr 1450" (1909).

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Neben den vier Benediktinerklöstern gab es noch eine Benediktinerinnenabtei in Trier. Das Frauenkloster Oeren, wie es anfangs hieß. Es befand sich an der Stelle der spätrömischen Speicheranlagen ’horrea’, wodurch sich die Herkunft des Namens begründen lässt. Die Abtei war an der Mosel im Westen der Stadt gelegen. Der Name St. Irminen geht auf die zweite Äbtissin zurück, die heilige ’Irmina von Oeren’ oder auch ’von Trier’ (gestorben um 706/709). Ihre Tätigkeit als Äbtissin ist seit 953 dokumentiert, jedoch muss davon ausgegangen werden, dass sie schon 250 Jahre früher gewirkt hat. Daneben gab es „bis zum Ende des 16. Jahrhunderts ein Marienpatrozinium“ (www.klosterlexikon-rlp.de), das den weniger geläufigen Namenszusatz ’St. Marien’ erklärt.

Irmina war eine wohlhabende Witwe und steht im Zusammenhang mit der Klostergründung durch den heiligen Willibrord in Echternach. Denn ihre Erbgüter, die per Schenkung transferiert wurden, bildeten die wirtschaftliche Basis des Klosters ins Echternach. Da spätere Überlieferungen darauf hinweisen, ist davon auszugehen, dass das Trierer Frauenkloster im siebten Jahrhundert durch Mithilfe von Frankenkönig Dagobert den Ersten und der Initiative des Trierer Bischofs Modoald (dieser steht an 27. Stelle der Trierer Bischofsliste und war von 622 bis 647 tätig) gegründet wurde. Anton sieht als wahrscheinlicher an, dass die Gründung zur Zeit des darauf folgenden Bischofs Numerian (Bischof Numerian steht an 28. Stelle der Trierer Bischofsliste und war von 650 bis 697 tätig.) in der Mitte des siebten Jahrhunderts erfolgte. Das Frauenkloster wird im neunten Jahrhundert als Königgut geführt (Flach 2008), sodass eine königliche Schenkung als Ausgangspunkt der Klostergründung angenommen werden kann. Der Bischof Modoald war wahrscheinlich für die Festlegung der klösterlichen Regeln verantwortlich. In diesem Zusammenhang wird 659 die erste Äbtissin Modesta (gestorben vor 697/698) bezeugt.

Bei Betrachtung des Zwischenzeitraumes der ersten Äbtissin Modesta, die in Zusammenhang mit der Klostergründung in die Mitte des siebten Jahrhunderts einzuordnen ist, und der zweiten Äbtissin Irmina, die ab der Mitte des zehnten Jahrhunderts bezeugt ist, da sie ab dann als Heilige in Trier verehrt wurde, fällt auf, dass es eine Zeitspanne von nahezu 300 Jahren gab, in der es eine unzureichende Dokumentation der Klostergeschichte gibt. Aus dem dennoch bekannten Faktum, dass es sich um ein königliches Gut handelte und dass es eine sonst spärliche Quellenlage gibt, lassen sich Rückschlüsse ableiten. Auf der einen Seite ist natürlich der Vorteil zu nennen, dass man direkt dem König unterstellt war und somit unter seinem persönlichen Schutz stand, was gegenüber dem Bischof eine gewisse Autonomie ermöglichte. Als nachteilig und korrelierend mit der lückenhaften Dokumentation ist jedoch anzusehen, dass das Kloster im Ganzen mit all seinen Besitztümern als Lehen im Adel gehandelt wurde. Somit kam es dazu, was zeitgleich auch in den Benediktinerklöstern St. Martin und St. Maximin geschah, dass politische und weltliche Gesichtspunkte in den Vordergrund traten und die Klöster als Pfalz benutzt und dadurch in die Nähe der religiösen Bedeutungslosigkeit gedrängt wurden. Mit dieser Situation der weltlichen Inanspruchnahme konnte der Bischof nicht einverstanden sein, daher bemühte er sich fortan darum, die Oberhoheit zu erlangen. Es folgte eine Phase der Auseinandersetzung und Übertragungen, in der der Bischof zeitweilig die Oberhoheit hatte. Endgültig wurde die Benediktinerinnenabtei im Jahre 1000 dem Bistum zugesprochen. Ein weiterer Eckpunkt dieser Zeit ist der Normannensturm des Jahres 882, bei dem auch das Frauenkloster zwangsweise nicht verschont blieb.

„Im Spätmittelalter lebten die Angehörigen der Frauenabtei mehr im Stil von weltlichen Stiftsdamen als von Ordensfrauen” (Thomas 1968, S. 91), somit wurde gegen Ende des Spätmittelalters im ausgehenden 15. Jahrhundert unter der Äbtissin Isengard von Greiffenklau die Rückbesinnung auf die Regel des benediktinischen Mönchtums vollzogen. In diesem Zusammenhang geriet das Kloster unter die geistliche Obhut des Abtes der Benediktinerabtei St. Eucharius - St. Matthias im Trierer Süden der Stadt. Durch diese rückbesinnende Maßnahme stabilisierte sich das Frauenkloster bis zu seinem Ende, das mit der Säkularisierung von 1802, eingeleitet wurde. Ein Erlass von Napoleon führte zur Aufhebung des Frauenklosters und im Jahre 1804 zur Zusammenlegung der über die Stadt verteilt liegenden Krankenhäuser in diesem klösterlichen Gebäudekomplex. Dieser Zusammenschluss, die Vereinigten Hospitien, besteht auch noch bis in die heutige Zeit fort. Heute ist dort das Altenwohn- und Pflegeheim ’Stift St. Irminen’ untergebracht.

(Christoph Jürgens, Universität Koblenz-Landau, 2014)


Name / Patrozinium: Oeren, auch Irminen / Maria ad Horrea, zusätzlich Irmina.
Orden: Benediktinerinnenabtei.

Geschichte (Gründung und Entwicklung bis um 1200):
Über den Zeitpunkt der Gründung liegen unglaubwürdige und teilweise widersprüchliche Quellenaussagen vor. Sehr wahrscheinlich bildete sich eine Frauengemeinschaft zur Zeit des Trierer Bischofs Modoald, eines Zeitgenossen König Dagoberts, somit ca. 630/35 oder kurz nach 640/45. Als erste Äbtissin wird 659 Modesta genannt, zuvor eine Schülerin des Klosters Remiremont, so dass man auf die Befolgung der Kolumbanregel und sodann einer Mischregel schließen kann. Erst im 9. Jahrhundert folgte der Konvent der Benediktregel. Irmina war die zweite Äbtissin, die im Kloster bestattet wurde; ihr Haupt befindet sich in der Abtei Sponheim, weitere Reliquien sind im Kloster Weißenburg und in Oeren. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurde sie als Heilige verehrt und als Mitpatronin zugelassen. Gleich nach der Reichsteilung von Meersen (870) betrachtete Ludwig der Deutsche die Abtei als Königskloster. Otto der Große übereignete sie 966 der Trierer Kirche im Tausch gegen das Stift St. Servatius in Maastricht. Otto III. bestätigte im Privileg von 993 den Tausch und gewährte das Recht der freien Äbtissinnenwahl. Zugleich schenkte er dem Kloster in Christnach Markt, Zoll und Bann.

Nicht ausgeschlossen ist ein langsamer Verfall der Disziplin; denn Papst Eugen II. verband 1148 und 1152 seine Schutzerklärung mit einem Wechsel der Observanz. Er vertraute die Abtei dem Abt Richard von Springiersbach an, damit ein dortiger Kanoniker in Oeren die Augustinusregel einführen könne. Die widerstrebenden Nonnen baten Hadrian IV., zur Benediktregel zurückkehren zu dürfen, allerdings vergebens. Der Konvent blieb der Botmäßigkeit Springiersbachs untertan, bis Erzbischof Johann I. um 1190 die Leitung des Klosters selbst übernahm und dem Kloster einen “minister„ verordnete, der den Nonnen im Außenverkehr behilflich sein sollte. Gleichzeitig beschränkte er die Zahl der Nonnen auf 40 und inkorporierte dem Kloster mehrere Pfarrkirchen. Die Rückkehr Oerens zur Benediktregel erfolgte erst 1495 (Engels 2006).

Internet
www.klosterlexikon-rlp.de: St. Irminen, Trier-Oeren (abgerufen 23.01.2014)

Literatur

Anton, Hans Hubert (1987)
Trier im frühen Mittelalter. (Quellen und Forschung aus dem Gebiet der Geschichte, Neue Folge, Heft 9.) S. 152, Paderborn u.a..
Engels, Odilo (2006)
Klöster und Stifte von der Merowingerzeit bis um 1200. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.2.) S. 84, Bonn.
Flach, Dietmar (2008)
Reichsgut 751-1024. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, V.17.) S. 126-128, Bonn.
Thomas, Alois (1968)
Aus der Geschichte des Bistums Trier, Von der spätrömischen Zeit bis zum 12. Jahrhundert. S. 89ff, Trier.

Benediktinerinnenabtei Oeren

Schlagwörter
Ort
Trier
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 622 bis 697, Ende nach 1802
Koordinate WGS84
49° 45′ 24,31″ N, 6° 37′ 55,97″ O / 49.75675°, 6.63221°
Koordinate UTM
32U 329461.09 5514276.34
Koordinate Gauss/Krüger
2545599.62 5513545.12

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„Benediktinerinnenabtei Oeren”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-94785-20140615-3 (Abgerufen: 17. August 2018)
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