Benediktinerabtei Sankt Marien zu den Märtyrern

Kloster „ad martyres“, heute zum Teil Jugend- und Kulturzentrum Ex-Haus

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Trier
Kreis(e): Trier
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

    Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

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  • Bearbeiteter Ausschnitt "Trier und Umgebung" aus der Karte "Kirchliche Organisation im Bereich der heutigen Rheinprovinz am Ende des Mittelalters, um das Jahr 1450" (1909).

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  • Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

    Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

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Von der Benediktinerabtei zum Jugend- und Kulturzentrum
Heute ist der frühere Klosterbezirk der Benediktinerabtei St. Marien zu den Märtyrern im Norden der Stadt vielen Trierern eher unter dem Namen ‚Ex-Haus‘ als Jugend- und Kulturzentrum bekannt. ‚Ex-Haus‘ ist die Kurzform des Namens ‚Exzellenzhaus‘, der aus der Zeit der französischen Besatzung Triers mit Revolutionstruppen ab 1794 stammt. Der Begriff hat seinen Ursprung darin, dass „leitende Militärs damals mit ‚Ihre Exzellenzen‘ angeredet wurden“ (www.exhaus.de).

Neben diesem relativ jungen Namen hatte die Benediktinerabtei Sankt Marien zu den Märtyrern (St. Maria ad martyres) im Laufe ihrer Geschichte eine reichhaltige Namensvergangenheit. Weitere verwendete Namen sind: Marienabtei, Alt-St. Marien, St. Marien am Gestade bzw. St. Marien am (Mosel-) Ufer (St. Maria ad ripa), St. Marien zu den Mönchen und St. Mergen – bis sich dann schließlich „unter dem Einfluß des in der Stiftkirche St. Paulin blühenden Kults der Trierer Martyrer der Thebäischen Legion die Bezeichnung St. Marien zu den Martyrern (…) durchsetzte“ (Thomas 1968, S. 76).

Die heute noch sichtbaren Gebäude des Ex-Hauses sind die Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Klosters. Im Zuge der Säkularisation ging das Hauptgebäude samt Kirche auf dem Gelände des heutigen Nordbades verloren.

Gründungsgeschichte
Die Gründung der Abtei wird in die Jahre 698/699 datiert, als der angelsächsische Missionar und Heilige Willibrord von Echternach (um 658-739, Gründer des Klosters Echternach) nachweislich in Trier weilte und es in Zusammenarbeit mit dem damaligen Bischof Liutwin (†717, Bischof von Trier 697/705-715) zur Gründung kam. Jedoch hatte es zu dieser Zeit auch schon eine Vorfunktion in einem verhältnismäßig weitläufigen frühmittelalterlichen Gebäudekomplex gegeben, welcher wiederum auf einen Vorgängerbau der spätrömischen Zeit fußte.
Aus den Schilderungen ist ersichtlich, dass das Areal der ehemaligen Benediktinerabtei eine weit zurückreichende Vergangenheit hat, die darin endet, dass der Legende nach die Bischöfe Triers in der spätrömischen Zeit dort ihren Wohnsitz hatten. Auf Grund der außerhalb der schützenden Stadtmauer befindenden Stelle, war man vor fränkischen Überfällen nicht geschützt und siedelte in den geschützten Mauerring der damaligen Stadt um.

Das Kloster St. Marien in Mittelatler und Neuzeit
Nach der Gründung blieb auch St. Marien wie die anderen Trierer Klöster nicht von Plünderung und Zerstörung verschont. Denn das damalige Zeitgeschehen rund um Trier hatte auch Auswirkungen auf die Abtei St. Marien.
Somit kommt man auf den Normannensturm des Jahres 882 zu sprechen, in dessen Folge das klösterliche Leben gar zum Erliegen gekommen sein könnte, denn „die Güter der Abtei wurden vom Bistum übernommen“ (Thomas 1968, S. 77). Erst 976 wird aus einer Urkunde des Bischofs ersichtlich, dass es zur Rückführung von Gütern und zum neuerlichen Aufbau der Abtei kam, wozu auch eine Fährverbindung zum gegenüberliegenden Moselufer gehörte. Danach erfolgten 980 und 1030 weitere Schenkungen, die die wirtschaftliche Wiederherstellung erleichterten.
Einen Rückschlag musste allerdings die Abtei 1008 verkraften. Im Verlauf der Moselfehde zwischen dem aufstrebenden Grafen von Luxemburg, der seinen Schwager Adalbero als Erzbischof sehen wollte, und dem ostfränkischen König Heinrich II. konnte sich der Luxemburger bis 1017 in Trier halten. Die Benediktiner wurden aus dem Kloster vertrieben, die Abtei besetzt und Kanoniker angesiedelt, die als Gemeinschaft von Weltpriestern einen Gegenpart zum benediktinischen Mönchstum einnahmen. Als die Moselfehde beigelegt war, konnten die Benediktiner wieder in ihre Abtei zurückkehren.

Ein weiteres korrelierendes Ereignis zu den anderen Trierer Klöstern ist im Jahr 1552 die erfolglose Belagerung der Stadt Trier durch Albrecht von Brandenburg, in deren Folge das ungeschützte Kloster zerstört wurde. Weitere Verwüstungen nach dem abermaligen Aufbau ereigneten sich im Dreißigjährigen Krieg.
Während der französischen Besetzung unter dem Kommandant Vignory am Ende des 17. Jahrhunderts blieb die Abtei verschont, obwohl der Kommandant Befehl gegeben hatte, die Gebäude auf der Ebene nördlich von Trier zur besseren Verteidigung dem Erdboden gleichzumachen. Nicht verschont von der Niederlegung blieben jedoch die nördlichen Vororte und die Abtei St. Maximin.
Nach diesen Ereignissen entwickelte sich das Kloster prächtig und es erfolgten noch im 18. Jahrhundert Um- und Neubauten der Kirchen- und Klosteranlagen. Kurz darauf fand das Kloster jedoch im Zuge der Säkularisierung von 1802 sein Ende und es kam von 1805 bis 1807 zum Abriss der Gebäude. Einzig der Wirtschaftstrakt wurde vom Abbruch verschont und konnte einer Folgenutzung zugeführt werden.

Die eingezeichnete Geometrie umfasst neben dem noch erhaltenen Wirtschaftstrakt weitere Bereiche des damaligen Klosterkomplexes mit seinen dazu gehörigen Wirtschaftsflächen.

(Christoph Jürgens, Universität Koblenz-Landau, 2014)


Name / Patrozinium: Sankt Maria ad martyres, auch Sankt Mergen / Maria, später als Altarpatrone Clemens und Gangolf sowie Petrus und Paulus, Pontianus und Beatus.
Orden: Benediktinerkloster.

Geschichte (Gründung und Entwicklung bis um 1200):
Die Abtei am Moselufer, erbaut über einem spätantiken Gebäude (angeblich auf dem Gräberfeld Trierer Märtyer zur Zeit des römischen Kaisers Maximian und deshalb seit dem 12. Jahrhundert „ad martyres“), hat eine legendenreiche Frühgeschichte, die keine definitive Aussage zuläßt, so etwa zur Gründung bereits am Ende des 7. Jahrhunderts Auf sicherem Boden befindet man sich erst im späteren 10. Jahrhundert, da 973 Erzbischof Theoderich I. einen Abt Deodatus erwähnt, den er vom Reformzentrum Gorze geholt habe. Er und Erzbischof Egbert dotierten die (erstmalige oder Wieder-)Gründung. Egbert weihte die Krypta der Kirche zu Ehren der Märtyrer Clemens und Gangolf. Während des Streites Erzbischof Megingoz (1008-15) mit dem Propst Adalbero von St. Paulin in Trier wegen der Legitimität des Bischofsamtes wurden die Mönche vertrieben und durch Kanoniker ersetzt. Erzbischof Poppo jedoch holte die Mönche zurück und weihte den Hauptaltar zu Ehren Marias, der Apostel Petrus und Paulus, des Märtyrers Pontianus und des Bekenners Beatus, der als Eremit in einer Zelle an der Stelle des späteren Klosters gelebt haben und beigesetzt worden sein soll, und bestätigte 1030 den Besitz der Abtei (Engels 2006).

Internet
www.exhaus.de: Jugend- und Kulturzentrum Ex-Haus (Abgerufen: 22.01.2014)

Literatur

Engels, Odilo (2006)
Klöster und Stifte von der Merowingerzeit bis um 1200. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.2.) Bonn.
Thomas, Alois (1968)
Aus der Geschichte des Bistums Trier, Von der spätrömischen Zeit bis zum 12. Jahrhundert. S. 76ff, Trier.

Benediktinerabtei Sankt Marien zu den Märtyrern

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 380 bis 699, Ende nach 1802
Koordinate WGS84
49° 46′ 11,43″ N, 6° 38′ 48,4″ O / 49.76984°, 6.64678°
Koordinate UTM
32U 330555.52 5515698.46
Koordinate Gauss/Krüger
2546636.39 5515009.95

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„Benediktinerabtei Sankt Marien zu den Märtyrern”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-94451-20140613-9 (Abgerufen: 14. November 2018)
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