Nur eine Bronzeplatte erinnert an der Einmündung des Steinbergweges in die Kirchstraße daran, dass hier einmal die Gahlener landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft gestanden hat. 1893 wurde die Genossenschaft von 55 Gahlener Bauern und Bürgern gegründet. Pfarrer Friedrich Wilhelm Hermann Richter, der den Anstoß zur Gründung der Genossenschaft gegeben hatte, blieb als Gründungsvorsitzender bis 1904 im Amt. Bis 1910 war die Bilanzsumme schon auf 33.459,71 Reichsmark gewachsen. Von 1893 bis 1910 stieg der Gewinn von 252,69 auf 2.252,27 Reichsmark an. Als erstes Lagergebäude wurde eine Holzbaracke auf dem Gelände der Familie Neuhaus-Heyne an der heutigen Kirchstraße genutzt. In den 1920er-Jahren wurde versucht, die Absatzgenossenschaft und die Spar- und Darlehnskasse (heute Volksbank) zu einer Genossenschaft zu vereinigen. Die Zusammenlegung wurde am 23. September 1923 in einer gemeinsamen Generalversammlung beider Institute beschlossen, wurde aber rechtlich nie vollzogen.
1929 wurde ein neues Lagerhaus errichtet, das 1938 erweitert wurde. 1954 folgt ein weiteres Lagerhaus. 1964 erfolgte der Bau einer Kerntrocknung.
Nach 1975, dem Jahr der kommunalen Neuordnung, wurde ein Neubau einer Mehrzweckhalle von der Großgemeinde Schermbeck nicht mehr genehmigt. Die Gemeinde schlug eine Aussiedlung vor. In den Jahren 1985 bis 1993 hat der Vorstand der Genossenschaft die Geschäftsführung und Buchhaltung an die Kirchhellener Genossenschaft abgegeben. Nach der 100-Jahr-Feier am 26. März 1993 beschlossen die Genossen am 20. Dezember 1993, den Geschäftsbetrieb an die Muttergenossenschaft RWZ Köln abzutreten. Die RWZ kündigte zum 31. Dezember 2001 den Pachtvertrag. Am 13. Dezember 2001 beschloss die Generalversammlung die Auflösung der Gahlener Genossenschaft. Im April 2002 wurde das Grundstück an den Dorstener Bauunternehmer Krukenberg verkauft, der das Grundstück mit Ein- und Mehrfamilienhäusern bebaute.
Anfang Oktober 2004 fand die letzte ordentliche Mitgliederversammlung der Genossenschaft statt. Eine Bronzeplatte, die am 24. September 2005 an der Betonmauer nahe dem ehemaligen Standort der Genossenschaft angebracht wurde, erinnert mit der Aufschrift „Ehemaliger Standort der Landwirtschaftlichen Bezugsgenossenschaft Gahlen. 1893 – 2002“ an ein Bauwerk und an einen Betrieb, der mit der landwirtschaftlichen Entwicklung des Lippedorfes über ein Jahrhundert hindurch aufs Engste verbunden war.
(Heimatverein Gahlen, 2014. Erstellt in Kooperation mit der Biologischen Station im Kreis Wesel e.V. im Zuge des Projektes „Kulturlandschaft am Niederrhein“. Ein Projekt im Rahmen des LVR Netzwerks Umwelt)
Gahlener landwirtschaftliche Absatzgenossenschaft e.G.. In: Gahlen an der Lippe. Festschrift zur 50-Jahr-Feier des Heimatvereins. Mit Bausteinen einer illustrierten Nachkriegs-Dorfchronik, S. 259. Schermbeck.
Ruhr-Nachrichten (Hrsg.) (2004)
Abschied mit Wehmut. Gahlener Bezugs- und Absatzgenossenschaft wurde am Donnerstag aufgelöst. In: Dorstener Zeitung Nr. 237 vom 08.10.2004, o. O.
Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft in Gahlen
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Empfohlene Zitierweise
Heimatverein Gahlen (2014): „Landwirtschaftliche Bezugs- und Absatzgenossenschaft in Gahlen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-90660-20140416-3 (Abgerufen: 8. Dezember 2024)
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