Denkmalbereich „Zoo-Viertel“ in Elberfeld

Wohnviertel mit Zoologischem Garten und Zoostadion

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Wuppertal
Kreis(e): Wuppertal
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 14′ 27,91″ N: 7° 06′ 27,75″ O / 51,24109°N: 7,10771°O
Koordinate UTM 32.367.913,10 m: 5.678.336,30 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.577.397,02 m: 5.679.050,79 m
  • Blick auf das Hauptgebäude im Norden des Stadions am Zoo in Wuppertal-Elberfeld (2019), aktuell der Sitz des städtischen Sport- und Bäderamtes.

    Blick auf das Hauptgebäude im Norden des Stadions am Zoo in Wuppertal-Elberfeld (2019), aktuell der Sitz des städtischen Sport- und Bäderamtes.

    Copyright-Hinweis:
    Knöchel, Franz-Josef / CC-BY
    Fotograf/Urheber:
    Franz-Josef Knöchel
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  • Die Station "Zoo / Stadion" der Wuppertaler Schwebebahn an der Sonnborner Straße in Elberfeld (2019)

    Die Station "Zoo / Stadion" der Wuppertaler Schwebebahn an der Sonnborner Straße in Elberfeld (2019)

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Der Denkmalbereich umfasst den Zoologischen Garten, das Zooviertel und das Zoostadion, drei flächenhafte Anlagen, die, durch Bahntrassen begrenzt, miteinander eine städtebauliche Einheit bilden.

Der Zoo
Das Wohnviertel
Charakteristik des Wohnviertels
Das Zoostadion
Der Denkmalbereich
Quelle, Internet, Literatur

Der Zoo
Südlich von Elberfeld zwischen Königshöhe und Kiesberg auf einem Gelände von August von der Heydt wurde 1881 nach Entwurf von Siesmayer der Zoopark angelegt. Vorausgegangen war zwei Jahre zuvor, 1879, die Gründung der Aktiengesellschaft Zoologischer Garten. Die Anlage fügte sich ohne große Eingriffe in die Oberfläche in die leicht ansteigende, weich modellierte Hangfläche ein, indem sie natürliche Wasserläufe und vorhandene Hochwaldstücke als Gestaltungselemente nutzte, mit Wegenetz, Bachläufen, Teichen, Baumbestand, Wiesen und Tierrevieren die topografischen Gegebenheiten aufnahm und die Gehege in die Führung der Besucherpromenade einpasste. Die Anlage bestach gestalterisch durch Waldpartien, Freigehege und durch eine reizvolle Aussicht ins Tal und auf den gegenüberliegenden Hang. Regelmäßige Konzerte auf den Musikterrassen des Empfanggebäudes oder im Musikpavillon erweiterten das Vergnügungsangebot.
Der Zoo war in den ersten Jahren mit der Pferdebahn und mit der Bergisch-Märkischen Eisenbahn über Elberfeld und Sonnborn erreichbar, später mit der Straßenbahn. 1898/99 wurde mit dem Haltepunkt „Zoo“ die Erschließung durch den ersten Abschnitt der Schwebebahn von Vohwinkel bis Bembergstraße geschaffen.

Zoodirektor Josef Keusch, der von 1900 bis 1934 den Zoo leitete, stattete den Garten nach dem Vorbild des Tierparks Hagenbeck mit Löwenschluchten, Nordlandpanorama, Seelöwenbecken und weiteren Tierwiesen aus. Seit 1937 im Besitz der Stadt wurden 1951 mit einer Erweiterung Richtung Königshöhe neue Tierhäuser gebaut.
Trotz stetiger Veränderung, bedingt durch neue Konzepte und Änderungen in der Tierhaltung, ist die ursprüngliche Anlage mit Wegeführung, Wasserläufen, mit der Reihe der Teiche entlang dem alten Bachlauf, mit Baumbestand, Wiesen und Gehegen in den wesentlichen Strukturen und Elementen erhalten: Pförtnerhaus der Villa Böttinger, das Hirschhaus von 1926, das Elefantenhaus von 1926 mit einem Felsen mit Betonbaum aus der Erbauungszeit. Der erste Musikpavillon, ein achteckiger Zentralbau aus Eisen, der mittig vor den Terrassen des Empfanggebäudes als Orchesterbühne diente, wurde in den 1950er Jahren durch eine an den Wegrand gerückte Konzertmuschel ersetzt. Am tiefsten Punkt des Zoos im Nordwesten befindet sich der Eingang zum Gelände, markiert durch den Bau des Empfangsgebäudes. Der Baukörper, der auch eine Gaststätte beherbergt, wurde im Kern von dem Architekten Heinrich J. Kayser (1842-1909) entworfen, 1897 bis 1899 in einem zweiten und dritten Bauabschnitt durch die beiden Architekten Rudolf Hermanns (1853-1909) und Kuno Riemann (1851-1928) um eine Glashalle erweitert. Leicht in den Zoo gerückt, bildet er städtebaulich eine Art Gelenk für das anschließende Wohnviertel.
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Das Wohnviertel
Auf zur Wupper hin abfallendem Gelände fächert sich vor dem Empfangsgebäude das Wohn- und Villenviertel auf. Das zur Zeit der Zoogründung noch nahezu unbebaute Gebiet gehörte Carl Pfannkuchen und Heinrich Schön, der am Kothen in seinem ehemaligen Bauernhof das Ausflugslokal „Zum alten Kuhstall“ unterhielt. 1891 verkaufte er das annähernd 20 Hektar unfassende Areal zwischen Bahn, Wupper und Zoo an die Firma Hermanns und Riemann. Noch im Jahr des Geländekaufs reichten sie den Antrag für das Straßennetz mit Anlage von Straßendämmen, Steinpflasterungen, die Ausbildung der Gehwege, Vorgärten und die Entwässerung durch Rinnen, entsprechend dem Ortsstatut von Elberfeld aus dem Jahr 1876.
1893 legten die Architekten einen Bebauungsplan mit Parzellierung und Straßenführung vor, auf dessen Grundlage ab 1894 die Errichtung der ersten Bauten und 1895 die restliche Erschließung des Geländes erfolgten. 1895 war das erste Grundstück im Viertel verkauft. Hermanns und Riemann hatten zu dem Bebauungsplan Richtlinien für die Hausbebauung ausgearbeitet und 1893 eine Druckschrift zur Entstehung des Viertels herausgegeben. Darin waren nicht nur der Außenraum mit Abstandsflächen, Höhen, Geschosszahl, Baukörpervolumen, Straßenbreite, Tiefe der Vorgärten und Gestaltung der Vorgärten geregelt, sondern es wurden auch Festsetzungen zur architektonischen Ausbildung rundum aller Fassaden der einzelnen Objekte, zu ihrer inneren Struktur, zum technischen Ausbau, zur gestalterischen Ausstattung sowie zur Materialwahl und zur Oberflächenbehandlung getroffen. Außerdem waren fertig angelegte Gärten vorgesehen. Das Gelände war in 127 Parzellen aufgeteilt. Die verhältnismäßig kleinen Parzellen stießen in den Blockinnenbereichen als großzügige zusammenhängende Grünfläche aneinander.

Das Spektrum der Bewohner reichte von Kaufleuten über Chemiker, Prokuristen, Juristen bis hin zu Direktoren und Fabrikbesitzern der fußläufig erreichbaren Industriebetriebe in Elberfeld.

Das Viertel verdichtete sich. 1897 schenkten die Architekten Hermanns und Riemann der Stadt Elberfeld im Viertel einen Sandsteinbrunnen nach ihrem eigenen Entwurf mit Figurengruppen aus voll plastisch gegossenen Zinkfiguren des Kölner Bildhauers Wilhelm Albermann.
1900 erfolgte der Bau der Schule an der Donarstraße/Ecke Thiergartenstraße.
1900 verabschiedete die Stadt Elberfeld den Bebauungsplan.
1905 war die Firma Hermanns und Riemann in die Thiergarten-Baugesellschaft-Aktiengesellschaft übergegangen. Bis 1914 waren mit insgesamt 96 Wohnhäusern die meisten Grundstücke bebaut. 39 Objekte hatten Hermanns und Riemann entworfen, weitere können ihnen stilistisch zugeordnet werden, andere waren in ihrem Besitz. Bis 1927 ergänzten einzelne Bauten das Gesamtgefüge. Neben Hermanns und Riemann waren ortsbekannte Architekten in dem Viertel tätig, wie Ernst Ruppel oder Friedrich Siepermann. Mit wenigen Bauten der 1930er, 1950er Jahre und jüngster Zeit wurden und werden bis heute sporadisch Baulücken geschlossen.
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Charakteristik des Wohnviertels
Das Wohnviertel besteht aus elf zum Teil rechteckig zueinander und sternförmig aufeinander zu laufenden Straßenzügen, etwa gleichgroßen Blockbereichen und aus drei Plätzen. Rund um das Wohnviertel setzen Bauten mit öffentlicher Nutzung stadträumliche Akzente: im Südwesten das Stadion, im Westen der Schwebebahnhof, im Nordwesten der Eisenbahnhof und die Schule an der Donarstraße, im Südosten das Zoo-Empfangsgebäude, das gleichzeitig im geometrischen Zentrum des Gesamtbereiches liegt. Im Inneren des Wohnviertels nimmt der Märchenbrunnen als straßenräumliche Plastik eine zentrale Sichtfunktion und Orientierungsposition ein.
Zweieinhalbgeschossige Einzel- und Doppelvillen, aufwändig gestaltete Solitärbaukörper auf verhältnismäßig kleinen Grundstücken stehen beidseitig der Straßen im Inneren des Viertels; dreieinhalbgeschossige Zeilen aus Reihenmietshäusern schirmen das Viertel nach außen ab. Die höheren Häuser an der Siegfriedstraße sollten ursprünglich auch die Sicht auf die Fabrikschornsteine in Varresbeck verdecken.
In dem von den Bauvorschriften sehr genau definierten Rahmen sind die Objekte, die mit vergleichbar großen Volumina sehr abwechslungsreich ausgeformt mit asymmetrischer Baukörpergliederung durch Erker, Türmchen, Übergiebelungen, Loggien, Dachfaltungen und detailreich geschmückt mit Zierfachwerk, mit einer Vielzahl von Fensterformaten, ausgebildeten Einzelformen aus Stein und Stuckornamenten. Stilistisch lassen sich die Bauten dem Zeitgeist des malerischen Bauens zuordnen, der Neurenaissance, dem Neoklassizismus, dem Schweizer Landhausstil und dem Bergischen Stil.

Der Grundriss des Viertels setzt sich aus Straßenführung, Platzbildung und Parzellenteilung zusammen. Die Strukturen im Zoo, wie sie 1880/81 von Siesmayer geplant wurden, die Führung der Wege, die Verteilung von Frei- und Wasserflächen und die 1891/93 von Hermanns und Riemann geschaffene Grundstruktur des Wohnviertels sind weitgehend unverändert.
Gebäude und Außenräume, Vorgärten, Mauern, Zäune, Bewuchs im Zusammenspiel mit Architektur, mit den Straßenräumen, den gezielt gepflanzten Straßenbäumen bilden eine städtebauliche Einheit. Die die Straßen prägenden und die Straßenräume bildenden Wohnbauten sind in der Flucht hinter von zum Teil von originalen Eisengittern eingefassten Vorgärten zurückgesetzt. Die Wohnhäuser sind entsprechend den Vorgaben der Architekten sehr abwechslungsreich gestaltet, jedoch untereinander im Volumen, in der Baukörperstellung, im Maßstab, in den Höhen, Dachneigungen, in den baueigenen Proportionen, in der Vielfalt der Materialien gleichwertig, durch architektonische Details wie Erker, Türmchen, Übergiebelungen, Loggien, Dachfaltungen, unterschiedliche Fensterformate, schmückende Detailformen und Stuckornamente gegliedert. Öffentliche Bauten treten im Volumen hervor und definieren in baueigener Formensprache markante Festpunkte innerhalb des Gebietes und am äußeren Rand.

Die Gestalt der Straßen wird wesentlich bestimmt durch die Ausbildung des Straßenprofils, die einheitliche Wirkung der grauen Oberfläche, gegliedert in Fahrbahn und Trottoir, und durch die Reihen von Kastanien- und Ahornbäumen. Die Bäume schließen sich über der Fahrbahn zu einem Dach und gliedern zusammen mit den Fluchten der Stämme den Straßenraum. Ihr Blattwerk bestimmt Licht- und Schattenverhältnisse und beeinflusst Temperatur und Farbwirkung innerhalb des Viertels.
Details im Außenraum wie Treppen, Mäuerchen, Einfriedungen mit Pfeilern und Eisengittern, Hecken runden die Wahrnehmung eines harmonischen Gesamtgefüges ab.
Einzelne Sichtbezüge innerhalb des Viertels sind geplant, andere richten sich auf Orientierungs- und Identifikationspunkte, einzelne optische Eindrücke bilden charakteristische Elemente des Viertels ab. Mit den Festsetzungen des Denkmalbereiches wird die Beibehaltung von solchen Blickverbindungen innerhalb des Viertels und von Sichtachsen aus dem Viertel in das umgebende Tal erstrebt.
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Das Zoostadion
1924 erfolgte an der Wupperschleife der Bau des Sportstadions. Auf der Grundlage eines Vorentwurfs des Elberfelder Hochbauamtes wurde der Entwurf der Kölner Architekten Willkens und Nussbaum als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme umgesetzt. Rückwärtig errichtete das Hochbauamt der Stadt 1928/29 die zugehörige Turnhalle.
Der Weg zur eigentlichen Sportstätte führt an den Kassenhäuschen über einen Vorplatz an der Stadiongaststätte zu den Rängen und zu der Tribüne, die mit der Rückwand in der Achse der Sonnborner Straße steht. Die Wettkampfbahn selbst war von einer Radrennbahn mit Steilkurven für Steherrennen umgeben.
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Der Denkmalbereich
Ziel des Denkmalbereiches ist, die historisch begründeten Merkmale, wie Baukörperstellungen, Höhen, Volumina und Maßstäblichkeit der Bauten zueinander, Materialien, Proportionen in der jeweiligen Architektur, Dachformen, Dachneigungen, Dachflächen zu bestimmen, um sie zukünftigen Entwicklungen innerhalb des Viertels als Meßlatte und baulichen Rahmen zugrunde zu legen.

Die Satzung zum Denkmalbereich Zooviertel Wuppertal ist seit 2004 rechtskräftig.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 2008 und 2013)

Quelle
Hermanns, Rudolf / Riemann, Kuno: Thiergartenviertel zu Elberfeld. Druckschrift zum Verkauf der Baugrundstücke. Elberfeld 1894 (Archiv: Historisches Zentrum Wuppertal: Zug. Nr. 10187)

Internet
wuppertal.de: Wuppertal Stadtrundgänge 7/2015 (abgerufen 05.07.2016)

Literatur

Arndt, Markus (1999)
Das Zooviertel in Wuppertal als Beispiel für Planung und Bebauung eines gründerzeitlichen Villenviertels (Dissertation Bergische Universität GHS Wuppertal). Sprockhövel. Online verfügbar: online (21 MB), abgerufen am 29.09.2020
Janßen-Schnabel, Elke; Thiel, Klaus-Ludwig (2009)
Wuppertal-Sonnborn, Denkmalbereich Zoo/Zooviertel. In: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege 40/41, S. 496-511. Worms.
Plankermann, Hermann (1978)
Wuppertal – so wie es war, Band 2. Düsseldorf.
Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 288-292, Petersberg.
Wickendick, F. (1984)
Entstehung des Zooviertels. Von bäuerlicher Flur zum herrschaftlichen Villenviertel. (Mitteilungen des Stadtarchivs, des Historischen Zentrums und des Geschichtsvereins 3.) Wuppertal.
(1926)
Schnellführer durch Elberfeld und Umgebung. Elberfeld.

Denkmalbereich „Zoo-Viertel“ in Elberfeld

Schlagwörter
Ort
42117 Wuppertal
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, Übernahme aus externer Fachdatenbank
Historischer Zeitraum
Beginn 1881

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„Denkmalbereich „Zoo-Viertel“ in Elberfeld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-81189-20131205-2 (Abgerufen: 29. November 2020)
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