Denkmalbereich „Frechen Ortskern“

Johann-Schmitz-Platz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Frechen
Kreis(e): Rhein-Erft-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 50° 54′ 28,46″ N: 6° 48′ 32,14″ O / 50,90791°N: 6,80893°O
Koordinate UTM 32.345.956,77 m: 5.641.870,24 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.556.940,31 m: 5.641.713,17 m
  • Das historische Alte Rathaus der Stadt Frechen (2014).

    Das historische Alte Rathaus der Stadt Frechen (2014).

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  • Gebäude der Frechener Volkshochschule in der Hauptstraße (2013).

    Gebäude der Frechener Volkshochschule in der Hauptstraße (2013).

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  • Gedenkkreuz der Eheleute Schmitz-Pingen in Frechen (2013).

    Gedenkkreuz der Eheleute Schmitz-Pingen in Frechen (2013).

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Lage
Am Westrand der Kölner Bucht, eingeschnitten in die Ausläufer der leicht ansteigenden Ville, liegt die Stadt Frechen. Im 9. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, begründet der Ort seit Jahrhunderten seine Existenz auf der Gewinnung und Nutzung von geologischem Material aus der unmittelbaren Umgebung. Aus Quarzsand wurde seit den Siedlungsanfängen Glas hergestellt, aus Ton Töpferprodukte und seit dem 19. Jahrhundert wurde in zunehmend großem Maßstab Braunkohle zur Energieerzeugung gewonnen. Mit Anwachsen der Bevölkerung und Ausweitung der Industrie- und Siedlungsbereiche erhielt Frechen 1951 Stadtrechte.

Geschichte und Charakteristik
Siedlungstypologisch ist Frechen im Ursprung ein Straßenort an einer aus der Kölner Bucht quer durch den Höhenzug der Ville führenden Verbindung nach Westen. Der Ort entwickelte sich an der parallel zum Frechener Bach geführten Straße von Köln nach Kerpen. Um 1700 wurde aus dem Bach ein Mühlengraben zur Speisung einer Wassermühle abgeleitet, der entlang der Hauptstraße floss. Ende des 19. Jahrhunderts verdichteten sich beidseitig nebeneinander einzelne stattliche vierflügelige Hofanlagen, etwa in der Mitte lag der Tönnishof, der seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vermehrt öffentliche Funktionen bündelte: Er bot ausgelagerten Schulklassen Raum, auch der Feuerwehr, hier waren Gefängnis und Schützenhalle eingerichtet und seit 1866 wohnte der Bürgermeister im Tönnishof. Um 1900 wurden neben dem Hof die Tönnisgasse und die Antoniterstraße als erste geplante Wegeführungen angelegt.

An der Antoniterstraße und rückwärtig vom Tönnishof entstand 1908/09 ein neues Rathaus im Hinblick auf die anstehende gemeindliche Neuordnung mit der erhofften Stadtwerdung. Der Tönnishof und weitere Bauten der unmittelbaren Umgebung wurden abgebrochen, in der Aue des Frechener Baches entstand als Ersatz für den Markt an der Blumenstraße ein neuer Marktplatz mit dem Rathaus als dem repräsentativen Solitärbau nach Entwurf von Baurat Moritz aus Köln, ausgeführt von Johann Balkhausen. Der Bau wirkt freistehend sowohl in die Hauptstraße als auch nach Westen und Süden über den von Platanen und Kugelakazien gerahmten und von Straßen umgebenen Marktplatz. Als zweiter Solitärbau nordwestlich vom Rathaus leicht zurückgesetzt blieb die Marienschule neben dem Tönnishof erhalten, ein Bau von 1862, in drei Bauphasen erweitert und mit dem nördlich separat stehenden Lehrerwohnhaus verbunden. Mit Niederlegung des Tönnishofs war die Erweiterung des ummauerten Pausenhofs möglich. Ab 1962 war das alte Schulhaus zunächst Museum; der Vorplatz wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts verschiedentlich umgestaltet. Im Süden wird der Marktplatz begrenzt durch die Franz-Hennes-Straße mit dem Schützenhaus von 1904, ein durch eine aufwändige geputzte Schmuckfassade und mittigem geschweiften Giebel hervortretender zweigeschossiger Versammlungsbau der Schützengesellschaft St. Audomar aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Der Baukörper hatte ursprünglich zwei seitliche zweiachsige Flügel und rückwärtig angebaut zwei ummauerte Schießbahnen, heute wird der Bau als Hotel genutzt. Dem Straßenverlauf Richtung Osten folgend, beginnt vor dem Schützen eine Grünanlage mit historischen Platanenreihen und Denkmal zur Erinnerung an den Krieg von 1870/71. Das Schützenhaus ist eingebunden in eine geschlossene Hauszeile aus dreigeschossigen Wohnhäusern in gerader Flucht. Ähnlich schließen Bauten in geschlossener Flucht die Ostseite des Marktplatzes und begleiten im Norden vom Marktplatz die Hauptstraße. Hier in der städtischen Mitte finden sich überwiegend zwei- bis dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser mit Läden oder Gaststätten im Erdgeschoss.

In den 1970er Jahren wurde der Platz um das Rathaus im Zuge der Innenstadtsanierung verkehrsberuhigt und in kleinere Einheiten gegliedert: der mit roten Klinkern gepflasterte Marktplatz geht seitdem auf einem Niveau im Norden in die Fußgängerzone von Antoniter- und Hauptstraße über und bindet im Süden den Parkplatz mit Tiefgaragenzufahrt und die Grünfläche ein; seitlich steht in der alten Straßenflucht ein Keramikbrunnen nach Entwurf von W. Mühlendyck als Ersatz für den ehemaligen Rathausbrunnen. Der alte Baumbestand konnte teilweise beibehalten werden.
Seit 1980 sind Rathaus und die nun als Stadtbücherei umgenutzte Marienschule durch einen Neubau miteinander verbunden. Der mehrgeschossige lang gestreckte Betonbau bildet die westliche Platzseite und erschließt mit seiner Eingangsfront den westlich angrenzenden Blockinnenbereich, ehemals ein Teil der Rathausplanung von 1908/09.

Der Denkmalbereich
Der Denkmalbereich umfasst den Johann-Schmitz-Platz und die Antoniterstraße mit Rathaus, die ehemalige Marienschule und die begleitende Bebauung einschließlich des Schützenhauses im Süden. Der Bereich umschließt den Teil des historischen Ortskernes, in dem sich durch das Miteinander von Einzelobjekten gebaute Ortsgeschichte verdichtet und sich durch die Einbindung in die Straßenräume Ortsgeschichte anschaulich ablesen und erklären lässt.
Die markanten Solitärbauten und einzelne Objekte der Hauszeile, die in gleichförmiger Reihung den städtischen Zusammenhang herstellen und die die Bauten mit öffentlicher Funktion einbinden, sind denkmalwert, weitere Objekte weisen historische Substanz auf und sind erhaltenswert im Sinne des § 25 Denkmalschutzgesetz (Denkmalpflegeplan). Die Satzung schützt den historisch begründeten städtischen Gesamteindruck aus baulicher Substanz um den zentralen Platz.

Die Satzung trat 1993 in Kraft.

(Elke Janßen-Schnabel, Kati Pataki, LVR- Amt für Denkmalpflege im Rheinland, aus: Pufke (Hrsg.) 2016)

Quelle
Dokumentation der Ausstellung der Volkshochschule Frechen. Die Industrialisierung Frechens: Von Häusern und Menschen 9. November – 13. Dezember 1987. Eine Dokumentation der Ergebnisse der VHS-Arbeitsgemeinschaft zur Frechener Stadtgeschichte.

Literatur

Bürger, Hans / Düster, Theo / Hammelstein, Gustav / Meyer, Annemie / Schumacher, Reinhard / Sontag, Reinhard (2007)
Die Frechener Hauptstraße – Eine Zeitreise. Frechen.
Günther Kraushaar (2007)
Leben im alten Frechen. Kölns „Wilder Westen“ zwischen 1815 und dem zweiten Weltkrieg. Köln.
Heeg, Egon (1984)
Innenstadt (Frechen). (Frechener Straßen: Spiegel der Frechener Geschichte / Egon Heeg ; Band 1.) Köln.
Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 162-163, Petersberg.
Scholz, Gabriele (2001)
Stadt Frechen. Die ersten Jahre. (Die Reihe Archivbilder.) o. O.
Stadt Frechen (Hrsg.) (1982)
Lebendiges Frechen. Sonderausgabe Frechener Rathaus. Frechen.

Denkmalbereich „Frechen Ortskern“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Johann-Schmitz-Platz / Antoniterstraße
Ort
50226 Frechen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1700

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„Denkmalbereich „Frechen Ortskern“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-80347-20131128-8 (Abgerufen: 17. Februar 2020)
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