Evangelische Lukaskirche Porz

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Köln
Kreis(e): Köln
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Das Gebäude der Lukaskirche in Köln-Porz mit dem vorgesetztem Turm (2013).

    Das Gebäude der Lukaskirche in Köln-Porz mit dem vorgesetztem Turm (2013).

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  • Gemeindehaus der Lukaskirche in Köln-Porz (2013)

    Gemeindehaus der Lukaskirche in Köln-Porz (2013)

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  • Informationsschild zur Lukaskirche in Köln-Porz (2013)

    Informationsschild zur Lukaskirche in Köln-Porz (2013)

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  • Eingangsportal mit Treppenzugang der Lukaskirche in Köln-Porz (2013)

    Eingangsportal mit Treppenzugang der Lukaskirche in Köln-Porz (2013)

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  • Der markante Turm der Lukaskirche in Köln-Porz an der Ecke Poststraße/Mühlenstraße (2013).

    Der markante Turm der Lukaskirche in Köln-Porz an der Ecke Poststraße/Mühlenstraße (2013).

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  • Der Jugendstil-Turm der Lukaskirche von der Hauptstraße in Köln-Porz aus (2013).

    Der Jugendstil-Turm der Lukaskirche von der Hauptstraße in Köln-Porz aus (2013).

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  • Der Turm der Lukaskirche in Köln-Porz vom Eingang aus aufgenommen (2013).

    Der Turm der Lukaskirche in Köln-Porz vom Eingang aus aufgenommen (2013).

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Die überregionale architektonische und künstlerische Sonderstellung der Lukaskirche ist zum einen durch den Jugendstil des Gebäudeäußeren, aber auch durch die Ausmalung des Kircheninneren bestimmt. Es handelt sich um eine Saalkirche mit „Rechteckchor“ und vorgesetztem charakteristischen Fassadenturm.

Vorgeschichte
Baugeschichte
Das Kircheninnere
Veränderungen nach 1950
Hinweise
Internet

Vorgeschichte
Zu den treibenden Kräften für den Bau der Lukaskirche gehörte Pfarrer Ernst Mühlendyck, er wirkte von 1902 bis 1946. Evangelische Christen gab es im 19. Jahrhundert zunächst nur wenige in Porz, sie wurden von der Pfarrei Deutz und später Kalk betreut. Mit dem Einsetzen der Industrialisierung in Porz – ein Beispiel ist das Hüttenwerk „Gewerkschaft Carl Otto“ – nahm deren Zahl zu. Der Fabrikant Carl Otto Meurer setzte sich deshalb für eine evangelische Kirche in Porz ein und stiftete 1883 Baustoffe und Bauland für das erste Gotteshaus – die Lutherkapelle. Diese Kapelle war jedoch schnell zu klein, es gab lediglich 96 Sitzplätze und die Zahl der Protestanten betrug im Jahr 1901 bereits 400.

Die Muttergemeinde in Kalk beschloss deshalb für Porz einen eigenen Geistlichen einzusetzen, einen größeren Kirchenbau und eine Schule zu errichten. 1902 gab es einen provisorischen Kirchenvorstand, der noch auf den Namen des Kalker Pfarrers van den Bruck für 25.000 Reichsmark ein Grundstück an der Mühlenstraße erwarb. Das Geld hierfür steuerte Fabrikdirektor Louis Mannstädt bei. Als Pfarrer wurde der Hilfsprediger Ernst Mühlendyck eingestellt, er war zum Dienstantritt 28 Jahre alt und hatte bereits Erfahrungen als Seelsorger in Inden bei Jülich gesammelt. Der junge Vikar stellte sich als sehr tatkräftig heraus. Als Vorsitzender des Kirchenvorstandes gründete er den evangelischen Kirchenchor und sorgte mit für den Bau einer evangelischen Volksschule, die heute als Gemeindehaus genutzt wird.
Am 1. April 1909 wurde die Gemeinde Porz selbständig und unabhängig von Kalk. Im März 1913 stand der Bau einer neuen Kirche auf der Agenda des Kirchenvorstandes. Es lag hierfür ein Entwurf des Architekten Max Benirschke (1880-1961) vor. Dieser hatte für die evangelische Gemeinde in Essen-Haarzopf bereits eine Kirche gebaut, der dortige Pfarrer war ein Schwager von Ernst Mühlendyck. Das Presbyterium forderte einen weiteren Entwurf. Dieser wurde nach einer Verlängerung der Abgabefrist am 13. Mai 1913 vorgelegt, aber da hatte man auf Drängen von Mühlendyck bereits Max Benirschke den Zuschlag erteilt.
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Baugeschichte
Die vorhandene Mulde einer ehemaligen Lehmgrube nutzte Max Benirschke für den Bau eines vollständigen Untergeschosses mit Tageslicht, dem Kirchsaal. Die Kirche ist dann mit Tonnengewölbe und Westturm, geradem Chorabschluss und Orgelempore errichtet worden. Nach einigen Veränderungen am Entwurf und den ersten Betonarbeiten kam es am 26. Juni 1914 zur feierlichen Grundsteinlegung der Kirche mit 400 Plätzen. Es wurde gemäß dem Zeitgeist eine „Kaiserrede“ gehalten und das Lied „Sie sollen ihn nicht haben, den freien deutschen Rhein“ gesungen.

Auch nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges gingen die Bauarbeiten zunächst weiter. Aber der Krieg wirkte sich ab 1915 aus: Erst wurde der Architekt eingezogen, dann der Bauunternehmer und später folgten auch die Bauarbeiter. Der Außenbau konnte Mitte 1915 noch fertiggestellt werden. Der Gemeindesaal war mit einer elektrischen Anlage und mit 250 Stühlen ausgestattet worden. Nach 1915 kam der Ausbau zu einem vorläufigen Erliegen. Gottesdienste fanden deshalb im Kirchsaal statt, da der Innenausbau der Kirche noch nicht beendet war.
Auch nach dem Ersten Weltkrieg 1918 gab es zunächst Probleme wie Mangel an Baustoffen, Geldmangel während der Inflation und Probleme bei der Bezahlung des Architekten Benirschke. Die Weihe der Kirche konnte 1927 erfolgen, der Bau hatte endlich eine Innenausstattung. Es versammelte sich alles, was Rang und Namen in Regionalpolitik und Kirche hatte, um auch Pfarrer Mühlendyck zu ehren, der nun bereits 25 Jahre für die Gemeinde arbeitete und den Kirchenbau unermüdlich voran getrieben hatte. Unter den Klängen der für den Anlass komponierten Kantate „Bis hierher hat mich Gott gebracht“ wurde der Name „Jesuskirche“ verliehen.

Die Architektur erfuhr von Anfang an sowohl Zustimmung als auch Ablehnung. Der Leiter des damaligen Bauamtes, dem vorherrschenden Zeitgeschmack verbunden, lobte die imponierende Lage an der Kreuzung, kritisiert aber wiederum das Gebäudeinnere:
„Der Kirchraum wird geteilt durch kräftige, vortretende innere Strebepfeiler, die den Kirchraum auch überspannen und die Ruhe des Raumes aufheben… der Innenraum ist zuviel Attrappe – aber dieser Raum soll doch Jahrhunderte überdauern… über die Ansichten ein Urteil abzugeben, dürfte bei völlig deutschem Empfinden schwierig sein. Ich will durchaus nicht verkennen, die große Monumentalität, die in der Vorderfront liegt. Jahrelange Kämpfe in unserer Architekturentwicklung haben zur Genüge gezeigt, dass, wenn es den modernsten Architekten gelang, wieder Fühlung zu gewinnen mit unseren heimischen Überlieferungen schließlich auch Bleibendes geleistet wurde. Diese Kirche wird fremd dastehen zwischen den umstehenden Häusern.“ (Zitat aus der Akte 126, Archiv der Lukasgemeinde)
Auf diese Kritik erwiderte Architekt Benirschke:
„Die lebendige Entwicklung zeigt von Jahrhundert zu Jahrhundert, dass keine Schemen und Prinzipien festlagen, dass der lebendige Geist formend gestaltet. Hätten die Gotiker, die romanische Epoche, die vor der gotischen lag, für deutsch angesehen, so hätte keine Gotik entstehen können. Die Gotik warf alle Errungenschaften um, weil Neues geboren, Neues durchgeistigt werden musste. Ich durfte nun diese Formen bringen, weil mein innerstes Leben durchpulst ist von der Kraft, die die Menschen zu einem neuen Ideal drängt…“ (Zitat aus dem Protokollbuch des Presbyteriums vom 9.5.1909 bis 23.3.1919, Archiv der Lukasgemeinde)

In der von Benirschke entworfenen Kirche in Essen-Haarzopf sind noch überlieferte Bauweisen beherrschend. Die Kirche in Porz gehört im Außenbau jedoch zum expressiven Jugendstil, da Benirschke sich bei der Konzeption des Turmes am Hochzeitsturm der Mathildenhöhe in Darmstadt orientierte. Der Turm geht, mit seinem halbkreisförmigen Abschluss nahezu nahtlos in den Himmel über. Der Architekt wollte die harmonische Verbindung von Himmel und Erde – von Kirche und Gott – zeigen.

Ein zeitgenössisches Zitat aus dem Urbacher Volksblatt vom 25.7.1914: „Daher auch der ragende Turm inmitten der Rauchschlote des rastlos schaffenden Lebens als ein weithin sichtbares Wahrzeichen für die Evangelischen des ausgedehnten Gemeindebezirks, aber auch als Fingerzeig für Jedermann, dass es noch etwas anderes gibt als materiellen Erwerb. So soll dieser Kirchturm die durch Hatz der Arbeit Ruhelosen und durch die Last des Alltags in Staub Gebeugten mit sich himmelwärts ziehen in die erhabene Stille und Freiheit einer besseren Welt.“
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Das Kircheninnere
Bei der Innengestaltung handelt sich um einen Einraum, von einer flachen Tonne weit überspannt, der erst durch die Technik des Eisenbetonbaus möglich wurde. Der rechteckige Chor galt im protestantischen Kirchenbau als modern. Der geschnitzte Kanzelaltar und die dazugehörigen Liedtafeln wurden als passende gestalterische Lösung angesehen. Die Orgel fand im Westen der Kirche auf der Empore Platz.
Besonders auffällig ist das farbige Rundfenster im Chor. Es zeigt in einem Strahlenkranz ein Kreuz, Rosen und ein Pentagramm als Symbol für Leiden, Freude und Schutz vor der Versuchung. Die seitlichen Fenster waren in hellen Grautönen verglast und wiesen ein schlichtes Kreuzeszeichen auf, sie wurden später geändert. Höhepunkt der künstlerischen Ausgestaltung waren die Ausmalung der Kirche und die zwei Tafelbilder des Malers Kurt Derkum. Der Gemeinderaum erhielt eine Färbung in Braungelbtönen für das Irdische, der Altarraum ein starkes Blaugrau für das Überirdische. Um dessen geringe Tiefe von drei Metern zu kaschieren, rahmte er die Stirnwände in dunkleren Farben. Das Kreuzmotiv der Fenster nahm Kurt Derkum in der ursprünglichen Konstruktion der Deckenhängelampen wieder auf.

Die Tafelbilder zeigen die Kreuzabnahme und die Himmelfahrt Christi. Der Maler wählte diese Themen, um das Kreuzigungs- und Ostergeschehen in seiner Sicht zum Abschluss zu bringen. Er wollte mit den Bildern die „Grundzüge der christlichen Welt“ aufzeigen. Die christliche Welt ist durch eine Spannung gekennzeichnet: Hell und Dunkel – Leben und Tod, Heilung und Sünde. Die Thematik wurde sicher auch von dem Namen Jesuskirche bestimmt. Noch auf der „irdischen“ Seite, aber an der Grenze zum „überirdischen Chor“ der Kirche zeigen sie letzte „irdische“ Bilder von Jesus.
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Veränderungen nach 1950
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche fast unbeschädigt. Seit den 1950er Jahren wurde intensiv eine Umgestaltung diskutiert. Das Rundfenster und die Ausmalung der Kirche wurden dem neuen Zeitgeschmack entsprechend verändert. Ein heller Elfenbeinton überzog nun den gesamten Innenraum. Ein weißes, von Strahlen umgebenes Kreuz vor himmelblauem Hintergrund füllte die Altarraumrückseite. Die beiden Tafelbilder blieben an ihrem Platz.
Gut 10 Jahre später hatte sich der Geschmack wiederum geändert. 1964 entfernte man die Ausmalungen und die Gemälde und die Südseite des Altarraums wurde durch eine Glaswand ersetzt. Die Wände wurden hell getüncht und Schieferboden sowie Kirchenbänke erneuert. Es wurden weiterhin neue Glasfenster in Auftrag gegeben. Diese Glasfenster in Schwarz- und Weißtönen nach Entwürfen von Helmuth Uhrig zeigen Szenen aus dem Lukasevangelium und aus der Apostelgeschichte. 1966 wurde durch Presbyteriumsbeschluss die Jesuskirche in Lukaskirche umbenannt.
1976-1978 musste die Kirche aus konservatorischen Gründen restauriert werden: Neben Sanierungen von Emporendach, Außenputz, Keller und Dachstuhl wurde vor allem der Innenraum neu gestaltet. Damit entstand der heutige Zustand (Rundfenster und Innenausmahlung entsprechen dem ursprünglichen): Die Glaswand wurde beseitigt, die Gemälde am ursprünglichen Ort befestigt. 1977 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt.

Die Rauchschlote von 1914, zwischen denen die Kirche stand, sind nun fast verschwunden. So ragt der im Rheinland einmalige Turm umso eindrucksvoller aus den Wohnhäusern der Umgebung hervor, als ein das Ortsbild prägendes Wahrzeichen von Porz.
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Hinweise
Die Lukaskirche (Mühlenstraße 2, Porz) ist seit dem 18. Januar 1982 eingetragenes Baudenkmal der Stadt Köln gemäß § 3 Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (laufende Nummer 929, stadt-koeln.de).
Die Lukaskirche in Köln-Porz war KuLaDig-Objekt des Monats im Januar 2014.

(Heidemarie Rehme und Wolf Dieter Raudsep, Förderverein Lukaskirche Köln-Porz e.V., 2013)
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Internet
www.stadt-koeln.de: Suche in der Denkmalliste (abgerufen 05.02.2018)

Literatur

Belz, Angelika (1999)
Die Lukaskirche in Porz. In: Rechtsrheinisches Köln, Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 25, S. 87-98. S. 94ff, Köln.
Kier, Hiltrud (Bearb.) / Landeskonservator Rheinland (Hrsg.) (1980)
Denkmälerverzeichnis 12.6, Köln, Stadtbezirke 7 und 8 (Porz und Kalk). S. 52, Köln.
Raudsep, Wolf-Dieter (2009)
100 Jahre Evangelische Kirche in Porz im Spiegel kirchlicher Quellen. In: Rechtsrheinisches Köln, Jahrbuch für Geschichte und Landeskunde 34, S. 12-90. Köln.

Evangelische Lukaskirche Porz

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mühlenstraße 4
Ort
51143 Köln - Porz
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1914 bis 1927
Koordinate WGS84
50° 52′ 49,75″ N, 7° 03′ 22,07″ O / 50.88049°, 7.05613°
Koordinate UTM
32U 363254.59 5638334.53
Koordinate Gauss/Krüger
2574370.78 5638882.72

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„Evangelische Lukaskirche Porz”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-79222-20131111-2 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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