Synagoge am Zeller Schloss

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Zell (Mosel)
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die jüdische Gemeinde in Zell (Mosel) seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Nach 1846 wurde der Synagogenbezirk Zell-Briedel konstituiert, der Zell, Briedel, Alf, Merl, Bullay und Pünderich umfasste. Um 1900 schlossen sich die Juden von Bad Bertrich und Blankenrath an; 1932 angeschlossen waren Alf, Bullay, Merl, Pünderich; die Gemeinde löste sich 1939 auf.
Gemeindegröße um 1815: 37 (1822) / 23 (1808), um 1880: 55 (1885), 1932: 11 Zensiten / 33 (1925), 2006: –.
Bethaus / Synagoge: 1843 ist eine angemietete Betstube dokumentiert. 1849 Erwerb des Gesindehauses des Zeller Schlosses als Synagoge. Der Betraum wurde 1938 demoliert. Nach Restaurierung des Gebäudes 2003 Eröffnung als Gedenkstätte (Angaben vorab nach Reuter 2007).

„In Zell lebten bereits im Mittelalter einzelne jüdische Personen/Familien. Erstmals wird 1328 ein jüdischer Einwohner genannt. 1346 wird von Jud Isaak Pickel berichtet, dass er damals ein Haus am Ort kaufte. Er ist vermutlich bei der Verfolgung in der Pestzeit 1348/49 umgekommen. Sein Haus könnte der 'Judenturm' gewesen sein, der 1379 in erzbischöflichem Besitz war. Erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts werden wiederum einzelne jüdische Personen am Ort genannt. Auf Grund der restriktiven Judenpolitik im Erzbistum Trier lassen sich vom 15. bis zum 18. Jahrhundert nur vereinzelt jüdische Einwohner nachweisen.“ (www.alemannia-judaica.de)
Neben der Synagoge verfügte die jüdische Gemeinde über eine Schule und ein rituelles Bad (Mikwe). Die Verstorbenen wurden auf dem Judenfriedhof in Bullay bestattet.

Bau und Geschichte bis zur NS-Zeit
Mit Kaufvertrag vom 9. April 1849 wurden vom damaligen Landrat die oberen Stockwerke des Gesindehauses (Domestikengebäude) am Zeller Schloß für 300 preußische Thaler an die israelitische Gemeinde Briedel-Zell verkauft. Im Vertrag wurde u.a. die Auflage gemacht, eine neue Eingangstüre Richtung Osten einzuziehen, damit die Synagogenbesucher nicht den Schlosshof zum Betsaal durchqueren mussten.
Um 1900 beschloss die Gemeinde den Neubau einer Synagoge auf einem Grundstück Balduinstraße 5, da die vorhandenen Räume zu klein wurden. Das Erdgeschoss wurde noch vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 fertiggestellt, bevor der Krieg den Weiterbau verhinderte und das in Kriegsanleihen angelegte Baukapital verloren ging. 1920 musste der Rohbau versteigert werden, der später als Hotel Meyer ausgebaut wurde (dieses ist nicht mehr erhalten, das Portal des Synagogenneubaus wurde später in eine Weinbergsmauer versetzt).
Anstelle eines Neubaus investierte man in den 1920ern den Erlös aus dem Verkauf der Bauruine in eine Renovierung der alten Synagoge im Schloß. Hierbei wurde u.a. eine Frauenempore eingebaut, der Toraschrein vergrößert, der Raum neu ausgemalt und elektrisches Licht installiert.

Die Synagoge wurde bis zum Novemberpogrom 1938 genutzt, als durch die örtliche Polizei und Schlägertrupps der SA das Gotteshaus verwüstet und die Kultusgegenstände demoliert und teilweise gestohlen wurden.
„Eine Brandstiftung war wegen der Gefahr für das Schloss nicht erlaubt. Am 14. November 1939 musste die jüdische Gemeinde (…) die ehemalige Synagoge an den Schlossbesitzer Bohn für 1.000 RM verkaufen. Ein Jahr später wurde der Paum durch den Textilkaufmann P.J. Piacenza als Lagerraum gemietet, auch, um ihn vor weiteren Entweihungen zu schützen.“ (www.alemannia-judaica.de)

Aktuelle Nutzung
Nach 1945 gab es Bemühungen, die ehemalige Synagoge als Mahnmal zu erhalten. Ein „Freundeskreis Synagoge Zell“ setzte sich für eine Restaurierung und künftige Nutzung ein. 2002 begann die Restaurierung, die mit der Einweihung am 25. Oktober 2003 ihren Abschluss fand. Seitdem dient die ehemalige Synagoge als Gedenkstätte für die frühere jüdische Geschichte und als Raum für kulturelle Veranstaltungen (Angaben und Zitate vorab sofern nicht anders ausgewiesen nach alemannia-judaica.de).
Im Zeller Heimatmuseum im Rathaus ist ein Raum zur Geschichte der Zeller Synagogengemeinde eingerichtet. Hier wird über erhaltene Dokumente, Fotos und Kultgegenstände sowie einer Gedenktafel der früheren jüdischen Gemeinde und den in der Shoa Ermordeten eine bleibende Erinnerung gegeben.

Kulturdenkmal
Die „ehem. Synagoge, eingeschossiger Putzbau, bez. 1849, spätgotisches Portal, (zu) Schloßstraße 10“ ist als geschütztes Kulturdenkmal ausgewiesen (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, S. 49).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2013)

Internet
www.alemannia-judaica.de: Zell (Mosel) mit Alf, Briedel, Bullay, Merl und Pünderich sowie Bad Bertrich und Blankenrath, Jüdische Geschichte / Synagoge (abgerufen 03.07.2013)
synagogen.info: Zell (Rheinland-Pfalz), Hinter dem Zeller Schloß (abgerufen 03.07.2013)
mosella-judaica.de: Zell (abgerufen 03.07.2013)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2011)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Cochem-Zell (Denkmalverzeichnis Kreis Cochem-Zell, 29. Dezember 2011). S. 49, Koblenz.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.

Synagoge am Zeller Schloss

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Jakobstraße 13
Ort
56856 Zell
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1849
Koordinate WGS84
50° 01′ 40,87″ N, 7° 10′ 54,4″ O / 50.02802°, 7.18178°
Koordinate UTM
32U 369772.92 5543329.79
Koordinate Gauss/Krüger
2584722.22 5544194.77

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„Synagoge am Zeller Schloss”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-69090-20130704-2 (Abgerufen: 14. November 2018)
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