Eifelsaatkultur als Aufforstung von Ödland in der Gemarkung Borler

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Borler
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Schautafel der Geschichtsstraße Kelberg zum Thema Wiederaufforstung einer Landschaft (Station 27)

    Schautafel der Geschichtsstraße Kelberg zum Thema Wiederaufforstung einer Landschaft (Station 27)

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    Burggraaff, Peter; Richter Melanie / Verbandsgemeinde Kelberg
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    Burggraaff, Peter; Richter Melanie
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  • Historische Aufnahme (undatiert): Pause bei den Auffortungsarbeiten in der Gemarkung Borler.

    Historische Aufnahme (undatiert): Pause bei den Auffortungsarbeiten in der Gemarkung Borler.

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  • Heideauffortungsflächen in der Gemarkung Borler, eingezeichnet auf der historischen Tranchotkarte (1801/28).

    Heideauffortungsflächen in der Gemarkung Borler, eingezeichnet auf der historischen Tranchotkarte (1801/28).

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    Landesamt für Vermessung und Geobasisinformation Rheinland-Pfalz; Peter Burggraaff
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Die Wiederaufforstung von Ödlandflächen (Heide) war die einzige erfolgreiche Maßnahme, die ausgelaugten ehemaligen Waldböden in der Eifel wieder zu nutzen. Sie ist in Zusammenhang mit den großflächigen Aufforstungen der preußischen Forstverwaltung seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu sehen. Traditionelle Bewirtschaftungsformen wie Schiffel- und Rottwirtschaft hatten kaum nutzbare Heide- und Buschlandschaften und Niederwälder hinterlassen.

Beim „Schiffeln“ oder „Schaufeln“ wurden die mit Heide, Moos, Gras oder Hecken bewachsenen Ödlandflächen abgeplaggt, der Bewuchs in Reihen aufgeschichtet, getrocknet und im Herbst verbrannt. Die Asche der „Schiffelfeuer“ diente als Dünger für den Anbau von Roggen, Hafer und Buchweizen. Nach zwei Jahren war der Boden so ausgelaugt, dass für 15 bis 30 Jahre nur noch Schafe darauf weiden konnten.

Bei der Rottwirtschaft, die schon im Jahre 893 für das Kloster Prüm belegt ist, wurde Hochwald gerodet und zwischen den Wurzelresten zwei Jahre lang Getreide angebaut. Auf den später brach liegenden Flächen entstanden lichte Niederwälder.

Durch die Schiffel- und Rottwirtschaft wurde der Wald ausgebeutet und die Heide- und Buschlandflächen rasch nahmen zu und hatten um 1840 in der Hocheifel einen Flächenanteil von ca. 45 %. Sie waren nur noch als Schafweide geeignet. Auf der französische Karte von 1809, der so genannten „Tranchotkarte“ (ein französischer Offizier war namengebend) ist im Bereich Bernbusch Heide- und Schiffelland dargestellt.

Gegen den anfänglichen Protest der Bauern, die den Verlust von Weideland fürchteten, setzten die Preußen ab 1815 die umfangreichen Aufforstungen mit anspruchslosen Kiefern, die frostbeständiger waren, und Fichten durch. Die Fichten wurden durch die Anpflanzung von Kiefern an den Rändern der Schonungen gegen Frostschäden geschützt. In einer ersten großen Aufforstungsaktion wurden ca. 3.750 ha in der Hocheifel in Angriff genommen.

Aus Sorge um einen Mangel an Weideland leisteten die Bauern zunächst Widerstand. So wurden Kulturarbeiter, die mit Nadelholzpflanzungen beschäftigt waren, von bewaffneten Bauern verjagt und die Pflanzen ausgerissen. Erst spätere Generationen erkannten den großen Nutzen der Wiederaufforstung, ohne die eine ertragreiche Wiederbewaldung der Heideflächen nicht möglich gewesen wäre.

Das heutige Landschaftsbild der Hocheifel ist von der Forstwirtschaft nach 1815 nachhaltig geprägt worden (Geschichtsstraße der Verbandsgemeinde Kelberg, Abschnitt 2, Station 27).

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2013)

Literatur

Burggraaff, Peter (2009)
Die Geschichtsstraße Kelberg als vermittelndes interkommunales Projekt. In: Vermittlung von Kulturlandschaften. Initiative zur Förderung des Kulturlandschaftsbewusstseins (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 73-83. Bonn.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Bundesamt für Naturschutz und Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2010)
Landschaft erzählen – die Geschichtsstraße in Kelberg (Eifel) als Fallbeispiel für die Erläuterung von Natur- und Kulturerbe. In: Wege zu Natur und Kulturlandschaft (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 56-71. Bonn.
Wenzel, Irmund (1997)
Die Wiederbewaldung der Eifel im 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung für Landwirtschaft und Forstwirtschaft. In: Der Wald. Beiträge der Colloquien „Wald und Naturschutz“ und „Kulturlandschaft Wald“, veranstaltet vom Rheinischen Verein und dem Landschaftsverband Rheinland, Amt für Rheinische Landeskunde, S. 51-58. Köln.
Wenzel, Irmund (1974)
Die Forstwirtschaft im Kreise Daun. In: Landkreis Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1975, S. 39 ff.. Daun.
Wenzel, Irmund (1962)
Ödlandentstehung und Wiederaufforstung in der Zentraleifel. (Arbeiten zur Rheinischen Landeskunde 18.) Bonn.

Eifelsaatkultur als Aufforstung von Ödland in der Gemarkung Borler

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Fernerkundung, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1815 bis 1915
Koordinate WGS84
50° 18′ 20,96″ N, 6° 48′ 59,16″ O / 50.30582°, 6.81643°
Koordinate UTM
32U 344512.04 5574914.77
Koordinate Gauss/Krüger
2558206.39 5574744.79

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„Eifelsaatkultur als Aufforstung von Ödland in der Gemarkung Borler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-64404-20130418-5 (Abgerufen: 18. November 2018)
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