Beethovenstatue in Bonn

Beethoven-Denkmal auf dem Münsterplatz

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Beethoven-Denkmal auf dem Bonner Münsterplatz (2013)

    Beethoven-Denkmal auf dem Bonner Münsterplatz (2013)

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  • Das Alte Postamt (ehemaliges Fürstenbergisches Palais) auf dem Bonner Münsterplatz, davor das Beethoven-Denkmal (2012)

    Das Alte Postamt (ehemaliges Fürstenbergisches Palais) auf dem Bonner Münsterplatz, davor das Beethoven-Denkmal (2012)

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  • Beethoven-Denkmal auf dem Bonner Münsterplatz (2013)

    Beethoven-Denkmal auf dem Bonner Münsterplatz (2013)

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Das am 12. August 1845 eingeweihte Beethoven-Denkmal erinnert an den berühmtesten Sohn der Stadt Bonn, Ludwig van Beethoven (1770-1827). An der großen Enthüllungs- bzw. Inaugurationsfeier anlässlich des 75. Geburtstages des Komponisten nahmen unter anderen die englische Königin Victoria (1819-1901, Königin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Irland 1837-1901), ihr Gemahl Prinz Albert von Sachsen-Coburg-Gotha (1819-1861), König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861, König von Preußen 1840-1861) sowie der bedeutende deutsche Naturforscher Alexander von Humboldt (1769-1859) teil.

Geschichte und Einweihung des Beethoven-Denkmals
Ludwig van Beethoven wurde bereits zu seinen Lebzeiten hoch verehrt. Am Trauerzug zu seiner Bestattung in Wien (bereits seit seinen jungen Jahren wirkte Beethoven überwiegend hier) sollen rund 20.000 Personen teilgenommen haben. Auch in Beethovens Geburtsstadt Bonn setzten recht bald nach seinem Tod Bemühungen ein, den „Vollender der Wiener Klassik und Wegbereiter der Romantik“ durch ein großes Musikfest und ein angemessenes Denkmal zu würdigen.

Mit der feierlichen Enthüllung des Beethoven-Denkmals vor dem ehemaligen Fürstenbergischen Palais (heutiges Postamt) auf dem Bonner Münsterplatz „ (…) fand ein mehr als 13 Jahre andauernder, komplizierter Entstehungsprozeß seinen Abschluß, bei dem es besondere Probleme mit der Wahl des Standortes für das Denkmal gegeben hatte. Denn Bonn stand seit 1815 unter preußischer Herrschaft, weshalb für die Errichtung eines Denkmals auf einem öffentlichen Platz die Zustimmung durch den preußischen König Friedrich Wilhelm III. nötig war. Dieser hatte jedoch mit einer einzigen Ausnahme (dem Lutherdenkmal in Wittenberg), alle Vorschläge abgelehnt, bedeutende Persönlichkeiten aus Kultur und Wissenschaft durch Statuen auf öffentlichen Plätzen zu ehren. Der öffentliche Raum sollte der Aufstellung herrscherlicher Monumente vorbehalten bleiben. Auch die Bonner Vorstöße in diese Richtung scheiterten zunächst am königlichen Verbot (…)“ (beethoven-haus-bonn.de).

Der Entwurf des Standbilds stammt vom deutschen Bildhauer und Professor an der Dresdner Kunstakademie Ernst Julius Hähnel (1811-1891), die Ausführung oblag dem Nürnberger Bildhauer und Erzgießer Jacob Daniel Burgschmiet (1796-1858).
Die auswärts gefertigten Teile des Denkmals trafen am 23. Juli 1845 in Bonn ein. Drei Wochen später fand die feierliche Enthüllung des neuen Monuments im Rahmen des 1. Internationalen Beethoven-Festes statt. Als Veranstaltungsort entstand der erste Vorgängerbau der heutigen Beethovenhalle auf dem Privatgelände des Räss’schen Gartens neben der damaligen Franziskanerkirche im Bonner Norden.

Einer der Hauptinitiatoren und zugleich Regisseur des mehrtägigen Beethoven-Festes war Franz Liszt (1811-1886). Der österreichisch-ungarische Komponist hatte sich zudem mit einem ansehnlichen Beitrag von 2.666 Talern an den Gesamtkosten des Denkmals von insgesamt 13.000 Talern beteiligt. Die Enthüllung der Statue fand nach einem – natürlich mit Beethoven-Musik gestalteten – Hochamt im Bonner Münster statt. Die Teilnahme der Königin Viktoria geht wohl auch darauf zurück, dass Prinzgemahl Albert in den 1830er Jahren für eineinhalb Jahre an der Universität Bonn studiert hatte (Handbuch historische Stätten NRW).

Nachdem zunächst eine Urkundenkapsel in den Sockel des Standbildes vermauert worden war, hielt der deutsche Musikwissenschaftler Heinrich Carl Breidenstein (1796-1876) die Festansprache, „ (…) während welcher, an der passenden Stelle, die deckende Hülle des Monumentes wie durch einen Zauberschlag plötzlich sank, und das höchst gelungene Kunstgebilde in überraschender Vollendung und gerade von den ersten Sonnenstrahlen dieses Tages fast magisch beleuchtet, sich den erwartungsvollen Blicken zeigte.“ (zitiert nach Neft 1992).
Deutlich weniger begeistert hielt indes Königin Victoria von England später in ihrem Tagebuch ihre Enttäuschung über die Enthüllung der Statue fest. Die Queen hatte die Zeremonie vom Balkon des Fürstenbergischen Palais aus mit einem offenbar ungünstigen Blickwinkel verfolgt: „Unglücklicherweise bekamen wir, als die Statue unbedeckt war, nur eine Rücken-Ansicht zu sehen...“ (zitiert nach rheinische-geschichte.lvr.de, Queen Victorias Rheinreise 1845).

Gestaltung und Symbolik
Die kolossale, rund drei Meter hohe Statue des Komponisten wird von Walther Neft wie folgt beschreiben: „Die Kleidung, in der Hähnel Beethoven darstellte, war die in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts übliche bürgerliche Kleidung Deutschlands und Österreichs: Hemd und Halstuch, langärmelige Jacke, lange Hose. Hähnel fügte diesem Gewand jedoch noch einen üppigen Mantel hinzu, so dass die Figur Beethovens eine gewisse Erhabenheit erhielt. Die Pose Beethovens – leichte Schrittstellung und in der erhobenen rechten Hand eine Schreibfeder – drückt die musikalische Inspiration Beethovens und zugleich das Zukunftsweisende seiner Kunst aus.“
Auf den vier Seiten des Denkmalsockels sind allegorische Darstellungen zu den verschiedenen Arten der von Beethoven komponierten Musik als Reliefs dargestellt: Die griechische Sphinx mit der Lyra spielenden Muse auf der Vorderseite stellt die „Phantasie“ dar, die Heilige Cäcilia auf der linken Tafel repräsentiert die „geistliche Musik“, das rückseitige Relief mit Euterpe (die Muse der Tonkunst) die „Symphonie“ und schließlich auf dem rechten Feld die Frauengestalt mit Maske auf dem Schoß und einer auf ihr Haupt zurückgestülpten Larve die „dramatische Musik“ (beethoven-haus-bonn.de und Neft 1992).

Weitere Geschichte und Bedeutung
Das sich rasch zu einem Wahrzeichen der Stadt Bonn entwickelnde Denkmal stand wiederholt im Mittelpunkt großer Feierlichkeiten, so auch vom 21. bis 31. Mai 1927 zum „Deutschen Beethovenfest“ anlässlich des 100. Todestages Beethovens. Schirmherren dieser Beethoventage waren Paul von Hindenburg (1847-1934, Reichspräsident der Weimarer Republik 1925-1934) und der österreichische Bundespräsident Michael Hainisch (1858-1940, Bundespräsident der Republik Österreich 1920-1928).
Bis heute nimmt das Denkmal bei zahlreichen Beethoven gewidmeten Veranstaltungen eine besondere Rolle ein (vgl. vor allem beethovenfest.de). Es gehört zum Pflichtprogramm eines jeden Bonn-Besuchs und ist nicht zuletzt auch eines der beliebtesten touristischen Fotomotive in der Stadt.

Das Objekt „Beethoven-Denkmal“, Münsterplatz, ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Bonn 2012, Nr. A 1253, eingetragen am 06.11.1987).

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2013/2015)

Internet
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Ludwig van Beethoven (1770-1827), Komponist (abgerufen 26.08.2013)
www.rheinische-geschichte.lvr.de: Queen Victorias Rheinreise anno 1845 im Spiegel der internationalen Presse, Beethovenfest in Bonn (abgerufen 13.01.2015)
www.beethoven-haus-bonn.de: Das digitale Beethoven-Haus (Digitales Archiv, Denkmäler und Entwürfe; mit zahlreichen zeitgenössischen Abbildungen, abgerufen 26.08.2013)
www.beethovenfest.de (abgerufen 26.08.2013)
www.bonn.de: Beethoven-Denkmäler (abgerufen 26.08.2013)
de.wikipedia.org: Beethoven-Denkmal (Bonner Münsterplatz) (abgerufen 26.08.2013)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 148, Stuttgart.
Neft, Walther (1992)
Fackelzug für das Standbild durch die geschmückte Stadt - Vor 140 Jahren wurde das Beethovendenkmal eingeweiht. In: Lindenroth, Ernst: Bonn im Spiegel der Jahrhunderte. Eine Sammlung heimatkundlicher Zeitungsartikel, Bonn.
Schmidt-Görg, Joseph (1980)
Ludwig van Beethoven (1770-1827) (2. unveränderte Auflage). In: Rheinische Lebensbilder 4, S. 119-139. Köln.
Stadt Bonn, Amt 61-02, Untere Denkmalbehörde (Hrsg.) (2012)
Liste der gem. § 3 DSchG NW in die Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler, Bodendenkmäler, beweglichen Denkmäler und Denkmalbereiche der Stadt Bonn (Stand: 01.01.2012). S. 42, Bonn.

Beethovenstatue in Bonn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Münsterplatz
Ort
Bonn
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1845
Koordinate WGS84
50° 44′ 3,6″ N, 7° 05′ 56,87″ O / 50.73433°, 7.09913°
Koordinate UTM
32U 365861.39 5622005.58
Koordinate Gauss/Krüger
2577638.88 5622669.15

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„Beethovenstatue in Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-60161-20130130-2 (Abgerufen: 20. August 2018)
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