Meßdorfer Feld

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Neubaugebiet "Am Bruch" am südlichen Rand des Meßdorfer Feldes

    Neubaugebiet "Am Bruch" am südlichen Rand des Meßdorfer Feldes

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  • Blick auf den südöstlichen Teil des Meßdorfer Feld von der Theodor-Litt-Straße aus

    Blick auf den südöstlichen Teil des Meßdorfer Feld von der Theodor-Litt-Straße aus

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Das Meßdorfer liegt im Bonner Westen und Feld wird im Norden vom Bonner Stadtteil Dransdorf, im Südwesten und Westen von Meßdorf, im Süden von Duisdorf und im Osten und Nordosten von Endenich begrenzt. Im Zuge des Zusammenwachsens dieser Dörfer blieb das Meßdorfer Feld als Freiraum bestehen.

Daher ist die Bezeichnung „Meßdorfer Feld“ kein historischer Flurname, sondern eine Benennung neuerer Zeit. Je nach Definition ist es mit 150 bis 170 Hektar die größte zusammenhängende Freifläche auf Bonner Stadtgebiet. Der größte Teil steht seit 1986 unter Landschaftsschutz. Das Meßdorfer Feld wird schon seit dem Mittelalter landwirtschaftlich genutzt und auch heute werden hier vor allem Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Erdbeeren und Rüben teilweise ökologisch angebaut. Die Bahntrasse der Regionalbahn 23 sowie Feldwege ziehen sich durch das Meßdorfer Feld. Die Bahngleise, die 1880 verlegt wurden, werden von zwei Brücken überquert. Für die nördliche Brücke hat sich die Bezeichnung „schwarze Brücke“ eingebürgert, da die Dampflokomotiven an der leichten Steigung vor der Brücke viel Ruß ausstießen und die Brücke sich somit schwarz färbte. Die weiter südliche gelegene Brücke wird als Pendant „weiße Brücke“ genannt. Im Norden des Meßdorfer Feldes, befindet sich die „Grüne Spielstadt“, ein künstlerisch gestalteter Weidenpark, der im Rahmen der Expo 2000 entstand.

Diskussionen über eine teilweise Bebauung des Meßdorfer Feldes
Auf Grund des Siedlungsdruckes entstanden vor allem seit den 1970er Jahren immer wieder Diskussionen über eine teilweise Bebauung des Meßdorfer Feldes. Die Gegner einer Bebauung hoben seine Bedeutung als eine einmalige innenstadtnahe, große Freifläche hervor. Diese habe stadtklimatisch, wie ein Gutachten des Deutschen Wetterdienstes in Essen von 1990 zeigt, eine große Bedeutung, da die vorwiegend landwirtschaftliche Bodennutzung je nach Vegetationsperiode gute bis sehr gute Kalt- und Frischluftproduktionseigenschaften aufweise. Die Diskussionen über die Bebauung fanden große Beachtung in der Bevölkerung. Daher gründete sich Anfang 1989 die „Bürgerinitiative für die Erhaltung des Meßdorfer Feldes“. Die Gegner einer Bebauung, die sich für den Erhalt des Meßdorfer Feldes in seiner größtmöglichen Ausdehnung einsetzten, befürchteten bei einer Randbebauung eine Salamitaktik. Durch diese Widerstände wurde zwar unter anderem der Bau des Forschungszentrums caesar verhindert. Trotzdem entstanden in den 1990er Jahren im Nordosten einige Bauprojekte, wie ein Studentenwohnheim.
Die heutige Diskussion bezieht sich auf den Beschluss des Rates der Bundesstadt Bonn von 2005: „Das Meßdorfer Feld wird nicht weiter bebaut. Die Verwaltung wird beauftragt, für das gesamte Gebiet des Meßdorfer Feldes, das heißt für die zwischen den Ortsteilen Endenich, Dransdorf, Lessenich/ Meßdorf und Duisdorf liegenden zurzeit landwirtschaftlich oder gärtnerisch genutzten Freiflächen, außer für die Fläche des Bebauungsplanverfahrens ”Am Bruch” (B-Planverfahren 7421-14), unverzüglich ein Verfahren zur Änderung des Flächennutzungsplanes der Bundesstadt Bonn einzuleiten, das zum Ziel hat, das gesamte Gebiet einheitlich als landwirtschaftliche Nutzfläche auszuweisen.“

Entsprechend dieses Auftrages des Stadtrates wurde in der 151. Änderung des Flächennutzungsplanes 23 Hektar Baufläche wieder in Freifläche umgewandelt. Lediglich verbleibt das Gebiet östlich des Babette-Koch-Weges (hinter dem Max-Planck-Institut) als Universitätssonderbaufläche mit Baurecht erhalten. An diesem Flächennutzungsplan wird vor allem kritisiert, dass er das im Süden liegende zwölf Hektar große Gebiet „Am Bruch“ nicht mehr zum Meßdorfer Feld zählt. Hier wurde 2010 ein erster Abschnitt eines Wohngebietes realisiert, das sehr umstritten ist. Ein zweiter Bauabschnitt sowie eine Erschließungsstraße sind nach geltendem Recht möglich. Die Umsetzung hängt jedoch vom Ausgang der Kommunalwahlen 2014 ab. Außerdem werden aktuell sechs Planungsvarianten für das südlich des Fußwegs „An der Schwarzen Brücke“ gelegene Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei diskutiert. Zurzeit befindet sich auf Teilen des Geländes der „internationale Garten“, der von 30 Familien aus 15 verschiedenen Ländern bewirtschaftet wird.

Das Meßdorfer Feld im „Grünen C“
Trotz der zuweilen hitzigen Diskussionen ist das Meßdorfer Feld mittlerweile ein von allen anerkanntes bedeutendes Naherholungs- und Schutzgebiet. Besondere Aufmerksamkeit wird ihm somit auch im Rahmen des „Grünen C“ geschenkt. Dies ist ein Projekt des „Regionale“-Programms des Landes NRW. Seit 2009 wird es zusätzlich von dem „Europäischen Fonds für regionale Entwicklung“ unterstützt. Das „Grüne C“ beschäftigt sich mit dem Landschaftsraum im Spannungsfeld zwischen Siedlungserweiterung, Ortsrandentwicklung, wirtschaftlichem Wachstum, Agrarnutzung, Erholungsplanung und Natur- und Landschaftsschutz. Vor allem stehen eine Vernetzung der Landschaft und eine Inwertsetzung der Kulturlandschaft im Vordergrund (Das Grüne C - Die Tore). Dem Meßdorfer Feld kommt hierbei als größte zusammenhängende Freifläche der Stadt Bonn eine besondere Bedeutung zu. In seinem Bereich sind sechs „Landschaftstore“ geplant, die besonders an Engstellen und Rändern Informationen bieten sollen. Zudem sind Grünränder an den Besiedlungskanten geplant und u.a. im Süden Dransdorfs zwischen der „Messdorfer Straße“ und dem „Auf dem Tonnenpfad“ soll eine ca. 45 m breite Streuobstwiese gepflanzt werden.
Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen und der Universität Bonn wurde 2010 das Projekt „Pinselstriche“ verwirklicht. Hierbei wurden in Anlehnung an die expressionistischen Maler August Macke (1887-1914) und seinen Freund Hans Thuar (1887-1945), die Bilder vom Meßdorfer Feld malten, auf einer Fläche von 8000 m² Blütenstreifen in Form von Pinselstrichen angelegt.

Das Meßdorfer Feld im Landschaftsplan Kottenforst
Die Stadt Bonn hat in ihrem Landschaftsplan Kottenforst, der am 04.09.2012 als Satzung vom Rat der Stadt Bonn beschlossen wurde, ihre Entwicklungsziele der Landschaft festgelegt. So sollen sowohl geschützte Teile der Natur und Landschaft als auch die Entwicklungs-, Pflege- und Erschließungsmaßnahmen dargestellt werden und die nachrichtliche Darstellung der FFH-Gebiete, Naturwaldzellen und geschützten Biotope (§ 62 LG NRW, neu § 30 BNatschG) erfolgen. Ziel ist es, die Landschaft in ihrem ökologischen Wert zu erhalten und zu verbessern. Für das Meßdorfer Feld sind sowohl die Pflanzung von einzelnen Bäumen als auch ganzer Baumreihen vorgesehen. Somit sollen z.B. im Bereich „Bonner Weg“, „Am Bleichgraben“ und „Steinweg“ alte Obstsorten angepflanzt werden. Außerdem ist eine Brache südlich der „schwarzen Brücke“ und der Bahnhofsböschung geplant, die durch Mahd und Entfernung von Gehölzen zu der Entwicklung eines Biotops mit Staudensäumen führen soll. Diese bietet einen geeigneten Lebensraum für Zauneidechsen, welche auf der Roten Liste stehen.

Mit dem Landschaftsplan Kottenforst und dem vom Land Nordrhein-Westfalen und der Europäischen Union geförderten Projekt „Grünes C“ wird das Meßdorfer Feld in seiner Funktion als Naherholungsgebiet und als Freiluftschneise gestärkt.

(Matthias Wirtz-Amling, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2013)

Quellen
  • Rotkehlchen vom 3.1998: „In Endenich und frei“
  • General Anzeiger Bonn vom 31.3.1989: „100000 Quadratmeter großes Areal wird mit 300 Wohnungen bebaut“
  • General Anzeiger Bonn vom 21.9.1989: „Areal soll für Wohnungsbau aus dem Landschaftsschutz entlassen werden“
  • General Anzeiger Bonn vom 27.9.1989: „Grüne:Meßdorfer Feld nicht bebauen“
  • Bonner Rundschau vom 27.9.1989: „Gefahren drohen von allen Seiten“
  • Rotkehlchen vom 12.1989: „Bonner Naherholungsgebiet in Gefahr: Wird das Meßdorfer Feld zubetoniert?“
  • General Anzeiger Bonn vom 02.4.1992: „Sondergutachen zum Meßdorfer Feld“
  • General Anzeiger Bonn vom 22.9.1992: „Bau von Wohnhäusern am Rande des Meßdorfer Feldes vertagt“
  • Bonner Rundschau vom 29.4.1993: „Bebauungsplan für das Gebiet um Steinweg“
  • Rotkehlchen vom 6.1993: „Meßdorfer Feld - eine endliche Geschichte?“
  • General Anzeiger Bonn vom 26.8.1993: „Keine Studentenwohnungen“
  • General Anzeiger Bonn vom 26.11.1994: „Zipfel-Bebaung: Angebot an Rot-Grün“
  • General Anzeiger Bonn vom 31.08.2012: „Äcker und Wiesen langfristig gesichert“
Internet
www.bonn.de: Grünes C (Abgerufen: 07.1.2013)
www.gruenes-c.de/: Webside des Grünes Cs (Abgerufen: 07.1.2013)
www.gruenes-c.de/landschaftsraeume: Grünes C/ Meßdorfer Feld (Abgerufen: 07.1.2013)
www.bonn.bund.net: BUND Flächennutzungsplan Änderung Meßdorfer Feld (Abgerufen: 07.1.2013)
www.bonn.de: Landschaftsplan Kottenforst (Abgerufen: 07.1.2013)
www.bonn.de: Meßdorfer Feld (Abgerufen: 07.1.2013)
www.bonn.de: 151. Änderung des Flächennutzungsplanes (Abgerufen: 07.1.2013)
www.wikipedia.org: Meßdorfer Feld (Abgerufen: 09.01.2013)
www.messdorferfeld.de/: Bürgerinitiative für das Meßdorfer Feld (Abgerufen: 09.01.2013)
www.landwirtschaftskammer.de: Pinselstriche im Feld (Abgerufen: 09.01.2013)
www.bonn.de: Projekt Pinselstriche (Abgerufen: 09.01.2013)
www.nrw-stiftung.de: Grüne Spielstadt (Abgerufen: 11.01.2013)
www.naturspielraeume.info: Grüne Spielstadt (Abgerufen: 11.01.2013)
www.stiftung-interkultur.de: Internationale Gärten (Abgerufen: 11.01.2013)

Meßdorfer Feld

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Fernerkundung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1200 bis 1400
Koordinate WGS84
50° 43′ 42,57″ N, 7° 03′ 24,22″ O / 50.72849°, 7.05673°
Koordinate UTM
32U 362852.26 5621433.7
Koordinate Gauss/Krüger
2574654.68 5621975.59

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„Meßdorfer Feld”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57874-20121203-2 (Abgerufen: 22. November 2018)
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